Eine historische Verbindung zwischen Zerbst/ Anhalt und Moskau

Eine historische Verbindung zwischen Zerbst/ Anhalt und Moskau

Das Moskauer Krankenhaus des Heiligen Wladimir

Seit mehr als ein Jahrzehnt startet der Moskauer Männerchor des Heiligen Wladimir seine alljährliche Deutschlandtournee in der Kirche St. Bartholomäi in Zerbst/ Anhalt, der Heimat von Zarin Katharina der Großen.

DSCN0218                                                                     St. Bartholomäi Zerbst/ Anhalt

Auf seinen Konzertreisen quer durch Deutschland wird der Chor sehr aktiv von der in Lutherstadt- Wittenberg ansässigen Deutsch- Russländischen Gesellschaft unterstützt.
Die meist gut besuchten Konzerte des 1993 gegründeten Chores des Heiligen Wladimir, der ausschließlich aus akademisch ausgebildeten Kirchensängern besteht, sind eintrittsfrei, jedoch bitten die Sänger am Schluss eines jeden Konzertes um eine Spende. Damit sollen einerseits die Unkosten der jeweiligen Tournee gedeckt werden, andererseits wollen die Chorsänger das Kinderkrankenhaus des Heiligen Wladimir in Moskau unterstützen.

Konzert in Zerbst 2015
Konzert in Zerbst 2015

Da Kinderkrankenhaus des Heiligen Wladimir in Moskau wurde in den Jahren 1876- 1878 erbaut. An seiner Errichtung und Ausstattung hatte der deutsch stämmige Kinderarzt Carl Andreas Rauchfuss, der Begründer der wissenschaftlichen Kinderheilkunde in Russland, wesentlichen Anteil.

Der Kinderarzt Carl Andreas Rauchfuss erblickte 1835 in St. Petersburg das Licht der Welt. Sein Vater Heinrich Friedrich Rauchfuss wurde 1795 im anhaltischen Zerbst geboren, wo er auch als Schneidermeister tätig war.

Blick auf Zerbst
Blick auf Zerbst

Carl Andreas Rauchfuss besuchte in St. Petersburg die seinerzeit bekannte Petrischule und absolvierte von 1852- 1857 ein Medizinstudium an der seit 1795 bestehenden Petersburger Mediko- Chirurgischen Akademie.

Carl Andreas Rauchfuss
Carl Andreas Rauchfuss

Nach erfolgreichem Studienabschluss arbeitete er zunächst als Kinderarzt und Pathologe im Petersburger Findelhaus. Auf einer Europareise befasste Rauchfuss sich sehr intensiv mit der Bau- und Funktionsweise dortiger Kinderhospitäler.
Als im Jahr 1869 in St. Petersburg auf Initiative des Prinzen Peter von Oldenburg (1812- 1881), eines Enkels von Zarin Katharina II., ein Kinderhospital eröffnet wurde, waren die Erfahrungen von Rauchfuss sehr gefragt. Ihm oblag auch die Leitung dieses Kinderhospitals.

Rauchfuss- Krankenhaus in St. Petersburg, 1912, Bulla
Rauchfuss- Krankenhaus in St. Petersburg, 1912, Bulla

Rauchfuss setzte sowohl in der Petersburger als auch in der Moskauer Kinderklinik auf eine stringente räumliche Trennung von infektiösen und nicht infektiösen Kranken, was auch in damaligen westeuropäischen Hospitälern nicht immer Standard war. Er führte Isolierstationen ein, um eine ungehinderte Ausbreitung von Epidemien zu verhindern. Des Weiteren befürwortete er eine zweijährige Assistenzzeit für junge Ärzte sowie die regelmäßige Weiterbildung des mittleren medizinischen und Pflegepersonals. Vor allem bei der Pflege von Neugeborenen setzte Rauchfuss sich für eine präventive Aufklärung der Eltern, Ammen und Kindermädchen ein.

Aufgrund seiner Erfahrungen in St. Petersburg wurde Rauchfuss auch beim Bau der Moskauer Kinderklinik des Heiligen Wladimir zurate gezogen. Auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1878 bekam dieses Krankenhaus eine Goldmedaille.

Zu den Verdiensten von Carl Andreas Rauchfuss, dessen familiäre Wurzeln im anhaltischen Zerbst liegen, ist noch zu ergänzen, dass er als einer der ersten Mediziner in Russland das Tragen von weißen Kitteln anordnete. Außerdem führte er erstmalig in Russland einen Luftröhrenschnitt bei Kehlkopf- Diphterie durch.
In der von ihm geleiteten Kinderklinik kam es zu einer enormen Senkung der Säuglingssterblichkeit, was wohl auch dazu führte, dass Rauchfuss 1876 zum Leibpädiater der Kinder des Zaren ernannt wurde. Stets pflegte Rauchfuss den Erfahrungsaustausch mit seinen ausländischen, aber auch inländischen Kollegen, war gern gesehener Gast auf wissenschaftlichen Kongressen und Mitbegründer der Petersburger Fröbel Gesellschaft im Jahr 1871.

Ausführlichere Informationen zum Wirken von Carl Andreas Rauchfuss, Sohn eines Zerbster Schneidermeisters, sind nachzulesen im Zerbster Heimatkalender 2015.

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Bei künftigen weiteren Konzerten des Moskauer Männerchores des Heiligen Wladimir sollten die Konzertbesucher unbedingt auf die historische Verbindung zwischen Zerbst/ Anhalt und Moskauer aufmerksam gemacht werden.

Auftritt in Zerbst, 2009
Auftritt in Zerbst, 2009

Foto: Chorauftritt 2009 von Lydia Kulot, Zerbst

Quelle:
Mainzer, A.: Ärzte und Apotheker aus Anhalt im Russischen Reich. Zum 100. Todestag von Carl
Andreas Rauchfuss, Sohn eines Zerbster Schneidermeisters
in: Zerbster Heimatkalender 2015
Hr.: Verein für Regionalgeschichte Anhalt- Zerbst e.V., S. 160- 173

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Jean Chapot: Die Geliebte aus Sankt Petersburg – eine Rezension

Jean Chapot: Die Geliebte aus Sankt Petersburg

Rezension

Im Jahr 1943, als in Europa noch Krieg herrschte, lernen sich die achtzehnjährige Anna Suworin, Tänzerin im Kirow- Ballett, und der aus dem Elsass stammende Franzose Peter Müller in Leningrad kennen und lieben.

 St. Petersburg, einst Leningard
St. Petersburg, einst Leningrad

Peter, der aus der Wehrmacht desertiert war, arbeitet in den Leningrader Kirow- Werken, wo auch Annas Balletttruppe auftritt. Er ist davon überzeugt, nach dem Sieg über das faschistische Deutschland Anna mit nach Paris an die dortige Oper nehmen zu können.

Paris
Paris

Annas und Peters Traum sollte nie in Erfüllung gehen. Anna verschwindet scheinbar spurlos im Gulag. Peter wird verhaftet, der Spionage angeklagt und nach Sibirien deportiert. Er darf erst 1946 in seine Heimat zurückkehren, jedoch ohne Anne, ohne seine Geliebte aus Sankt Petersburg.

Zu Beginn der Handlung des Romans Die Geliebte aus Sankt Petersburg reist die Hauptheldin, die bekannte Primaballerina Dora Kempf, nach St. Petersburg, um den letzten Wunsch ihres kurz zuvor verstorbenen Ehemannes Peter zu erfüllen, nämlich Anna Suworin, seine einstige Geliebte aus Sankt Petersburg, zu suchen.

im Taxi durch St. Petersburg
im Taxi durch St. Petersburg

Verständlicherweise führt Doras erster Weg sie ins Archiv des Kirow- Theaters, das heutige Mariinskij- Theater. Die Spurensuche dort allerdings erweist sich als ein Fehlschlag. Es scheint, als hätte Anna nie auf der Bühne des Kirow getanzt.
Dora wird aber von einem pensionierten Theaterkritiker namens Wladimir angesprochen, da er glaubt in Dora die Tochter von Anna zu erkennen. Dora, die von Peter um ihre erstaunliche Ähnlichkeit mit Anna weiß, offenbart Wladimir den wahren Zweck ihres Aufenthaltes in St. Petersburg.
Von Wladimir, Peters einstigem Freund, erfährt Dora auch von dem Offizier Alexander Kolomiak, der sich in den Kriegsjahren ebenfalls um Anna bemüht hat, sozusagen ein Rivale von Peter war. Kolomiak ist bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991 ein hochrangiger General des KGB gewesen. Jeder, den Dora nach Kolomiak fragt, reagiert äußerst ängstlich, ja fast panisch und rät ihr davon ab, sich mit dem immer noch einflussreichen General anzulegen.

Newski- Prospekt in St. Petersburg
Newski- Prospekt in St. Petersburg

Auf mysteriöse Weise kommen im Laufe von Doras Nachforschungen in St. Petersburg einige Menschen wie Wladimir und die junge Archivarin Sonja ums Leben, vermutlich weil sie Dora bei ihrer Suche nach Anna helfen wollten. Hat der einstige KGB- General Kolomiak seine Hände dabei im Spiel?
Während eines Treffens mit Kolomiak versichert dieser Dora gegenüber, dass Anna tot sei. Doch andere Indizien z.B. ein Gespräch mit der Enkelin einer einstigen Kollegin von Anna lassen Dora gegenteilige Schlüsse ziehen.
Welches perfide Spiel treibt General Kolomiak mit Dora, als er sie auch zum Grab von Anna führt? Und welche Rolle spielen bei der Suche nach Peters einstigen Geliebten aus Sankt Petersburg die Sonne und das weltbekannte Denkmal Der Eherne Reiter, das am Ufer der Newa steht.

der eherne Reiter
der eherne Reiter

Des Weiteren stößt Dora auf den Hinweis, dass Anna und Peter einen gemeinsamen Sohn haben, bestärkt sie darin, troz aller Gefahren hartnäckig und zielstrebig ihre Nachforschungen fortzusetzen.

Jean Chapot entführt in seinem Roman Die Geliebte aus Sankt Petersburg die Leser in verschiedene Welten. Die Leser lernen die Zeit der Stalinschen Säuberungen in der Sowjetunion, die Welt der scheinbar unbegrenzten Macht der Geheimdienste sowie die Atmosphäre in Künstler- und Diplomatenkreisen kennen.

Den Roman Die Geliebte aus Sankt Petersburg zu lesen, ist sehr spannend, da die Leser meist auf dem gleichen Kenntnisstand wie die Hauptheldin Dora Kempf haben. Nur manchmal, in scheinbarw wenigen Nebensätzen, können die Leser erahnen, woher die Gefahren für Dora und ihre Mitstreiter bei ihrer stellenweise abenteuerlichen Suche nach Anna drohen.
Erst gegen Ende des Romans, als das Geheimnis um Anna und ihren Sohn step by step gelüftet wird, wird den Lesern das Vorhersehen von Ereignissen etwas erleichtert.

Der Roman Die Geliebte aus Sankt Petersburg ist aufgrund seiner sehr lebendig gestalteten Dialoge an keiner Stelle langatmig. Man möchte den Roman nicht für lange Zeit aus den Händen legen, denn Annas und Doras Schicksale haben eine fesselnde Wirkung, sind besser als jedwedes moderne Historytainment im deutschen Fernsehen.
Zudem zeigt Jean Chapot in seinem Roman Die Geliebte aus Sankt Petersburg, für den er mit dem Prix des Romancières ausgezeichnet wurde, wie nachhaltig sich jahrzehntelanges Schüren von angst durch Diktaturen auf das Verhalten der Menschen auswirken kann. Im Roman Die Geliebte aus Sankt Petersburg tritt augenfällig der untrennbare Zusammenhang von Geheimdienstarbeit, Diplomatie und Politik zutage- unglaublich und faszinierend zugleich. Fontane würde sagen: „ Ein weites Feld.“

Mit jeder neuen Spur, die Dora von Anna findet, wächst auch bei den Lesern stetig der Wunsch, endlich zu erfahren, wie und von wem in den leidvollen Jahren 1943/44 die Weichen für Annas und Peters weiteres Leben gestellt wurden. Da ich potenzielle Leser des Romans Die Geliebte aus Sankt Petersburg nicht dieses spannungsgeladenen Vergnügens berauben möchte, verzichte ich an dieser Stelle auf den Spoiler.

Die Geliebte aus Sankt Petersburg– ein Roman, in dem ebenfalls unterschiedliche Frauentypen skizziert werden. Die moderne selbstbewusste und nicht einzuschüchternde Dora Kempf, die geduldig alles Leid ertragende und doch ungebrochene Anna, die einst gefeierte Ballerina Olga, die stets versucht von den jeweiligen Umständen zu profitieren und deren mutige Enkelin Vera, ein Kind unserer Tage.

http://www.stadtbibliothek-zerbst.de/

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Friedhof gefallener Sowjetkämpfer in Magdeburg- Кладбище павших советских войнов в Магдебурге

Friedhof gefallener Sowjetsoldaten in Magdeburg- Кладбище павших советских войнов
в Магдебурге

Hundertwasserhaus- Symbol des modernen Magdeburg
Hundertwasserhaus- Symbol des modernen Magdeburg

In Europa gibt es heutzutage zirka 4000 Ehrenfriedhöfe, wo fern ihrer Heimat die Überreste von mehr als 2,5 Millionen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten und Offiziere der Roten Armee beigesetzt sind.
Im Osten Deutschlands fanden mehr als 400 000 sowjetische Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhestätte.

В Европе находится ок. 4 тыс. военно- мемориальных кладбищ, где вдали от родины покоились останки свыше 2,5 млн. погибших в годы Второй мировой войны солдат и офицеров Красной Армии.
На востоке Германии свыше 400 тыс. советских солдат, офицеров, военно- заключенных и каторжных работников нашли своё последнее упокоение.

Im Fokus des vorliegenden Beitrags steht der Ehrenfriedhof der im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Kämpfer, der im Jahr 1945 in Magdeburg, der heutigen Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen- Anhalt, geschaffen wurde.

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В фокусе данной статьи находится почетной войнское кладбище погибших во время Второй мировой войны советских солдат и офицеров, которое было создано в 1945 году в городе Магдебург, нынешний административный центр федеральной земли Саксонии- Ангальт.

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Der jetzige Nordpark in Magdeburg wurde im Jahre 1827 nach Plänen des seinerzeit namhaften Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné (1789- 1866), zu jener Zeit Direktor aller königlichen Gärten von Berlin, als Friedhofsanlage angelegt. Im Jahr 1889 wurde dieser Friedhof in einen öffentlich zugänglichen Park umgestaltet. Wertvolle Grabplatten und Grabsteine bekannter Magdeburger Bürger sind bis heute erhalten.

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Bild0422Сегодняшний так называемый Северный парк в городе Магдебург был заложен в 1827 году по поланам известного в то время ландшафтного архитектора Петер Иосеф Ленне (1789- 1866), который в те дни был директором всех королевских садов в Берлине.
В 1889 году Магдебургское кладбище было превращено в открытый публичный парк. До сих пор остались ценные надгробные плиты и камни выдающихся жителей города.

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In der nordöstlichen Ecke des Magdeburger Nordpark befindet sich ein Ehrenfriedhof für die im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommenen sowjetischen Soldaten und Offiziere. Hier fanden etwa 1650 Armeeangehörige ihre letzte Ruhe.

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В северо- восточном углу Магдебургского Северного парка было заложено почетное войнское кладбище для павших в годы Второй мировой войны советских солдат и офицеров. Здесь ок. 1650 военнослужащих нашли своё последнее упокоение.

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Bis zum Jahr 1966 wurde dieser Soldatenfriedhof ebenfalls zur Beisetzung von Angehörigen der Sowjetarmee genutzt, die während ihres Dienstes in der ehemaligen DDR verstarben.

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До 1966 года на этом солдатском кладбище захоронили тоже советские военнослужащие, которые умерли во время их службы в бывшей ГДР.

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Auf diesem Friedhof befinden sich ebenfalls Gräber von Kindern der Offiziere der Sowjetarmee, was wohl für einen Soldatenfriedhof eher ungewöhnlich ist.

На этом кладбище находятся также могилы детей офицеров Советской Армии. Это необычно для войнского кладбища.

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In der südwestlichen Ecke des Magdeburger Nordparks wurde ein bescheidenes Denkmal für Henning von Tresckow aufgestellt. Henning von Tresckow, der 1901 in Magdeburg geboren wurde, zählte zu den Mitstreitern des Attentats auf Adolf Hitler am 22. Juli 1944 durch Stauffenberg. Nachdem er vom Scheitern des Attentats erfahren hatte, beging er Selbstmord.

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В южно- западном углу Магдебургского Северного парка был установлен скромный памятник Хеннингу фон Тресков. Хеннинг фон Тресков, который родился в 1901 году в Магдебурге, являлся одним из активных организаторов покушения на Адольфа Гитлера, проведенного Штайффенбергом в 22 июля 1944 года. Когда он узнал о неудаче покушения, он покончил свою жизнь самоубийством.

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Autorin Annegret Mainzer besucht den Magdeburger Soldatenfriedhof
Autorin Annegret Mainzer besucht den Magdeburger Soldatenfriedhof

Julius Johannes Döring aus Dresden und seine Spuren im Baltikum

Julius Johannes Döring aus Dresden und seine Spuren im Baltikum

Blick auf Dresden- Geburtsort von Döhring
Blick auf Dresden

Der bei Dresden geborene Maler, Restaurator und Kulturhistoriker Julius Johannes Döring (*1818), Sohn eines Schneidermeisters, erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Akademie der Künste in Dresden.

Kunstakademie Dresden
Kunstakademie Dresden

1845 reiste er nach Kurland und ließ sich dort in Mitau (heute: Jelgava/ Lettland) nieder. Vorrangig befasste er sich mit Altargemälden und erteilte Zeichenunterricht. 1852 unternahm er eine Studienreise nach Frankreich und Italien, Griechenland und Palästina und ab 1859 bekam er die Stelle des Zeichenlehrers am Mitauer Gymnasium. Zuvor hatte er schon an den Mitauer Töchterschulen unterrichtet. Im Jahr 1860 wurde Döring Bibliothekar der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst und 1865 ihr Geschäftsführer. Diese Ämter bekleidete er bis 1893. Im Alter von 78 Jahren verstarb Döring im Jahr 1898 in Mitau.

Julius Döring (1818- 1898)
Julius Döring (1818- 1898)

Er erteilte ebenfalls privat Zeichenunterricht und zu seinen Schülerinnen gehörten die seinerzeit namhaften Malerinnen Elise Jung – Stilling (1829- 1904), Emma von Kleist (1840- 1892) und Alexandra von Reibnitz (*1857). Zu Dörings Privatschülern, die er in seinem Mitauer Atelier unterwies, gehörte auch der lettisch- deutsche Maler Johann Walter- Kurau (1869- 1932) der Begründer der modernen lettischen Malerei, über den ich wieder die Verbindung zu Dresden findet, denn Walter – Kurau, der auch das Geigenspiel erlernt hatte, spielte nach 1905 bis zu seinem Wegzug nach Berlin im Jahre 1917 Geige am Opernhaus in Dresden, der heutigen Semperoper.

Loge der Dresdner Semperoper
Loge der Dresdner Semperoper

Doch zurück zu Döring, von dessen künstlerischen Schaffen zahlreiche Gemälde für die katholische Kirche in Mitau zeugten wie auch das Altargemälde der Armenkirche St. Johann in Mitau, das er 1865 vollendete. Zudem wurde im Jahr 1861 unter seiner Leitung der Altar in der gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbauten evangelisch- lutherischen Heiliggeistkirche von Bauske (heute: Bauska/Lettland) umgestaltet. Döring hinterließ der Nachwelt zirka 1000 Porträts und 23 Altargemälde in den Kirchen Lettlands und Litauens. Zudem war er leidenschaftlicher Sammler von historischen und archäologischen Sachen.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Baltisches Biographisches Lexikon digital
2. Dannenberg, K.: Zur Geschichte und Statistik des Gymnasiums zu Mitau, Mitau, 1875; S. 45 f.
3. Neumann, W.: Lexikon baltischer Künstler, Riga, 1908, 34ff., 79 f.; 123
4. http://www.webcitation.org/6FkTkpGNZ 04.04.2015
5. http://www.antonia.lv/ru/zhivopisj/dering-julius-iohann/ 04.04.2015
6. http://deutsch-wort.de/walter_kurau 10.04.2015

 

Der Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann und seine Spuren in Dresden und St. Petersburg

Der Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann und seine Spuren in Dresden und St. Petersburg

Kunstakademie Dresden
Kunstakademie Dresden

Der am 12. März 1801 in Wildenfels☆ geborene Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann hatte von 1815- 1820 an der 1764 gegründeten Dresdener Akademie der bildenden Künste studiert. Danach vollendete er seine Studien und sein Können in Rom, wo er u.a. eine Reihe von Büsten sächsischer Monarchen anfertigte. Von 1835 bis 1852 wirkte er in St. Petersburg. Unter anderem arbeitete er an der Ausgestaltung des Winterpalastes mit, der 1837 durch einen Brand stark geschädigt worden war. Für das Vestibül der Neuen Eremitage im Winterpalast schuf er zwei Skulpturen, die den Ruhm darstellen. Unter seiner Federführung wurden die Wände von 36 Räumlichkeiten im Winterpalast mit künstlichem Marmor verkleidet, der nach einem speziellen Rezept von Herrmann angefertigt wurde.

Winterpalais in St. Petersburg
Winterpalais in St. Petersburg

Herrmann zeichnete sich auch für die Fertigung von 24 Erzengel- und Engelsfiguren, die auf der Kuppel der Isaak- Kathedrale aufgestellt wurden, verantwortlich.

Isaac- Kathedrale in St. Petersburg
Isaac- Kathedrale in St. Petersburg
Blick auf Giebel der Isaac- Kathedrale
Blick auf Giebel der Isaac- Kathedrale

Wie viele seiner Kollegen arbeitete auch Herrmann zeitgleich an der Erledigung verschiedener Aufträge, so schuf auch er Elemente des Interieurs der Petersburger lutherischen Petrikirche. Im Jahr 1841 wurde Herrmann vertraglich verpflichtet, die dekorativen bildhauerischen Elemente für den Marinskij- Palast, dessen Bau 1844 vollendet wurde, anzufertigen.

Deutsche Evangelische Kirche St. Petri in St. Petersburg
Deutsche Evangelische Kirche St. Petri in St. Petersburg
Blick ins Innere der St. Petri- Kirche
Blick ins Innere der St. Petri- Kirche

Im Jahr 1852 kehrte er nach Dresden zurück, wo er 1869 verstarb. Die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlung Dresden zeigt vier von Herrmann angefertigte Marmorbüsten u.a. von Georg Washington und von drei sächsischen Königen. Außerdem finden sich noch andere Spuren von Joseph Herrmann in der heutigen sächsischen Hauptstadt. So stammte die SAXONIA am Südgiebel der heutigen Schinkelwache von ihm.

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Außerdem schuf er die sogenannte Senfbuechse, ein kleines Denkmal am Dresdner Körner- Platz, das er aus Marmor schon in Rom geschaffen hatte und an seinen Vater erinnert, der 1799 zwei Seeleuten das Leben rettete.

Senfbüchse in Dresden- Loschwitz
Senfbüchse in Dresden- Loschwitz
Innenrelief
Innenrelief
Autorin Annegret Mainzer auf Spurensuche von Joseph Herrmann in Dresden
Autorin Annegret Mainzer auf Spurensuche von Joseph Herrmann in Dresden

☆Ich möchte mich recht herzlich bei Frau Monika Badock, Ortschronistin in Wildenfels, für Ihre wertvollen Informationen bedanken.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. http://www.isaac.spb.ru/persons/german 12.05.2013
2. welcome-petersburg.com/ru/иосиф.герман 12.05.2013
3. Scheer, C.: Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, 2006
4. http://skd-online-collection.skd.museum/de/contents/artists?id=12788512 20.03.2015
5. Vierhaus, R. (Hg.): Deutsche Biographische Enzykloädie, Bd.4, Berlin, 2006, S. 735
6. https://dresden.city-map.de/02010500/josef-hermann-denkmal 20.03.2015