Der 71. Tag des Sieges in Dresden – S Prasdnikom

Der 71. Tag des Sieges in Dresden – S Prasdnikom

von Annegret Mainzer, Zerbst

Alljährlich am 9. Mai wird in Russland der Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus begangen. Traditionell finden auf dem Roten Platz in Moskau eine große Militärparade statt sowie allerorts Ehrungen der Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, wie der 2. Weltkrieg in russischer Geschichtsschreibung benannt wird, statt. Aber auch diejenigen, die als Kinder die vom 8 September 1941 bis zum 27. Januar 1944 andauernde Blockade des damaligen Leningrad überlebt haben, die sogenannten Blockadekinder, werden geehrt. Nur zur Erinnerung: Die Blockade von Leningrad hatte infolge von Bombenangriffen, Hunger und Unterernährung unter den Zivilisten mehr als 100 000 Todesopfer gefordert.

Auch für die im Ausland lebenden Russen und Deutschen aus Russland ist der 9. Mai jeden Jahres ein besonderer Tag: Es ist ein Tag, an dem sie sowohl ihrer gefallenen Familienmitglieder gedenken wie auch berechtigterweise ihren Stolz darauf, über das menschenverachtende Naziregime in Deutschland gesiegt zu haben.

Am 7. Mai diesen Jahres wurde in Dresden eine derartige Veranstaltung der besonderen Art organisiert. Das in der sächsischen Hauptstadt agierende Deutsch- Russische Kulturinstitut e.V. hatte zum Konzert von jungen Musikschülern unter dem Motto „Musik verbindet“ in das dortige Kulturrathaus geladen.

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Schüler des Rimskij-Korsakov- Konservatoriums St. Petersburg und des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik musizierten gemeinsam für die Veteranen des 2. Weltkrieges. Mit finanzieller Unterstützung verschiedener sächsischer Institutionen konnten dieses deutsch- russische Musikprojekt realisiert werden, so Dr. Wolfgang Schälike, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Kulturinstituts e.V. in Dresden. Seit Januar diesen Jahres probten die Musikschüler einzeln in Dresden und in St. Petersburg, vom 4.- 7. Mai hatten sie Gelegenheit zusammen in Dresden zu proben. Und das junge Deutsche und Russen friedlich zusammen musizieren – auch in Zeiten, in denen die offiziellen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland täglich neu auf dem Prüfstein stehen – ist ein gutes Zeichen, so der Tenor der Grußworte des Abends.

Das Resultat konnte sich hören lassen. Als Duo oder Trios bzw. Quartett ließen die Mädchen und Jungen von Elbe und Newa Musik verschiedener europäischer Komponisten wie Schumann, Tschaikowskij, Schubert, Grieg, Mozart und Rachmaninow an Klavier, Geige, Cello, Oboe und Waldhorn erklingen. Die jungen Musiker zeigten eine respektable Professionalität und ihnen war keineswegs anzumerken, dass diesem Konzert nur drei Tage gemeinsames Proben vorausgegangen waren.

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Das Publikum des gut besuchten Konzertes dankte den jungen Musikanten mit lang anhaltendem Beifall, vor allem nachdem auch solche Melodien wie Zhuravli (Kraniche) von Jan Frenkel und Smugljanka (Dunkles Mädchen) von Anatolij Nowikow und Jakow Schwedow erklangen- Melodien, die unmittelbar Assoziationen über den 2. Weltkrieg aufkommen lassen. Übrigens das Lied Smugljanka, geschrieben 1940, erreichte bei einem 2015 durchgeführten Ranking zu den beliebtesten Liedern der Russen Platz 24.

Die Überraschung des Abends war ein Grußwort von Anton Ermakov, dem 3. Sekretär des Generalkonsulats der Russischen Förderation in Leipzig, der im Namen der russischen Regierung den anwesenden Veteranen zu den Maifeiertagen gratulierte und ihnen für ihren Einsatz in den damaligen schweren Zeiten dankte, Gleichzeitig überreichte man den Veteranen nebst Blumen auch Briefe aus dem Kreml in Moskau.

S Prasdnikom (С праздником)– war an diesem Abend im Dresdener Kulturrathaus vielmals zu hören – sowohl bei der Begrüßung wie auch bei der Verabschiedung. C prasdnikom- und das mit Recht.

Annegret Mainzer im Gespräch mit Anton Ermakov, Vertreter des Russischen Generalkonsulats Leipzig
Annegret Mainzer im Gespräch mit Anton Ermakov, Vertreter des Russischen Generalkonsulats Leipzig

Zerbst, den 09. Mai 2016 Annegret Mainzer

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Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

Русские студенты в Лейпцигском университете в 18 веке- Russische Studenten an der Leipziger Universität im 18. Jahrhundert

В 1767 г. российская царица Екатерина II, урожденная принцесса Агнальт- Цербстская, отправила группу молодых русских, окончавших Пажеский корпус, на университетскую учёбу в Лейпциг. Это присходила по рекомендации графа Григория Орлова, ставшего позже вице- президента Российской Императорской Академии наук в Ст. Петербурге. Григорий Орлов сам в 1761 г. окончил свою учёбу в Лейпциге. Екатерина II сама разработала инструкции для поведения русских студентов за рубежом.

Völkerschlachtdenkmal - ein Wahrzeichen Leipzigs
Völkerschlachtdenkmal – ein Wahrzeichen Leipzigs

Im Jahr 1767 schickte die russische Zarin Katharina II., geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst, eine Gruppe junger Russen, die gerade im Pagenkorps ausgebildet worden waren, zum Universitätsstudium nach Leipzig. Dies geschah auf Anraten des Grafen Grigori Orlow, der u.a. zum Vize- Präsidenten der Kaiserlichen Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg ernannt wurde. Grigori Orlow hatte selbst 1761 sein Studium in Leipzig abgeschlossen. Zarin Katharina II. erarbeitete höchst persönlich die Instruktionen für das Auftreten und Verhalten der russischen Studenten im Ausland.

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Anhaltisch- russische Schnittpunkte durch Katharina II. in Bogorodizk wiederbelebt

Anhaltisch- russische Schnittpunkte durch Katharina II. in Bogorodizk wiederbelebt

Bogorodizk ist eine zirka 32 000 Einwohner zählende russische Kleinstadt, gelegen etwa 65 km südöstlich von Tula, wo die bekannten russischen Samoware hergestellt werden.
Wodurch erregte die Stadt Bogorodizk meine Aufmerksamkeit? Dadurch, dass im Juni 2015 in den russischen Medien zu lesen war, dass die dortigen politischen Entscheidungsträger in Sachen Kultur und Tourismus beschlossen, die Schloss- und Parkanlage Bogorodizk, die auch Tulaer Peterhof genannt wird, zu restaurieren. Dafür stellen die russische Regierung und das Gouvernement Tula insgesamt 65 Millionen Rubel (zurzeit zirka 830 000 Euro) zur Verfügung.
Im Zuge der geplanten Restaurierungsmaßnahmen soll nicht nur Verlorengegangenes wieder hergestellt, sondern auch ein Denkmal für die aus dem einstigen Fürstentum Anhalt- Zerbst stammende Zarin Katharina II. errichtet werden. Die offizielle Grundsteinlegung für das Denkmal erfolgte bereits Anfang des Sommers im Beisein lokaler Politprominenz.

Warum ein Denkmal für Katharina II. in Bogorodizk, in einem Ort, der 1663 von Zar Alexei Michailowitsch (1629- 1679), dem Vater von Zar Peter dem Großen, als Grenzbefestigung zum Schutz gegen Überfälle seitens der Krimtataren gegründet worden war?
Der Ort Bogorodizk ist eng mit der Geschichte der Grafen Bobrinski verknüpft. Als Begründer dieser Dynastie gilt Graf Alexei Grigorjewitsch Bobrinski (1762- 1813), der jüngste Sohn von Zarin Katharina II, geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst.

Porträt Graf Alexei Bobrinski von C.L.J.Christineck
Porträt Graf Alexei Bobrinski von C.L.J.Christineck (1732- 1792), ca. 1770

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A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

A.N. Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau

Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg
Türme der Peter und Paul Festung in St. Petersburg

Wer beim Lesen des Buchtitels Reise von Petersburg nach Moskau vermutet, es handele sich um einen Bericht über die landschaftlichen Schönheiten Russlands, der liegt falsch. Denn unser Reisender legt in seinen Berichten den Fokus verstärkt auf die ungeschminkte Darstellung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Untertanen der russischen Krone im ausgehenden 18. Jahrhundert, vor allem abseits solcher von den jeweiligen Zaren und Zarinnen protegierten urbanen Zentren wie Moskau und St. Petersburg.

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Die Reise führt unseren Reisenden in die russischen Provinzen, d.h. von der Newa über Nowgorod, Waldai, Wyschni Wolotschok und Twer nach Moskau. Da zu jener Zeit Eisenbahnen, Autos und Flugzeuge noch der Zukunft angehörten, reiste er in der Kibitka, d.h. in einem in Russland übliches Fuhrwerk mit drei Pferden, der Kutschersitz ist offen, während der Reisende von einem Dach geschützt wird.

Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819
Reisender in der Kibitka v. Alexander Orlowski, 1819

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Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan

Leipziger Ärzte und Apotheker in St. Petersburg und Astrachan 

Blick auf Leipzig
Blick auf Leipzig

Leibarzt bei Zar Alexander I. war ab 1810 der aus Leipzig stammende Arzt und Anthropologe Conrad Joseph Kilian (1771- 1811), von dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche medizinische Publikationen erschienen waren. Zuvor hatte Kilian bis 1795 als Geistlicher in Würzburg gewirkt, von 1801- 1803 als Arzt in Jena praktiziert und vor seiner Abreise nach Petersburg hatte er eine Professur für Medizin in Bamberg innegehabt.
Sein im Jahr 1800 in Leipzig geborener Sohn Hermann Friedrich hatte von 1810- 1816 die Petersburger Petrischule besucht. Seinem Medizinstudium ging er an den Universitäten Wilna, Leipzig, Würzburg, Göttingen und in England nach. In Paris sammelte er praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Geburtshilfe.
Im Jahr 1821 wurde er Professor- Adjunkt für Chemie an der Petersburger Medizinischen Akademie, wo er auch die Fächer Physiologie und Pathologie lehrte. Parallel dazu nahm er eine Arztstelle am Petersburger Militärhospital an. 1826 folgte er dem Ruf an die Klinik für Geburtshilfe nach Bonn, zuvor allerdings hatte er eine Bildungsreise durch Frankreich und Deutschland unternommen. Er verstarb 1863 im thüringischen Bad Liebenstein.

Der 1801 in Leipzig geborene Karl Ludwig Herrmann hatte an der Alma mater seiner Vaterstadt Medizin studiert und danach in Dresden praktiziert. Auf Einladung der Fürstenfamilie Golyzin ging 1836 nach Petersburg, wo man sein Wissen um die Homöopathie vor allem in solch angesehenen Familie wie Golyzin, Ostermann- Tolstoi und Mordvinov zu schätzen wusste. Herrmann initiierte die erste Anwendung homöopathischer Heilverfahren in den Heilanstalten Russlands. Seine Erfolge bei seinen Privatpatienten sprachen für sich. Unter diesen Patienten war auch der bekannte russische Komponist M. I. Glinka, der über Herrmann´s Praxis folgende Worte niederschrieb: „ Der zu jener Zeit bedeutende Herrmann konnte mir sehr helfen, ungefähr zwei Jahre befolgte ich die mir von ihm verschriebene Diät und seine homöopathischen Methoden konnten mich heilen.“
Herrmann gelang es mit dem Großfürsten Michail Pavlovič einen Vertrag darüber abzuschließen, der ihm gestattete, im Militärhospital in Tulšin vergleichende Untersuchungen zur Effektivität der Anwendung homöopathischer und schulmedizinischer Methoden durchzuführen. Zwar brachten die Untersuchungen nicht unbedingt den gewünschten Erfolg, doch Herrmann´s Erkenntnisse gaben der Entwicklung der Homöopathie in Russland weiterführende Impulse. Karl Ludwig Herrmann wurde Direktor der homöopathischen Heilanstalt von St. Petersburg, wo er auch 1836 verstarb. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit widmete er sich auch der Dichtkunst und Übersetzungen.

Der Apotheker Karl Iwanowitsch Osse, Sohn eines Bronzemeisters, wurde 1804 in Leipzig geboren. Er hatte das Gouvernement- Gymnasium in Petersburg und die Universität Dorpat besucht, wo er 1829 sein Provisorexamen ablegte. Einige Zeit später ging Osse nach Astrachan, wo er seine Apothekerprüfung bestand. Schon mehr als ein Jahrhundert vor der Ankunft von Osse in Astrachan war die dortige deutsche Gemeinde schon 100 Mitglieder stark.
In der Dienstliste der beruflichen Laufbahn des Kollegienrats Karl Ivanovič Osse, die am 12. September 1868 erstellt wurde, ist verzeichnet, dass Osse in Astrachan ein Steinhaus besaß. Des Weiteren gibt die Dienstliste Auskunft darüber, dass Osse 1835 in Astrachan aktiv mithalf, die Cholera zu bekämpfen, wofür ihm mit einer goldenen Uhr gedankt wurde.
Im darauffolgenden Jahr bekam er eine Anstellung als Apotheker in der Apotheke bei den Einrichtungen des Astrachaner Amts für allgemeine Fürsorge.
Über Osse wurde einhellig berichtet, dass er seine Kunden, d.h. die Krankenhäuser Astrachans und der Umgebung stets mit ausreichend Medikamenten versorgte und großzügig Rabatte gewährte. Aufgrund seiner beruflichen Kompetenz, seiner Bemühungen um das Allgemeinwohl seiner Mitmenschen wurden ihm weitere, teilweise auch ehrenamtliche Ämter angetragen. 1837 wurde er Direktor der Astrachaner Gefängnisfürsorge und 1849 Direktor des Alexandrinischen Waisenhauses. Im Jahr 1870 wurde Osse russischer Untertan. Sein in Astrachan geborener Sohn Ernst Peter Bernhard (1846- 1903), der die St. Annenschule und die Wiedemannsche Schule sowie das Gouvernement- Gymnasium in Reval besucht und der eine juristische und kaufmännische Ausbildung an der Universität in Dorpat absolviert hatte, erbte die Ämter seines Vaters. Doch 1891 verließ er seine Geburtsstadt. Astrachan und zog nach Reval, wo er zwei Jahre später eine Papierfabrik erwarb. Später arbeitete er bei der Wolga- Dampfschifffahrt. .
Sein Bruder Otto (1848- 1874) hatte Pharmazie studiert. Peter (1851- 1925), der jüngste der Söhne von Karl Osse, erhielt seine Ausbildung in Reval und Dorpat. Er lehrte an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Fellin und Dorpat, wo er letztendlich Direktor der städtischen Realschule wurde. Karl Osses 1874 in Astrachan geborener Enkel Karl Gottfried hatte zunächst in Dorpat die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt besucht und an der dortigen Universität Pharmazie studiert. Später übernahm er die Apotheke seines Großvaters und führte diese bis zum für Russland folgenschweren Jahr 1918, in dem er auch verstarb.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Kahle, E.: Kilian, Hermann Friedrich, in: NDB, 11 (1977)
2. Marré, B.: Bücher für Mütter als pädagogische Literaturgattung und ihre Aussagen über Erziehung
(1762-1851): ein Beitrag zur Geschichte der Familienerziehung, Weinheim, 1986
3. Wiesing, U.: Kunst oder Wissenschaft? Konzeptionen der Medizin in der deutschen Romantik, Frommann
-Holzboog, 1995
4. http://www.deutsche-biographie.de/pnd116171388.html v. 07.03.2013
5. http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/herrmann.html 27.09.2013
6. zaozernov.ru 27.09.2013
7. Bauer, W.: Karl I. Osse. Ein deutscher Apotheker im zaristischen Russland, Stuttgart, 2003
8. Zeddelmann, R.v.: Die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt 1875 – 1900, Lehrer- und Schüleralbum, Jurjew
(Dorpat), 1900
9. BBLd (online)