Dornburg a.d.Elbe – 2017: Festakt anlässlich 20 Jahre Stengel-Gesellschaft Dornburg/Elbe e.V.

Dornburg a.d.Elbe – 2017: Festakt anlässlich 20 Jahre Stengel-Gesellschaft Dornburg/Elbe e.V.

Annegret Mainzer, Zerbst

Am frühen Abend des 07. Oktober d.J. waren das Foyer sowie der Gartensaal des Schlosses Dornburg an der Elbe hell erleuchtet, wurden doch Gäste anlässlich des Festaktes zum 20-jährigen Bestehen der StengelGesellschaft Dornburg/Elbe e.V. erwartet und mit einem Glas Sekt durch den Vereinsvorsitzenden Egbert Platte persönlich begrüßt.

Gekommen waren nicht nur die lokalen VIPs wie Dr. Steffen Burchhardt, Landrat des Landkreises Jerichower Land, und Jens Hünerbein, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Gommern. Zu den Gratulanten gehörten auch Vertreter befreundeter Vereine wie des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. und des thüringischen Vereins „Christiane Eleonore von Zeutsch“.

Vertreter der Stengel-Gesellschaft, des Katharinavereins Zerbst und des Zeutsch-Vereins
Vereinsvorsitzender Egbert Platte hält den Rückblick

In seinem Rückblick erinnerte Vereinsvorsitzender Egbert Platte an die die Vereinsgründung und Vereinsarbeit prägenden Persönlichkeiten wie an den Nestor der Stengelfreunde, den Dornburger Lehrer, liebevoll Kantor genannt, Erhard Micklisch (†2006), auf dessen unermüdlich permanentes Insistieren so manche Maßnahme zur Erhaltung des bis heute verwaisten Schlosses Dornburg zurückgeht. „Egal, ob Dr. Wolfgang Böhmer, Dr. Rainer Höppner oder Dr. Reiner Haseloff – Erhard Micklisch schaffte es, dass fast alle Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts einmal nach Dornburg ins Schloss kamen,“ würdigt Egbert Platte das Wirken von Erhard Micklisch.

Vereinsnestor Erhard Micklisch

Wie das Schloss Dornburg auf eine ereignisreiche Bau- und Nutzungsgeschichte zurückblicken kann, so verhält es sich auch mit der Vereinsgeschichte der StengelGesellschaft Dornburg/Elbe e.V.. Mit vielfältigen Veranstaltungen wie Schlossfeste, Schlossöffnungen und Vorträgen versuchten die Stengelfreunde von Anbeginn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit an, die Aufmerksamkeit auf die Probleme um die Erhaltung und künftige Nutzung des Schlosses Dornburg zu lenken. Eine wesentliche Rolle spielten dabei wissenschaftliche Symposien. In diesem Zusammenhang vergegenwärtigte Egbert Platte noch einmal die Bedeutung des Fundes der Baupläne für Schloss Dornburg, die der Moskauer Professor Georgi Smirnow in der Grafischen Sammlung der Westeuropa-Abteilung der St. Petersburger Eremitage fand und sie auf dem Symposium 2002 in Dornburg präsentierte.

Symposium 2002: Gespräch zwischen der damaligen Vereinsvorsitzenden Annegret Mainzer u. Prof. Georgi Smirnow

Auch erwarb die Stengel-Gesellschaft die Diplomarbeit von Anja Riemann zu den Dornburger Gärten, die von der Bernadotte-Stiftung auf der Insel Mainau mit einer Goldmedaille bedacht wurde.

Auch den fast nicht zu bewältigenden Strom von interessierten Besuchern im Schloss Dornburg an den ersten Tagen des offenen Denkmals führte der Vereinsvorsitzende den Anwesenden nochmals vor Augen. Mit einem Augenzwinkern berichtete er davon, dass seinerzeit angereiste Kunsthistoriker >not amused< waren, dass am Stengel-Schloss rote Werbebanner der Sparkasse, einer der ersten Förderer der Stengel-Gesellschaft, hingen. Bereits bei der ersten Schlossöffnung geriet die Dornburger Dorfjugend in Aufgregung, denn der 270 Seelen zählende Ort wurde aufgrund eines Staus zwischen Prödel und Dornburg in den SAW-Verkehrsnachrichten erwähnt, berichtete schmunzelnd der Vereinschef. 

In seiner Retrospektive verwies Egbert Platte auch darauf, dass das Vereinsleben auch das Dorfleben beeinflusste. So werden stets vom aktiven Vereinsmitglied Stefan Schüler mit sehr viel Akribie sogenannte Plauderabende vorbereitet, deren Themen sowohl die Schlossgeschichte wie auch die des Dorfes betreffen. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Theatergrupe Bühnchen sellt eine tragende Säule der Vereinsarbeit dar, so Vereinschef Platte.

So weit es möglich sei, fuhr der Vereinsvorsitzende fort, unterstütze die Stengel-Gesellschaft stets auch andere Projekte in Dornburg, als Beispiele dafür seien die Sanierung der Kirche, Kirchturmuhr und Sperling-Orgel genannt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausführungen von Egbert Platte bildete die Erinnerung an die unterschiedlichen Versuche, Schloss Dornburg einer langfristigen Nutzung zuzuführen. Auch dabei galt es, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn nicht jeder vermeintliche Investor war seriös. In dieser Hinsicht ist zu sagen, dass Schloss Dornburg bis heute zum Verkauf steht. Egbert Plattes Informationen zufolge gebe es zurzeit einen ernstzunehmenden aussichtsreichen Kaufinteressenten, aber in solche Verhandlungen werde der Verein nicht unbedingt miteinbezogen.

Musikalisch umrahmt wurden die Ausführungen des Vereinsvorsitzenden durch Darbietungen von Gesangsstücken wie Süße Stille, sanfte Quelle und Flammende Rose, Zierde der Erden, die aus der Feder von Georg Fiedrich Händel stammen, dargeboten von der Magdeburger Opern-und Konzertsängerin Ulrike Vellmer, begleitet am E-Piano von Istvan Visontay.

Bevor sich die Gäste zu Erinnerungen und Gesprächen ans Buffet zurückzogen, gratulierte Annegret Mainzer in Personalunion, d.h. als einstige Vorsitzende der Stengel-Gesellschaft Dornburg/Elbe e.V. und heutiges Vorstandsmitglied des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. den Stengelfreunden zu ihrem bisherigen Durchhaltevermögen und stellte wieder künftige gemeinsame Projekte in Aussicht.

Gratulation durch Annegret Mainzer

 

https://russianhalthistory.wordpress.com/2014/07/27/schloss-dornburg/

Zerbst, den 08.Oktober 2017

Advertisements

September 2017: Premiere des Musicals „Fieke“ in Zarizyno bei Moskau

September 2017: Premiere des Musicals „Fieke“ in Zarizyno bei Moskau

Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst: „Die Zeit diktiert ihre Interessen“

Annegret Mainzer, Zerbst

Am 16. September d.J. fand im Park von Zarizyno bei Moskau das vom Internationalen Verband Deutsche Kutur (IVDK) organisierte Festival der Balltraditionen zur Zeit von Zarin Katharina II. statt.

Besondere Programmpunkte dieses herbstlichen Freiluftfestivals bildeten u.a. öffentliche Tanzlektionen, in denen Interessierte jeglichen Alters sich in Etiketten und Tänzen zur Zeit des Barock ausprobieren konnten, und auch nicht unerwähnt sollten die professionellen akrobatisch choreografierten Vorführungen mit gefährlich klingenden Degen a la les trois mousquetaires bleiben.

                

Doch den absoluten Höhepunkt des diesjährigen Open-Air-Festivals in Zarizyno stellte die Premiere des Musicals Fieke dar, das die Frage >Wie wurde aus der kleinen Fieke die große Katharina?< thematisiert. Bereits einige Zeit zuvor war die Musicalpremiere in verschiedenen sozialen Netzwerken und deutschen sowie russischen Medien angekündigt worden.

Besucher auch aus Zerbst/ Anhalt

Auch Annegret Mainzer und Dirk Herrmann von Katharina-und Schlossverein in Zerbst/Anhalt, die im Rahmen des 3. Großen Katharinaballs in Moskau weilten, waren unter den zahlreichen Zuschauern im Park von Zarizyno. Noch vor Vorstellungsbeginn trafen sie auf Elena Eliseeva und Ivan Zolotuchin, die kindlichen Darsteller von Fieke und Peter. Die zwei jungen Darsteller ließen sich auch nicht lange zu einem gemeinsamen Foto mit den Gästen aus der deutschen Heimat von Katharina II. bitten.

v.l.n.r.: Dirk Herrmann, Elena Eliseeva, Ivan Zolotuchin, Annegret Mainzer

Zahlreiche Besucher– jung wie alt- standen erwartungsvoll und dicht gedrängt sowie mit Kameras und Smartphones bestückt an der Bühne, um interessiert das Musical Fieke zu verfolgen.

Sehr ausdrucksstark und effektvoll – die Musik. Imposant, gewaltig und markant – die Stimmen. Groß und typisch russisch-pathetisch – die Worte. Praktikabel-tanzbar – die Kostüme. Spartanisch und transparent – das Bühnenbild.

Jedoch, unvergesslich und bleibend – der Eindruck!

Die Darstellerinnen und Darsteller

Die in Alma-Ata geborene und im klassischen Gesang ausgebildete Schauspielerin Irina Lindt mit deutschen Wurzeln, Regisseurin des Musicals Fieke und Darstellerin von Zarin Elisabeth Petrowna, ist in der Moskauer und russischen Theater-und Filmlandschaft keine Unbekannte. Ihre Stimmgewalt füllt würdevoll den Bühnenraum aus, wie es sich für eine Zarin gebührt.

            

Eine weitere Darstellerin im Musical Fieke ist Anna Bagmet, die die Rolle der ehrgeizigen und geltungsbedürftigen Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst verkörpert. All ihre Gestik und Mimik, ihr voller Stimmeinsatz auf der Bühne überzeugten die Zuschauer vom Streben der Zerbster Fürstin nach Höherem, von ihren hochfliegenden Plänen für ihre Tochter Fieke. „Die Zeit diktiert ihre Interessen“ („Время диктует свои интересы“) – so rechtfertigt Johanna Elisabeth alias Anna Bagmet im Musical Fieke ihr Handeln. Zweifelsfrei brilliert die theater-und filmerfahrene Anna Bagmet in der Rolle der Mutter der Zerbster Fürstentochter Fieke.

             

Das Pendant dazu bildet Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst, Vater von Fieke, dargestellt von Alexander Kolzov. Sehr ergreifend und überzeugend die Szene des Abschiednehmens von Tochter Fieke. Sein fein nuancierter Stimmeinsatz, seine pointengenaue Gestik und Mimik in dieser Szene zeugen von Alexander Kolzovs hohem Empathievermögen. Auch Anna Glaube, Darstellerin der vierzehnjährigen Fieke, wirkte auf der Bühne mit all ihrem jugendlichen Übermut und Abschiedsschmerz sehr glaubwürdig.

                                     

Das Zusammenspiel der Solistinnen und Solisten mit den Damen und Herren vom Ballett des Moskauer Musicaltheaters war erstklassig professionell und harmonisch.

Mit einem Koffer voller unauslöschlicher positiver Eindrücke und Ideen für das Jahr 2018 fuhren Annegret Mainzer und Dirk Herrmann zurück nach Zerbst/Anhalt. Und vielleicht macht das Musical Fieke in naher Zukunft auf dem Hof des Schlosses Zerbst halt?

Zerbst, den 05.Oktober 2017