Professor Hermann Schmalz aus dem heutigen Zerbst/ Anhalt lehrte im einstigen Dorpat

Professor Hermann Schmalz aus dem heutigen Zerbst/ Anhalt lehrte im einstigen Dorpat

Hermann Schmalz, geboren 1807 in Bonitz bei Zerbst in Anhalt hatte in Königsberg (heute: Kaliningrad/ Russland) studiert, wo er nachweislich des 1829 gegründeten Corps Littuania Königsberg, einer Burschenschaftsvereinigung, angehörte.

Herrmann Schmalz hatte das Gut Kassen bei Pillkallen (heute: Dobrowolsk/ Russland)) im damaligen Regierungsbezirk Gumbinnen (heute: Gussew/ Russland) geerbt.

Er lehrte von 1834- 37 an der Universität Dorpat (heute: Tartu/ Estland) Landwirtschaftslehre, befasste sich neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit auch mit journalistischen und schriftstellerischen Arbeiten. So erschien 1837 in Dorpat seine Schrift Die Zuckerfabrication aus Runkelrüben in besonderer Erwägung für Russland als Einladungsschrift zur Stiftungsfeier der Landwirtschaftlichen Lehranstalt zu Altkusthof, an der Schmalz lehrte und den Posten des Inspektors bekleidete.

Universitätsgebäude_-_Louis_Höflinger,_1860

Hermann Schmalz betätigte sich ebenfalls politisch. Er war Landrat des Kreises Pillkallen in Ostpreußen. Zudem war Hermann Schmalz von 1867- 1870 Mitglied des Norddeutschen Reichstages und bis 1879 Mitglied des Deutschen Reichstages. Dabei vertrat er den von 1808- 1945 existierenden ostpreußischen Wahlkreis Regierungsbezirk Gumbinnen 2. Heutzutage gehört der größte Teil dieses ehemaligen Wahlkreises zum heutigen Kalinigrader Gebiet (Russland) und der südliche Teil zur heutigen polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren. Einzug in den Deutschen Reichstag hielt Hermann Schmalz mit 62,17 % der Wählerstimmen und vertrat stets die Konservativen.

Nach seinem Tode im Jahre 1879 übernahm der Rittergutsbesitzer Albert von Sperber (1836- 1889) das Abgeordnetenmandat.

Das Interesse von Hermann Schmalz an journalistischer Tätigkeit äußerte sich in seiner Mitarbeit an der Herausgabe einer kulturell geprägten Zeitschrift Der Refraktor. Ein Centralblatt Deutschen Lebens in Russland. In der ersten Ausgabe, die am 2 Mai des Jahres 1836 erschien, wandte sich Schmalz in seinem Leitartikel An das Publikum und legte auf Seite 3 die Idee seines Blattes wie folgt dar:

Keine Anarchie, keine Gesetzlosigkeit wird der Refraktor sich zu Schulden kommen lassen. Die drei Kepplerschen Regeln des Universums, die Regeln der Wahrheit, des Rechtes und des Schönen werden ihm immer heilig sein (…) nie zum Persönlichen hinabsteigen, nie Partei nehmen, verletzen oder kränken, sondern überall will er aufbauen (…) anregen und erhalten …“

An dieser Zeitschrift arbeitete Schmalz gemeinsam mit dem deutsch- baltischen Dichter Carl Friedrich von der Borg (1794- 1848), der als Jurist und Kanzleidirektor der Universität Dorpat seinen Lebensunterhalt bestritt, aber auch russische Literatur übersetzte.

Ab 1846 war Hermann Schmalz Herausgeber der 1727 gegründeten St. Petersburger Zeitung. Dort führte Schmalz  während seiner Amtszeit das ständige Feuilleton ein.

Verwendete Literatur und Quellen

Eichhorn, C.: Die Geschichte der „St. Petersburger Zeitung“ 1727- 1902, St. Petersburg, 1902

erb.nlib.ee 26.08.2013

www.reichstag-abgeordnetendatenbank.de 26.08.2013

www.utlib.ee 26.08.2013

 

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Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

In Köthen, gelegen im heutigen Bundesland Sachsen- Anhalt, praktizierte von 1821- 1835 der 1755 in Meißen geborene Homöopath Christian Friedrich Samuel Hahnemann, der zuvor in Gommern, Dessau und Dresden gewirkt hatte. Hahnemann, der seitens der Schulmediziner eine Reihe von Anfeindungen aushalten musste, hatte nicht nur Anhänger in Deutschland, sondern auch im Ausland, u.a. in den USA, in Frankreich und auch im Russischen Reich.

Samuel Hahnemann
Samuel Hahnemann

Zu diesen zählte auch Carl Bernhard von Trinius, 1778 in Eisleben geboren, hatte er an den Universitäten Jena, Halle, Leipzig und Göttingen studiert. Er begründete in St. Petersburg nicht nur das Botanische Museum, sondern unterrichtete von 1829- 1833 auch den späteren Zaren Alexander II. in naturwissenschaftlichen Fächern.
Von Trinius, der zuvor in Kurland als Arzt beim Kammerherrn Johann E.von Keyserling († 1811) und in Lettland praktiziert hatte, begleitete ab 1802 die Herzogin Antoinette von Württemberg als Leibarzt. Diese Anstellung führte ihn von 1811- 1815 an die Newa, wo er auch Zeit für wissenschaftliche Arbeiten fand. 1822 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften St. Petersburg. Nach dem Tode der Herzogin praktizierte von Trinius in Petersburg und er wurde zum kaiserlichen Leibarzt berufen. Neben diesen beruflichen Aufgaben forschte er unermüdlich im Bereich der Botanik. Sein fast 5000 Pflanzen umfassendes Herbarium sowie die dazugehörigen Notizen und Skizzen gingen nach seinem Tode an das heutige Petersburger Botanische Museum, als dessen Gründer er gilt. 1994 wurde seine wertvolle Sammlung digitalisiert.

P1090541Im Jahr 1830 schloss er seine Praxis und befasste sich nun in erster Linie mit Homöopathie. So stand er auch im regen Briefwechsel mit seinem Onkel Samuel Hahnemann (1744- 1843), dem Begründer der Homöopathie und der zu jener Zeit im anhaltischen Köthen wirkte.
Etliche Male sandte die Petersburger Akademie von Trinius ins europäische Ausland, um die dortigen Botanischen Gärten bzw. Sammlungen in Augenschein zu nehmen. Von Trinius verfasste mehr als 30 Traktate zur Botanik. Er versuchte sich ebenfalls als Poet und Dramatiker. Freunde von ihm veröffentlichten 1848 in Berlin seine Gedichte, doch von Trinius war schon 1844 in Petersburg verstorben.

Der aus Wittenberg stammende Julius Schweikert (1807- 1876) hatte sein Medizinstudium an der Universität Leipzig absolviert.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Schweikert

Der seinerzeit namhafte Homöopath Samuel Hahnemann vermittelte ihn als Leibarzt des Fürsten Kurakin nach Russland. So kam Schweikert ins Gouvernement Orel, wo er auch am dortigen Krankenhaus praktizierte. Doch in Orel mangelte es dem Arzt an Gelegenheiten, sich mit Kollegen gedanklich auszutauschen. Zum anderen medikamentierte sich sein Dienstherr zunehmend selbst, so dass Unstimmigkeiten entstanden zwischen Schweikert und dem Fürsten. 1837 kündigte Schweikert und zog nach Moskau, wo er eine homöopathische Praxis eröffnete.

Ab 1838 war er Arzt an der dortigen Landwirtschaftsschule angestellt. Diese Anstellung hatte er bis 1847 inne. Schweikert war auch ab 1842 Arzt am Kaiserlichen Findelhaus und ab 1844 am Kaiserlichen Witwenhaus. Von 1851- 1856 war er Arzt am 2. Adligen Moskauer Gymnasium. 1853 promovierte er erfolgreich an der Universität Moskau.

Im Jahr 1845 eröffnete Schweikert das erste homöopathische Krankenhaus in Moskau, dessen Leitung er bis 1860 innehatte. Seine Schließung erfolgte aufgrund fehlender finanzieller Mittel.

Hahnemann - Büste im Stadtmusuem Zerbst
Hahnemann – Büste im Stadtmusuem Zerbst

Schon sein Vater Georg August Benjamin (1774- 1845), ein Schüler Hahnemanns, leitete 1834/35 das erste homöopathische Krankenhaus in Leipzig.

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Beigesetzt wurde Julius Schweikert auf dem Moskauer Vvdenskoe- Friedhof. Die russische Krone erkannte sein Wirken an, indem ihm Titel und Orden verliehen wurden.

Verwendete Quellen:
Brennsohn, I.: Die Ärzte Kurlands vom Beginn der herzoglichen Zeit bis zur Gegenwart, Riga, 1929
Dorges, A.: Die Homöopathenfamilie Dr. Schweikert, Stuttgart, 2007
Fischer, M.: Russische Karrieren- Leibärzte im 19. Jahrhundert, Aachen, 2010
Крылов-Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий. Краткий медицинский  биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen
Livland, Esthland, Kurland, Bd.4, Mitau, 1832
Российский Медицинский список на 1810 год, St. Petersburg, 1810
Российский Медицинский список на 1860 год, St. Petersburg, 1860
http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/trinius.html 27.02.2013

Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

В 1767 г. российская царица Екатерина II, урожденная принцесса Агнальт- Цербстская, отправила группу молодых русских, окончавших Пажеский корпус, на университетскую учёбу в Лейпциг. Это присходила по рекомендации графа Григория Орлова, ставшего позже вице- президента Российской Императорской Академии наук в Ст. Петербурге. Григорий Орлов сам в 1761 г. окончил свою учёбу в Лейпциге. Екатерина II сама разработала инструкции для поведения русских студентов за рубежом.

Völkerschlachtdenkmal - ein Wahrzeichen Leipzigs
Völkerschlachtdenkmal – ein Wahrzeichen Leipzigs

Im Jahr 1767 schickte die russische Zarin Katharina II., geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst, eine Gruppe junger Russen, die gerade im Pagenkorps ausgebildet worden waren, zum Universitätsstudium nach Leipzig. Dies geschah auf Anraten des Grafen Grigori Orlow, der u.a. zum Vize- Präsidenten der Kaiserlichen Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg ernannt wurde. Grigori Orlow hatte selbst 1761 sein Studium in Leipzig abgeschlossen. Zarin Katharina II. erarbeitete höchst persönlich die Instruktionen für das Auftreten und Verhalten der russischen Studenten im Ausland.

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A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg
Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg

Wer beim Lesen des Buchtitels Reise von Petersburg nach Moskau vermutet, es handele sich um einen Bericht über die landschaftlichen Schönheiten Russlands, der liegt falsch. Denn unser Reisender legt in seinen Berichten den Fokus verstärkt auf die ungeschminkte Darstellung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Untertanen der russischen Krone im ausgehenden 18. Jahrhundert, vor allem abseits solcher von den jeweiligen Zaren und Zarinnen protegierten urbanen Zentren wie Moskau und St. Petersburg.

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Die Reise führt unseren Reisenden in die russischen Provinzen, d.h. von der Newa über Nowgorod, Waldai, Wyschni Wolotschok und Twer nach Moskau. Da zu jener Zeit Eisenbahnen, Autos und Flugzeuge noch der Zukunft angehörten, reiste er in der Kibitka, d.h. in einem in Russland übliches Fuhrwerk mit drei Pferden, der Kutschersitz ist offen, während der Reisende von einem Dach geschützt wird.

Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819
Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819

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Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg
Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg

Der deutschstämmige Ingenieur Eugen Karlovič Knorre (1848- 1917) erarbeitete den Plan für die Moskauer Wasserleitungen. Außerdem hatte er der Moskauer Stadtverwaltung Pläne für die Metro vorgelegt, die jedoch nicht realisiert wurden.
Eugen Karlovič Knorres familiäre Wurzeln lagen im heutigen Sachsen- Anhalt. Er war der Enkel des 1759 in Neuhaldensleben bei Magdeburg geborenen Ernst Christoph Friedrich Knorre, der im Alter von 30 Jahren nach Dorpat (heute: Tartu/ Estland) ging.
An der dortigen Höheren Töchterschule wirkte Ernst Christoph Friedrich Knorre ab 1789 als Direktor und ab 1802 als außerordentlicher Professor für Mathematik und Observator der Sternwarte an der Universität Dorpat. Außerdem wirkte er von 1789- 1810 als Organist an St. Johannis in Dorpat. Verheiratet war er in erster Ehe mit Carolina Friederike Senff (1765- 1791) und in zweiter Ehe mit Carolina Henriette Sophie Senff (1771- 1850), den Schwestern des 1770 bei Merseburg geborenen und seinerzeit namhaften Künstlers Karl August Senff, der an der 1809 eingerichteten Zeichenschule der Universität in Dorpat lehrte, wo er 1838 verstarb. Ernst Christoph Friedrich Knorre hatte seinen Schwager stets finanziell unterstützt.

Knorres 1799 geborener Sohn Karl Theodor Adolph schlug die medizinische Laufbahn ein und praktizierte ab 1823 als Stadtphysikus in Pernau (heute: Pärnu / Estland). Dessen Sohn Ernst Leopold (1839- 1928) wiederum studierte Klavier zuerst bei Theodor Stein (1819- 1893), der auch am St. Petersburger Konservatorium lehrte, später setzte Ernst Leopold Knorre seine Studien in Brüssel und Paris fort. Schlussendlich ließ er sich in Dorpat nieder, woer als Klavierlehrer wirkte. Dabei assistierte ihm seine Tochter Helene (*1865), die vorwiegend die Anfänger unterrichtete.
Der zweite Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre – Karl Friedrich, der 1801 das Licht der Welt erblickt hatte, wirkte als Direktor der Sternwarte Nikolaev.

Karl Friedrich Knorre
Karl Friedrich Knorre

Dessen Sohn Viktor Karlovič wiederum, der 1840 in Nikolaev das Licht der Welt erblickt hatte, Bruder des eingangs erwähnten Eugen Karlovič, setzte die Familientradition fort und studierte ab 1862 Astronomie in Berlin bei Wilhelm Foerster (1832- 1921). Fünf Jahre später begann er an der Sternwarte Pulkovo zu arbeiten. 1873 nahm der die Stelle als Obervator an der Sternwarte in Berlin an. 1892 wurde er Professor für Astronomie. Zu seinen Leistungen gehört die Entdeckung des Asteroiden Coronis im Jahr 1876 und die Entdeckung dreier weiterer kleinerer Planeten zu seinen Leistungen. Des Weiteren machte er als genialer Schachspieler seinerzeit von sich reden. Viktor Karlovič Knorre verstarb im Jahr 1919 bei Berlin. Die NASA benannte zu Ehren der drei Astronomengenerationen Knorre einen Asteroiden Knorre. Eugen Fedorovič Knorre (*1870), Enkel von Karl Friedrich, machte in Moskau Karriere als Violinenspieler. Seine ältere Schwester Adele, (1867- 1951) hatte am St. Petersburger Konservatorium Klavier und Operngesang studiert. Sie lehrte an den Musikschule in Nikolaev und Libau (heute: Liepāja/ Lettlland ). Ihre 1912 in Libau geborene Tochter Lydia, die sich nach Frankreich verheirat hatte, studierte Musik und gab Privatunterricht am Konservatorium in Toulouse.
Karl Theodor, der 1806 in Dorpat geborene Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre, hatte nach dem Abitur am dortigen Gymnasium von 1823- 1827 Theologie studiert. Ab 1837 war er als wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule in Pernau tätig. Er gehörte auch der studentischen Verbindung Dorpati Livonorum an. Er verstarb im Jahr 1846.
Friedrich Karl David, der Halbbruder von Ernst Christoph Friedrich Knorre, 1762 auch in Neuhaldensleben bei Magdeburg geboren, hatte ab 1778 Theologie in Halle studiert und ab 1786 mitgewirkt, die Höhere Töchterschule in Dorpat einzurichten und an selbiger die Stelle des Organisten eingenommen. 1789 ging er als Prediger an die deutsche Gemeinde nach Narwa (heute: Narva/ Estland). Er verstarb im Jahr 1805. Sein Sohn Friedrich Karl (1797- 1846), der das Gymnasium in Dorpat besucht und an der dortigen Universität von 1814- 1817 Theologie studiert hatte, wirkte später als Lehrer an den Gymnasien in Riga und Odessa.

Hundertwasserhaus - ein neues Wahrzeichen Magdeburgs
Hundertwasserhaus – ein neues Wahrzeichen Magdeburgs

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Album Dorpati Livonorum mit Vorwort v. A. Ammon,Dorpat, 1890
2. Erik Amburger Datenbank (online)
3. Schüler- Album Dorpat (1879, 9)
4. Hasselblatt, A., Otto, G.: Album Academicum der Kaiserlichen Universität Dorpat,Dorpat,1889
5. Koch, K.-P.: Sachsen- Anhalt und das östliche Europa. Zur Migration von Musikerpersönlichkeiten in: –
Eberl- Ruf, K., Lange, C., Schneider, A. (Hg.): Musikkultur in Sachsen- Anhalt seit dem 16.    Jahrhundert:Protokoll  der wissenschaftlichen Tagung zur regionalen Musikgeschichte am 16. und 17. September 2005 in Salzwedel, Halle, 2007
6.Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.:Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen
Livland, Esthland, Kurland, Bd.2, Mitau, 1829
7.Uljanov, G.N.: Deutsche Ingenieure in Russland in:  Dahlmann, D., Heller, K., Petrov, J.A. (Hg.): Eisenbahnen und Motoren- Zucker und Schokolade. Deutsche im russischen Wirtschaftsleben vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert,
Berlin, 2005
8. Donnert, E.: Die Universität Dorpat- Jur’ev 1802- 1918, Frankfurt/ Main, 2007
9.Günther, S.: „Knorre, Ernst Christoph Friedrich“ ADB, Bd 16 (1882), S. 328
10.Baltisches Biografisches Lexikon digital
11.http://www.geni.com/people/Ernst-Christoph-Friederich-von-Knorre/4626772356160128754
12.http://dankenflex.com/kategorie/verschiedenes/viktor-knorre.php
13.http://www.plicht.de/chris/21knorre.htm

Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan

Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan 

Blick auf Leipzig
Blick auf Leipzig

Leibarzt bei Zar Alexander I. war ab 1810 der aus Leipzig stammende Arzt und Anthropologe Conrad Joseph Kilian (1771- 1811), von dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche medizinische Publikationen erschienen waren. Zuvor hatte Kilian bis 1795 als Geistlicher in Würzburg gewirkt, von 1801- 1803 als Arzt in Jena praktiziert und vor seiner Abreise nach Petersburg hatte er eine Professur für Medizin in Bamberg innegehabt.
Sein im Jahr 1800 in Leipzig geborener Sohn Hermann Friedrich hatte von 1810- 1816 die Petersburger Petrischule besucht. Seinem Medizinstudium ging er an den Universitäten Wilna, Leipzig, Würzburg, Göttingen und in England nach. In Paris sammelte er praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Geburtshilfe.
Im Jahr 1821 wurde er Professor- Adjunkt für Chemie an der Petersburger Medizinischen Akademie, wo er auch die Fächer Physiologie und Pathologie lehrte. Parallel dazu nahm er eine Arztstelle am Petersburger Militärhospital an. 1826 folgte er dem Ruf an die Klinik für Geburtshilfe nach Bonn, zuvor allerdings hatte er eine Bildungsreise durch Frankreich und Deutschland unternommen. Er verstarb 1863 im thüringischen Bad Liebenstein.

Der 1801 in Leipzig geborene Karl Ludwig Herrmann hatte an der Alma mater seiner Vaterstadt Medizin studiert und danach in Dresden praktiziert. Auf Einladung der Fürstenfamilie Golyzin ging 1836 nach Petersburg, wo man sein Wissen um die Homöopathie vor allem in solch angesehenen Familie wie Golyzin, Ostermann- Tolstoi und Mordvinov zu schätzen wusste. Herrmann initiierte die erste Anwendung homöopathischer Heilverfahren in den Heilanstalten Russlands. Seine Erfolge bei seinen Privatpatienten sprachen für sich. Unter diesen Patienten war auch der bekannte russische Komponist M. I. Glinka, der über Herrmann´s Praxis folgende Worte niederschrieb: „ Der zu jener Zeit bedeutende Herrmann konnte mir sehr helfen, ungefähr zwei Jahre befolgte ich die mir von ihm verschriebene Diät und seine homöopathischen Methoden konnten mich heilen.“
Herrmann gelang es mit dem Großfürsten Michail Pavlovič einen Vertrag darüber abzuschließen, der ihm gestattete, im Militärhospital in Tulšin vergleichende Untersuchungen zur Effektivität der Anwendung homöopathischer und schulmedizinischer Methoden durchzuführen. Zwar brachten die Untersuchungen nicht unbedingt den gewünschten Erfolg, doch Herrmann´s Erkenntnisse gaben der Entwicklung der Homöopathie in Russland weiterführende Impulse. Karl Ludwig Herrmann wurde Direktor der homöopathischen Heilanstalt von St. Petersburg, wo er auch 1836 verstarb. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit widmete er sich auch der Dichtkunst und Übersetzungen.

Der Apotheker Karl Iwanowitsch Osse, Sohn eines Bronzemeisters, wurde 1804 in Leipzig geboren. Er hatte das Gouvernement- Gymnasium in Petersburg und die Universität Dorpat besucht, wo er 1829 sein Provisorexamen ablegte. Einige Zeit später ging Osse nach Astrachan, wo er seine Apothekerprüfung bestand. Schon mehr als ein Jahrhundert vor der Ankunft von Osse in Astrachan war die dortige deutsche Gemeinde schon 100 Mitglieder stark.
In der Dienstliste der beruflichen Laufbahn des Kollegienrats Karl Ivanovič Osse, die am 12. September 1868 erstellt wurde, ist verzeichnet, dass Osse in Astrachan ein Steinhaus besaß. Des Weiteren gibt die Dienstliste Auskunft darüber, dass Osse 1835 in Astrachan aktiv mithalf, die Cholera zu bekämpfen, wofür ihm mit einer goldenen Uhr gedankt wurde.
Im darauffolgenden Jahr bekam er eine Anstellung als Apotheker in der Apotheke bei den Einrichtungen des Astrachaner Amts für allgemeine Fürsorge.
Über Osse wurde einhellig berichtet, dass er seine Kunden, d.h. die Krankenhäuser Astrachans und der Umgebung stets mit ausreichend Medikamenten versorgte und großzügig Rabatte gewährte. Aufgrund seiner beruflichen Kompetenz, seiner Bemühungen um das Allgemeinwohl seiner Mitmenschen wurden ihm weitere, teilweise auch ehrenamtliche Ämter angetragen. 1837 wurde er Direktor der Astrachaner Gefängnisfürsorge und 1849 Direktor des Alexandrinischen Waisenhauses. Im Jahr 1870 wurde Osse russischer Untertan. Sein in Astrachan geborener Sohn Ernst Peter Bernhard (1846- 1903), der die St. Annenschule und die Wiedemannsche Schule sowie das Gouvernement- Gymnasium in Reval besucht und der eine juristische und kaufmännische Ausbildung an der Universität in Dorpat absolviert hatte, erbte die Ämter seines Vaters. Doch 1891 verließ er seine Geburtsstadt. Astrachan und zog nach Reval, wo er zwei Jahre später eine Papierfabrik erwarb. Später arbeitete er bei der Wolga- Dampfschifffahrt. .
Sein Bruder Otto (1848- 1874) hatte Pharmazie studiert. Peter (1851- 1925), der jüngste der Söhne von Karl Osse, erhielt seine Ausbildung in Reval und Dorpat. Er lehrte an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Fellin und Dorpat, wo er letztendlich Direktor der städtischen Realschule wurde. Karl Osses 1874 in Astrachan geborener Enkel Karl Gottfried hatte zunächst in Dorpat die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt besucht und an der dortigen Universität Pharmazie studiert. Später übernahm er die Apotheke seines Großvaters und führte diese bis zum für Russland folgenschweren Jahr 1918, in dem er auch verstarb.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Kahle, E.: Kilian, Hermann Friedrich, in: NDB, 11 (1977)
2. Marré, B.: Bücher für Mütter als pädagogische Literaturgattung und ihre Aussagen über Erziehung
(1762-1851): ein Beitrag zur Geschichte der Familienerziehung, Weinheim, 1986
3. Wiesing, U.: Kunst oder Wissenschaft? Konzeptionen der Medizin in der deutschen Romantik, Frommann
-Holzboog, 1995
4. http://www.deutsche-biographie.de/pnd116171388.html v. 07.03.2013
5. http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/herrmann.html 27.09.2013
6. zaozernov.ru 27.09.2013
7. Bauer, W.: Karl I. Osse. Ein deutscher Apotheker im zaristischen Russland, Stuttgart, 2003
8. Zeddelmann, R.v.: Die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt 1875 – 1900, Lehrer- und Schüleralbum, Jurjew
(Dorpat), 1900
9. BBLd (online)

Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

 Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer

an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov
Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov

Zu den aus dem heutigen mitteldeutschen Raum stammenden Lehrkräften, die an der Petersburger Akademie der Wissenschaften und Universität wirkten, gehörte der gelehrte und vielseitig interessierte Glasschleiffer und Feinmechaniker Johann Georg Leutmann (Leitmann) (*1667) aus Wittenberg. Er hatte an der heimatlichen Universität auf Drängen seiner Eltern in erster Linie Theologie belegt, betrieb aber zugleich das Studium der Mathematik, Physik und Medizin. Nach dem Abschluss des Studiums wirkte er als Pastor im wenige Kilometer benachbarten Dabrun, wo er sich eine eigene mechanische Werkstatt einrichtete. Bereits zu jener Zeit verfasste er ein Buch über die Grundlagen der Heiztechnik und seine darin niedergeschriebenen Erkenntnisse gelten bis zum heutigen Tag: Leutmann forderte eine effektive Heizanlage bei möglichst geringem Verbrauch von Brennstoffen.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann

Auch im Jahr 1718 erschien seine erste Publikation über Uhren, die sogar das Interesse des russischen Zaren Peter I. (1672- 1725)weckte, der, wie allgemein bekannt, sich sehr für die Naturwissenschaften begeisterte.

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Auf Einladung des Zaren kam Leitmann endlich im Jahr 1726 nach Petersburg, wo er als Professor für Mechanik und Optik an der Akademie lehrte. Die Übersiedlung Leitmanns nach Petersburg verzögerte sich auch deshalb, da er mit der russischen Seite für ihn vorteilhafte Bedingungen aushandeln wollte. Auch an seiner neuen Wirkungsstätte widmete er sich dem eigenhändigen Bau verschiedener Apparaturen und publizierte über Messinstrumente, Pumpen, Mikroskope, Ferngläser und Gewehre. Seine neusten Apparaturen präsentierte er stets auf den Zusammenkünften seiner Kollegen an der Wissenschaftlichen Akademie.

1733 wurde er nach Moskau an den dortigen Münzhof gerufen, wo er an der Lösung eines material- technischen Problems mitarbeitete. 1736 verstarb Leutmann in St. Petersburg. 1738 wurden Leutmanns Neue Anmerckungen vom Glasschleiffen von der Akademie der Wissenschaften herausgegeben.

Verwendete Quellen und Literatur:
1. Erik Amburger Datenbank online
2. http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015
3.http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015 (Informationen von Dr. Bernhard
Huber Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Bibliothek)
4.http://dic.academic.ru/dic.nsf/enc_biography/ 25.04.2015