Der 71. Tag des Sieges in Dresden – S Prasdnikom

Der 71. Tag des Sieges in Dresden – S Prasdnikom

von Annegret Mainzer, Zerbst

Alljährlich am 9. Mai wird in Russland der Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus begangen. Traditionell finden auf dem Roten Platz in Moskau eine große Militärparade statt sowie allerorts Ehrungen der Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, wie der 2. Weltkrieg in russischer Geschichtsschreibung benannt wird, statt. Aber auch diejenigen, die als Kinder die vom 8 September 1941 bis zum 27. Januar 1944 andauernde Blockade des damaligen Leningrad überlebt haben, die sogenannten Blockadekinder, werden geehrt. Nur zur Erinnerung: Die Blockade von Leningrad hatte infolge von Bombenangriffen, Hunger und Unterernährung unter den Zivilisten mehr als 100 000 Todesopfer gefordert.

Auch für die im Ausland lebenden Russen und Deutschen aus Russland ist der 9. Mai jeden Jahres ein besonderer Tag: Es ist ein Tag, an dem sie sowohl ihrer gefallenen Familienmitglieder gedenken wie auch berechtigterweise ihren Stolz darauf, über das menschenverachtende Naziregime in Deutschland gesiegt zu haben.

Am 7. Mai diesen Jahres wurde in Dresden eine derartige Veranstaltung der besonderen Art organisiert. Das in der sächsischen Hauptstadt agierende Deutsch- Russische Kulturinstitut e.V. hatte zum Konzert von jungen Musikschülern unter dem Motto „Musik verbindet“ in das dortige Kulturrathaus geladen.

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Schüler des Rimskij-Korsakov- Konservatoriums St. Petersburg und des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik musizierten gemeinsam für die Veteranen des 2. Weltkrieges. Mit finanzieller Unterstützung verschiedener sächsischer Institutionen konnten dieses deutsch- russische Musikprojekt realisiert werden, so Dr. Wolfgang Schälike, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Kulturinstituts e.V. in Dresden. Seit Januar diesen Jahres probten die Musikschüler einzeln in Dresden und in St. Petersburg, vom 4.- 7. Mai hatten sie Gelegenheit zusammen in Dresden zu proben. Und das junge Deutsche und Russen friedlich zusammen musizieren – auch in Zeiten, in denen die offiziellen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland täglich neu auf dem Prüfstein stehen – ist ein gutes Zeichen, so der Tenor der Grußworte des Abends.

Das Resultat konnte sich hören lassen. Als Duo oder Trios bzw. Quartett ließen die Mädchen und Jungen von Elbe und Newa Musik verschiedener europäischer Komponisten wie Schumann, Tschaikowskij, Schubert, Grieg, Mozart und Rachmaninow an Klavier, Geige, Cello, Oboe und Waldhorn erklingen. Die jungen Musiker zeigten eine respektable Professionalität und ihnen war keineswegs anzumerken, dass diesem Konzert nur drei Tage gemeinsames Proben vorausgegangen waren.

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Das Publikum des gut besuchten Konzertes dankte den jungen Musikanten mit lang anhaltendem Beifall, vor allem nachdem auch solche Melodien wie Zhuravli (Kraniche) von Jan Frenkel und Smugljanka (Dunkles Mädchen) von Anatolij Nowikow und Jakow Schwedow erklangen- Melodien, die unmittelbar Assoziationen über den 2. Weltkrieg aufkommen lassen. Übrigens das Lied Smugljanka, geschrieben 1940, erreichte bei einem 2015 durchgeführten Ranking zu den beliebtesten Liedern der Russen Platz 24.

Die Überraschung des Abends war ein Grußwort von Anton Ermakov, dem 3. Sekretär des Generalkonsulats der Russischen Förderation in Leipzig, der im Namen der russischen Regierung den anwesenden Veteranen zu den Maifeiertagen gratulierte und ihnen für ihren Einsatz in den damaligen schweren Zeiten dankte, Gleichzeitig überreichte man den Veteranen nebst Blumen auch Briefe aus dem Kreml in Moskau.

S Prasdnikom (С праздником)– war an diesem Abend im Dresdener Kulturrathaus vielmals zu hören – sowohl bei der Begrüßung wie auch bei der Verabschiedung. C prasdnikom- und das mit Recht.

Annegret Mainzer im Gespräch mit Anton Ermakov, Vertreter des Russischen Generalkonsulats Leipzig
Annegret Mainzer im Gespräch mit Anton Ermakov, Vertreter des Russischen Generalkonsulats Leipzig

Zerbst, den 09. Mai 2016 Annegret Mainzer

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Musiker aus Anhalt in der Stadtkapelle von Reval in der Mitte des 19. Jahrhunderts – Музыканты, родом из Ангальта, в городском оркестре в Ревеле в середине 19 века

Musiker aus Anhalt in der Stadtkapelle von Reval in der Mitte des 19. Jahrhunderts – Музыканты, родом из Ангальта, в городском оркестре в Ревеле в середине 19 века

 

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Denkmale für Friedrich Schneider und Wilhem Müller in Dessau

Der bei Zittau geborene deutsche Komponist und Organist Johann Christian Friedrich Schneider (1756- 1853) war von 1822- 1853 Herzoglich- Anhaltisch- Dessauischer Hofkapellmeister. Sein Bruder Johann Gottlob Schneider (1789- 1864) war ab 1825 Organist an der von 1739 bis 1755 erbauten barocken Katholischen Hofkirche in Dresden. Diese Stelle hatte er bis zu seinem Tode inne.

Родившийся недалеко от города Циттау немецкий комрозитор и органист Иоганн Христиан Фридрих Шнайдер (1756- 1853) был с 1822 по 1853 гг. придворным капельмейстером у герцога Ангальт- Дессауского. Его брат Иоганн Готтлоб Шнайдер (1789- 1864) с 1825 г. был органистом в католическом замковом соборе в Дрездене, который был построен с 1739 по 1755 гг. в стиле барокко. Он занимал этот пост до самой смерти.

Katholische Schloss- und Hofkirche Dresden
Katholische Schloss- und Hofkirche Dresden

Zudem leitete Johann Gottlob Schneider die vom aus Böhmen stammenden Königlich- sächsischen Hoforganisten Franz Anton Dreyssig (1774- 1815) im Jahr 1807 ins Lebens gerufene ins Leben gerufene Dreyssig´sche Singakademie. Unter Johann Gottlob Schneiders Leitung erlebte die Dreyssig´sche Singakademie zu Dresden ihre Blütezeit.

Кроме того Иоганн Готтлоб Шнайдер руководил Дрезденской певческой академией, которая в 1807 г. была основана придворным органистом Франц Антон Дрейссиг (1774- 1815), который был родом из Богемии. Те годы, стоявшие под руководством Иоганна Готтлоба Шнайдера, были расцвет Дрезденской певческой академии.

Grabstätte Dreyssigs in Dresden
Grabstätte Dreyssigs in Dresden

Gemeinsam mit dem seinerzeit bekannten Dessauer Dichter Wilhelm Müller (1797- 1827) begründete Johann Christian Friedrich Schneider die Dessauer Liedertafel. Schneider führte in Dessau auch Abonnementkonzerte ein. Außerdem versuchte Schneider Musikfeste zu etablieren, z.B. 1825 in Magdeburg, 1827 in Zerbst und 1838 in Wittenberg.

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Вместе с известным в то время поэтом Вильгельм Мюллер (1797- 1827) из г. Дессау Иоганн Христиан Фридрих Шнайдер оновал Дессауский Лидертафель (немецкое мужское хоровое любительское сообщество). В г. Дессау Шнайдер учредил концерты по абонементу и кроме того, Шнайдер организовал музыкальные фестивали, напр. в 1825 г. а Магдебурге, в 1827 г. в Цербсте и в 1838 г. в Виттенберге.

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Aus Schneiders zweiter Ehe gingen acht Kinder hervor, unter ihnen war sein in Leipzig geborener Sohn Bernhard Schneider (1819- 1898). Vor seiner Anstellung in Dessau war Schneider sen. in Leipzig tätig, u.a. am dortigen Stadttheater und als Organist an der Thomaskirche.

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                                                                    Grabstätte von Wilhelm Müller in Dessau

От второго брака у Шнайдера родилось восемь детей, среди них был его родившийся в Лейпциге сын Бернард Шнайдер (1819- 1898). До его переезда в Дессау Шнайдер Старший жил в Лейпциге, где он работал в театре и органистом в соборе Св. Томаса.

Bernhard Schneider kehrte der anhaltischen Wirkungsstätte seines Vaters den Rücken und wanderte 1848 ins Russische Reich aus, wo er sich zunächst als Musiklehrer bei einem russischen Fürsten seinen Lebensunterhalt verdiente.
Außerdem gehörte Bernhard Schneider zu den zehn Musikern aus Mitteldeutschland, d.h. aus den heutigen Bundesländern Sachsen- Anhalt, Sachsen und Thüringen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in die Stadtkapelle von Reval (heute: Tallinn/ Estland) aufgenommen wurden.

Бернард Шнайдер покинул Ангальт и в 1848 г. он переехал в Российскую Империю, где он работал репетитором и учителем в семье русского князья.
Кроме того он принадлежал к числу тех музыкантов, которые были из Средней Германии, т. е. из нынешних федеральных земель Саксония- Ангальт, Саксонии и Тюрингии и которые в середине 19 века входили в состав городского оркестра Ревеля (ныне: Таллин/ Эстония).

Im Jahr 1851 wurde diese Stadtkapelle von August Friedrich Krüger (1810- 1883), seinerzeit Stadtmusikdirektor von Reval, ausschließlich mit gut ausgebildeten professionellen Musikern aus dem heutigen Mitteldeutschland besetzt.

В 1851 г. Август Фридрих Крюгер (1810- 1883), музыкальный директор г. Ревеля, выбрал для этого городского оркестра исключительно хорошо обученных профессиональных музыкантов из Средней Германии.

Zu diesen Auserwählten gehörte nicht nur Bernhard Schneider, sondern auch der ebenfalls aus Dessau stammende Bernhard Lorenz, vermutlich ein Nachfahre einer der im 1851 herausgegebenen Staats- und Adreßhandbuch für die Herzogthümer Anhalt- Dessau und Anhalt- Köthen aufgeführten Kammermusiker Adolf Lorenz, Gustav Lorenz, Johann Karl Lorenz und Friedrich August Lorenz. Die beiden Letztgenannten waren sogar Inhaber der Kaiserlich- königlichen Russischen Kriegsgedenkmünze für 1812.
In dieser Stadtkapelle von Reval spielte außer Schneider und Lorenz auch ihr Landsmann Wilhelm Leps, ein aus Coswig in Anhalt stammender Posaunist.

К этим избранным принадлежал не только Бернард Шнайдер, но и его соотетчественник Бернард Лоренц из Дессау, который, наверное, был потомком одного из следующих придворных камерных музыкантов Адольф Лоренц, Густав Лоренц, Иоганн Карл Лоренц и Фридрих Август Лоренц, которые перечислены в адресной книге герцогств Ангальт- Дессау и Ангальт- Кётен для 1851 года.
Тромбонист Вильгельм Лепс, родом из ангальтского города Косвиг, был также членом уже упомянутого оркестра г. Ревеля.

Zuletzt war Bernhard Schneider Musikdirektor in Paluev. Wenig ist über sein Privatleben in Erfahrung zu bringen. Im Jahr 1860 ehelichte er in Smolensk nach evangelisch- lutherischem Ritus die damals neunzehnjährige Bertha Emilie Wohtzech, gebürtig aus Riga, wo er zeitweise tätig war. Seine Frau verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Gouvernante. Bernhard Schneider verstarb in Riga.

Берард Шнайдер работал также музыкальным директором в Палуеве. До сих пор мало известно об его личной жизни. В 1860 г. он в Смоленске женился на 19- летней Эимлии Берте Вотцех, родом из Риги, которая работала гувернанткой. Бернард Шнайдер умер в Риге.

Verwendete Literatur:
Erik Amburger Datenbank (online)
forum.ahnenforschung.net 08.04.2013
Koch; K.-P.: Deutsche Musiker in Estland einschließlich dem nördlichen Livland https://www.gko.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/musikwissenschaft/pdf_allgemein/arbeitsgemeinschaft/Heft15/Heft_15_Koch1Estland.pdf 06.02.2016
Lenz, W.v.: Beethoven eine Kunststudie, Cassel, 1855
Melchert, J.F. (Hg.): Staats- und Adreßhandbuch für die Herzogthümer Anhalt- Dessau und Anhalt- Köthen, Dessau, 1851
Schüler- Verzeichnis des Revalschen Gouvernements- Gymnasiums bearb. v. H. Hradetzky, Reval, 1931
Seemann, Th. (Hg.): Geschichte der Dreyssig´schen Singakademie in Dresden, Dresden, 1882
Vallaste, T.: Die maßgeblichen Musikdirektoren und Musiklehrer in Reval (Tallinn) im 19. Jahrhundert http://www.dspace.utlib.ee 30.08.2011
http://www.findcity.de 06.01.2015

Zerbster Heimatkalender 2016 mit Beitrag über interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert

Zerbster Heimatkalender 2016 mit Beitrag über interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert

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Der Zerbster Heimatkalender 2016 enthält interessante Beiträge zur Geschichte Anhalts und darüber hinaus. Unter anderem sind im Zerbster Heimatkalender 2016 folgende Beiträge zu lesen:

  1. Griesbach, A.-A.: „Alle Dinge sind Gift, und Nichts ist ohne Gift; Allein die Dosis macht´s, dass ein Ding kein Gift sei“- Paracelsus- 485 Jahre Rats- und Stadtapotheke. Ein Blick in die Geschichte des Gesundheitswesens
  2. Mainzer, A.: Ein interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert. Zum 235. Geburtstag der Malerin Caroline Bardua aus Ballenstedt
  3. Miedtank, L.: Zerbster Fayence und Meissener Porzellan im frühen 18. Jahrhundert. der Meissener Porzellanmaler und Zerbster „Hoffabrikant“ Johann Caspar Ripp- Teil 1
  4.  Röder, St.: Anhalt- Zerbster Infanterie und Kavallerie in kaiserlich- habsburgischen Diensten
  5. Herrmann, D.: Der Baukondukteur Johann Friedrich Friedel. Die künstlerischen Leistungen der Architekten und Gestalter des Zerbster Schlosses, Teil V
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Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

В 1767 г. российская царица Екатерина II, урожденная принцесса Агнальт- Цербстская, отправила группу молодых русских, окончавших Пажеский корпус, на университетскую учёбу в Лейпциг. Это присходила по рекомендации графа Григория Орлова, ставшего позже вице- президента Российской Императорской Академии наук в Ст. Петербурге. Григорий Орлов сам в 1761 г. окончил свою учёбу в Лейпциге. Екатерина II сама разработала инструкции для поведения русских студентов за рубежом.

Völkerschlachtdenkmal - ein Wahrzeichen Leipzigs
Völkerschlachtdenkmal – ein Wahrzeichen Leipzigs

Im Jahr 1767 schickte die russische Zarin Katharina II., geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst, eine Gruppe junger Russen, die gerade im Pagenkorps ausgebildet worden waren, zum Universitätsstudium nach Leipzig. Dies geschah auf Anraten des Grafen Grigori Orlow, der u.a. zum Vize- Präsidenten der Kaiserlichen Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg ernannt wurde. Grigori Orlow hatte selbst 1761 sein Studium in Leipzig abgeschlossen. Zarin Katharina II. erarbeitete höchst persönlich die Instruktionen für das Auftreten und Verhalten der russischen Studenten im Ausland.

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Julius Johannes Döring aus Dresden und seine Spuren im Baltikum

Julius Johannes Döring aus Dresden und seine Spuren im Baltikum

Blick auf Dresden- Geburtsort von Döhring
Blick auf Dresden

Der bei Dresden geborene Maler, Restaurator und Kulturhistoriker Julius Johannes Döring (*1818), Sohn eines Schneidermeisters, erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Akademie der Künste in Dresden.

Kunstakademie Dresden
Kunstakademie Dresden

1845 reiste er nach Kurland und ließ sich dort in Mitau (heute: Jelgava/ Lettland) nieder. Vorrangig befasste er sich mit Altargemälden und erteilte Zeichenunterricht. 1852 unternahm er eine Studienreise nach Frankreich und Italien, Griechenland und Palästina und ab 1859 bekam er die Stelle des Zeichenlehrers am Mitauer Gymnasium. Zuvor hatte er schon an den Mitauer Töchterschulen unterrichtet. Im Jahr 1860 wurde Döring Bibliothekar der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst und 1865 ihr Geschäftsführer. Diese Ämter bekleidete er bis 1893. Im Alter von 78 Jahren verstarb Döring im Jahr 1898 in Mitau.

Julius Döring (1818- 1898)
Julius Döring (1818- 1898)

Er erteilte ebenfalls privat Zeichenunterricht und zu seinen Schülerinnen gehörten die seinerzeit namhaften Malerinnen Elise Jung – Stilling (1829- 1904), Emma von Kleist (1840- 1892) und Alexandra von Reibnitz (*1857). Zu Dörings Privatschülern, die er in seinem Mitauer Atelier unterwies, gehörte auch der lettisch- deutsche Maler Johann Walter- Kurau (1869- 1932) der Begründer der modernen lettischen Malerei, über den ich wieder die Verbindung zu Dresden findet, denn Walter – Kurau, der auch das Geigenspiel erlernt hatte, spielte nach 1905 bis zu seinem Wegzug nach Berlin im Jahre 1917 Geige am Opernhaus in Dresden, der heutigen Semperoper.

Loge der Dresdner Semperoper
Loge der Dresdner Semperoper

Doch zurück zu Döring, von dessen künstlerischen Schaffen zahlreiche Gemälde für die katholische Kirche in Mitau zeugten wie auch das Altargemälde der Armenkirche St. Johann in Mitau, das er 1865 vollendete. Zudem wurde im Jahr 1861 unter seiner Leitung der Altar in der gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbauten evangelisch- lutherischen Heiliggeistkirche von Bauske (heute: Bauska/Lettland) umgestaltet. Döring hinterließ der Nachwelt zirka 1000 Porträts und 23 Altargemälde in den Kirchen Lettlands und Litauens. Zudem war er leidenschaftlicher Sammler von historischen und archäologischen Sachen.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Baltisches Biographisches Lexikon digital
2. Dannenberg, K.: Zur Geschichte und Statistik des Gymnasiums zu Mitau, Mitau, 1875; S. 45 f.
3. Neumann, W.: Lexikon baltischer Künstler, Riga, 1908, 34ff., 79 f.; 123
4. http://www.webcitation.org/6FkTkpGNZ 04.04.2015
5. http://www.antonia.lv/ru/zhivopisj/dering-julius-iohann/ 04.04.2015
6. http://deutsch-wort.de/walter_kurau 10.04.2015

 

Der Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann und seine Spuren in Dresden und St. Petersburg

Der Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann und seine Spuren in Dresden und St. Petersburg

Kunstakademie Dresden
Kunstakademie Dresden

Der am 12. März 1801 in Wildenfels☆ geborene Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann hatte von 1815- 1820 an der 1764 gegründeten Dresdener Akademie der bildenden Künste studiert. Danach vollendete er seine Studien und sein Können in Rom, wo er u.a. eine Reihe von Büsten sächsischer Monarchen anfertigte. Von 1835 bis 1852 wirkte er in St. Petersburg. Unter anderem arbeitete er an der Ausgestaltung des Winterpalastes mit, der 1837 durch einen Brand stark geschädigt worden war. Für das Vestibül der Neuen Eremitage im Winterpalast schuf er zwei Skulpturen, die den Ruhm darstellen. Unter seiner Federführung wurden die Wände von 36 Räumlichkeiten im Winterpalast mit künstlichem Marmor verkleidet, der nach einem speziellen Rezept von Herrmann angefertigt wurde.

Winterpalais in St. Petersburg
Winterpalais in St. Petersburg

Herrmann zeichnete sich auch für die Fertigung von 24 Erzengel- und Engelsfiguren, die auf der Kuppel der Isaak- Kathedrale aufgestellt wurden, verantwortlich.

Isaac- Kathedrale in St. Petersburg
Isaac- Kathedrale in St. Petersburg
Blick auf Giebel der Isaac- Kathedrale
Blick auf Giebel der Isaac- Kathedrale

Wie viele seiner Kollegen arbeitete auch Herrmann zeitgleich an der Erledigung verschiedener Aufträge, so schuf auch er Elemente des Interieurs der Petersburger lutherischen Petrikirche. Im Jahr 1841 wurde Herrmann vertraglich verpflichtet, die dekorativen bildhauerischen Elemente für den Marinskij- Palast, dessen Bau 1844 vollendet wurde, anzufertigen.

Deutsche Evangelische Kirche St. Petri in St. Petersburg
Deutsche Evangelische Kirche St. Petri in St. Petersburg
Blick ins Innere der St. Petri- Kirche
Blick ins Innere der St. Petri- Kirche

Im Jahr 1852 kehrte er nach Dresden zurück, wo er 1869 verstarb. Die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlung Dresden zeigt vier von Herrmann angefertigte Marmorbüsten u.a. von Georg Washington und von drei sächsischen Königen. Außerdem finden sich noch andere Spuren von Joseph Herrmann in der heutigen sächsischen Hauptstadt. So stammte die SAXONIA am Südgiebel der heutigen Schinkelwache von ihm.

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Außerdem schuf er die sogenannte Senfbuechse, ein kleines Denkmal am Dresdner Körner- Platz, das er aus Marmor schon in Rom geschaffen hatte und an seinen Vater erinnert, der 1799 zwei Seeleuten das Leben rettete.

Senfbüchse in Dresden- Loschwitz
Senfbüchse in Dresden- Loschwitz
Innenrelief
Innenrelief
Autorin Annegret Mainzer auf Spurensuche von Joseph Herrmann in Dresden
Autorin Annegret Mainzer auf Spurensuche von Joseph Herrmann in Dresden

☆Ich möchte mich recht herzlich bei Frau Monika Badock, Ortschronistin in Wildenfels, für Ihre wertvollen Informationen bedanken.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. http://www.isaac.spb.ru/persons/german 12.05.2013
2. welcome-petersburg.com/ru/иосиф.герман 12.05.2013
3. Scheer, C.: Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, 2006
4. http://skd-online-collection.skd.museum/de/contents/artists?id=12788512 20.03.2015
5. Vierhaus, R. (Hg.): Deutsche Biographische Enzykloädie, Bd.4, Berlin, 2006, S. 735
6. https://dresden.city-map.de/02010500/josef-hermann-denkmal 20.03.2015

A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg
Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg

Wer beim Lesen des Buchtitels Reise von Petersburg nach Moskau vermutet, es handele sich um einen Bericht über die landschaftlichen Schönheiten Russlands, der liegt falsch. Denn unser Reisender legt in seinen Berichten den Fokus verstärkt auf die ungeschminkte Darstellung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Untertanen der russischen Krone im ausgehenden 18. Jahrhundert, vor allem abseits solcher von den jeweiligen Zaren und Zarinnen protegierten urbanen Zentren wie Moskau und St. Petersburg.

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Die Reise führt unseren Reisenden in die russischen Provinzen, d.h. von der Newa über Nowgorod, Waldai, Wyschni Wolotschok und Twer nach Moskau. Da zu jener Zeit Eisenbahnen, Autos und Flugzeuge noch der Zukunft angehörten, reiste er in der Kibitka, d.h. in einem in Russland übliches Fuhrwerk mit drei Pferden, der Kutschersitz ist offen, während der Reisende von einem Dach geschützt wird.

Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819
Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819

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