Weisse Nächte, Weites Land- Roman von Martina Sahler zur Geschichte der Deutschen im Russischen Reich (Buchrezension)

Weisse Nächte, Weites Land– Roman von Martina Sahler zur Geschichte der Deutschen im Russischen Reich (Buchrezension)

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Allgemein bekannt ist, dass Zarin Katharina II., eine geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst, kurz nach ihrer Thronbesteigung im Jahr 1762 zwei Manifeste herausgab, in denen sie Ausländer aufforderte, ins Russische Reich umzusiedeln und dort ein neues Leben im Dienste und mit Unterstützung der russischen Krone zu beginnen. Garantiert wurden Startkapital, Landbesitz, Befreiung vom Militärdienst sowie Steuer- und Religionsfreiheit. Denn das Zarenreich, dessen Territorium sich unter Zar Peter I. vergrößert hatte, benötigte fähige und fleißige Fachkräfte, um die am Rande des Reiches gelegenen eroberten Gebiet zu urbanisieren und gegen feindliche Übergriffe zu schützen.

Denkmal für Katharina II. mit Blick auf Schloss Zerbst
Denkmal für Katharina II. mit Blick auf Schloss Zerbst

Und genau zu diesem Zeitpunkt, d.h. konkret im Jahr 1765 beginnt die Autorin Martina Sahler ihren historischen Roman Weisse Nächte, Weites Land. (Knaur- Verlag, 2012)
Wie in allen deutschen Landen sind zu jener Zeit auch die Einwohner des hessischen Ortes Waidbach infolge des Siebenjährigen Krieges mit ihren Lebensumständen unzufrieden. So ist es den von der Zarin ausgeschickten Werbern ein Leichtes, die Waidbacher für die Auswanderung nach Russland zu gewinnen. Unter den aus Waidbach stammenden Auswanderern befinden sich die ungleichen Schwestern Christina, Eleonora und Klara, die kluge, aber im Gesicht entstellte Apothekerstochter Anja und die Familie Röhrich, zu der die alkoholsüchtige Mutter und ein geistig zurückgebliebener Sohn gehören.

So unterschiedlich die Charaktere, so unterschiedlich auch ihre Vorstellung von dem, was sie im Reich der Zarin erreichen wollen. Die pragmatisch veranlagte und egoistische Christina, die sich nicht davor scheut, mit den speziellen Waffen ihres fraulichen Liebreizes zu kämpfen, und die gescheite Apothekerstochter Anja träumen von den Weissen Nächten, heißt konkret von einem Leben in St. Petersburg, wo sie ihr Wissen und ihre Talente unter Beweis stellen wollen. Dagegen wäre die gefühlvollere und bescheidenere Eleonora, die ihren Mann im Siebenjährigen Krieg verlor, und nun für ihre Tochter Sophia zu sorgen hat, mit einem ruhigen und sorgenfreien Leben auch im Weiten Land zufrieden. Weisse Nächte, Weites Land– nicht nur die verschiedenen Träume und Wünsche der Romanheldinnen und ~ helden, auch der Titel verweisen auf die zwei Seiten des Russischen Reiches: die urbane und die großzügig landschaftliche.

Blick auf das urbane Russland- St. Petersburg
Blick auf das urbane Russland- St. Petersburg

Der Leser des Romanes Weisse Nächte, Weites Land begleitet die fiktiven Romanfiguren über einen Zeitraum von fast dreißig Jahren, nämlich von 1765 – 1797.
Das Zusammenleben der Waidbacher auf dem beschwerlichen Weg ins Weite Land und später in der neuen Siedlung gestaltet sich nicht immer einfach, da sie nicht nur durch Verwandtschaft verbunden sind, auch durch Zweckehen, die kurz vor der Auswanderung geschlossen wurden, denn die Werber bevorzugten Ehepaare oder Großfamilien.
Liest man die Gedankengänge und Dialoge der Handlungsträger während der Reise, so spürt man häufig ihre Sehnsucht, endlich in der neuen Wahlheimat anzukommen, den Reiseschmutz abschütteln zu können und in ein eigenes Haus einziehen zu können. Übergroß ist dann natürlich die Enttäuschung der Waidbacher, als die Reise auf einer brachen Scholle endet und der erste Winter in so genannten Erdhütten, die auch noch selbst zu errichten sind, verbracht werden muss. Nicht alle erreichten die neue Heimat, nicht alle fanden dort ihren rechten Platz, aber auf welchen Wegen es die stets auf ihren Nutzen bedachte Christina doch noch nach Petersburg schafft und wie sich der Traum Eleonoras vom familiären Leben erfüllt und wo die in Apothekerfragen bewanderte Anja im Zarenreich ihren Platz findet, soll an dieser Stelle nicht vorweggenommen werden.
Weisse Nächte, Weites Land- ein historischer Roman mit fiktiven Heldinnen und Helden, aber mit einst real existierendem historischen Background. Spannend, gefühlvoll und nachvollziehbar erzählt. Wer erwartet, in Weisse Nächte, Weites Land ein Bild von Zarin Katharina II. zu bekommen, dem sei gesagt, dies ist nicht der Fall. Katharina II. tritt romaneingangs in Erscheinung und im Zusammenhang mit Christinas Bestreben, in die Stadt der Weissen Nächte zu gelangen, nur peripher.

Ich für meine Person, die ich mich seit gut zwanzig Jahren mit der Geschichte der Mitteldeutschen im Russischen Reich befasse und eine Dekade lang dem Internationalen Förderverein „ Katharina II.“ e.V. Zerbst vorstand, kann den Roman Weisse Nächte, Weites Land von Martina Sahler als Einstiegslektüre in diese Thematik sehr empfehlen und hoffe, dass er eine große Leserschar findet.

Annegret Mainzer

Blick ins Museum für Katharina II. in Zerbst/ Anhalt
Blick ins Museum für Katharina II. in Zerbst/ Anhalt

 

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Hochschullehrer aus Mitteldeutschland an der Kiewer Universität – Преподаватели из Середней Германии, преподававшие в Киевском университете Св. Владимира

Hochschullehrer aus Mitteldeutschland an der Kiewer Universität – Преподаватели из Середней Германии, преподававшие в Киевском университете Св. Владимира

Gustav Adolf Eismann (*1824), dessen familiäre Wurzeln in Sachsen- Coburg zu finden sind, war der Enkel des 1812 an die evangelisch- lutherische Kirche St. Katharina nach Kiew gekommenen Predigers Justus Friedrich Eismann († 1846).

evangelisch-lutherische Kirche Hl. Katharina in Kiew
evangelisch-lutherische Kirche Hl. Katharina in Kiew

Gustav Adolf hatte von 1841- 1845 an der juristischen Fakultät der im Jahr 1834 gegründeten Universität des Hl. Wladimir in Kiew studiert, wo er von 1848- 1862 die stelle eines Adjunkt am Lehrstuhl für Staatsrecht innehatte. Ab 1856 wirkte er zudem noch als Sekretär der juristischen Fakultät. Seit dem Jahr 1939 trägt die Kiewer Universität den Namen des wohl bekanntesten ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko.

Universität Taras Schwetschenko in Kiew
Universität Taras Schwetschenko in Kiew

Gustav Adolf Eismannn war außerdem einer der größten Hausbesitzer von Kiew und Besitzer einer Ziegelei. So war es nur folgerichtig, dass er zu den Mitgliedern einer städtischen Kommission gehörte, die sich mit den dortigen Immobilien befasste. Später unterstand ihm auch das städtische Bauamt. Erstmals zum Bürgermeister von Kiew wurde er 1872 gewählt, doch bereits im darauffolgenden Jahr trat er aus persönlichen Gründen zurück, da seine Tochter bei der Geburt ihres Kindes gestorben war und sein Schwiegersohn daraufhin Selbstmord verübt hatte. 1875 erfolgte seine Wiederwahl in den Stadtrat und von 1879 bis zu seinem Tode im Jahr 1884 war er wieder Stadtoberhaupt von Kiew.

Blick auf Häuser in Kiewer Lutherstraße, wo einst Deutsche wohnten
Blick auf Häuser in Kiewer Lutherstraße, wo einst Deutsche wohnten

Ernst August Knorr, 1805 in Herzberg/ Sachsen geboren, lehrte zunächst am Gymnasium in Joachimsthal und ging anschließend von (1832- 1848) auf Empfehlung Humboldts als ordentlicher Professor für Meteorologie und später für Physik und Physische Geografie an die Universität Kazan`. Zuvor hatte er 1831 an der Universität Berlin promoviert. Während seiner Kazaner Zeit führte ihn mehrere Reisen in das östliche Russland, die er für wissenschaftliche Beobachtungen nutzte. Zum anderen wurde er beauftragt, in Kazan` ein meteorologisches Observatorium einzurichten, das auch von den Schülern der umliegenden Gymnasien genutzt werden sollte. Des Weiteren setzte er sich im Kazaner Lehrbezirk für den Ausbau eines Netzes von meteorologischen Beobachtungs- und Messstationen ein. Außerdem instruierte er die „Beobachter“ in den Gymnasien und anderen Bildungseinrichtungen persönlich. Knorr gab sich nicht nur mit der Aufzeichnung der Messergebnisse zufrieden, er wertete sie aus und publizierte darüber. In seiner öffentlichen Rede im Jahr 1843 verwies er auf den Nutzen von meteorologischen Beobachtungen und Aufzeichnungen für die Menschheit nicht nur für die Wettervorhersage, auch für die Schifffahrt, Landwirtschaft und Gartenbau. Laut Knorr hänge jede Wissenschaft von den in der jeweiligen Gesellschaft herrschenden Bedingungen ab.
Im Jahr 1855 übernahm er eine Professur an der Fakultät für Physik der Kiewer Universität. Wie auch schon zuvor in Kazan` richtete er dort ein meteorologisches Observatorium ein. 1858 nahm Knorr seinen Abschied und ging zurück nach Deutschland, nach Dresden.

Denkmal für Taras Schewtschenko in Kiew
Denkmal für Taras Schewtschenko in Kiew

Verwendete Literatur und Quellen:
1. http://www.katharina.kiev.ua
2. Erik Amburger Datenbank online
3. Maurer, T.: Hochschullehrer im Zarenreich. Ein Beitrag zur russischen Sozial- und Bildungsgeschichte,
Köln, Weimar, Wien, 1998, S. 341
4. Dietz, V., Garsavina, A., Nowizkaja, I.: Deutsche Gelehrte als Professoren an der Kasaner Universität, Kasan, 2004,
S. 39f.
5. http://www.law.edu.ru/doc/document.asp?docID=1129788
6. http://z3950.ksu.ru/ubiz/pereved.pdf

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Der Pädagoge und Schriftsteller Carl Gustav Alexander Eckers, 1811 im Kloster Zinna bei Jüterborg geboren, hatte das Gymnasium in Zerbst besucht und Theologie in Wittenberg sowie Philosophie bei Hegel in Berlin studiert, bevor er 1836 nach Mitau ging, um dort als Hauslehrer zu arbeiten.

Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt
Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt

 

Schlosskirche mit Luther- Thesen in Wittenberg
Schlosskirche mit Luther- Thesen in Wittenberg

Sein Lehrerexamen legte er an der Universität in Dorpat ab. Im Jahr 1839 war er wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule in Goldingen.

Von 1841 bis 1864 lehrte er die deutsche Sprache und Literatur am Gouvernements Gymnasium in Riga. Später gründete und leitete er noch eine Höhere Töchterschule in Riga. Zwischen 1854- 1873 unternahm er etliche Europareisen, die ihn nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach London, Paris und Wien führten. Außerdem war Eckers Mitbegründer des Rigaer Naturforschervereins, des Rigaer Tierschutzvereins, dem er auch zeitweilig vorstand und dessen Jahrbücher er herausgab. Zudem begründete er den Rigaer Dichterverein mit. Im Jahr 1889 verstarb er in Riga.

Seine dort im Jahre 1846 geborene Tochter Olga Elisabeth (†1890) heiratete den Chemiker Carl Nicolai Seuberlich (1847- 1924) aus Riga.

Verwendete Literatur:
1. Beiträge zur Geschichte der Esthländischen Ritter- und Domschule:Einladungsschrift zu der 550jährigen
Jubelfeier der Domschule zu Reval am 19. und 20. Juni1869, Reval, 1869; S. 91
2. Zur Geschichte des Gouvernements- Gymnasiums in Riga, Riga,1888; S. 7
3. Woldemar, C.: Zur Geschichte und Statistik der Gelehrten- und Schulanstalten des Kaiserlich Russischen
Ministeriums der Volksaufklärung, St. Petersburg, 1865; S. 136
4. Baltisches Biographisches Lexikon digital
5. Gottzmann, C.L., Hörner, P.: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburg, Berlin,
2007; S. 387
6. http://www.mocavo.com/Archiv-F-R-Stamm-Und-Wappenkunde-Volume-7/613889/233 19.04.2015

Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland)

 Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland) 

Johann Friedrich Erdmann
Johann Friedrich Erdmann

Der 1778 in Wittenberg geborene Arzt Johann Friedrich Erdmann hatte an der Universität seiner Heimatstadt zuerst Theologie studiert, etwas später jedoch in die medizinische Fachrichtung gewechselt. In Wittenberg lehrte er ebenfalls bis zirka 1808 als ordentlicher Professor für Pathologie und Therapie.

Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann
Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann

Infolge der zu jener Zeit immer schwierigeren Situation der Wittenberger Universität folgte Erdmann einem Ruf nach Kazan´, der Hauptstadt Tatarstans im Russischen Reich. Er war von 1810- 1817 der erste Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Kazan. Dort verfolgte er den Plan des Baus einer Klinik. Während seine Pläne große Anerkennung und Zustimmung fanden, scheiterte die Realisierung seiner Pläne an Geldmangel. Von Kazan` aus, wo Erdmann seit 1810 den Lehrstuhl für Pathologie, Therapie und Klinik innehatte, reiste er 1811 nach Sergievsk, um die dortigen Mineralquellen zu analysieren. Im Jahr 1815 unternahm er Reisen u.a. nach Simbirsk, Saratov und Astrachan. Alle seine während dieser Reisen gemachten Beobachtungen veröffentlichte er in seinen dreibändigen Beiträgen zur Kenntniss des Innern von Russland in den Jahren von 1822- 1826. Interessiert war Erdmann ebenfalls an der Untersuchung der medizinisch- topografischen Bedingungen in Kazan`. Erdmann, der der russischen Sprache nicht mächtig war, hielt seine Vorlesungen in lateinischer Sprache. Des Weiteren hatte Erdmann dort die Funktion eines Inspektors der Schulen in den Gouvernements Saratov, Simbirsk, Astrachan, Tobolsk und Perm` inne. Erdmann erkundete nicht nur die Sitten und Gebräuche der dort lebenden Bevölkerung, sondern machte auch gezielte Beobachtungen bezüglich der dort auftretenden Krankheiten. 1818 ging Erdmann an die Universität Dorpat, wo er als Professor für Diätetik, Arzneimittellehre und Geschichte der Medizin Vorlesungen hielt.1842 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurück, wo er im Jahr 1846 in Wiesbaden verstarb.
Sein 1816 in Kazan` geborener Sohn Carl Michael Theodor Friedrich hatte ab 1828 seine Schulbildung am Gymnasium in Dorpat erhalten und von 1836- 40 Medizin an der dortigen Universität studiert. Er praktizierte u.a. in Mitau, aber auch in Dresden, wo er 1887 verstarb.
Gustav ,der zweite Sohn von Johann Friedrich Erdmann, wurde 1818 geboren. Er schlug eine militärische Laufbahn ein. 1875 unterstanden die am Pazifik gelegenen russischen Häfen seinem Kommando und er war Militärgouverneur der Region Primorje. Er lebte zu jener Zeit in Wladiwostok, wo er sich vor allem um den Aufbau einer lutherischen Kirche mit eigenem Pastor verdient machte. 1883 wurde er als Hafenkommandeur in Reval eingesetzt, wo er kurz Zeit später verstarb.

 

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Trautvetter, E.R.: Grundriss eines Geschichte der Botanik in Bezug auf Rußland,St. Petersburg, 1837
2. Крылов- Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий.Краткий медицинский
биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
3 http://vladivostok-city.com/de/places/all/all/934 11.04.2015
4.http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fernster-osten-russlands-traum-von-asien-11556327-p2.html
11.04.2015