Evangelisch- Lutherische St. Peter und Paul Kirche Moskau

Evangelisch- Lutherische St. Peter und Paul Kirche Moskau

Lutherische Kirche St. Peter und Paul in Moskau
Evangelisch- Lutherische Kirche St. Peter und Paul in Moskau

1694 wurde in Moskau das erste lutherische Kirchengebäude errichtet, das aber 1812 dem so genannten Großen Brand in Moskau zum Opfer fiel. Durch finanzielle Unterstützung seitens des Zaren Alexander I. ( 1777- 1825) und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770- 1840), dem Schwiegervater des späteren Zaren Nikolai I. (1796- 1855), konnte der Wiederaufbau des Gebäudes der Evangelisch- Lutherischen St. Peter und Paul Kirche in den Jahren 1818/1819 erfolgen. Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Gemeinde ca. 600 Glieder. In den Jahren 1861/62 wurde die Kirche unter der Leitung des Architekten Alexander Adolf Meinhard (1825- 1894) im neugotischen Stil umgebaut. Meinhard, Sohn des 1805/06 in St. Petersburg niedergelassenen Kammermusikers Adolf Gustav Meinhard (1785- 1875), war ab 1855 als Architekt in Moskau tätig, ab 1869 sogar als Moskauer Gouvernement- Architekt. Der Moskauer Architektenverein wurde 1867 von Alexander Adolf Meinhard mitbegründet.

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Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan

Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan 

Blick auf Leipzig
Blick auf Leipzig

Leibarzt bei Zar Alexander I. war ab 1810 der aus Leipzig stammende Arzt und Anthropologe Conrad Joseph Kilian (1771- 1811), von dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche medizinische Publikationen erschienen waren. Zuvor hatte Kilian bis 1795 als Geistlicher in Würzburg gewirkt, von 1801- 1803 als Arzt in Jena praktiziert und vor seiner Abreise nach Petersburg hatte er eine Professur für Medizin in Bamberg innegehabt.
Sein im Jahr 1800 in Leipzig geborener Sohn Hermann Friedrich hatte von 1810- 1816 die Petersburger Petrischule besucht. Seinem Medizinstudium ging er an den Universitäten Wilna, Leipzig, Würzburg, Göttingen und in England nach. In Paris sammelte er praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Geburtshilfe.
Im Jahr 1821 wurde er Professor- Adjunkt für Chemie an der Petersburger Medizinischen Akademie, wo er auch die Fächer Physiologie und Pathologie lehrte. Parallel dazu nahm er eine Arztstelle am Petersburger Militärhospital an. 1826 folgte er dem Ruf an die Klinik für Geburtshilfe nach Bonn, zuvor allerdings hatte er eine Bildungsreise durch Frankreich und Deutschland unternommen. Er verstarb 1863 im thüringischen Bad Liebenstein.

Der 1801 in Leipzig geborene Karl Ludwig Herrmann hatte an der Alma mater seiner Vaterstadt Medizin studiert und danach in Dresden praktiziert. Auf Einladung der Fürstenfamilie Golyzin ging 1836 nach Petersburg, wo man sein Wissen um die Homöopathie vor allem in solch angesehenen Familie wie Golyzin, Ostermann- Tolstoi und Mordvinov zu schätzen wusste. Herrmann initiierte die erste Anwendung homöopathischer Heilverfahren in den Heilanstalten Russlands. Seine Erfolge bei seinen Privatpatienten sprachen für sich. Unter diesen Patienten war auch der bekannte russische Komponist M. I. Glinka, der über Herrmann´s Praxis folgende Worte niederschrieb: „ Der zu jener Zeit bedeutende Herrmann konnte mir sehr helfen, ungefähr zwei Jahre befolgte ich die mir von ihm verschriebene Diät und seine homöopathischen Methoden konnten mich heilen.“
Herrmann gelang es mit dem Großfürsten Michail Pavlovič einen Vertrag darüber abzuschließen, der ihm gestattete, im Militärhospital in Tulšin vergleichende Untersuchungen zur Effektivität der Anwendung homöopathischer und schulmedizinischer Methoden durchzuführen. Zwar brachten die Untersuchungen nicht unbedingt den gewünschten Erfolg, doch Herrmann´s Erkenntnisse gaben der Entwicklung der Homöopathie in Russland weiterführende Impulse. Karl Ludwig Herrmann wurde Direktor der homöopathischen Heilanstalt von St. Petersburg, wo er auch 1836 verstarb. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit widmete er sich auch der Dichtkunst und Übersetzungen.

Der Apotheker Karl Iwanowitsch Osse, Sohn eines Bronzemeisters, wurde 1804 in Leipzig geboren. Er hatte das Gouvernement- Gymnasium in Petersburg und die Universität Dorpat besucht, wo er 1829 sein Provisorexamen ablegte. Einige Zeit später ging Osse nach Astrachan, wo er seine Apothekerprüfung bestand. Schon mehr als ein Jahrhundert vor der Ankunft von Osse in Astrachan war die dortige deutsche Gemeinde schon 100 Mitglieder stark.
In der Dienstliste der beruflichen Laufbahn des Kollegienrats Karl Ivanovič Osse, die am 12. September 1868 erstellt wurde, ist verzeichnet, dass Osse in Astrachan ein Steinhaus besaß. Des Weiteren gibt die Dienstliste Auskunft darüber, dass Osse 1835 in Astrachan aktiv mithalf, die Cholera zu bekämpfen, wofür ihm mit einer goldenen Uhr gedankt wurde.
Im darauffolgenden Jahr bekam er eine Anstellung als Apotheker in der Apotheke bei den Einrichtungen des Astrachaner Amts für allgemeine Fürsorge.
Über Osse wurde einhellig berichtet, dass er seine Kunden, d.h. die Krankenhäuser Astrachans und der Umgebung stets mit ausreichend Medikamenten versorgte und großzügig Rabatte gewährte. Aufgrund seiner beruflichen Kompetenz, seiner Bemühungen um das Allgemeinwohl seiner Mitmenschen wurden ihm weitere, teilweise auch ehrenamtliche Ämter angetragen. 1837 wurde er Direktor der Astrachaner Gefängnisfürsorge und 1849 Direktor des Alexandrinischen Waisenhauses. Im Jahr 1870 wurde Osse russischer Untertan. Sein in Astrachan geborener Sohn Ernst Peter Bernhard (1846- 1903), der die St. Annenschule und die Wiedemannsche Schule sowie das Gouvernement- Gymnasium in Reval besucht und der eine juristische und kaufmännische Ausbildung an der Universität in Dorpat absolviert hatte, erbte die Ämter seines Vaters. Doch 1891 verließ er seine Geburtsstadt. Astrachan und zog nach Reval, wo er zwei Jahre später eine Papierfabrik erwarb. Später arbeitete er bei der Wolga- Dampfschifffahrt. .
Sein Bruder Otto (1848- 1874) hatte Pharmazie studiert. Peter (1851- 1925), der jüngste der Söhne von Karl Osse, erhielt seine Ausbildung in Reval und Dorpat. Er lehrte an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Fellin und Dorpat, wo er letztendlich Direktor der städtischen Realschule wurde. Karl Osses 1874 in Astrachan geborener Enkel Karl Gottfried hatte zunächst in Dorpat die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt besucht und an der dortigen Universität Pharmazie studiert. Später übernahm er die Apotheke seines Großvaters und führte diese bis zum für Russland folgenschweren Jahr 1918, in dem er auch verstarb.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Kahle, E.: Kilian, Hermann Friedrich, in: NDB, 11 (1977)
2. Marré, B.: Bücher für Mütter als pädagogische Literaturgattung und ihre Aussagen über Erziehung
(1762-1851): ein Beitrag zur Geschichte der Familienerziehung, Weinheim, 1986
3. Wiesing, U.: Kunst oder Wissenschaft? Konzeptionen der Medizin in der deutschen Romantik, Frommann
-Holzboog, 1995
4. http://www.deutsche-biographie.de/pnd116171388.html v. 07.03.2013
5. http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/herrmann.html 27.09.2013
6. zaozernov.ru 27.09.2013
7. Bauer, W.: Karl I. Osse. Ein deutscher Apotheker im zaristischen Russland, Stuttgart, 2003
8. Zeddelmann, R.v.: Die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt 1875 – 1900, Lehrer- und Schüleralbum, Jurjew
(Dorpat), 1900
9. BBLd (online)

„ Russka“- Saga von Edward Rutherfurd – Rezension

„ Russka“– Saga von Edward Rutherfurd – Rezension

Butterwoche, von B. Kustodijew, um 1919
Butterwoche, von B. Kustodijew, um 1919

Der schon oft zitierte Johann Wolfgang von Goethe schrieb in seinen Maximen und Reflexionen: „ Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“
Jawohl, begeistert hat mich die Lektüre einer pyramidalen Saga über das Russische Reich, die aus der Feder des zeitgenössischen englischen Historikers und Literaten Edward Rutherfurd stammt.
Schon auf der Umschlagseite des Buches die Verwendung des Gemäldes Butterwoche von Boris Kustodijew (1878- 1927), einem Künstler, der vorwiegend Szenen aus dem Leben in den russischen Provinzen darstellt, beweist nicht nur die Einheit zwischen dem Äußeren und dem Inhalt der im Knaur- Verlag herausgegebenen Sage Russka, sondern verstärkt eher die Wissbegierde des Lesers, etwas Neues über das oft so mystisch verklärte weite Russische Reich zu erfahren.

Rutherfurd beginnt mit seiner Saga Russka im Jahr 180 n. Chr., als die Menschen „in jenem Weiler am Waldrand“, fernab von Zentren der politischen und kulturellen Brennpunkte lebten, die Jahre nach vergangenen Winter zählten, als „die Bewohner selbst nicht hätten erklären können, wo genau sie lebten, sie wussten nur, dass ihr Flüsschen in einen anderen Fluss mündete“.
Ein sehr detailliertes und äußerts lebendiges Bild zeichnet Rutherford vom alltäglichen Leben in der Provinz Russka, und das Schicksal der Familie Bobrov steht dabei stellvertretend für die Auswirkungen von persönlichem Machtstreben der russischen Zaren, deren Befehle und Handlungen nicht selten zwischen extremer Tyrannei, Willkür und Reformversuchen schwankten, auf das Leben der Russen.
Stets befindet sich Rutherfurd neben seinen Russka– Helden, bei ihm ist kein moralisierendes oder belehrendes Verhalten ihnen gegenüber zu verzeichnen. Doch glaubte ich, an manchen Stellen der Russka– Saga schlüpfe Rutherfurd in die Haut seiner Romanfiguren und gerade dadurch erreicht sein Werk ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit. Oft wechselt der Autor seine Kommunikationsverfahren: Erzählen, Schildern, beschreiben, berichten, so bleibt der Leser ständig unter Spannung.

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Vorgestellt: Romane von Eva Stachniak über Zarin Katharina die Große von Russland

Vorgestellt: Romane von Eva Stachniak über Zarin Katharina die Große von Russland

Katharina II. zu Pferde in Uniform der Leibgarde, von V. Eriksen (1722- 1782), um 1762
Katharina II. zu Pferde in Uniform der Leibgarde, von V. Eriksen (1722- 1782), um 1762

Link zur Rezension zum Roman “ Der Winterpalast“  von Eva Stachniak

https://bestsellerliste.wordpress.com/2013/12/15/der-winterpalast-eva-stachniak-rezension/

Zerbster Prinzessin Sophie, später Zarin Katharina II., verlässt Zerbst
Zerbster Prinzessin Sophie, spätere Zarin Katharina II., verlässt Zerbst
Blick auf den Winterpalast
Blick auf den Winterpalast

Link zur Rezension zum Roman “ Die Zarin der Nacht“ von Eva Stachniak

https://bestsellerliste.wordpress.com/2014/03/08/die-zarin-der-nacht-eva-stachniak-rezension/

Grabstätte Katharinas II. in der Peter und Paul Festung in Petersburg
Grabstätte Katharinas II. in der Peter und Paul Festung in Petersburg

Autorin der Rezensionen: Annegret Mainzer, Zerbst

 

 

Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

 Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer

an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov
Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov

Zu den aus dem heutigen mitteldeutschen Raum stammenden Lehrkräften, die an der Petersburger Akademie der Wissenschaften und Universität wirkten, gehörte der gelehrte und vielseitig interessierte Glasschleiffer und Feinmechaniker Johann Georg Leutmann (Leitmann) (*1667) aus Wittenberg. Er hatte an der heimatlichen Universität auf Drängen seiner Eltern in erster Linie Theologie belegt, betrieb aber zugleich das Studium der Mathematik, Physik und Medizin. Nach dem Abschluss des Studiums wirkte er als Pastor im wenige Kilometer benachbarten Dabrun, wo er sich eine eigene mechanische Werkstatt einrichtete. Bereits zu jener Zeit verfasste er ein Buch über die Grundlagen der Heiztechnik und seine darin niedergeschriebenen Erkenntnisse gelten bis zum heutigen Tag: Leutmann forderte eine effektive Heizanlage bei möglichst geringem Verbrauch von Brennstoffen.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann

Auch im Jahr 1718 erschien seine erste Publikation über Uhren, die sogar das Interesse des russischen Zaren Peter I. (1672- 1725)weckte, der, wie allgemein bekannt, sich sehr für die Naturwissenschaften begeisterte.

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Auf Einladung des Zaren kam Leitmann endlich im Jahr 1726 nach Petersburg, wo er als Professor für Mechanik und Optik an der Akademie lehrte. Die Übersiedlung Leitmanns nach Petersburg verzögerte sich auch deshalb, da er mit der russischen Seite für ihn vorteilhafte Bedingungen aushandeln wollte. Auch an seiner neuen Wirkungsstätte widmete er sich dem eigenhändigen Bau verschiedener Apparaturen und publizierte über Messinstrumente, Pumpen, Mikroskope, Ferngläser und Gewehre. Seine neusten Apparaturen präsentierte er stets auf den Zusammenkünften seiner Kollegen an der Wissenschaftlichen Akademie.

1733 wurde er nach Moskau an den dortigen Münzhof gerufen, wo er an der Lösung eines material- technischen Problems mitarbeitete. 1736 verstarb Leutmann in St. Petersburg. 1738 wurden Leutmanns Neue Anmerckungen vom Glasschleiffen von der Akademie der Wissenschaften herausgegeben.

Verwendete Quellen und Literatur:
1. Erik Amburger Datenbank online
2. http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015
3.http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015 (Informationen von Dr. Bernhard
Huber Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Bibliothek)
4.http://dic.academic.ru/dic.nsf/enc_biography/ 25.04.2015

Alexander – Newski- Gedächtniskirche bei Potsdam – älteste russisch- orthodoxe Kirche auf deutschem Territorium

Alexander – Newski- Gedächtniskirche bei Potsdam – älteste russisch- orthodoxe Kirche

auf deutschem Territorium

Alexander- Newski- Gedächtniskirche bei Potsdam
Alexander- Newski- Gedächtniskirche bei Potsdam

Auf dem Kapellenberg bei Potsdam wurde von 1826- 1829 auf Geheiß des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770- 1840) ein russisch- orthodoxes Gotteshaus errichtet, in dem 12 russische Soldatensänger ihre Religion ausüben konnten. Diese 12 Sänger entstammten einem ursprünglich aus 62 Sängern bestehenden „Russischen Sängerchor“, die in der in den Jahren 1826/27 erbauten Potsdamer russischen Kolonie Alexandrowka lebten. Infolge der Konvention von Tauroggen (heute: Tauragé/ Litauen) hatte der Preußenkönig aus ehemaligen russischen Kriegsgefangenen seinen „Russischen Sängerchor“ zusammengestellt und sie formell dem 1. Preußischen Garderegiment unterstellt. Die landschaftliche Gestaltung der Kolonie Alexandrowka lag in den Händen des namhaften preußischen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné (1789- 1866).

König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise auf der Pfaueninsel von F. G. Weitsch (1758- 1828)
König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise auf der Pfaueninsel von F. G. Weitsch (1758- 1828)

Die zu jener Zeit herrschenden engen Verbindungen zwischen Preußen und Russland basierten darauf, dass Zar Nikolai I. von Russland ( 1796- 1855) im Jahr 1817 Prinzessin Charlotte von Preußen (1798- 1860), Tochter von König Friedrich Wilhelm III. geheiratet hatte.

Großfürst Nikolai Pawlowitsch , später Zar Nikolai I. in Uniform der Leibgarde des Preobrasehnski- Regiments, um 1820
Großfürst Nikolai Pawlowitsch , später Zar Nikolai I. in Uniform der Leibgarde des Preobrashenski- Regiments, um 1820

Zurück zur Alexander- Newski- Gedächtniskirche bei Potsdam: Im altrussischen Stil entworfen wurde sie vom damaligen Petersburger Hofarchitekten Wassili Petrowitsch Stassow (1769- 1848). Den Kirchenbau ergänzte der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781- 1841) um verschiedene klassizistische architektonische Elemente.

Porträt von Karl Friedrich Schinkel von Wilhelm Hensel (1794- 1861)
Porträt von Karl Friedrich Schinkel von Wilhelm Hensel (1794- 1861)

Der Grundstein der Alexander- Newski- Gedächtniskirche wurde im September 1826 gelegt und der erste Gottesdienst fand im Juni 1829 statt. Anwesend waren der russische Zar Nikolai I. und seine Gattin. Im September 1829 weihte der Gesandtschaftsgeistliche der russischen Botschaft das Potsdamer russisch- orthodoxe Gotteshaus.

Das Innere der russischen Kapelle bei Potsdam von Wilhelm Klose (1804- 1863), um 1838
Das Innere der russischen Kapelle bei Potsdam von Wilhelm Klose (1804- 1863), um 1838

Im Jahr 1977 erfuhr das Kirchengebäude eine Restaurierung und seit 1999 ist die Alexander- Newski- Gedächtniskirche bei Potsdam Weltkulturerbe der UNESCO.

 

13-jähriger Gymnasiast kämpft für Katharina- Denkmal in seiner Heimatstadt Twer

13-jähriger Gymnasiast kämpft für Katharina- Denkmal in seiner Heimatstadt Twer

Denkmal für Katharina II. in Zerbst/ Anhalt mit Blick auf elterliches Schloss
Denkmal für Katharina II. in Zerbst/ Anhalt mit Blick auf elterliches Schloss

Dass Teenager Interesse an der Historie ihrer Heimatstadt bzw. heimatlichen Region zeigen, ist in unserer durch Computerspiele und andere digitale Medien geprägten Welt wohl eher die Ausnahme. Davon zeugt auch das oft relativ hohe Durchschnittsalter der Mitglieder zahlreicher heimatkundlich bzw. historischer orientierter Vereine in Deutschland.
Auf die Frage nach den Ursachen für die Entwicklung vermag ich an dieser Stelle auch keine definitive Antwort zu geben. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass zwei Faktoren eine wesentliche Rolle spielen, um das Interesse junger Menschen an der Heimatgeschichte bzw. für die Geschichte im Allgemeinen zu wecken: die Vorbildrolle des Elternhauses und der Geschichtsunterricht in der Schule.
Durch zahlreiche private und auch dienstliche Aufenthalte in Russland und in der Ukraine konnte ich hautnah erleben, dass dort die Auseinandersetzung mit der Historie und der damit verbundene Stolz auf die Heimat, d.h. der Patriotismus einen sehr hohen Stellenwert auch bei den jungen Menschen besitzen. Manchmal jedoch, gebe ich zu, hat diese Erziehung für mich einen etwas bitteren Beigeschmack, z.B. als ich nämlich in einem Moskauer Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche in Vitrinen ausgestellte Uniformen und Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg erblickte. Ohne Zweifel rechtfertigen die von den Menschen in der damaligen Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges erbrachten Opfer eine starke Identifizierung mit diesem Teil ihrer Geschichte, aber ein „ Aber“ bleibt in mir bei mancher Art der Geschichtsaufarbeitung. Wie jede Medaille birgt auch das Thema „ Heimatgeschichte“ zwei Seiten.

So war ich wiederum nicht überrascht, als ich auf der Webseite TVERLIFE.RU las, dass im Herbst letzten Jahres ein dreizehnjähriger Gymnasiast einen Brief an das Stadtoberhaupt der ca. 400 000 Einwohner zählenden Stadt Twer verfasst hatte, in dem er die Bitte äußerte, in dem erst kürzlich wiederhergestellten kaiserlichen Reisepalast seiner Heimatstadt, ein Denkmal für Zarin Katharina II. aufzustellen. In der Begründung des Schülers ist zu lesen, dass Katharina die Stadt Twer sehr geliebt habe und die Stadt der Monarchin sehr verpflichtet sei. Nach dem Brand 1763 sei die Stadt zu 80 Prozent zerstört gewesen. Hätte Katharina II. nicht große Summen für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt, hätte Twer nie eine Rolle in der Geschichte Russlands gespielt, so die Ausführungen des Twerer Schülers. Nachweislich gab Katharina II. die Anweisung, aus der Staatskasse 200 000 Rubel für den Bau von Wohnhäusern und nochmals 50 000 Rubel für das Decken beschädigter Dächer nach Twer zu schicken. Nach dem Willen der Zarin sollte Twer nun als eine typische europäische Stadt wiederaufgebaut werden. Schon im Jahr 1762 auf dem Weg zu ihrer Krönung nach Moskau hatte Katharina II. der Stadt Twer einen Besuch abgestattet. 1775 beehrte sie Twer erneut mit einer Visite
Angetan von dieser Bitte dieses Twerer Gymnasiasten, schrieb ich an die Redaktion von TVERLIFE.RU über unsere Aktivitäten rund um Katharina II. sowie über unsere Erfahrungen mit der Aufstellung eines Denkmals für Katharina II. in Zerbst/ Anhalt. Hinzu fügte ich noch ein paar Fotos, die das Geschriebene bestätigten. Außerdem ergänzte ich mein Schreiben mit Erläuterungen zum Wirken des Architekten Johann Friedrich Stengel, dessen familiäre Wurzeln im ehemaligen Fürstentum Anhalt- Zerbst liegen, beim bereits erwähnten Wiederaufbau von Twer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, um auf die historischen Berührungspunkte von Twer und Anhalt- Zerbst aufmerksam zu machen. Nach den Entwürfen von Johann Friedrich Stengel sind bis 1784 zahlreiche öffentliche Gebäude und private Wohnhäuser in Twer errichtet worden. Mein in russischer Sprache verfasster Beitrag wurde dann auch auf der bereits genannten Website veröffentlicht.
Mich interessierte aber nun auch der weitere Fortgang dieser Angelegenheit. Würde der Bürgermeister von Twer auf den Brief eines Dreizehnjährigen reagieren?
Schon am 23. Oktober vorigen Jahres erhielt er eine erste positive Antwort. Positiv insofern, dass das amtierende Stadtoberhaupt von Twer Alexander Korsin darüber informierte, dass er gemeinsam mit einem Expertenbeirat die Suche nach einer möglichen Finanzierung eines solchen Denkmals für Katharina II. in Twer unterstützen werde. Er verweist darauf, dass bereits im Mai des Jahres 1777 in Twer die Grundsteinlegung für ein solches Denkmal erfolgte und ein Obelisk wurde errichtet, der bereits 1811 abgerissen wurde. Entworfen war es vom deutschstämmigen Architekten Jurij (Georg Friedrich) Velten (1730- 1801). Der marmorne Grundstein wurde 1917 beseitigt.
Zu Beginn diesen Jahres rief die Twerer Zeitungs- und Radioredaktion der Komsomolskaja Prawda die Bürger dazu auf, einen Fond zur Finanzierung des künftigen Katharina- Denkmals in Tver zu gründen sowie zur öffentlichen Diskussion über seinen möglichen Standort.
Ich denke, wir Zerbster bzw. Anhalt- Zerbster, sollten den Einwohnern von Twer nicht nur Erfolg, sondern vor allem auch Durchhaltevermögen bei der Umsetzung dieses Vorhabens wünschen. Und diese vielleicht nicht so bedeutende Episode aus der Gegenwart Russlands bestätigt meine Worte, die ich stets den Besuchern des Zerbster Schlosses im Ersten Fürstlichen Vorzimmer vor dem Porträt Katharinas II. mit auf den Weg gebe, nämlich dass Zarin Katharina II. es verstanden hatte, das Russische Reich 34 Jahre lang so zu regieren, dass die Russen noch in unseren Tagen mit Hochachtung von ihr reden.

Zerbst, den 16.05.2015 Annegret Mainzer

Autorin Annegret Mainzer erklärt Touristen aus der russischen Stadt Oranienbaum das Erste Fürstliche Vorzimmer im Schloss Zerbst
Autorin Annegret Mainzer erklärt Touristen aus der russischen Stadt Oranienbaum das Erste Fürstliche Vorzimmer im Schloss Zerbst

Foto: Lydia Kulot

http://www.tverlife.ru/news/82700.html