Professor Hermann Schmalz aus dem heutigen Zerbst/ Anhalt lehrte im einstigen Dorpat

Professor Hermann Schmalz aus dem heutigen Zerbst/ Anhalt lehrte im einstigen Dorpat

Hermann Schmalz, geboren 1807 in Bonitz bei Zerbst in Anhalt hatte in Königsberg (heute: Kaliningrad/ Russland) studiert, wo er nachweislich des 1829 gegründeten Corps Littuania Königsberg, einer Burschenschaftsvereinigung, angehörte.

Herrmann Schmalz hatte das Gut Kassen bei Pillkallen (heute: Dobrowolsk/ Russland)) im damaligen Regierungsbezirk Gumbinnen (heute: Gussew/ Russland) geerbt.

Er lehrte von 1834- 37 an der Universität Dorpat (heute: Tartu/ Estland) Landwirtschaftslehre, befasste sich neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit auch mit journalistischen und schriftstellerischen Arbeiten. So erschien 1837 in Dorpat seine Schrift Die Zuckerfabrication aus Runkelrüben in besonderer Erwägung für Russland als Einladungsschrift zur Stiftungsfeier der Landwirtschaftlichen Lehranstalt zu Altkusthof, an der Schmalz lehrte und den Posten des Inspektors bekleidete.

Universitätsgebäude_-_Louis_Höflinger,_1860

Hermann Schmalz betätigte sich ebenfalls politisch. Er war Landrat des Kreises Pillkallen in Ostpreußen. Zudem war Hermann Schmalz von 1867- 1870 Mitglied des Norddeutschen Reichstages und bis 1879 Mitglied des Deutschen Reichstages. Dabei vertrat er den von 1808- 1945 existierenden ostpreußischen Wahlkreis Regierungsbezirk Gumbinnen 2. Heutzutage gehört der größte Teil dieses ehemaligen Wahlkreises zum heutigen Kalinigrader Gebiet (Russland) und der südliche Teil zur heutigen polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren. Einzug in den Deutschen Reichstag hielt Hermann Schmalz mit 62,17 % der Wählerstimmen und vertrat stets die Konservativen.

Nach seinem Tode im Jahre 1879 übernahm der Rittergutsbesitzer Albert von Sperber (1836- 1889) das Abgeordnetenmandat.

Das Interesse von Hermann Schmalz an journalistischer Tätigkeit äußerte sich in seiner Mitarbeit an der Herausgabe einer kulturell geprägten Zeitschrift Der Refraktor. Ein Centralblatt Deutschen Lebens in Russland. In der ersten Ausgabe, die am 2 Mai des Jahres 1836 erschien, wandte sich Schmalz in seinem Leitartikel An das Publikum und legte auf Seite 3 die Idee seines Blattes wie folgt dar:

Keine Anarchie, keine Gesetzlosigkeit wird der Refraktor sich zu Schulden kommen lassen. Die drei Kepplerschen Regeln des Universums, die Regeln der Wahrheit, des Rechtes und des Schönen werden ihm immer heilig sein (…) nie zum Persönlichen hinabsteigen, nie Partei nehmen, verletzen oder kränken, sondern überall will er aufbauen (…) anregen und erhalten …“

An dieser Zeitschrift arbeitete Schmalz gemeinsam mit dem deutsch- baltischen Dichter Carl Friedrich von der Borg (1794- 1848), der als Jurist und Kanzleidirektor der Universität Dorpat seinen Lebensunterhalt bestritt, aber auch russische Literatur übersetzte.

Ab 1846 war Hermann Schmalz Herausgeber der 1727 gegründeten St. Petersburger Zeitung. Dort führte Schmalz  während seiner Amtszeit das ständige Feuilleton ein.

Verwendete Literatur und Quellen

Eichhorn, C.: Die Geschichte der „St. Petersburger Zeitung“ 1727- 1902, St. Petersburg, 1902

erb.nlib.ee 26.08.2013

www.reichstag-abgeordnetendatenbank.de 26.08.2013

www.utlib.ee 26.08.2013

 

Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

In Köthen, gelegen im heutigen Bundesland Sachsen- Anhalt, praktizierte von 1821- 1835 der 1755 in Meißen geborene Homöopath Christian Friedrich Samuel Hahnemann, der zuvor in Gommern, Dessau und Dresden gewirkt hatte. Hahnemann, der seitens der Schulmediziner eine Reihe von Anfeindungen aushalten musste, hatte nicht nur Anhänger in Deutschland, sondern auch im Ausland, u.a. in den USA, in Frankreich und auch im Russischen Reich.

Samuel Hahnemann
Samuel Hahnemann

Zu diesen zählte auch Carl Bernhard von Trinius, 1778 in Eisleben geboren, hatte er an den Universitäten Jena, Halle, Leipzig und Göttingen studiert. Er begründete in St. Petersburg nicht nur das Botanische Museum, sondern unterrichtete von 1829- 1833 auch den späteren Zaren Alexander II. in naturwissenschaftlichen Fächern.
Von Trinius, der zuvor in Kurland als Arzt beim Kammerherrn Johann E.von Keyserling († 1811) und in Lettland praktiziert hatte, begleitete ab 1802 die Herzogin Antoinette von Württemberg als Leibarzt. Diese Anstellung führte ihn von 1811- 1815 an die Newa, wo er auch Zeit für wissenschaftliche Arbeiten fand. 1822 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften St. Petersburg. Nach dem Tode der Herzogin praktizierte von Trinius in Petersburg und er wurde zum kaiserlichen Leibarzt berufen. Neben diesen beruflichen Aufgaben forschte er unermüdlich im Bereich der Botanik. Sein fast 5000 Pflanzen umfassendes Herbarium sowie die dazugehörigen Notizen und Skizzen gingen nach seinem Tode an das heutige Petersburger Botanische Museum, als dessen Gründer er gilt. 1994 wurde seine wertvolle Sammlung digitalisiert.

P1090541Im Jahr 1830 schloss er seine Praxis und befasste sich nun in erster Linie mit Homöopathie. So stand er auch im regen Briefwechsel mit seinem Onkel Samuel Hahnemann (1744- 1843), dem Begründer der Homöopathie und der zu jener Zeit im anhaltischen Köthen wirkte.
Etliche Male sandte die Petersburger Akademie von Trinius ins europäische Ausland, um die dortigen Botanischen Gärten bzw. Sammlungen in Augenschein zu nehmen. Von Trinius verfasste mehr als 30 Traktate zur Botanik. Er versuchte sich ebenfalls als Poet und Dramatiker. Freunde von ihm veröffentlichten 1848 in Berlin seine Gedichte, doch von Trinius war schon 1844 in Petersburg verstorben.

Der aus Wittenberg stammende Julius Schweikert (1807- 1876) hatte sein Medizinstudium an der Universität Leipzig absolviert.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Schweikert

Der seinerzeit namhafte Homöopath Samuel Hahnemann vermittelte ihn als Leibarzt des Fürsten Kurakin nach Russland. So kam Schweikert ins Gouvernement Orel, wo er auch am dortigen Krankenhaus praktizierte. Doch in Orel mangelte es dem Arzt an Gelegenheiten, sich mit Kollegen gedanklich auszutauschen. Zum anderen medikamentierte sich sein Dienstherr zunehmend selbst, so dass Unstimmigkeiten entstanden zwischen Schweikert und dem Fürsten. 1837 kündigte Schweikert und zog nach Moskau, wo er eine homöopathische Praxis eröffnete.

Ab 1838 war er Arzt an der dortigen Landwirtschaftsschule angestellt. Diese Anstellung hatte er bis 1847 inne. Schweikert war auch ab 1842 Arzt am Kaiserlichen Findelhaus und ab 1844 am Kaiserlichen Witwenhaus. Von 1851- 1856 war er Arzt am 2. Adligen Moskauer Gymnasium. 1853 promovierte er erfolgreich an der Universität Moskau.

Im Jahr 1845 eröffnete Schweikert das erste homöopathische Krankenhaus in Moskau, dessen Leitung er bis 1860 innehatte. Seine Schließung erfolgte aufgrund fehlender finanzieller Mittel.

Hahnemann - Büste im Stadtmusuem Zerbst
Hahnemann – Büste im Stadtmusuem Zerbst

Schon sein Vater Georg August Benjamin (1774- 1845), ein Schüler Hahnemanns, leitete 1834/35 das erste homöopathische Krankenhaus in Leipzig.

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Beigesetzt wurde Julius Schweikert auf dem Moskauer Vvdenskoe- Friedhof. Die russische Krone erkannte sein Wirken an, indem ihm Titel und Orden verliehen wurden.

Verwendete Quellen:
Brennsohn, I.: Die Ärzte Kurlands vom Beginn der herzoglichen Zeit bis zur Gegenwart, Riga, 1929
Dorges, A.: Die Homöopathenfamilie Dr. Schweikert, Stuttgart, 2007
Fischer, M.: Russische Karrieren- Leibärzte im 19. Jahrhundert, Aachen, 2010
Крылов-Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий. Краткий медицинский  биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen
Livland, Esthland, Kurland, Bd.4, Mitau, 1832
Российский Медицинский список на 1810 год, St. Petersburg, 1810
Российский Медицинский список на 1860 год, St. Petersburg, 1860
http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/trinius.html 27.02.2013

Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

В 1767 г. российская царица Екатерина II, урожденная принцесса Агнальт- Цербстская, отправила группу молодых русских, окончавших Пажеский корпус, на университетскую учёбу в Лейпциг. Это присходила по рекомендации графа Григория Орлова, ставшего позже вице- президента Российской Императорской Академии наук в Ст. Петербурге. Григорий Орлов сам в 1761 г. окончил свою учёбу в Лейпциге. Екатерина II сама разработала инструкции для поведения русских студентов за рубежом.

Völkerschlachtdenkmal - ein Wahrzeichen Leipzigs
Völkerschlachtdenkmal – ein Wahrzeichen Leipzigs

Im Jahr 1767 schickte die russische Zarin Katharina II., geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst, eine Gruppe junger Russen, die gerade im Pagenkorps ausgebildet worden waren, zum Universitätsstudium nach Leipzig. Dies geschah auf Anraten des Grafen Grigori Orlow, der u.a. zum Vize- Präsidenten der Kaiserlichen Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg ernannt wurde. Grigori Orlow hatte selbst 1761 sein Studium in Leipzig abgeschlossen. Zarin Katharina II. erarbeitete höchst persönlich die Instruktionen für das Auftreten und Verhalten der russischen Studenten im Ausland.

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A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg
Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg

Wer beim Lesen des Buchtitels Reise von Petersburg nach Moskau vermutet, es handele sich um einen Bericht über die landschaftlichen Schönheiten Russlands, der liegt falsch. Denn unser Reisender legt in seinen Berichten den Fokus verstärkt auf die ungeschminkte Darstellung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Untertanen der russischen Krone im ausgehenden 18. Jahrhundert, vor allem abseits solcher von den jeweiligen Zaren und Zarinnen protegierten urbanen Zentren wie Moskau und St. Petersburg.

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Die Reise führt unseren Reisenden in die russischen Provinzen, d.h. von der Newa über Nowgorod, Waldai, Wyschni Wolotschok und Twer nach Moskau. Da zu jener Zeit Eisenbahnen, Autos und Flugzeuge noch der Zukunft angehörten, reiste er in der Kibitka, d.h. in einem in Russland übliches Fuhrwerk mit drei Pferden, der Kutschersitz ist offen, während der Reisende von einem Dach geschützt wird.

Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819
Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819

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Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg
Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg

Der deutschstämmige Ingenieur Eugen Karlowitsch Knorre, 1848 in Nikolajew bei Odessa geboren, erarbeitete den Plan für die Moskauer Wasserleitungen. Außerdem hatte er der Moskauer Stadtverwaltung Pläne für die Metro vorgelegt, die seinerzeit jedoch nicht realisiert wurden.

Eugen Karlowitsch Knorres familiäre Wurzeln liegen im heutigen Sachsen-Anhalt. Er war der Enkel des 1759 in Neuhaldensleben bei Magdeburg geborenen Ernst Christoph Friedrich Knorre, der im Alter von 30 Jahren nach Dorpat (heute: Tartu/Estland) ging.

An der dortigen Höheren Töchterschule wirkte Ernst Christoph Friedrich Knorre ab 1789 als Direktor und ab 1802 als außerordentlicher Professor für Mathematik und Observator der damaligen provisorischen Sternwarte an der Universität Dorpat. Außerdem war er von 1789-1810 als Organist an St. Johannis in Dorpat. Verheiratet war er in erster Ehe mit Carolina Friederike Senff, 1765 in Leuna geboren, und in zweiter Ehe mit Carolina Henriette Sophie Senff, 1771 ebenfalls in Leuna geboren. Beide waren Schwestern des 1770 in Kreypau bei Merseburg geborenen und seinerzeit namhaften Künstlers Karl August Senff, der an der 1809 eingerichteten Zeichenschule der Universität in Dorpat lehrte, wo er 1838 verstarb. Ernst Christoph Friedrich Knorre hatte seinen Schwager stets finanziell unterstützt.

Knorres erste Frau starb 1791 nachdem sie ihm einen Sohn geboren hatte, der nicht lebensfähig war. Seiner zweiten Ehe entstammen vier Kinder, von denen drei überlebten.

Knorres 1799 in Dorpat geborener Sohn Karl Theodor Adolph schlug die medizinische Laufbahn ein und hatte von 1816-1821 Medizin an der Universität seiner Geburtsstadt studiert. Von 1823-1873 praktizierte er als Stadtphysikus in Pernau (heute: Pärnu/Estland). In den Rigaischen Stadtblättern vom 05.06.1822 wird angezeigt, dass er den Titel Doktor der Medizin erlangt hat. Er starb 1873 in Pernau. Sein 1827 in Pernau geborener Sohn Adolph Friedrich hatte von 1846-1851 Medizin an der Dorpater Universität studiert und war von 1858-1874 Ordinator am AlexanderHospital in Saratow und von 1875-1880 Landarzt im Gouvernement Saratow. Er starb 1893 in Saratow. Dessen Sohn Nikolai (*1862) wiederum trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls Landarzt im Gouvernement Saratow.

Ernst Leopold, der 1839 in Pernau geborene Bruder von Adolph Friedrich, studierte Klavier zuerst bei Theodor Stein (1819- 1893), der auch am St. Petersburger Konservatorium lehrte, später setzte Ernst Leopold Knorre seine Studien in Brüssel und Paris fort. Schlussendlich ließ er sich in Dorpat nieder, wo er als Klavierlehrer arbeitete. Dabei assistierte ihm seine Tochter Helene (*1865), die vorwiegend die Anfänger unterrichtete. Ernst Leopold starb 1928 in Dorpat, wie in der Rigaer Rundschau angezeigt.

Der zweite Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre – Karl Friedrich – 1801 in Dorpat geboren, hatte von 1816-1821 Theologie und gleichzeitig Mathematik an der Dorpater Universität studiert.

Karl Friedrich Knorre

Karl Friedrich Knorre

Jedoch zeigte er großes Interesse für Astronomie. So half er bereits als Student bei topografischen Aufnahmen und Messungen sowie bei nächtlichen Beobachtungen. Dabei assistierte er dem Astronomen Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793-1864), der Karl Friedrich in die Geheimnisse der praktischen Astronomie einwies. Auf Empfehlung und Vermittlung Struves kam Karl Friedrich im Jahr 1823 an die Sternwarte nach Nikolajew (heute: Mykolajiw/Ukraine), 100 km von Odessa entfernt. Somit wurde er der erste Astronom der Schwarzmeerflotte und lehrte gleichzeitig an der dortigen Steuermannsschule. Für den vielfachen Vater war ein gutes Einkommen immens wichtig, denn seinen drei Ehen entstammen zwölf Kinder: Fedor (*1831), Klara Karolina (*1834), Alexander (*1836), Wladimir (*1838), Viktor (*1840), Pawel (*1842), Karl (*1845), Amalie Sophie Karolina (*1847), Eugen (*1848), Sophie Jeanette (*1850), Olga Karolina (*1851) und Jegor (*1859). In anderen Quellen ist noch von den Söhnen Anton und Konstantin die Rede. Und alle waren zu ernähren und vor allem den Söhnen musste eine gute Ausbildung geboten werden.

Zum Verdienst von Karl Friedrich ist zu bemerken, dass er als Observator und Direktor der Sternwarte Nikolajew ein Jahresgehalt von 3000 Rubel bezog. Dazu kam noch das Salär für seine Lehrtätigkeit an der Steuermannsschule, das sich zum Beispiel im Jahr 1865 auf 2400 Rubel belief.

1828 wurde Karl Friedrich korrespondierendes Mitglied des Akademie der Wissenschaften St. Petersburg und im Jahr darauf mit dem Orden des Hl. Wladimir 4. Stufe geehrt. 1870, nach 50 Dienstjahren in Nikolajew, reichte er seinen Abschied ein. So bekam er den Orden der Hl. Anna 1. Stufe, wurde zum Geheimrat ernannt und in den Erbadel aufgenommen. Zu seinen beruflichen Verdiensten zählt die Anfertigung des Blattes Hora IV der Berliner Akademischen Sternenkarten. Zum anderen optimierte er den Sextanten.

Sein Sohn Viktor Karlowitsch, 1840 in Nikolaejew geboren und Bruder des eingangs erwähnten Eugen Karlovič, setzte die Familientradition fort und studierte ab 1862 Astronomie in Berlin bei Wilhelm Foerster (1832-1921). Fünf Jahre später begann er an der Sternwarte Pulkowo zu arbeiten. 1873 nahm der die Stelle als Observator an der Sternwarte in Berlin an. 1892 wurde er Professor für Astronomie. Zu seinen Leistungen gehört die Entdeckung des Asteroiden Coronis im Jahr 1876 und die Entdeckung dreier weiterer kleinerer Planeten zu seinen Leistungen. Des Weiteren machte er als genialer Schachspieler seinerzeit von sich reden. Viktor Knorre verstarb im Jahr 1919 bei Berlin. Die NASA benannte zu Ehren der drei Astronomengenerationen Knorre einen Asteroiden KNORRE.

Pawel Karlowitsch (*1842), Bruder von Viktor, war ausgebildeter Land- und Forstwirt und im Gouvernement Pensa ansässig. In Hinblick auf die Familienplanung eiferte er seinem Vater Karl Friedrich nach, denn er hatte vierzehn Kinder zu versorgen: Alexei (*1875), Helena (*1877), Anna (*1878), Maria (*1876), Woldemar (*1879), Katharina (*1881), Alica Anna (*1884), Olga Anna (1885), Pawel (*1887), Wera Antonina (*1888), Adele Felicita (*1890), Irene (*1896), Walentina (*1897) und Eugen (*1902). Pawel von Knorre starb im Jahr 1906.

Sein Bruder Eugen Karlowitsch (*1848), ausgebildeter Ingenieur-Mechaniker, besaß im Gouvernement Pensa 4093,5 Desjatinen Waldfläche sowie ein Sägewerk in Adamowka.

Fedor Karlowitsch (*1831), der älteste Sohn von Karl Friedrich, war Architekt, der unter anderem ab 1855 seinen Dienst beim Bau- und Straßenamt in Kiew versah. Außerdem projektierte er den Bau von Eisenbahnstrecken und Brücken und war auch im Gouvernement Stawropol tätig. Sein Sohn Fedor Fedorowitsch (*1862) wiederum war Bauingenieur und machte sich einen Namen beim Brückenbau in Sibirien und St. Petersburg. Sein Bruder Eugen Fedorowitsch (*1870) machte in Moskau Karriere als Violinist. Seine ältere Schwester Adele Fedorowna, (1867-1951) hatte am St. Petersburger Konservatorium Klavier und Operngesang studiert. Sie lehrte an den Musikschule in Nikolaejew und Libau (heute: Liepãja/Lettland). Ihre 1912 in Libau geborene Tochter Lydia, die sich nach Frankreich verheiratet hatte, studierte Musik und gab Privatunterricht am Konservatorium in Toulouse.

Karl Theodor, der 1806 in Dorpat geborene Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre, hatte nach dem Abitur am dortigen Gymnasium von 1823-1827 an der Dorpater Universität Theologie studiert. Nach einer gewissen Zeit als Hauslehrer bekam er 1837 die Stelle als wissenschaftlicher Lehrer an der Höheren Kreisschule in Pernau tätig. Er gehörte auch der studentischen Verbindung Dorpati Livonorum an. Er verstarb im Jahr 1846 in Pernau. In der Zeitschrift Das Inland. Eine Wochenschrift für Liv, Esth- und Curlands Geschichte, Geographie, Statistik und Literatur vom 17.09.1846 findet sein Ableben im Nekrolog Erwähnung und sein Wirken wie folgt eine Würdigung: „Seine gründliche Gelehrtenbildung, sein milder christlicher Sinn und seine liebreiche offene Theilnahme gegen Alle, mit denen er in Verbindung stand, ließen ihn für Schule und Leben gleich segensreich und wohlthuend wirken. Sein Andenken wird im Herzen aller, die ihn kannten, unvergänglich sein.“. Auch im Pernauschen Wochenblatt vom 07.09.1846 wird sein Tod angezeigt.

Friedrich Karl David, der Halbbruder von Ernst Christoph Friedrich Knorre, 1762 ebenfalls in Neuhaldensleben bei Magdeburg geboren, hatte ab 1778 Theologie in Halle studiert und ab 1786 mitgewirkt, die Höhere Töchterschule in Dorpat einzurichten und an selbiger die Stelle des Organisten eingenommen. 1789 ging er als Prediger an die deutsche Gemeinde St. Johannes nach Narwa (heute: Narva/Estland). Hier befasste er sich auch mit der heimischen Flora. Er starb1805 in Narwa. Sein Ableben ist im Neuen Allgemeinen Intelligenzblatt für Literatur und Kunst vom 01.06.1805 angezeigt: „Am 4. April starb zu Narva der Präses Consistorii und erste Prediger bey der deutschen luther. Gemeinde , Johann Friedrich David Knorre.“.

Sein in Narwa geborener Sohn Friedrich Karl (1797-1846), der das Gymnasium in Dorpat besucht und an der dortigen Universität von 1814-1817 Theologie studiert hatte, wirkte später als Lehrer an den Gymnasien in Riga und Odessa.In den Rigaischen Stadtblättern vom12.01.1826 ist seine Anstellung als wissenschaftlicher Lehrer an der 2. Kreisschule in Riga angezeigt.

aktualisiert, Zerbst 12.05.2020

Verwendete Literatur und Quellen:

1. Album Dorpati Livonorum mit Vorwort v. A. Ammon, Dorpat, 1890.

2. Erik Amburger Datenbank (online).

3. Schüler- Album des Dorpatschen Gymnasiums von 1804-1879, Dorpat,1879.

4. Hasselblatt, A., Otto, G.: Album Academicum der Kaiserlichen Universität Dorpat,Dorpat,1889.

5. Baltisches Biographisches Lexikon digital.

6. Šišlov, S.: Dvorjane Knorre v XIX-načale XX veka in: Penzenskij vremennik ljubitelej stariny, Nr.4,1992, S.6-10.

7. Pingin, G.I.: Legendarhye imena. Pervyj astronom Černomorskogo flota Karl Christoforovič fon Knorre, Nikolajew, 2013.

8. http://www.karl-knorre.name/Pages%20DE/Familienchronik.html [letzter Zugriff 12.05.2020].

9. http://www.geni.com/people/Ernst-Christoph-Friederich-von-Knorre/4626772356160128754 [letzter Zugriff 12.05.2020]

 

 

Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan

Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan 

Blick auf Leipzig
Blick auf Leipzig

Leibarzt bei Zar Alexander I. war ab 1810 der aus Leipzig stammende Arzt und Anthropologe Conrad Joseph Kilian (1771- 1811), von dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche medizinische Publikationen erschienen waren. Zuvor hatte Kilian bis 1795 als Geistlicher in Würzburg gewirkt, von 1801- 1803 als Arzt in Jena praktiziert und vor seiner Abreise nach Petersburg hatte er eine Professur für Medizin in Bamberg innegehabt.
Sein im Jahr 1800 in Leipzig geborener Sohn Hermann Friedrich hatte von 1810- 1816 die Petersburger Petrischule besucht. Seinem Medizinstudium ging er an den Universitäten Wilna, Leipzig, Würzburg, Göttingen und in England nach. In Paris sammelte er praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Geburtshilfe.
Im Jahr 1821 wurde er Professor- Adjunkt für Chemie an der Petersburger Medizinischen Akademie, wo er auch die Fächer Physiologie und Pathologie lehrte. Parallel dazu nahm er eine Arztstelle am Petersburger Militärhospital an. 1826 folgte er dem Ruf an die Klinik für Geburtshilfe nach Bonn, zuvor allerdings hatte er eine Bildungsreise durch Frankreich und Deutschland unternommen. Er verstarb 1863 im thüringischen Bad Liebenstein.

Der 1801 in Leipzig geborene Karl Ludwig Herrmann hatte an der Alma mater seiner Vaterstadt Medizin studiert und danach in Dresden praktiziert. Auf Einladung der Fürstenfamilie Golyzin ging 1836 nach Petersburg, wo man sein Wissen um die Homöopathie vor allem in solch angesehenen Familie wie Golyzin, Ostermann- Tolstoi und Mordvinov zu schätzen wusste. Herrmann initiierte die erste Anwendung homöopathischer Heilverfahren in den Heilanstalten Russlands. Seine Erfolge bei seinen Privatpatienten sprachen für sich. Unter diesen Patienten war auch der bekannte russische Komponist M. I. Glinka, der über Herrmann´s Praxis folgende Worte niederschrieb: „ Der zu jener Zeit bedeutende Herrmann konnte mir sehr helfen, ungefähr zwei Jahre befolgte ich die mir von ihm verschriebene Diät und seine homöopathischen Methoden konnten mich heilen.“
Herrmann gelang es mit dem Großfürsten Michail Pavlovič einen Vertrag darüber abzuschließen, der ihm gestattete, im Militärhospital in Tulšin vergleichende Untersuchungen zur Effektivität der Anwendung homöopathischer und schulmedizinischer Methoden durchzuführen. Zwar brachten die Untersuchungen nicht unbedingt den gewünschten Erfolg, doch Herrmann´s Erkenntnisse gaben der Entwicklung der Homöopathie in Russland weiterführende Impulse. Karl Ludwig Herrmann wurde Direktor der homöopathischen Heilanstalt von St. Petersburg, wo er auch 1836 verstarb. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit widmete er sich auch der Dichtkunst und Übersetzungen.

Der Apotheker Karl Iwanowitsch Osse, Sohn eines Bronzemeisters, wurde 1804 in Leipzig geboren. Er hatte das Gouvernement- Gymnasium in Petersburg und die Universität Dorpat besucht, wo er 1829 sein Provisorexamen ablegte. Einige Zeit später ging Osse nach Astrachan, wo er seine Apothekerprüfung bestand. Schon mehr als ein Jahrhundert vor der Ankunft von Osse in Astrachan war die dortige deutsche Gemeinde schon 100 Mitglieder stark.
In der Dienstliste der beruflichen Laufbahn des Kollegienrats Karl Ivanovič Osse, die am 12. September 1868 erstellt wurde, ist verzeichnet, dass Osse in Astrachan ein Steinhaus besaß. Des Weiteren gibt die Dienstliste Auskunft darüber, dass Osse 1835 in Astrachan aktiv mithalf, die Cholera zu bekämpfen, wofür ihm mit einer goldenen Uhr gedankt wurde.
Im darauffolgenden Jahr bekam er eine Anstellung als Apotheker in der Apotheke bei den Einrichtungen des Astrachaner Amts für allgemeine Fürsorge.
Über Osse wurde einhellig berichtet, dass er seine Kunden, d.h. die Krankenhäuser Astrachans und der Umgebung stets mit ausreichend Medikamenten versorgte und großzügig Rabatte gewährte. Aufgrund seiner beruflichen Kompetenz, seiner Bemühungen um das Allgemeinwohl seiner Mitmenschen wurden ihm weitere, teilweise auch ehrenamtliche Ämter angetragen. 1837 wurde er Direktor der Astrachaner Gefängnisfürsorge und 1849 Direktor des Alexandrinischen Waisenhauses. Im Jahr 1870 wurde Osse russischer Untertan. Sein in Astrachan geborener Sohn Ernst Peter Bernhard (1846- 1903), der die St. Annenschule und die Wiedemannsche Schule sowie das Gouvernement- Gymnasium in Reval besucht und der eine juristische und kaufmännische Ausbildung an der Universität in Dorpat absolviert hatte, erbte die Ämter seines Vaters. Doch 1891 verließ er seine Geburtsstadt. Astrachan und zog nach Reval, wo er zwei Jahre später eine Papierfabrik erwarb. Später arbeitete er bei der Wolga- Dampfschifffahrt. .
Sein Bruder Otto (1848- 1874) hatte Pharmazie studiert. Peter (1851- 1925), der jüngste der Söhne von Karl Osse, erhielt seine Ausbildung in Reval und Dorpat. Er lehrte an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Fellin und Dorpat, wo er letztendlich Direktor der städtischen Realschule wurde. Karl Osses 1874 in Astrachan geborener Enkel Karl Gottfried hatte zunächst in Dorpat die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt besucht und an der dortigen Universität Pharmazie studiert. Später übernahm er die Apotheke seines Großvaters und führte diese bis zum für Russland folgenschweren Jahr 1918, in dem er auch verstarb.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Kahle, E.: Kilian, Hermann Friedrich, in: NDB, 11 (1977)
2. Marré, B.: Bücher für Mütter als pädagogische Literaturgattung und ihre Aussagen über Erziehung
(1762-1851): ein Beitrag zur Geschichte der Familienerziehung, Weinheim, 1986
3. Wiesing, U.: Kunst oder Wissenschaft? Konzeptionen der Medizin in der deutschen Romantik, Frommann
-Holzboog, 1995
4. http://www.deutsche-biographie.de/pnd116171388.html v. 07.03.2013
5. http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/herrmann.html 27.09.2013
6. zaozernov.ru 27.09.2013
7. Bauer, W.: Karl I. Osse. Ein deutscher Apotheker im zaristischen Russland, Stuttgart, 2003
8. Zeddelmann, R.v.: Die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt 1875 – 1900, Lehrer- und Schüleralbum, Jurjew
(Dorpat), 1900
9. BBLd (online)

Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

 Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer

an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov
Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov

Zu den aus dem heutigen mitteldeutschen Raum stammenden Lehrkräften, die an der Petersburger Akademie der Wissenschaften und Universität wirkten, gehörte der gelehrte und vielseitig interessierte Glasschleiffer und Feinmechaniker Johann Georg Leutmann (Leitmann) (*1667) aus Wittenberg. Er hatte an der heimatlichen Universität auf Drängen seiner Eltern in erster Linie Theologie belegt, betrieb aber zugleich das Studium der Mathematik, Physik und Medizin. Nach dem Abschluss des Studiums wirkte er als Pastor im wenige Kilometer benachbarten Dabrun, wo er sich eine eigene mechanische Werkstatt einrichtete. Bereits zu jener Zeit verfasste er ein Buch über die Grundlagen der Heiztechnik und seine darin niedergeschriebenen Erkenntnisse gelten bis zum heutigen Tag: Leutmann forderte eine effektive Heizanlage bei möglichst geringem Verbrauch von Brennstoffen.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann

Auch im Jahr 1718 erschien seine erste Publikation über Uhren, die sogar das Interesse des russischen Zaren Peter I. (1672- 1725)weckte, der, wie allgemein bekannt, sich sehr für die Naturwissenschaften begeisterte.

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Auf Einladung des Zaren kam Leitmann endlich im Jahr 1726 nach Petersburg, wo er als Professor für Mechanik und Optik an der Akademie lehrte. Die Übersiedlung Leitmanns nach Petersburg verzögerte sich auch deshalb, da er mit der russischen Seite für ihn vorteilhafte Bedingungen aushandeln wollte. Auch an seiner neuen Wirkungsstätte widmete er sich dem eigenhändigen Bau verschiedener Apparaturen und publizierte über Messinstrumente, Pumpen, Mikroskope, Ferngläser und Gewehre. Seine neusten Apparaturen präsentierte er stets auf den Zusammenkünften seiner Kollegen an der Wissenschaftlichen Akademie.

1733 wurde er nach Moskau an den dortigen Münzhof gerufen, wo er an der Lösung eines material- technischen Problems mitarbeitete. 1736 verstarb Leutmann in St. Petersburg. 1738 wurden Leutmanns Neue Anmerckungen vom Glasschleiffen von der Akademie der Wissenschaften herausgegeben.

Verwendete Quellen und Literatur:
1. Erik Amburger Datenbank online
2. http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015
3.http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015 (Informationen von Dr. Bernhard
Huber Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Bibliothek)
4.http://dic.academic.ru/dic.nsf/enc_biography/ 25.04.2015

Hochschullehrer aus Mitteldeutschland an der Kiewer Universität – Преподаватели из Середней Германии, преподававшие в Киевском университете Св. Владимира

Hochschullehrer aus Mitteldeutschland an der Kiewer Universität – Преподаватели из Середней Германии, преподававшие в Киевском университете Св. Владимира

Gustav Adolf Eismann (*1824), dessen familiäre Wurzeln in Sachsen- Coburg zu finden sind, war der Enkel des 1812 an die evangelisch- lutherische Kirche St. Katharina nach Kiew gekommenen Predigers Justus Friedrich Eismann († 1846).

evangelisch-lutherische Kirche Hl. Katharina in Kiew
evangelisch-lutherische Kirche Hl. Katharina in Kiew

Gustav Adolf hatte von 1841- 1845 an der juristischen Fakultät der im Jahr 1834 gegründeten Universität des Hl. Wladimir in Kiew studiert, wo er von 1848- 1862 die stelle eines Adjunkt am Lehrstuhl für Staatsrecht innehatte. Ab 1856 wirkte er zudem noch als Sekretär der juristischen Fakultät. Seit dem Jahr 1939 trägt die Kiewer Universität den Namen des wohl bekanntesten ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko.

Universität Taras Schwetschenko in Kiew
Universität Taras Schwetschenko in Kiew

Gustav Adolf Eismannn war außerdem einer der größten Hausbesitzer von Kiew und Besitzer einer Ziegelei. So war es nur folgerichtig, dass er zu den Mitgliedern einer städtischen Kommission gehörte, die sich mit den dortigen Immobilien befasste. Später unterstand ihm auch das städtische Bauamt. Erstmals zum Bürgermeister von Kiew wurde er 1872 gewählt, doch bereits im darauffolgenden Jahr trat er aus persönlichen Gründen zurück, da seine Tochter bei der Geburt ihres Kindes gestorben war und sein Schwiegersohn daraufhin Selbstmord verübt hatte. 1875 erfolgte seine Wiederwahl in den Stadtrat und von 1879 bis zu seinem Tode im Jahr 1884 war er wieder Stadtoberhaupt von Kiew.

Blick auf Häuser in Kiewer Lutherstraße, wo einst Deutsche wohnten
Blick auf Häuser in Kiewer Lutherstraße, wo einst Deutsche wohnten

Ernst August Knorr, 1805 in Herzberg/ Sachsen geboren, lehrte zunächst am Gymnasium in Joachimsthal und ging anschließend von (1832- 1848) auf Empfehlung Humboldts als ordentlicher Professor für Meteorologie und später für Physik und Physische Geografie an die Universität Kazan`. Zuvor hatte er 1831 an der Universität Berlin promoviert. Während seiner Kazaner Zeit führte ihn mehrere Reisen in das östliche Russland, die er für wissenschaftliche Beobachtungen nutzte. Zum anderen wurde er beauftragt, in Kazan` ein meteorologisches Observatorium einzurichten, das auch von den Schülern der umliegenden Gymnasien genutzt werden sollte. Des Weiteren setzte er sich im Kazaner Lehrbezirk für den Ausbau eines Netzes von meteorologischen Beobachtungs- und Messstationen ein. Außerdem instruierte er die „Beobachter“ in den Gymnasien und anderen Bildungseinrichtungen persönlich. Knorr gab sich nicht nur mit der Aufzeichnung der Messergebnisse zufrieden, er wertete sie aus und publizierte darüber. In seiner öffentlichen Rede im Jahr 1843 verwies er auf den Nutzen von meteorologischen Beobachtungen und Aufzeichnungen für die Menschheit nicht nur für die Wettervorhersage, auch für die Schifffahrt, Landwirtschaft und Gartenbau. Laut Knorr hänge jede Wissenschaft von den in der jeweiligen Gesellschaft herrschenden Bedingungen ab.
Im Jahr 1855 übernahm er eine Professur an der Fakultät für Physik der Kiewer Universität. Wie auch schon zuvor in Kazan` richtete er dort ein meteorologisches Observatorium ein. 1858 nahm Knorr seinen Abschied und ging zurück nach Deutschland, nach Dresden.

Denkmal für Taras Schewtschenko in Kiew
Denkmal für Taras Schewtschenko in Kiew

Verwendete Literatur und Quellen:
1. http://www.katharina.kiev.ua
2. Erik Amburger Datenbank online
3. Maurer, T.: Hochschullehrer im Zarenreich. Ein Beitrag zur russischen Sozial- und Bildungsgeschichte,
Köln, Weimar, Wien, 1998, S. 341
4. Dietz, V., Garsavina, A., Nowizkaja, I.: Deutsche Gelehrte als Professoren an der Kasaner Universität, Kasan, 2004,
S. 39f.
5. http://www.law.edu.ru/doc/document.asp?docID=1129788
6. http://z3950.ksu.ru/ubiz/pereved.pdf

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Annegret Mainzer, Zerbst

Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt

Carl Gustav Alexander Eckers, 1811 im Kloster Zinna bei Jüterbog geboren, hatte das Gymnasium in Zerbst besucht und Theologie in Wittenberg sowie Philosophie bei Hegel in Berlin studiert, bevor er 1836 nach Mitau ging, um dort als Hauslehrer zu arbeiten.

Schlosskirche mit Luther- Thesen in Wittenberg

1839 war er wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule in Goldingen. Von 1841 bis 1864 lehrte er die deutsche Sprache und Literatur am Gouvernements Gymnasium in Riga. In den Rigaischen Stadtblättern vom 09.07.1841findet Eckers als „Oberlehrer am Rigaschen Gymnasium“ Erwähnung.

Außerdem war Eckers Mitbegründer des Naturforschervereins zu Riga. Eckers hielt unter anderem Vorlesungen für das interessierte Rigaer Publikum. So wird in den Rigaischen Stadtblättern vom 24.02.1843 zu „Vorlesungen für das gebildete Publikum“ in die St. Johannis-Gildestube eingeladen. Dort hielt am 02. 03.1843 Eckers eine Vorlesung zum Thema Die Hauptmomente der Entwicklung der Dichtung von Klopstock bis Göthe. Die Rigaischen Stadtblätter vom 28.06.1844 vermelden, dass Eckers anlässlich Entlassungsfeier der Abiturienten des Rigaer Gymnasiums einen wissenschaftlichen Vortrag zum Thema Ueber das, was gegenwärtig der poetischen National-Literatur der Deutschen Noth thut.

Am 07.06.1845 vermelden die Rigaischen Stadtblätter: „Der Ober-Lehrer des hiesigen Gymnasiums Eckers ist in dem Range eines Titulair-Raths bestätigt worden.“. Eine weitere Beförderung vermeldet das Blatt am 31.07.1847: „Nach Ausdienung der gesetzlichen Jahre ist vom Titulair-Rath zum Collegien-assessor befördert: der ältere Lehrer am hiesigen Gymnasium Eckers.“.

Sein 25-jähriges Berufsleben am Rigaer Gouvernements-Gymnasium ist in den Rigaischen Stadtblättern vom 12.112.1864 erwähnt: „Am Sonntag, den 8 November, beging Herr Collgien-Rath G. Eckers Oberlehrer der deutschen Sprache und Literatur am hiesigen Gouv.-Gymnasium, das Fest seiner 25jährigen amtlichen Wirksamkeit an der genannten Anstalt. Schon am Abend vorher hatten ihm die Schüler des Gymnasiums mit einem Ständchen beim Scheine farbiger Laternen überrascht.“. Seine Entlassung zum 31. 12.1864 ist in den Rigaischen Stadtblättern vom 04.02.1865 bekannt gegeben.

Eckers muss sich neben seiner Lehrtätigkeit auch für den Tierschutz eingesetzt haben, denn den Rigaischen Stadtblättern vom 25.09.1869 ist zu entnehmen, dass er Präsident des Rigar Tierschutzvereins war: „Vom 2. bis 5. August d. J. ist zu Zürich ein internationaler Thierschutz-Congreß abgehalten worden, auf dem auch der Rigaer Thierschutz-Verein durch seinen Präsidenten, den dim. Oberlehrer des Gouv.-Gymnasiums, Hrn. Collegien-Rath Eckers vertreten war.“.

In den Rigaischen Stadtblättern vom 02.06.1843 ist die Heirat des „Oberlehrer am Rigaischen Gymnasio Karl Gustav Alexander Eckers mit Elisabeth Wilhelmine Kruhseangezeigt. Ihre 1846 in Riga geborene Tochter Olga (†1890) war mit dem aus Riga stammenden Chemiker Carl Nikolai Seuberlich (1847-1924) verheiratet.

Eckers verstarb 1889 in Riga, wie in der Libauer Zeitung vom 28.08.1889 und in der Düna-Zeitung vom 14.08.1889 sowie in den Rigaischen Stadtblättern vom 17.08.1889 angezeigt.

Verwendete Literatur:
1. Beiträge zur Geschichte der Esthländischen Ritter- und Domschule:Einladungsschrift zu der 550jährigen
Jubelfeier der Domschule zu Reval am 19. und 20. Juni1869, Reval, 1869; S. 912. Zur Geschichte des Gouvernements- Gymnasiums in Riga, Riga,1888; S. 7
3. Woldemar, C.: Zur Geschichte und Statistik der Gelehrten- und Schulanstalten des Kaiserlich Russischen
Ministeriums der Volksaufklärung, St. Petersburg, 1865; S. 136
4. Baltisches Biographisches Lexikon digital
5. Gottzmann, C.L., Hörner, P.: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburg, Berlin,
2007; S. 387
6. BBLd [letzter Zugriff 10.04.2020]

7. Erik Amburger Datenbank online [letzter Zugriff 10.04.2020]

Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland)

 Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland) 

Johann Friedrich Erdmann
Johann Friedrich Erdmann

Der 1778 in Wittenberg geborene Arzt Johann Friedrich Erdmann hatte an der Universität seiner Heimatstadt zuerst Theologie studiert, etwas später jedoch in die medizinische Fachrichtung gewechselt. In Wittenberg lehrte er ebenfalls bis zirka 1808 als ordentlicher Professor für Pathologie und Therapie.

Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann
Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann

Infolge der zu jener Zeit immer schwierigeren Situation der Wittenberger Universität folgte Erdmann einem Ruf nach Kazan´, der Hauptstadt Tatarstans im Russischen Reich. Er war von 1810- 1817 der erste Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Kazan. Dort verfolgte er den Plan des Baus einer Klinik. Während seine Pläne große Anerkennung und Zustimmung fanden, scheiterte die Realisierung seiner Pläne an Geldmangel. Von Kazan` aus, wo Erdmann seit 1810 den Lehrstuhl für Pathologie, Therapie und Klinik innehatte, reiste er 1811 nach Sergievsk, um die dortigen Mineralquellen zu analysieren. Im Jahr 1815 unternahm er Reisen u.a. nach Simbirsk, Saratov und Astrachan. Alle seine während dieser Reisen gemachten Beobachtungen veröffentlichte er in seinen dreibändigen Beiträgen zur Kenntniss des Innern von Russland in den Jahren von 1822- 1826. Interessiert war Erdmann ebenfalls an der Untersuchung der medizinisch- topografischen Bedingungen in Kazan`. Erdmann, der der russischen Sprache nicht mächtig war, hielt seine Vorlesungen in lateinischer Sprache. Des Weiteren hatte Erdmann dort die Funktion eines Inspektors der Schulen in den Gouvernements Saratov, Simbirsk, Astrachan, Tobolsk und Perm` inne. Erdmann erkundete nicht nur die Sitten und Gebräuche der dort lebenden Bevölkerung, sondern machte auch gezielte Beobachtungen bezüglich der dort auftretenden Krankheiten. 1818 ging Erdmann an die Universität Dorpat, wo er als Professor für Diätetik, Arzneimittellehre und Geschichte der Medizin Vorlesungen hielt.1842 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurück, wo er im Jahr 1846 in Wiesbaden verstarb.
Sein 1816 in Kazan` geborener Sohn Carl Michael Theodor Friedrich hatte ab 1828 seine Schulbildung am Gymnasium in Dorpat erhalten und von 1836- 40 Medizin an der dortigen Universität studiert. Er praktizierte u.a. in Mitau, aber auch in Dresden, wo er 1887 verstarb.
Gustav ,der zweite Sohn von Johann Friedrich Erdmann, wurde 1818 geboren. Er schlug eine militärische Laufbahn ein. 1875 unterstanden die am Pazifik gelegenen russischen Häfen seinem Kommando und er war Militärgouverneur der Region Primorje. Er lebte zu jener Zeit in Wladiwostok, wo er sich vor allem um den Aufbau einer lutherischen Kirche mit eigenem Pastor verdient machte. 1883 wurde er als Hafenkommandeur in Reval eingesetzt, wo er kurz Zeit später verstarb.

 

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Trautvetter, E.R.: Grundriss eines Geschichte der Botanik in Bezug auf Rußland,St. Petersburg, 1837
2. Крылов- Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий.Краткий медицинский
биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
3 http://vladivostok-city.com/de/places/all/all/934 11.04.2015
4.http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fernster-osten-russlands-traum-von-asien-11556327-p2.html
11.04.2015