Russisch-deutsche Sonderausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ im Schloss Zerbst eröffnet

Russisch-deutsche Sonderausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ im Schloss Zerbst eröffnet

Annegret Mainzer, Zerbst

Im November 2018 reisten Dirk Herrmann, Vorsitzender des seit dem Jahr 2003 in Zerbst/Anhalt agierenden Fördervereins Schloss Zerbst e.V., und Vereinsmitglied Annegret Mainzer nach Puschkin/St. Petersburg, um dort bei einem Arbeitstreffen mit Olga Taratynova,  Direktorin des Staatlichen Museumsreservats „Zarskoje Selo“, Einzelheiten der gemeinsamen Ausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ zu erörtern. Dem folgte am 09. November 2018 die beiderseitige Vertragsunterzeichnug zur Durchführung und Präsentation der Ausstellung im Jahr 2019 im Zerbster Schloss, der einstigen Residenz der Fürsten von Anhalt-Zerbst. Aus diesem Geschlecht stammt auch die russische Zarin Katharina die Große, deren Name die Städte Zerbst/Anhalt und Puschkin/St. Petersburg verbindet. Bereits im Herbst 1994 wurde deshalb der Vertrag über die Partnerschaft zwischen den beiden Städdten unterzeichnet.

 

 

Anlässlich des diesjährigen 290. Geburtstags von Zarin Katharina der Großen, einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Zerbst, und des 25-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläums wurde am 01. Juni diesen Jahres die eingangs erwähnte russsich-deutsche Sonderausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ festlich im Schloss Zerbst eröffnet und zwar in den in den unteren Etagen des Corps de logis befindlichen Gemächern, deren Sanierung im ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden konnte. Im zweiten Obergeschoss dieses Schlosstraktes befanden sich einst die Gemächer, die die junge Zerbster Prinzessin bis zu ihrer Abreise nach Russland im Jahr 1744 bewohnt hatte. Zurzeit harren die durch anglo-amerikanisches Bombardement am 16. April 1945 zerstörten Jugendzimmer Katharinas II. noch ihrer Wiederherstellung.

Die Sonderausstellung setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Der Eingangsteil der Ausstellung informiert über einige Aspekte der Kindheit und Jugend Katharinas II., während der zweite, der weitaus größere Ausstellungteil verschiedene Zeichnungen, Stiche und Aquarelle russischer und ausländischer Künstler des 18./ 19. Jahrhunderts, die in digitaler Form vom Staatlichen Museumsreservat „Zarskoje Selo“ zur Verfügung gestellt wurden, vor allem jene Plätze im Katharinapark in Zarskoje Selo zeigen, die auch Kaatharina II. begeisterten. Parallel dazu werden Fotos aus den Jahren 2017/2018 gezeigt, sodass die Besucher die Veränderungen, die sich im Park seit dem 18. Jahrhundert vollzogen  haben, nachvollziehen können.

 

Zur Ausstellungseröffnung, die von Schülerinnen der Zerbster Musikschule „Johann Friedrich Fasch“musikalisch umrahmt wurde, kamen gut 120 interessierte Gäste. ins Zerbster Schloss.

Unter ihnen konnte Vereinsvorsitzender Dirk Herrmann u.a. Mikhail Korolev, Attachè an der Botschaft der Russischen Förderation in Berlin, Tatyana Serpinskaya und Natalya Lancaray, die Vertreterinnen des Staatlichen Museumsreservats „Zarskoje Selo“, sowie den vor einer Woche wieder gewählten Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann begrüßen.

 

In seiner Begrüßung dankte Dirk Herrman nicht nur den Unterstüzern und Sponsoren dieser Ausstellung, auch wüdigte er die ehrenamtliche Arbeit der Übersetzerinnen Olga Tidde und Annegret Mainzer. Die Ausstellungskonzeption wurde vom Vereinsvorsitzenden selbst erstellt. Tatyana Nindel, Vorsitzende des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V., dolmetschte während de Eröffnungszeremonie.

Diesem Dank von Dirk Herrmann schloss sich Bürgermeister Andreas Dittmann in seinem Grußwort an und verwies dabei zum wiederholten Male auf das besondere Potenzial, auf die besondere Rolle von Schloss Zerbst in der Bewahrung des europäischen und Weltfriedens. Russland sei kein Feind, so Bürgermeister Dittmann, in Zerbst schätze und pflege man die freundschaftlichen Beziehungen zu russischen Partnern sehr.

In diesen Tenor stimmte das Grußwort von Direktorin Olga Taratynova, das Tatyana Serpinskaya verlas, ein. Olga Taratynova würdigte die titanische Arbeit der Mitglieder des Schlossvereins bei der Sicherung und beim Wiederaufbau des in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs zerstörten Zerbster Schlosses. Ebenso wie ihre Vorredner ist Taratynova davon überzeugt, dass Schloss Zerbst künftig in der Vertiefung der deutsch-russischen Beziehungen einen besonderen Platz einnehmen könne.

Im Anschluss an die Eröfnungsreden lud Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, dargestellt von  Svenja Reifarth, die Gäste zum Rundgang durch die Ausstellung ein. Dabei kam es auch zum regen Meinungs- und Informationsaustausch zwischen den russischen und deutschen Gästen.

Die Ausstellung ist bis zum 29. September 2019 wie folgt geöffnet:

dienstags – samstags 10.00-12.00 Uhr u. 13.00-17.00 Uhr

letzter Einlass: 11.30 Uhr bzw. 16.30 Uhr

außer an Feiertagen und nicht am 15.06. und 06.09. 2019

weitere Informationen unter: https://www.schloss-zerbst-ev.de/

Zerbst, den 02.06.2019

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Российская-германская тематическая выставка „По следам Екатерины“ открылась в Цербстском замке

Российская-германская тематическая выставка „По следам Екатерины“ открылась в Цербстском замке

Аннегрет Майнцер, Цербст

В первом квартале текущего года были завершены ремонтные работы на двух нижних этажах главного корпуса замка в городе Цербст/ Ангальт. В XVIII веке в этом корпусе располагались детские помещения российской императрицы Екатерины Великой, урождённой принцессы Ангальт-Цербстской. Её бывшие помещения находились на верхнем этаже и они ныне ждут своего восстановления.

290-летие со дня рождения российской императрицы Екатерины Великой и 25-летие установления побратимских связей между городами Цербст/Ангальт и Пушкин/ Ст. Петербург служат поводом для торжественного открытия недавно отремонтированных помещений, где 01 июня открылась российская-германская тематическая выставка под названием „По следам Екатерины“. Эта выставка была создана при тесном сотрудничестве Государственного художественно-архитектурного музея-заповедника „Царское Село“ и зарегистрированного общества „Замок Цербст“, которое было основано в 2003 году.

     
 

В ноябре прошлого года Дирк Херрманн, председатель общества „Замок Цербст“, и Аннегрет Майнцер, член общества, встретились с Ольгой Таратыновой, директором ГМЗ „Царское Село“, и обсудили подробности совместного выставочного проекта. 09 ноября 2018 года был подписан договор о проведении и презентации высмтавки „По следам Екатерины“ в Цербстском замке.

Двуязычная выставка разделена на две части: Вступительная часть посвящена детству и молодости принцессы Ангальт-Цербстской, позжей российской императрицы Екатерины Великой. Вторая, гораздо большая часть выставки, показывает изображения различных мест Екатерининского парка в Царском Селе при жизни Екатерины II. Рядом с этим фотографии 2017/2018 гг. отражают состояние парка в настоящее время. Среди них акварели, гравюры и рисунки, сделанные русскими и иностранными художниками XVIII/ XIX веков. Тексты и аннотации на немецкий язык перевела Аннегрет Майнцер и на русский – Ольга Тидде.

01 июня, в день открытия выставки, Дирк Херрманн,председатель общества „Замок Цербст“, приветствовал ок. 120 заинтересованных гостей: среди них – Михайл Королев, атташе посольства Российской Федерации в ФРГ, Татьяна Серпинская и Наталья Лансере, представители ГМЗ „Царское Село“, и Андреас Диттманн, мэр города Цербст/ Ангальт.

Татьяна Ниндель, председатель Международного исторического общества „Екатерины II“, работала переводчиком во время церемония открытия выставки.

Все докладчики единодушно подчеркнули, что замок Цербст, где Екатерина Великая провела свое отрочество, может занять особое место в укреплении дружеских отношений между Россией и Германией.

   

Выставка длится до 29 сентября 2019 года.

https://www.schloss-zerbst-ev.de/

Цербст, 01 июня 2019 г.

 

Fotoausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ aus Puschkin 2019 im Schloss Zerbst

Fotoausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ aus Puschkin 2019 im Schloss Zerbst

Annegret Mainzer, Zerbst

Vom 08.-12- November weilten Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst e.V., und Vereinsmitglied Annegret Mainzer, die als Dolmetscherin fungierte, auf Einladung von Olga Taratynova, der Direktorin des Staatlichen Museumsreservats Zarskoje Selo, zu einem Arbeitsbesuch in Puschkin/St. Petersburg, seit 1994 Partnerstadt von Zerbst/Anhalt.

alle am Ausstellungsprojekt Beteiligten

Von Anfang Juni bis zum 30. September 2019 wird in Zerbst/Anhalt, wo die russische Zarin Katharina II. einen Teil ihrer Jugend verbrachte, eine Fotoausstellung mit Ansichten von Zarskoje Selo unter dem Titel Auf den Spuren Katharinas stattfinden.

Eine entsprechende Vereinbarung darüber schlossen kürzlich das Staatliche Museumsreservat Zarskoje Selo und der Förderverein Schloss Zerbst e.V. ab. Unterzeichnet wurde sie von Museumsdirektorin Olga Taratynova und dem Vorsitzenden des Fördervereins Dirk Herrmann.

Vertragsunterzeichnung

Die geplante Ausstellung zeigt 26 Darstellungen, unterteilt in 13 Bildpaare. Jeweils zwei Fotokopien zeigen historische Aquarelle und Stiche aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie zum Vergleich zeitgenössische Fotografien von ein und denselben Plätzen und Gebäuden in Zarskoje Selo.

Unter den historischen Darstellungen sind Stiche von Alexey Grekov und Michail Machaev wie Die Eremitage in Zarskoje Selo (1759), von Johann Meyer Ansicht der Cameron-Galerie in Zarskoje Selo (1793), Guache von Alexander Sacharov Ansicht der Insel auf dem großen See in Zarskoje Selo (nach 1771).

Für uns ist es eine große Ehre, mit solch einem berühmten Museum wie dem Katharinapalast in Zarskoje Selo, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, zusammenzuarbeiten. Mit dieser Ausstellung möchten wir den Menschen zeigen, wie schön Zarskoje Selo ist, aber auch welchen hohen Stellenwert Kultur und Kunst in Petersburg und Russland einnehmen. Die Besucher können in der Ausstellung sehen, welche Veränderungen sich in Zarskoje Selo vollzogen haben“, äußerte Dirk Herrmann. Zugleich stelle die geplante Ausstellung einen guten Beitrag des Fördervereins Schloss Zerbst e.V. zum 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Puschkin und Zerbst sowie zum 290. Geburtstag von Katharina II., einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Zerbst, dar, sind sich Mainzer und Herrmann einig. Beide Jubiläen werden im Jahr 2019 begangen.

Während meines Aufenthaltes in Zerbst war ich sehr beeindruckt von der gigantischen Arbeit, die die Mitglieder des Fördervereins und die Zerbster beim Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Flügels leisten. Das nötigt uns Respekt ab und erfordert ernsthafte wissenschaftliche Arbeit. Ich hoffe, dass nach dieser Ausstellung noch weitere gemeinsame Projekte folgen“, wertschätzte Museumsdirektorin Olga Taratynova die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder des Fördervereins Schloss Zerbst e.V.. Im Verlaufe des Arbeitsgespräches informierte Dirk Herrmann ebenfalls über die zurzeit am Schloss Zerbst laufende Baumaßnahme.

zurzeit laufende Bauarbeiten am Schloss Zerbst

Die Gäste aus Zerbst hatten die Möglichkeit, sich bei einer Führung durch den Katharinapalast und durch die vor Kurzem wiedererrichteten Achatzimmer davon zu überzeugen, dass es auch 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges keinen Stillstand bei der Wiederherstellung der einst zerstörten Räumlichkeiten gibt. Ein besonderes Erlebnis war für Annegret Mainzer und Dirk Herrmann die Besichtigung der in Restaurierung befindlichen Palastkirche. Baugerüste besteigend, konnten sie den Restauratoren vor Ort über die Schultern schauen und Erfahrungen austauschen.

Des Weiteren gab es eine Begegnung der Zerbster Delegation mit Vertretern der Puschkiner Stadtverwaltung, sie trafen Katharina Kovalenko, 1. stellvertretende Bürgermeisterin, der auch das Kulturamt untersteht, den Kulturamtsleiter Sergey Nikitin und Svetlana Tkatscheva, die Verantwortliche für internationale Beziehungen.

Treffen mit Vertretern der Puschkiner Stadtverwaltung

Während Annegret Mainzer über die für das Jahr 2019 geplanten Aktivitäten der Stadt Zerbst/Anhalt hinsichtlich des 25-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläums informierte, berichtete Dirk Herrmann über den Fortschritt bei den am Schloss Zerbst laufenden Bau- und Sicherungsmaßnahmen sowie über die bevorstehende Zusammenarbeit mit dem Katharinapalast in Puschkin. Zudem wurden offizielle Grußadressen der sowohl des Zerbster wie auch des Puschkiner Stadtoberhauptes ausgetauscht.

Zerbst, den 19. November 2018

Fotos: Katharina Vysotzkaya, Annegret Mainzer

Vereinsakademie für russischsprachige Vereine in Sachsen-Anhalt in Heimatstadt Katharinas II.

Vereinsakademie für russischsprachige Vereine in Sachsen-Anhalt in Heimatstadt Katharinas II.

Annegret Mainzer, Zerbst

Von Diaspora zur Demokratie: Russischsprachige Community lernt Beteiligung und Toleranzunter diesem Thema stand die vom Förderverein der Deutschen aus Russland in Sachsen-Anhalt e.V. organisierte Vereinsakademie für russischsprachige Vereine, die am letzten Wochenende in der Zerbster Stadthalle, sozusagen am Fuße des Denkmals für Katharina II., stattfand. An dieser im Rahmen des Bundesprogramms Zusammenhalt durch Teilhabe durch das Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat geförderten Vereinsakademie nahmen nicht nur gut 80 Vertreter von russischsprachigen und russlanddeutschen Vereine aus Dessau, Halle, Bernburg, Halberstadt, Weißenfels, Oschersleben teil, sondern auch Zerbster Vereine wie der Katharina– und der Schlossverein.

                         

Demokratie-Heimat-Integration-Toleranz- Teilhabe – so lauteten die Schlüsselwörter dieser ganztägigen Vereinsakademie.

Eröffnet wurde die Vereinsakademie durch das Grußwort der Zerbster Kulturamtsleiterin Antje Rohm, die darauf hinwies, dass die Stadt Zerbst/Anhalt nicht zum ersten Mal Gastgeber für die Deutschen aus Russland sei, und erinnerte an das Einladungsmanifest Katharinas II. aus dem Jahr 1763, in dem die Wurzeln der Vereinsakademie liegen. Gemeinsam hießen Tatyana Nindel, Vorsitzende des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V., und „Prinzessin“ Emily Guth die Tagungsteilnehmer willkommen.

Grußwort des Zerbster Katharinavereins

Die Grußworte der Landesregierung überbrachte Petra Herthum von der Stabsstelle: Demokratie- und Engagementförderung beim Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration. Herthum erinnerte an den „holprigen“ Start bei der Ausbildung von Demokratieberaterinnen und Demokratieberatern. „Wir brauchen eine kontinuierliche Entwicklung der Demokratieförderung,“ so Herthum. Wichtig sei, so Herthum, dass man miteinander auf Augenhöhe rede. „Je niveauloser die Anderen werden, desto niveauvoller müssen wir werden,“ appellierte sie an die Anwesenden und versicherte, dass das Ministerium sich stets als ein zuverlässiger Partner in Sachen Demokratie erweise.

Grußwort der Landesregierung überbrachte Petra Herthum

Weshalb werden Demokratieberaterinnen und Demokratieberater ausgebildet? Diese Frage beantwortete Mitorganisatorin Olga Tidde: „Wir, die Deutschen aus Russland, leben in der deutschen Gesellschaft und haben lange Zeit nicht gewusst, was in der Gesellschaft passiert, da unsere ihre Landsleute alte Denkmuster aus der Sowjetunion mitbrachten.“ Jedoch sei es jetzt an der Zeit, die Opferrolle zu verlassen, aufzustehen und sich aktiv am gesellschaftlichen Leben in der deutschen Wahlheimat zu beteiligen, so Tidde.

Vorstellung der Demokratieberaterinnen und Demokratieberater

Nach dem Grußwortmarathon gab es eine Podiumsdiskussion zur Frage „Wie viele Heimaten gibt es für Zugewanderte?“, an der Olga Ebert, Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen aus Russland Sachsen-Anhalt e.V., Viktor Jukkert, Landeskoordinator des Programms Integration durch Sport, Hans-Ekkehard Stieglitz von der Netzwerkstelle für engagiertes Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe Bördekreis sowie Nikolas Rausch als Vertreter der Jugend und Studenten der Deutschen aus Russland teilnahmen. Im Verlaufe der Diskussion setzten sich die Teilnehmer nicht nur allgemein mit dem Begriff „Heimat“ auseinander, sie gaben auch Persönliches preis. Olga Ebert berichtete, dass in der ehemaligen Sowjetunion der Heimatbegriff sehr präsent und positiv, vor allem mit dem Gefühl des Stolzes besetzt war: „Wir glaubten wirklich, unser Land ist das beste auf der Welt.“ In der Familie hingegen sprach ihr Vater vom Wolgagebiet, in dem einst die Deutschen lebten. „Da merkte ich, dass es noch eine andere Heimat gab“, so Ebert. Dagegen vertritt Nikolas Rausch, fast im Abiturientenalter, die unbeschwerte Meinung, er komme vom Planeten Erde. Und so sollten alle Menschen, seiner Ansicht nach, die Frage nach ihrer Heimat beantworten. In der weiteren Diskussion konnte die Hauptfrage zwar nicht endgültig beantwortet werden, jedoch kam zum Ausdruck, dass die aus der ehemaligen Sowjetunion Zugewanderten fachliches Potenzial mit nach Deutschland bringen, das nicht sofort wertgeschätzt wird, was aber auch an mangelnder Sprachkenntnis und fehlendem Selbstvertrauen der Zugewanderten liege, wie die Teilnehmer selbstkritisch bemerkten.

Podiumsdiskussion

Der Tagungsnachmittag war von verschiedenen Workshops geprägt, die zum Beispiel die doppelte Staatsbürgerschaft und das Wahlrecht für nach Deutschland Zugewanderte ohne deutsche Staatsbürgerschaft zum Inhalt hatten, aber auch der Frage nachgingen: Wie kann man Freude und Interesse an Demokratie in der Community wecken? Hier zeigte sich, dass die Betroffenen viel Gesprächsbedarf hatten.

Workshop zur doppelten Staatsbürgerschaft

Insbesondere beim Workshop zur doppelten Staatsbürgerschaft war zu merken, dass selbst ein klar formuliertes Gesetz mit seinen zig Ausführungsbestimmungen nicht der Weisheit letzter Schluss darstellen kann, denn aufgrund des Zerfalls der Sowjetunion ergibt sich eine hohe Anzahl individuell zu betrachtender Fälle. Diskutiert wurden auch die Vor- und Nachteile einer doppelten Staatsbürgerschaft, so zum Beispiel: Ist es gerechtht, dass ein Russe oder Russlanddeutscher, der in Deutschland lebt, in Russland wählen darf, also die gesellschaftliche Entwicklung dort mitbestimmt? Nach gut zwei Stunden wurden die Ergebnisse und Anregungen aus den Workshops dem Plenum vorgestellt.

Den Abschluss der Vereinsakademie bildeten der Auftritt des aus Weißenfels angereisten Chores Matrjoschka und ein Tanzworkshop, bei dem die Tagungsteilnehmer sich in den in Deutschland üblichen Gesellschaftstänzen übten.

Chor „Matrjoschka“ Weißenfels

Meinungen der Tagungsteilnehmer:

Petra Herthum: „Wir brauchen Kontinuität in der Demokratieförderung.“

Nikolas Rausch (nach seiner Heimat befragt): „Ich komme vom Planeten Erde.“

Olga Ebert (in Bezug auf Zugewanderte/Flüchtlinge): „Wir dürfen unsere Menschlichkeit, Offenheit und Gastfreundlichkeit nicht vergessen.“

Tatyana Nindel: „Katharina II. ist das beste Beispiel für gelungene Integration.“

Anna Rausch (Referentin f. Jugendarbeit): „Demokratie wird nicht in Berlin gemacht. Wir gehören alle dazu.“

Zerbst, den 18.11.2018

Kleiner Katharinaball in Zerbst/Anhalt als Vorläufer der Großen Katharinaballs ?

Kleiner Katharinaball in Zerbst/Anhalt als Vorläufer der Großen Katharinaballs ?

Annegret Mainzer, Zerbst

Gewusel, Geplapper, Aufregung und Lampenfieber waren am Mittwochabend dieser Woche im Foyer der Zerbster Stadthalle zum Greifen nah, denn pünktlich um 20.00 Uhr sollte der Kleine Katharinaball in Zerbst/Anhalt beginnen. Der Kleine Katharinaball in Zerbst/Anhalt bildete den abschließenden Höhepunkt des vom Internationalen Verband der deutschen Kultur in Russland (IVDK) organisierten zweiwöchigen Sprachcamps in Zerbst/Anhalt.

Kulturamtsleiterin Antje Rohm und Campleiterin Larissa Schmidt

Unter den Ballgästen, die herzlich von der Campleiterin Larissa Schmidt begrüßt wurden, waren auch die Zerbster Kulturamtsleiterin Antje Rohm sowie Johanna Lüdecke, Ursula Böttge, Monika Friedrich und Annegret Mainzer vom Vorstand des Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V., der den Gästen aus Russland Kostüme aus seinem Fundus für diesen Kleinen Katharinaball zur Verfügung gestellt hatte.

Im Fasch-Saal der Zerbster Stadthalle lud Zeremonienmeister Viktor formvollendet zur Polonaise, mit der traditionell ein Ball bei Hofe eröffnet wurde. Zuvor hatte sich Kulturamtsleiterin Antje Rohm mit einem kurzen Grußwort an die Ballgäste gewandt und von den besonderen Beziehungen der Stadt Zerbst/Anhalt zu Russland, zur Partnerstadt Puschkin/St.Petersburg und zum IVDK gesprochen. Des Weiteren versprach sie im Namen der Stadt Zerbst/Anhalt und des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. die Beziehungen zum IVDK künftig fortzusetzen.

Danach lag die Leitung des weiteren Ballabends vollends in den Händen des sowohl im Russischen wie auch im Deutschen eloquenten und energischen Zeremonienmeisters Viktor.

Zeremonienmeister Viktor

Im Rahmen ihres zweiwöchigen Sprachcamps – sozusagen neben dem Sprachunterricht – hatten die Jugendlichen aus Russland 14 Tänze einstudiert, unter anderem Polonaise, Menuett, Polka, Walzer, eine französische Quadrille, Triolett, …. , die sie auf dem Kleinen Katharinaball in Zerbst/Anhalt präsentierten. Und es war den Mädchen und Jungen anzusehen, dass sie viel Spaß und Freude dabei hatten, in die Ballwelt des 18. Jahrhunderts einzutauchen.

  

Zwischen den Tänzen lasen die Mädchen auszugsweise aus ihren sehr emotionsgeladenen Aufsätzen, die sie im Vorfeld des Sprachcamps zur Persönlichkeit Katharinas II. in deutscher Sprache verfasst hatten.

                  

Da die Tänze die jungen Leute konditionell sehr forderten, brauchte es einige Verschnaufpausen, die mit einer Art Pfänderspielen gestaltet wurden.

        

Zugleich nutzten die Sprachcampteilnehmer und ihre Leiterin Larissa Schmidt die Gelegenheit, allen Partnern vor Ort, unter anderem der Stadt Zerbst/Anhalt, dem Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V., dem Förderverein Schloss Zerbst e.V. und ganz besonders dem Team des Europa-Jugendbauernhofes Deetz für die erwiesene Unterstützung zu danken. Besonderer Dank ging dabei an Annegret Mainzer, die die Gruppe in Magdeburg und Zerbst begleitete und an Ulrich Weimeister, den „Herbergsvater“ in Deetz.

Dank an Annegret Mainzer

Über den Kleinen Katharinaball in Zerbst/Anhalt äußerten sich die Gäste aus Russland in den sozialen Netzwerken folgendermaßen: „Der unvergessliche Abend in der Stadt Zerbst, wo unser lang ersehnter Ball stattfand, zeigte wirklich ein hohes Niveau.“

Fazit ? 2018- Kleiner Katharinaball in Zerbst/Anhalt.

2019 – 5. Großer Katharinaball in Zerbst/Anhalt ????

Zerbst, den 31. August 2018

Prof.G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst! (2)

Prof.G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst! (2)

1. Katharina-Forum 2018, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog in Zerbst/Anhalt (Teil 2- Die Teilnehmer und die Stadt Zerbst/Anhalt )

Annegret Mainzer, Zerbst

In erster Linie richtete sich das I. Katharina-Forum, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog, der am 31. Mai und 01. Juni d. J. unter der Schirmherrschaft von Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, in Zerbst/Anhalt, der Heimatstadt Katharinas der Großen, stattfand, an Vertreter der Wirtschaft Deutschlands und Russlands. Aber auch Vertreter der Politik, Wissenschaft und Kultur aus beiden Ländern waren als Gesprächspartner willkommen und gefragt, denn alle sollten vom I. Katharina-Forum partizipieren.

Gut 170 Interessierte nahmen an den Präsentations- und Gesprächsangeboten des I. Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt teil, brachten ihre Erfahrungen auf dem deutsch-russischen Markt in die Diskussionen während der thematischen Panels und Speeddatings ein, stellten ihre Aktivitäten zur Belebung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen vor, gaben Erfahrungen weiter.

Über die Plenarvorträge des russischen Botschafters Sergej Netschajew und des langjährigen Deutschland- und EU-Politikers Professor Günter Verheugen wurde bereits berichtet, deshalb stehen im folgenden Beitrag die Diskussionen der Teilnehmer im Vordergrund.

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/06/03/prof-g-verheugen-nennen-sie-es-das-signal-von-zerbst/

Michail Voevoda, stellvertretender Vorsitzender der sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, stellte zunächst die Region Novosibirsk vor, wo es vielschichtige Beziehungen zu den Deutschen und der deutschen Kultur gibt, wovon das dortige deutsche Konsulat, das Russisch-deutsche Haus, das Goethe-Institut, die Aktivitäten des DAAD und der Organisation Wiedergeburt zeugen. An den dortigen Hochschulen werde Deutsch gelehrt, so Voevoda.

Michail Voevoda, Novosibirsk

Er machte auch darauf aufmerksam, dass Novosibirsk durchaus attraktiv für deutsche Investoren sei, da bisher Transport und Logistik so weit entwickelt wurden, dass Zugang fast zu allen Regionen Sibiriens möglich sei. Zum anderen verwies Voevoda darauf, dass die von ihm vorgestellte Region ein Zentrum der wissenschaftlichen Lehre und Innovation mit thematisch unterschiedlichen wissenschaftlich-technischen Parks u.a. auf den Gebieten der Biopharmazie, der Medizintechnik oder auch des Tourismus darstelle.

Oliver Köhn von der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH sprach über die Rahmenbedingungen, die das gastgebende Bundesland Sachsen-Anhalt als Wirtschaftsstandort im Herzen Europas bietet. Vorteile in Sachsen-Anhalt für interessierte Investoren seien u.a., so Köhn, kurze effiziente Transportwege, eine hohe Anzahl von Industrieparks, schnelle Genehmigungsverfahren, ein „Blumenstrauß“ an Fördermitteln. Köhn kam auch auf den Anteil internationaler Studierender an den Universitäten und Hochschulen Sachsen-Anhalts zu sprechen, der bei 13 % liegt. Studierende aus Russland seien jederzeit willkommen.

Dass potenzielle Studienbewerber aus der Russischen Förderation willkommen und gewünscht seien, bestätigte Dr.-Ing. Sven Schwerdt von der Hochschule Magdeburg-Stendal im Gespräch mit Evgenia Voronina, stellv. Leiterin der Stadtverwaltung des Puschkiner Bezirks St. Peterburgs. Im Rahmen der fast 25-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Zerbst/Anhalt und Puschkin/St. Petersburg besteht eine sehr lebendige Schulpartnershaft zwischen dem Gymnasium Nr. 406 in Puschkin und dem Gymnasium Francisceum in Zerbst. Schwerdt und Voronina trafen erste konkrete Absprachen, den alljährlichen Schüleraustausch nutzen, um in beiden Gymnasien die Studienmöglichkeiten an der Hochschule Magdeburg-Stendal vorzustellen.

v.l.n.r.: Olga Martens (Moskau); Annegret Mainzer (Katharinaverein, Zerbst), Evgenia Voronina (Stadtverwaltung Puschkin)

Des Weiteren tauschten sich die Teilnehmer des I. Katharina-Forums zu aktuellen Problemen der Energiewirtschaft aus. Hierbei waren auch lokale Unternehmen sehr aktiv, so z.B. der Erdgasspeicher Peissen GmbH, der im letzten Jahr den Untergrundgasspeicher Katharina festlich eröffnet hatte. Chris Doehring von der GETEC green energy AG lud interessierte Forumsteilnehmer zu einer Exkursion auf sein Firmengelände, d.h. des einstigen sowjetischen Flughafen bei Zerbst ein. Dort informierte er die Gäste nicht nur über Zahlen, die die Energieproduktion betreffen, sondern zeigte auch auf, dass das vorhandene Firmengelände in sehr vielfältiger Weise auch für soziale und Naturschutzprojekte in der Zerbster Region genutzt wird, so dass der Solar- und Windanlagenpark auch bei der Bevölkerung Akzeptanz findet.

Ein Panel des I. Katharina-Forums stand unter dem Motto Kultur trifft Wirtschaft. Olga Martens, Herausgeberin der Moskauer Deutschen Zeitung und stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der deutschen Kultur in Russland, stellte ihr soziales Projekt, den Großen Katharinaball, der seit 2015 jährlich in Zarizyno bei Moskau durchgeführt wird, vor. Sie legte deutlich klar, wie nur bei diesem einen Projekt kulturelle und wirtschaftliche Interessen den gemeinsamen Nenner finden können. Im weiteren Verlauf des I. Katharina-Forums fand sich auch eine Firma aus der hiesigen Region, die voraussichtlich mit dem Großem Katharinaball zusammenarbeiten wird.

Olga Martens berichtet vom Potenzial des Großen Katharinaballes

Uwe Leuschner, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsclubs Russland e.V. und selbst langjähriger Unternehmer in Russland, der sich laut eigener Aussage stets als Dolmetscher zwischen zwei Welten verstehe, gab den Forumsteilnehmern bezüglich der Zusammenarbeit mit Russland Folgendes mit auf den Weg, bereit zu sein, Vertrauen aufzubauen, den Dialog miteinander nicht zu scheuen, was auch bedeute, die Sprache des anderen zu erlernen, einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen und Verantwortung zu zeigen, d.h. zu handeln. Denn die russische Wirtschaft habe gute Voraussetzungen für den deutschen Mittelstand, so Leuschner. In seiner abschließenden Vision meinte er mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht belächeln wir ja beim X. Katharina-Forum unsere heutigen Konflikte“, und er setzte dabei seine Hoffnung auf die kommende Generation.

Uwe Leuschner

Uwe Leuschner:

Es gibt nur noch unsere eine Welt, kein Ost und West.“

Die Vision eines X. Katharina-Forums kann durchaus Realität werden, denn erstens sprach sich der Schirmherr Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff für eine Fortsetzung dieses Formats aus und auch Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung signalisierte Unterstützung aus seinem Ministerium und zweitens befürworteten auch die Forumsteilnehmer im abschließenden Roadmap die Fortsetzung des Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt.

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff im Schloss Zerbst

Wie sieht nun der Ideengeber eines solchen deutsch-russischen Wirtschaftsforums in Zerbst/Anhalt, Bürgermeister Andreas Dittmann den Nutzen für seine Stadt?

Im Idealfall wird Zerbst nicht nur Synonym für die Deutsch-Russische Verständigung, sondern die Konferenzteilnehmer sehen, dass wir Unternehmen vor Ort nach Kräften unterstützen und dass es sich lohnt, sich in unserer Region anzusiedeln und sich zu engagieren. Aber auch für regionale Unternehmen kann es ein guter Marktplatz werden, um Kontakte zu knüpfen und Aufträge zu generieren. Damit würde das Katharina-Forum in der Wirkung bei vielen Menschen ankommen.“

Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann begrüßt die Gäste des Forums im Zerbster Schloss.

Anmerkung der Redaktion: zerbstergazette war es nicht möglich, an allen Sektionen des Katharina-Forums teilzunehmen, da sie zum Teil parallel liefen. Deshalb an dieser Stelle eine fokussierte Berichterstattung.

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/06/06/signal-von-zerbst/

Zerbst, den 06.06.2018

Prof. G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst!

 Prof. G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst!

1. Katharina-Forum 2018, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog in Zerbst/Anhalt (Teil 1- Die Politiker)

Annegret Mainzer, Zerbst

Das 1. Katharina-Forum, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog in Zerbst/Anhalt, der Heimatstadt Katharinas der Großen, fand am 31. Mai und 01. Juni d.J. unter der Schirmherrschaft von Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, statt. Das 1. Katharina-Forum wurde von ca. 170 Vertretern der Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Politik sowohl aus Deutschland wie auch aus Russland besucht. Initiiert wurde das 1. Katharina-Forum vom Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalt, der Stadt Zerbst/Anhalt unter aktiver Mitwirkung des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. und des Fördervereins Schloss Zerbst e.V..

Höhepunkte bildeten zweifelsfrei neben den thematischen Panels der Impulsvortrag von S.E. Sergej Netschajew, Botschafter der Russischen Förderation in Deutschland, und das als Session-Keynote angekündigte Referat des verdienten Deutschland- und EU-Politikers Professor Günter Verheugen.

Beide Analysen waren von Ehrlichkeit, Offenheit, Unverblümtheit, praktischen Erfahrungswerten, Eloquenz und weitere Dialogbereitschaft geprägt. Nichts in den derzeit schwierigen deutsch-russischen Beziehungen auf politischer Ebene wurde weder von Botschafter Netschajew noch von Professor Verheugen beschönigt. Klare Worte am historischen Ort, d.h. in der ehemaligen Zerbster Reithalle, wo die Zerbster Prinzessin, die spätere Zarin Katharina II., Reitstunden absolviert hatte.

Botschafter Netschajew: Potenzial der deutsch-russischen Beziehungen nicht ausgeschöpft

Während am 1. Tag der 1. Katharina-Forums Botschafter Netschajew in seinen Ausführungen zunächst daran erinnerte, dass die aus dem Fürstentum Anhalt-Zerbst stammende Zarin Katharina II. eine weise und ausgewogene Wirtschafts- und Außenpolitik betrieben, den Außenhandel liberalisiert und Zölle gesenkt habe, verwies er im gleichen Atemzug darauf, dass der gegenwärtige Sanktionsdruck gegenüber Russland für den Ausbau der deutsch-russischen Beziehungen nicht förderlich sei.

Um so wichtiger sei es, Botschafter Netschajew zufolge, dass die interregionalen deutsch-russischen Kooperationen und die mehr als 100 deutsch- russischen Städtepartnerschaften den jetzigen Sanktionsfaktor ausgleichen würden. In diesem Zusammenhang nannte er das laufende deutsch-russische Kreuzjahr der kommunalen und regionalen Partnerschaften 2017/2018, das 2017 auf der Städtepartnerkonferenz in Kransodar ausgerufen wurde. Ein nächstes deutsch-russisches Kreuzjahr sei künftig auf den gebieten Bildung und Wissenschaft geplant. Seiner Meinung nach sind derartige deutsch-russische Kreuzjahre nicht nur für Russland und Deutschland, auch für Gesamteuropa förderlich.

Auf die Frage, wie er die deutsch-russischen Beziehungen in etwa 15 Jahren zu sehen wünsche, nannte der Botschafter folgende Attribute: aufschlussreich, vertrauensvoll, intensiv, kompetent und souverän. Russland sei dazu bereit, schob er nach.

Nach einer möglichen Visafreiheit für Deutsche in Russland befragt verwies Botschafter Netschajew auf bereits praktizierte Visaerleichterungen wie zur bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft. Jedoch machte er unmissverständlich klar, dass die Frage der Visafreiheit keine einseitige, nur von russischen Seite ausgehende Entscheidung sein könne, sondern eine bilaterale darstelle.

Botschafter S. Netschajew

Aus dem Impulsvortrag von Botschafter S. Netschajew:

Das Potenzial der deutsch-russischen Beziehungen ist noch nicht ausgeschöpft.“

Nach dem 2. Weltkrieg haben wir mit beiden deutschen Staaten viel erreicht.“

Wir (Anmerkung d. Red.: Russen und Deutsche) kennen uns

mehr als andere in Europa.“

Prof. G. Verheugen: Katharina-Forum – das Signal von Zerbst

Professor Günter Verheugens Rede bildete am 2. Tag des 1. Katharina-Forums einen fundierten Rückblick auf die jüngste Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, durchaus unterhaltsam gespickt mit persönlichen Anekdoten aus einem langjährigem Politikerleben.

Professor Verheugens Retrospektive begann im Jahr 1965, als er als Student das erste Mal in Moskau weilte. In weiteren Zehnjahresschritten setzte er seinen Erfahrungsbericht fort. Bereits 1975 besuchte Verheugen die damalige Sowjetunion als Mitglied der Delegation des Bundespräsidenten. Gleichsam humorvoll wie nachdenklich berichtete er von Begegnungen mit Leonid Breschnew, damaliger Generalsekretär der KPdSU. „Mit solchen Leuten wie Breschnew ist es uns gelungen, Verträge zu schließen. Und heute können wir das nicht? Das muss mir mal jemand erklären. Darin sehe ich keine Logik“, fragte er provokativ ins Publikum hinein und erntete dafür zustimmenden Beifall.

Prof. G. Verheugen

In seinen weiteren Ausführungen machte Professor Verheugen sehr deutlich, dass Russland nicht aus Europa herausgedrückt werden könne und dass Russland untrennbarer Bestandteil Europas sei. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass heutzutage viele Politiker die Begriffe „Europäische Union“ und „Europa“ nicht immer im richtigen Zusammenhang benutzen.

Aufgrund seines großen Erfahrungsschatzes, dabei auch das Thema „Ukraine“ tangierend, kam Professor Verheugen zum Schluss, dass Einflussnahme auf die Politik eines anderen Landes nicht durch Druck passieren könne, sondern nur durch eine verlässliche Partnerschaft. Jedoch bekannte er auch, dass innerhalb der EU keine einheitliche Russlandpolitik erkennbar sei. Und einen Teil der Schuld daran, trüge auch die deutsche Regierung, so Verheugen.

Professor Verheugen machte noch einmal sehr deutlich, dass die Mehrheit der Deutschen

– eine gute Nachbarschaft zu Russland ,

Russland nicht belehren und schulmeistern

– und gegenüber Russland keine Drohgebärden und Eskalation wolle.

Wer kann für globale Balance in der Welt sorgen, wenn nicht wir Europäer?“, fragte Verheugen und schlug vor das 1. Katharina-Forum das Signal von Zerbst zu nennen, womit er ein neues geflügeltes Wort geprägt haben dürfte.

Aus der Session-keynote von Professor G. Verheugen:

Zerbst ist der beste Platz zum Nachdenken über die Wechselbeziehungen zwischen Russland und Deutschland.“

Wir sollten Russland nicht schulmeistern.“

Wir wissen, dass dem Krieg der Worte, der Krieg der Waffen folgt.“

Zerbst, 03. Juni 2018