Sprachcampteilnehmer aus Russland an Studium in Deutschland interessiert

Sprachcampteilnehmer aus Russland an Studium in Deutschland interessiert

Visite bei der Fachhochschule Magdeburg-Stendal

Annegret Mainzer, Zerbst

Während des I. Deutsch-Russischen Katharina-Forums, das am 31. Mai/01. Juni d.J. in Zerbst/Anhalt stattfand, planten der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann, seine Amtsleiterin Antje Rohm, Annegret Mainzer vom Vorstand des Internationalen Fördervereins Katharina II. Zerbst e.V. und Olga Martens, erste Stellvertretende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur in Russland (IVDK), eine Reihe von Programmpunkten des IVDK-Sprachcamps, das vom 17.- 31. August 2018 in der Zerbster Region stattfindet.

Einer dieser Programmpunkte, ein Informationsbesuch der Fachhochschule Magdeburg-Stendal (FH MD-SDL), ist einerseits einer der bereits erwähnten gemeinsam besprochenen Programmpunkten, aber andererseits auch ein konkretes Resultat der Gespräche, die die Teilnehmer während des I. DeutschRussischen Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt führten.

Am I. Deutsch-Russischen Katharina-Forum in Zerbst/Anhalt nahm ebenfalls Dr.-Ing. Sven Schwerdt von der FH MDSDL teil. Er war bestrebt, mit vielen russischen Partnern ins Gespräch zu kommen, da die FH MD-SDL stets auf der Suche nach Studierenden, auch aus Russland, ist. Uns so wurde vereinbart, dass die Teilnehmer des eingangs erwähnten Sprachcamps, sich in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt über Studienmöglichkeiten informieren.

Gespannt lauschen alle den Infos über die FH

Am 21. August stand der Besuch der FH MD-SDL auf dem Programm der Sprachcampteilnehmer, begleitet wurden sie von Annegret Mainzer vom Internationalen Fördervereins Katharina II. Zerbst e.V..

Empfangen wurden die russischen Jugendlichen von Franziska Buddy, vom dortigen International Office, sowie von Jana Schieweck von der Studienberatung der FH MD-SDL und von der ukrainischen Studentin Marina begrüßt.

Über das Studium informieren Vertreter des Int. Office, der Studienberatung und Studenten

Während Franziska Buddy und Jana Schieweck die Gäste aus Russland über die FH MD-SDL und die dortigen Studiengänge im allgemeinen sowie über das Prozedere einer Bewerbung und über Zulassungsvoraussetzungen zum Studium, auch über die Studien- und Lebensbedingungen in Magdeburg informierten, erzählte Marina über ihren Studienalltag in Magdeburg aus der Sicht einer ausländischen Studierenden. Außerdem nutzten die jungen Gäste die Chance, sie interessierende Frage zu stellen und Antworten aus erster Hand zu bekommen.

Geschenke zur Erinnerung an die FH gab es auch

Im Anschluss an die Informations- und Fragerunde zeigten Marina und ihre deutsche Kommilitonin Dana den Sprachcampteilnehmern den Hochschulcampus, inklusive Studentenwohnungen, Mensa und Bibliothek.

Campusrundgang

Überrascht waren die Besucher über das viele Grün auf dem Campus, aber die FH MD-SDL wirbt auch mit dem Slogan Studieren im Grünen. Vielleicht wird einer der künftigen Studierenden an der FH MD-SDL einer diesjährigen Sprachcampteilnehmer sein.

Campusrundgang

Zerbst, den 21. August 2018

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Prof.G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst! (2)

Prof.G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst! (2)

1. Katharina-Forum 2018, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog in Zerbst/Anhalt (Teil 2- Die Teilnehmer und die Stadt Zerbst/Anhalt )

Annegret Mainzer, Zerbst

In erster Linie richtete sich das I. Katharina-Forum, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog, der am 31. Mai und 01. Juni d. J. unter der Schirmherrschaft von Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, in Zerbst/Anhalt, der Heimatstadt Katharinas der Großen, stattfand, an Vertreter der Wirtschaft Deutschlands und Russlands. Aber auch Vertreter der Politik, Wissenschaft und Kultur aus beiden Ländern waren als Gesprächspartner willkommen und gefragt, denn alle sollten vom I. Katharina-Forum partizipieren.

Gut 170 Interessierte nahmen an den Präsentations- und Gesprächsangeboten des I. Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt teil, brachten ihre Erfahrungen auf dem deutsch-russischen Markt in die Diskussionen während der thematischen Panels und Speeddatings ein, stellten ihre Aktivitäten zur Belebung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen vor, gaben Erfahrungen weiter.

Über die Plenarvorträge des russischen Botschafters Sergej Netschajew und des langjährigen Deutschland- und EU-Politikers Professor Günter Verheugen wurde bereits berichtet, deshalb stehen im folgenden Beitrag die Diskussionen der Teilnehmer im Vordergrund.

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/06/03/prof-g-verheugen-nennen-sie-es-das-signal-von-zerbst/

Michail Voevoda, stellvertretender Vorsitzender der sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, stellte zunächst die Region Novosibirsk vor, wo es vielschichtige Beziehungen zu den Deutschen und der deutschen Kultur gibt, wovon das dortige deutsche Konsulat, das Russisch-deutsche Haus, das Goethe-Institut, die Aktivitäten des DAAD und der Organisation Wiedergeburt zeugen. An den dortigen Hochschulen werde Deutsch gelehrt, so Voevoda.

Michail Voevoda, Novosibirsk

Er machte auch darauf aufmerksam, dass Novosibirsk durchaus attraktiv für deutsche Investoren sei, da bisher Transport und Logistik so weit entwickelt wurden, dass Zugang fast zu allen Regionen Sibiriens möglich sei. Zum anderen verwies Voevoda darauf, dass die von ihm vorgestellte Region ein Zentrum der wissenschaftlichen Lehre und Innovation mit thematisch unterschiedlichen wissenschaftlich-technischen Parks u.a. auf den Gebieten der Biopharmazie, der Medizintechnik oder auch des Tourismus darstelle.

Oliver Köhn von der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH sprach über die Rahmenbedingungen, die das gastgebende Bundesland Sachsen-Anhalt als Wirtschaftsstandort im Herzen Europas bietet. Vorteile in Sachsen-Anhalt für interessierte Investoren seien u.a., so Köhn, kurze effiziente Transportwege, eine hohe Anzahl von Industrieparks, schnelle Genehmigungsverfahren, ein „Blumenstrauß“ an Fördermitteln. Köhn kam auch auf den Anteil internationaler Studierender an den Universitäten und Hochschulen Sachsen-Anhalts zu sprechen, der bei 13 % liegt. Studierende aus Russland seien jederzeit willkommen.

Dass potenzielle Studienbewerber aus der Russischen Förderation willkommen und gewünscht seien, bestätigte Dr.-Ing. Sven Schwerdt von der Hochschule Magdeburg-Stendal im Gespräch mit Evgenia Voronina, stellv. Leiterin der Stadtverwaltung des Puschkiner Bezirks St. Peterburgs. Im Rahmen der fast 25-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Zerbst/Anhalt und Puschkin/St. Petersburg besteht eine sehr lebendige Schulpartnershaft zwischen dem Gymnasium Nr. 406 in Puschkin und dem Gymnasium Francisceum in Zerbst. Schwerdt und Voronina trafen erste konkrete Absprachen, den alljährlichen Schüleraustausch nutzen, um in beiden Gymnasien die Studienmöglichkeiten an der Hochschule Magdeburg-Stendal vorzustellen.

v.l.n.r.: Olga Martens (Moskau); Annegret Mainzer (Katharinaverein, Zerbst), Evgenia Voronina (Stadtverwaltung Puschkin)

Des Weiteren tauschten sich die Teilnehmer des I. Katharina-Forums zu aktuellen Problemen der Energiewirtschaft aus. Hierbei waren auch lokale Unternehmen sehr aktiv, so z.B. der Erdgasspeicher Peissen GmbH, der im letzten Jahr den Untergrundgasspeicher Katharina festlich eröffnet hatte. Chris Doehring von der GETEC green energy AG lud interessierte Forumsteilnehmer zu einer Exkursion auf sein Firmengelände, d.h. des einstigen sowjetischen Flughafen bei Zerbst ein. Dort informierte er die Gäste nicht nur über Zahlen, die die Energieproduktion betreffen, sondern zeigte auch auf, dass das vorhandene Firmengelände in sehr vielfältiger Weise auch für soziale und Naturschutzprojekte in der Zerbster Region genutzt wird, so dass der Solar- und Windanlagenpark auch bei der Bevölkerung Akzeptanz findet.

Ein Panel des I. Katharina-Forums stand unter dem Motto Kultur trifft Wirtschaft. Olga Martens, Herausgeberin der Moskauer Deutschen Zeitung und stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der deutschen Kultur in Russland, stellte ihr soziales Projekt, den Großen Katharinaball, der seit 2015 jährlich in Zarizyno bei Moskau durchgeführt wird, vor. Sie legte deutlich klar, wie nur bei diesem einen Projekt kulturelle und wirtschaftliche Interessen den gemeinsamen Nenner finden können. Im weiteren Verlauf des I. Katharina-Forums fand sich auch eine Firma aus der hiesigen Region, die voraussichtlich mit dem Großem Katharinaball zusammenarbeiten wird.

Olga Martens berichtet vom Potenzial des Großen Katharinaballes

Uwe Leuschner, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsclubs Russland e.V. und selbst langjähriger Unternehmer in Russland, der sich laut eigener Aussage stets als Dolmetscher zwischen zwei Welten verstehe, gab den Forumsteilnehmern bezüglich der Zusammenarbeit mit Russland Folgendes mit auf den Weg, bereit zu sein, Vertrauen aufzubauen, den Dialog miteinander nicht zu scheuen, was auch bedeute, die Sprache des anderen zu erlernen, einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen und Verantwortung zu zeigen, d.h. zu handeln. Denn die russische Wirtschaft habe gute Voraussetzungen für den deutschen Mittelstand, so Leuschner. In seiner abschließenden Vision meinte er mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht belächeln wir ja beim X. Katharina-Forum unsere heutigen Konflikte“, und er setzte dabei seine Hoffnung auf die kommende Generation.

Uwe Leuschner

Uwe Leuschner:

Es gibt nur noch unsere eine Welt, kein Ost und West.“

Die Vision eines X. Katharina-Forums kann durchaus Realität werden, denn erstens sprach sich der Schirmherr Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff für eine Fortsetzung dieses Formats aus und auch Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung signalisierte Unterstützung aus seinem Ministerium und zweitens befürworteten auch die Forumsteilnehmer im abschließenden Roadmap die Fortsetzung des Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt.

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff im Schloss Zerbst

Wie sieht nun der Ideengeber eines solchen deutsch-russischen Wirtschaftsforums in Zerbst/Anhalt, Bürgermeister Andreas Dittmann den Nutzen für seine Stadt?

Im Idealfall wird Zerbst nicht nur Synonym für die Deutsch-Russische Verständigung, sondern die Konferenzteilnehmer sehen, dass wir Unternehmen vor Ort nach Kräften unterstützen und dass es sich lohnt, sich in unserer Region anzusiedeln und sich zu engagieren. Aber auch für regionale Unternehmen kann es ein guter Marktplatz werden, um Kontakte zu knüpfen und Aufträge zu generieren. Damit würde das Katharina-Forum in der Wirkung bei vielen Menschen ankommen.“

Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann begrüßt die Gäste des Forums im Zerbster Schloss.

Anmerkung der Redaktion: zerbstergazette war es nicht möglich, an allen Sektionen des Katharina-Forums teilzunehmen, da sie zum Teil parallel liefen. Deshalb an dieser Stelle eine fokussierte Berichterstattung.

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/06/06/signal-von-zerbst/

Zerbst, den 06.06.2018

Prof. G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst!

 Prof. G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst!

1. Katharina-Forum 2018, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog in Zerbst/Anhalt (Teil 1- Die Politiker)

Annegret Mainzer, Zerbst

Das 1. Katharina-Forum, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog in Zerbst/Anhalt, der Heimatstadt Katharinas der Großen, fand am 31. Mai und 01. Juni d.J. unter der Schirmherrschaft von Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, statt. Das 1. Katharina-Forum wurde von ca. 170 Vertretern der Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Politik sowohl aus Deutschland wie auch aus Russland besucht. Initiiert wurde das 1. Katharina-Forum vom Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt, der Stadt Zerbst/Anhalt unter aktiver Mitwirkung des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. und des Fördervereins Schloss Zerbst e.V..

Höhepunkte bildeten zweifelsfrei neben den thematischen Panels der Impulsvortrag von S.E. Sergej Netschajew, Botschafter der Russischen Förderation in Deutschland, und das als Session-Keynote angekündigte Referat des verdienten Deutschland- und EU-Politikers Professor Günter Verheugen.

Beide Analysen waren von Ehrlichkeit, Offenheit, Unverblümtheit, praktischen Erfahrungswerten, Eloquenz und weitere Dialogbereitschaft geprägt. Nichts in den derzeit schwierigen deutsch-russischen Beziehungen auf politischer Ebene wurde weder von Botschafter Netschajew noch von Professor Verheugen beschönigt. Klare Worte am historischen Ort, d.h. in der ehemaligen Zerbster Reithalle, wo die Zerbster Prinzessin, die spätere Zarin Katharina II., Reitstunden absolviert hatte.

Botschafter Netschajew: Potenzial der deutsch-russischen Beziehungen nicht ausgeschöpft

Während am 1. Tag der 1. Katharina-Forums Botschafter Netschajew in seinen Ausführungen zunächst daran erinnerte, dass die aus dem Fürstentum Anhalt-Zerbst stammende Zarin Katharina II. eine weise und ausgewogene Wirtschafts- und Außenpolitik betrieben, den Außenhandel liberalisiert und Zölle gesenkt habe, verwies er im gleichen Atemzug darauf, dass der gegenwärtige Sanktionsdruck gegenüber Russland für den Ausbau der deutsch-russischen Beziehungen nicht förderlich sei.

Um so wichtiger sei es, Botschafter Netschajew zufolge, dass die interregionalen deutsch-russischen Kooperationen und die mehr als 100 deutsch- russischen Städtepartnerschaften den jetzigen Sanktionsfaktor ausgleichen würden. In diesem Zusammenhang nannte er das laufende deutsch-russische Kreuzjahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018, das 2017 auf der Städtepartnerkonferenz in Kransodar ausgerufen wurde. Ein nächstes deutsch-russisches Kreuzjahr sei künftig auf den gebieten Bildung und Wissenschaft geplant. Seiner Meinung nach sind derartige deutsch-russische Kreuzjahre nicht nur für Russland und Deutschland, auch für Gesamteuropa förderlich.

Auf die Frage, wie er die deutsch-russischen Beziehungen in etwa 15 Jahren zu sehen wünsche, nannte der Botschafter folgende Attribute: aufschlussreich, vertrauensvoll, intensiv, kompetent und souverän. Russland sei dazu bereit, schob er nach.

Nach einer möglichen Visafreiheit für Deutsche in Russland befragt verwies Botschafter Netschajew auf bereits praktizierte Visaerleichterungen wie zur bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft. Jedoch machte er unmissverständlich klar, dass die Frage der Visafreiheit keine einseitige, nur von russischen Seite ausgehende Entscheidung sein könne, sondern eine bilaterale darstelle.

Botschafter S. Netschajew

Aus dem Impulsvortrag von Botschafter S. Netschajew:

Das Potenzial der deutsch-russischen Beziehungen ist noch nicht ausgeschöpft.“

Nach dem 2. Weltkrieg haben wir mit beiden deutschen Staaten viel erreicht.“

Wir (Anmerkung d. Red.: Russen und Deutsche) kennen uns

mehr als andere in Europa.“

Prof. G. Verheugen: Katharina-Forum – das Signal von Zerbst

Professor Günter Verheugens Rede bildete am 2. Tag des 1. Katharina-Forums einen fundierten Rückblick auf die jüngste Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, durchaus unterhaltsam gespickt mit persönlichen Anekdoten aus einem langjährigem Politikerleben.

Professor Verheugens Retrospektive begann im Jahr 1965, als er als Student das erste Mal in Moskau weilte. In weiteren Zehnjahresschritten setzte er seinen Erfahrungsbericht fort. Bereits 1975 besuchte Verheugen die damalige Sowjetunion als Mitglied der Delegation des Bundespräsidenten. Gleichsam humorvoll wie nachdenklich berichtete er von Begegnungen mit Leonid Breschnew, damaliger Generalsekretär der KPdSU. „Mit solchen Leuten wie Breschnew ist es uns gelungen, Verträge zu schließen. Und heute können wir das nicht? Das muss mir mal jemand erklären. Darin sehe ich keine Logik“, fragte er provokativ ins Publikum hinein und erntete dafür zustimmenden Beifall.

Prof. G. Verheugen

In seinen weiteren Ausführungen machte Professor Verheugen sehr deutlich, dass Russland nicht aus Europa herausgedrückt werden könne und dass Russland untrennbarer Bestandteil Europas sei. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass heutzutage viele Politiker die Begriffe „Europäische Union“ und „Europa“ nicht immer im richtigen Zusammenhang benutzen.

Aufgrund seines großen Erfahrungsschatzes, dabei auch das Thema „Ukraine“ tangierend, kam Professor Verheugen zum Schluss, dass Einflussnahme auf die Politik eines anderen Landes nicht durch Druck passieren könne, sondern nur durch eine verlässliche Partnerschaft. Jedoch bekannte er auch, dass innerhalb der EU keine einheitliche Russlandpolitik erkennbar sei. Und einen Teil der Schuld daran, trüge auch die deutsche Regierung, so Verheugen.

Professor Verheugen machte noch einmal sehr deutlich, dass die Mehrheit der Deutschen

– eine gute Nachbarschaft zu Russland ,

Russland nicht belehren und schulmeistern

– und gegenüber Russland keine Drohgebärden und Eskalation wolle.

Wer kann für globale Balance in der Welt sorgen, wenn nicht wir Europäer?“, fragte Verheugen und schlug vor das 1. Katharina-Forum das Signal von Zerbst zu nennen, womit er ein neues geflügeltes Wort geprägt haben dürfte.

Aus der Session-keynote von Professor G. Verheugen:

Zerbst ist der beste Platz zum Nachdenken über die Wechselbeziehungen zwischen Russland und Deutschland.“

Wir sollten Russland nicht schulmeistern.“

Wir wissen, dass dem Krieg der Worte, der Krieg der Waffen folgt.“

Zerbst, 03. Juni 2018

Der Roßlauer Ingenieur Johann Siegismund Gottfried Huth in Charkov und Dorpat

Der Roßlauer Ingenieur Johann Siegismund Gottfried Huth in Charkov und Dorpat

Annegret Mainzer, Zerbst

Im Jahr 2008 wurden an der 1804 eröffneten Universität Charkov „200 Jahre Astronomie in Charkov“ begangen. Derjenige Professor, der dafür die Grundlagen gelegt hatte, war Johann Siegismund Gottfried Huth, geboren am 02. Mai 1763 in Roßlau/ Elbe, seinerzeit zugehörig zum Fürstentum Anhalt–Zerbst.

Das Studium der Theologie und Naturwissenschaften an der Universität Halle schloss er 1787 mit seiner Promotion erfolgreich ab. Nach seinem Studium lehrte Huth zunächst am Königlichen Pädagogikum Halle. In Halle war er auch Mitglied der Hallenser Naturforschenden Gesellschaft. Ebenfalls wirkte er an der Herausgabe des Allgemeinen Magazins für bürgerliche Baukunst mit.
Im Anschluss daran ging Huth an die Universität Frankfurt/ Oder, wo er als Professor für Physik und Mathematik wirkte. Im Jahr 1799 wurde Huth zum Direktor der Universität in Frankfurt/Oder gewählt. Dort richtete er auf eigene Kosten ein astronomisches Observatorium ein.
Der bekannte deutsche Dichter und Dramatiker Heinrich von Kleist (1747-1811) gehörte wohl zu den prominentesten Schülern von Huth. Huth, so Kleist, „habe ihn in die gelehrte Welt eingeführt“.

1. Universitätsgebäude Charkov

Huth in Charkov

Infolge des durch den Einfall napoleonischer Truppen bedingten Zusammenbruchs Preußens erfolgte die Schließung der Frankfurter Universität. Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe vermittelte Huth an die Universität Charkov. Dort lehrte Huth bis 1811 Angewandte Mathematik, Geometrie, Mechanik, Optik und Hydraulik. Bei klarem Nachthimmel führte Huth Lehrveranstaltungen für astronomische Beobachtungen im Freien durch. Da Huth seine schon in Frankfurt/ Oder erworbenen Apparaturen mit nach Charkov gebracht hatte, richtete er dort das erste astronomische Kabinett ein, das erst 1883 in ein Observatorium umgestaltet wurde. Die astronomischen Instrumente von Huth werden noch bis zum heutigen Tage an der Universität Charkov aufbewahrt. Die Vorlesungen, die er dort zur Astronomie hielt, waren die ersten dieser Art in Charkov überhaupt. Da er seinerzeit auch in Westeuropa und in Nordamerika über seine Forschungen in Charkov publizierte, machte er auf diese Weise die Charkover Universität über ihre Landesgrenzen hinweg bekannt. Zudem hatte Huth die Schüler der umliegenden Gymnasien dazu animiert, meteorologische und astronomische Beobachtungen durchzuführen. Im Oktober 1811 wurde Huth Ehrenmitglied der Universität Charkov.

Huth in Dorpat

Universität Dorpat

Im Jahr 1811 übersiedelte Professor Huth nach Dorpat (heute: Tartu/Estland). An der dortigen Universität lehrte er als ordentlicher Professor für Angewandte Mathematik und Astronomie. Bis 1818 war Huth der 1. Direktor des Dorpater Observatoriums.

Eine Reihe von Meldungen in der Dörptschen Zeitung spiegelt Huths Leben und Tätigkeit in Dorpat wider. Es gibt Meldungen über sein Ableben im Jahr 1818, über von ihm gemachte astronomische Beobachtungen, aber auch über den vom Dorpater Universitätsgericht angeordneten Verkauf seines Hab und Guts, was darauf schließen lässt, dass Professor Huth zwar ein wissenschaftliches Genie, jedoch kein finanzielles war.

Ebenso ist der Dörptschen Zeitung vom 17.03.1812 zu entnehmen, dass Prof. Huth die Ehre zuteil wurde, anlässlich der „Feier des Allehöchsten Thronbesteigungfestes Sr. Majestät (…) …“ eine Rede zu halten, „an welcher die höhern Stände des Publikums sehr zahlreichen Antheil nahmen.“

Astronom. Station am Gropius-Gymnasium Roßlau-Dessau, Heimat von Huth


Der Roßlauer Johann Siegismund Gottfried Huth war der erste Naturwissenschaftler, der den Begriff telephon verwendete, noch lange Zeit, bevor im Jahr 1861 Philip Reis den Vorgänger des Telefonapparates vorgestellt hatte. Schon 1796 findet man den Begriff telephon im Traktat über einige akustische Instrumente des Schweizers Johann Heinrich Lambert (1728-1777), das Huth vom Französischen ins Deutsche übersetzt hatte. Seine Übersetzung hatte Huth aber auch mit eigenen Vermerken versehen. Er war Mitglied der Berliner Gesellschaft der Naturfreunde und ab 1812 Korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und der St. Petersburger Mineralogischen Gesellschaft. Allerdings schlugen seine Bemühungen, korrespondierendes Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften zu werden, fehl.

Zu den Verdiensten von Johann Siegismund Gottfried Huth zählte auch, dass er im Zeitraum von 1804-1807 vier Kometen entdeckte und beschrieb. Sein in Frankfurt/Oder geborener Sohn Wilhelm Heinrich besuchte das Gymnasium in Dorpat.

Auszug aus Dörptscher Zeitung vom 06. März 1818:

Unsere Universität hat einen großen Verlust erlitten. Hofrath Huth, Prof. der Mathematik und insbesondere der Astronomie, ist an der Brustwassersucht gestorben. Eh es gestern wurde, nachdem die Leiche in der Kapelle schon beigesetzt war, im großen Hörsaale der Kaiserlichen Universität von dem Herrn Rector magnif. Giese und von dem Herren Prof. extraord. Struve Reden gehalten. Der vorangehenden Trauermusik folgten die Studierenden der Universität, die Herren Professoren und Universitätsbeamten im Geleite nach dem Kirchhofe zum Einsenken der Leiche in die Gruft.“

Wer an Informationen über Prof. Huth bezüglich seiner Tätigkeit in Deutschland interessiert ist, dem ist die Lektüre der Mitteilungen des Historischen Vereins zu Frankfurt/Oder 1/2018 zu empfehlen.

Quellen:
1. Erik Amburger Datenbank (online)
2.
http://www.ajaloomuuseu.ut.ee 06.01.2013
3. Philipp. K.J.: Um 1800 Architekturtheorien und Architekturkritik in Deutschland zwischen 1790- 1810,
Stuttgart, London, 1997, S. 222;
4. Recke, J. F. v., Napiersky, H.E., Beise, Th.: Allgemeines Schriftsteller-
und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Esthland, Kurland, B.2, Mitau, 1829, S. 369 ff.
5. Вечерний Харковь v. 25.02.2011
6. Schulze, G.: Kleist- eine Biographie,München, 2007, S. 200
7. Kucilova, N.N., Popova, L.N.: История кафедры теоритической механики dspace.univer.kharkov.ua
12.01.2013
8. Beckh,J.: Blitz & Anker, Bd.1, Informationstechnik, Geschichte & Hintergründe, Norderstedt, 2005
9. Ullmann, D.: Chladni und die Entwicklung der Akustik von 1750- 1860, Basel, Boston, Berlin
10. Hartkopf: Die Berliner Akademie der Wissenschaften: Ihre Mitglieder und Preisträger 1700- 1990,1992,
11. Schüler-Album des Dorpatschen Gymnasiums von 1804- 1879, Dorpat, 1879, S. 22

12. Dörptsche Zeitung 1811-1818

Zerbst, den 13.05.2018

Zerbst/Anhalt: Hoheiten von einst und heute treffen sich

Zerbst/Anhalt: Hoheiten von einst und heute treffen sich

Annegret Mainzer, Zerbst

Nicht nur aus Zerbst und der Region Anhalt, auch aus Dessau, Dresden, Hamburg, Lutherstadt-Wittenberg, Braunschweig, Timmenrode/Harz und Berlin kamen sie am Nachmittag des 11. März in die Zerbster Stadthalle – die ehemaligen und noch aktiven Darstellerinnen der Zerbster Prinzessin Sophie Friederike Auguste, der Großfürstin Katharina Alexejewna, der russischen Zarin Katharina II.und der Hofdamen, die den Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. in den vergangenen 25 Jahren bei seinen Auftritten regional, überregional und international begleitet hatten.

Manche der einstigen Hoheiten brachte nebst Partner sogar ihren Nachwuchs mit. Viel Freude bereitete den angereisten jungen Frauen das Anziehen der barocken Kleider, auch wenn ihr letzter Auftritt vielleicht schon 10 Jahre oder länger zurücklag. Auch die Frage Passe ich noch in mein Kleid? war sicher spannend.

Karrieren“ im Katharinaverein

Einige der jungen Frauen unterstützten den Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. mehrere Jahre, wenige gar mehr als ein Jahrzehnt, so zum Beispiel Ina Lemke und Desirée Mainzer.

Ina Lemke zur Eröffnung der Sammlung Katharina II.

Während Ina Lemke die Eröffnung der Zerbster Sammlung Katharina II. im Jahr 1995 als Großfürstin Katharina Alexejewna erlebte, war die damals 6-jährige Desirée Mainzer eine der kleinen und jüngsten Blumen streuenden Hofdamen im Hochzeitszug. Aus der jüngsten Hofdame Desirée wurde in den Jahren 2006/2007 die Zarin, die sogar vor der Kamera für den mdr im Zerbster Schloss posierte.

Desirée Mainzer führt 1995 den Hochzeitszug an

Nach dem Genuss von Kaffee und Kuchen begrüßte Tatyana Nindel, Vorsitzende des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V., offiziell die zahlreich erschienenen Gäste und sprach allen, die bisher im Verein und im Besonderen an der Vorbereitung und Durchführung dieses Nachmittags mitgewirkt haben, ihren Dank aus.

2006: Desireée Mainzer als Zarin bei Museumsnacht

Katharina-Einsätze regional, überregional und international

Den Rückblick auf 25 Jahre Internationaler Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. hielt Vorstandsmitglied Johanna Lüdecke, die seit März 1993 Vereinsmitglied ist und so manche Darstellerin aufwachsen sah.

Anhand einer Powerpoint-Präsentation gab sie einen sehr eindrucksvollen und informativen Überblick darüber, wo und wann die Mädchen und jungen Frauen den Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. repräsentiert haben. Neben fast obligatorischen Einsätzen auf den Sachsen-Anhalt-Tagen, Fläming-Frühlingfesten, bei Luthers Hochzeit, auf der ITB oder auf Zerbster Stadtfesten und zu diversen Ausstellungseröffnungen u.a. im Landtag in Magdeburg oder im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin gab es auch des Öfteren Einsätze auf internationaler Ebene: 1997 nahm Katharina Beckmann als Zarin Katharina II. im Auftrag der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt auf der Hardthöhe an der 38. Jahresabschlussunterrichtung der in Bonn notifizierten ausländischen Militärattachés teil und wurde vom damaligen Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Rainer Höppner sowie von Volker Rühe, seinerzeit Verteidigungsminister der BRD, begrüßt und die anwesenden russischen Militärattachés hießen sie mit den Worten „Nascha Katinka“ willkommen.

           

Auch auf einem Wirtschaftsempfang in Wien im Jahr 1998 gab es einen Einsatz der „Zarin“ Katharina Beckmann aus Zerbst gemeinsam mit Luther und Guericke.. Zu den Aktiven in all den Jahren zählen auch Jeanette Markmann und Karin Rettig, die ihre Auftritte wohl nicht mehr zählen können.

                                                

Im Jahr 2016 besuchte die im Jahr zuvor gewählte „Zerbster Prinzessin“ Esther Sophie Enke den Großen Katharinaball in Zarizyno bei Moskau.

Die hier vorliegende Aufzählung von Einsätzen der jungen Frauen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das würde den Rahmen der Berichterstattung sprengen.

Ehrung für Initiator

Zurück zum Hoheitentreff am 11. März in der Zerbster Stadthalle: Im Laufe des Nachmittags erfolgte eine würdige öffentliche Ehrung von Wladimir Teslenko, Initiator, Gründungs- und Ehrenmitglied des Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. durch den Vorstand.

Katharina-Darstellerin von 1949 anwesend

Doch Ehrengast war unbestritten Renate Frebel. Sie hatte als 18-Jährige im Jahr 1949 am Festumzug anlässlich der 1000-Jahrfeier der Stadt Zerbst teilgenommen und saß damals als Zarin Katharina II. in der Kutsche. Die heute fast 88-jährige Renate Frebel hatte sichtlich viel Spaß beim Zusammentreffen mit ihren jüngeren „Kolleginnen“ und ließ es sich nicht nehmen, an diesem Sonntag ebenfalls ein barockes Kleid zu tragen.

Unter den Gästen war auch die von Heike Richert geleitete Theatertruppe des Zerbster Gymnasiums Francisceum, deren Mitglieder bereits des Öfteren Veranstaltungen und Auftritte des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. unterstützen, indem sie nicht nur in barocke Kostüme, auch in historische Rollen schlüpften.

Zerbster Prinzessinnenfest am 26. Mai 2018

Im Anschluss an die eineinhalbstündige Rückschau machten die Gäste reichlich von der Möglichkeit Gebrauch, sich in das Gästebuch des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. einzutragen.

Anzumerken sei noch, dass die Vereinsvorsitzende Tatyana Nindel alle großen und kleinen Interessierten zum Zerbster Prinzessinnenfest am 26. Mai 2018 in den Zerbster Schlossgarten einlud.

Stets Nachwuchs beim Katharinaverein gesucht

Gesucht werden im Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. stets Mädchen und Jungen ab 7 Jahre, die Spaß daran haben, in ein historisches Kostüm zu schlüpfen und als Zerbster Hoheit uns bei unseren Auftritten zu untertsützen. Denn dadurch, dass uns aufgrund des Studiums oder einer Ausbildung immer wieder junge Mitstreiterinnen verlassen, sind wir stets an Nachwuchs interessiert.

Bei Interesse bitte melden. Tel 03923/   754-250 oder E-Mail: info@ifv-katharinaII.de

Zerbst, den 12. März 2018

Fotos: Internationaler Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V., Annegret Mainzer, Johanna Lüdecke, Lydia Kulot

 

September 2017: Premiere des Musicals „Fieke“ in Zarizyno bei Moskau

September 2017: Premiere des Musicals „Fieke“ in Zarizyno bei Moskau

Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst: „Die Zeit diktiert ihre Interessen“

Annegret Mainzer, Zerbst

Am 16. September d.J. fand im Park von Zarizyno bei Moskau das vom Internationalen Verband Deutsche Kutur (IVDK) organisierte Festival der Balltraditionen zur Zeit von Zarin Katharina II. statt.

Besondere Programmpunkte dieses herbstlichen Freiluftfestivals bildeten u.a. öffentliche Tanzlektionen, in denen Interessierte jeglichen Alters sich in Etiketten und Tänzen zur Zeit des Barock ausprobieren konnten, und auch nicht unerwähnt sollten die professionellen akrobatisch choreografierten Vorführungen mit gefährlich klingenden Degen a la les trois mousquetaires bleiben.

                

Doch den absoluten Höhepunkt des diesjährigen Open-Air-Festivals in Zarizyno stellte die Premiere des Musicals Fieke dar, das die Frage >Wie wurde aus der kleinen Fieke die große Katharina?< thematisiert. Bereits einige Zeit zuvor war die Musicalpremiere in verschiedenen sozialen Netzwerken und deutschen sowie russischen Medien angekündigt worden.

Besucher auch aus Zerbst/ Anhalt

Auch Annegret Mainzer und Dirk Herrmann von Katharina-und Schlossverein in Zerbst/Anhalt, die im Rahmen des 3. Großen Katharinaballs in Moskau weilten, waren unter den zahlreichen Zuschauern im Park von Zarizyno. Noch vor Vorstellungsbeginn trafen sie auf Elena Eliseeva und Ivan Zolotuchin, die kindlichen Darsteller von Fieke und Peter. Die zwei jungen Darsteller ließen sich auch nicht lange zu einem gemeinsamen Foto mit den Gästen aus der deutschen Heimat von Katharina II. bitten.

v.l.n.r.: Dirk Herrmann, Elena Eliseeva, Ivan Zolotuchin, Annegret Mainzer

Zahlreiche Besucher– jung wie alt- standen erwartungsvoll und dicht gedrängt sowie mit Kameras und Smartphones bestückt an der Bühne, um interessiert das Musical Fieke zu verfolgen.

Sehr ausdrucksstark und effektvoll – die Musik. Imposant, gewaltig und markant – die Stimmen. Groß und typisch russisch-pathetisch – die Worte. Praktikabel-tanzbar – die Kostüme. Spartanisch und transparent – das Bühnenbild.

Jedoch, unvergesslich und bleibend – der Eindruck!

Die Darstellerinnen und Darsteller

Die in Alma-Ata geborene und im klassischen Gesang ausgebildete Schauspielerin Irina Lindt mit deutschen Wurzeln, Regisseurin des Musicals Fieke und Darstellerin von Zarin Elisabeth Petrowna, ist in der Moskauer und russischen Theater-und Filmlandschaft keine Unbekannte. Ihre Stimmgewalt füllt würdevoll den Bühnenraum aus, wie es sich für eine Zarin gebührt.

            

Eine weitere Darstellerin im Musical Fieke ist Anna Bagmet, die die Rolle der ehrgeizigen und geltungsbedürftigen Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst verkörpert. All ihre Gestik und Mimik, ihr voller Stimmeinsatz auf der Bühne überzeugten die Zuschauer vom Streben der Zerbster Fürstin nach Höherem, von ihren hochfliegenden Plänen für ihre Tochter Fieke. „Die Zeit diktiert ihre Interessen“ („Время диктует свои интересы“) – so rechtfertigt Johanna Elisabeth alias Anna Bagmet im Musical Fieke ihr Handeln. Zweifelsfrei brilliert die theater-und filmerfahrene Anna Bagmet in der Rolle der Mutter der Zerbster Fürstentochter Fieke.

             

Das Pendant dazu bildet Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst, Vater von Fieke, dargestellt von Alexander Kolzov. Sehr ergreifend und überzeugend die Szene des Abschiednehmens von Tochter Fieke. Sein fein nuancierter Stimmeinsatz, seine pointengenaue Gestik und Mimik in dieser Szene zeugen von Alexander Kolzovs hohem Empathievermögen. Auch Anna Glaube, Darstellerin der vierzehnjährigen Fieke, wirkte auf der Bühne mit all ihrem jugendlichen Übermut und Abschiedsschmerz sehr glaubwürdig.

                                     

Das Zusammenspiel der Solistinnen und Solisten mit den Damen und Herren vom Ballett des Moskauer Musicaltheaters war erstklassig professionell und harmonisch.

Mit einem Koffer voller unauslöschlicher positiver Eindrücke und Ideen für das Jahr 2018 fuhren Annegret Mainzer und Dirk Herrmann zurück nach Zerbst/Anhalt. Und vielleicht macht das Musical Fieke in naher Zukunft auf dem Hof des Schlosses Zerbst halt?

Zerbst, den 05.Oktober 2017

Родовой замок Екатерины II в фокусе посольства РФ, земельного министеpства и фонда охраны памятников

Родовой замок Екатерины II в фокусе посольства РФ, земельного министеpства и фонда охраны памятников

Открытие выставки «Вот, какое ценное наследие! -памятники архитектуры в Германии» в Цербстском замке

Аннегрет Майнцер, Цербст

На торжественную церемонию открытия передвижной выставки «Вот, какое ценное наследие! -памятники архитектуры в Германии» в Цербстском замке, инициатором которой является Немецкий фонд охраны культурных и исторических памятников, прибыл ряд высокопоставленных гостей. Открытие выставки было связано с одновременным открытием недавно восстановленных помещений на верхнем этаже Цербстского замка, в котором российская императрица Екатерина Великая, урожденная принцесса Ангальт-Цербстская, провела свое отрочество.

В список почетных гостей были включены Алена Гавриленко, атташе по культуре посольства Российской Федерации в Берлине; д-р Себастьян Путц, госсекретарь министерства регионального развития и транспорта федеральной земли Саксония-Ангальт; Уве Щульце, глава местного управления района Ангальт-Биттерфельд; д-р Роземарии Вилькен, член совета Немецкого фонда охраны культурных и исторических памятников, и много другие.

Д. Херманн, А. Диттманн, А. Гавриленко, Р. Вилькен, С. Путц, У. Щульце

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