Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland)

 Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland) 

Johann Friedrich Erdmann
Johann Friedrich Erdmann

Der 1778 in Wittenberg geborene Arzt Johann Friedrich Erdmann hatte an der Universität seiner Heimatstadt zuerst Theologie studiert, etwas später jedoch in die medizinische Fachrichtung gewechselt. In Wittenberg lehrte er ebenfalls bis zirka 1808 als ordentlicher Professor für Pathologie und Therapie.

Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann
Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann

Infolge der zu jener Zeit immer schwierigeren Situation der Wittenberger Universität folgte Erdmann einem Ruf nach Kazan´, der Hauptstadt Tatarstans im Russischen Reich. Er war von 1810- 1817 der erste Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Kazan. Dort verfolgte er den Plan des Baus einer Klinik. Während seine Pläne große Anerkennung und Zustimmung fanden, scheiterte die Realisierung seiner Pläne an Geldmangel. Von Kazan` aus, wo Erdmann seit 1810 den Lehrstuhl für Pathologie, Therapie und Klinik innehatte, reiste er 1811 nach Sergievsk, um die dortigen Mineralquellen zu analysieren. Im Jahr 1815 unternahm er Reisen u.a. nach Simbirsk, Saratov und Astrachan. Alle seine während dieser Reisen gemachten Beobachtungen veröffentlichte er in seinen dreibändigen Beiträgen zur Kenntniss des Innern von Russland in den Jahren von 1822- 1826. Interessiert war Erdmann ebenfalls an der Untersuchung der medizinisch- topografischen Bedingungen in Kazan`. Erdmann, der der russischen Sprache nicht mächtig war, hielt seine Vorlesungen in lateinischer Sprache. Des Weiteren hatte Erdmann dort die Funktion eines Inspektors der Schulen in den Gouvernements Saratov, Simbirsk, Astrachan, Tobolsk und Perm` inne. Erdmann erkundete nicht nur die Sitten und Gebräuche der dort lebenden Bevölkerung, sondern machte auch gezielte Beobachtungen bezüglich der dort auftretenden Krankheiten. 1818 ging Erdmann an die Universität Dorpat, wo er als Professor für Diätetik, Arzneimittellehre und Geschichte der Medizin Vorlesungen hielt.1842 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurück, wo er im Jahr 1846 in Wiesbaden verstarb.
Sein 1816 in Kazan` geborener Sohn Carl Michael Theodor Friedrich hatte ab 1828 seine Schulbildung am Gymnasium in Dorpat erhalten und von 1836- 40 Medizin an der dortigen Universität studiert. Er praktizierte u.a. in Mitau, aber auch in Dresden, wo er 1887 verstarb.
Gustav ,der zweite Sohn von Johann Friedrich Erdmann, wurde 1818 geboren. Er schlug eine militärische Laufbahn ein. 1875 unterstanden die am Pazifik gelegenen russischen Häfen seinem Kommando und er war Militärgouverneur der Region Primorje. Er lebte zu jener Zeit in Wladiwostok, wo er sich vor allem um den Aufbau einer lutherischen Kirche mit eigenem Pastor verdient machte. 1883 wurde er als Hafenkommandeur in Reval eingesetzt, wo er kurz Zeit später verstarb.

 

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Trautvetter, E.R.: Grundriss eines Geschichte der Botanik in Bezug auf Rußland,St. Petersburg, 1837
2. Крылов- Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий.Краткий медицинский
биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
3 http://vladivostok-city.com/de/places/all/all/934 11.04.2015
4.http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fernster-osten-russlands-traum-von-asien-11556327-p2.html
11.04.2015

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