Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich

Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich

Seit eh und je steht deutsche Handwerksarbeit in aller Welt hoch im Kurs und gilt als Garant für eine hohe Qualität der Produkte. Im Ausland assoziiert man den Begriff des deutschen Handwerks mit Attributen wie Fleiß, Zuverlässigkeit und Solidität.
Solides Handwerk wussten bereits Zar Peter I. und Zarin Katharina II. zu schätzen und holten deshalb niederländische und vor allem deutsche Handwerker ins Russische Reich. Schon 1790 hatten sich in St. Petersburg 210 Schneider, 77 Bäcker, 59 Sattler, 13 Dreher, 17 Uhrmacher und 19 Schornsteinfeger deutscher Herkunft niedergelassen. Im Jahr 1868 waren 25 % aller Petersburger Bäcker deutschsprachig.
Unter ihnen war auch der 1799 in Bernburg geborene Bäckermeister Johann Andreas Erfurt, der ab 1856 sogar Hofbäcker war.

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                             Innungszeichen der Bäcker, die bis heute noch in Zerbst/ Anhalt erhalten

Nicht nur in urbanen Zentren wie St. Petersburg und Moskau waren deutsche Handwerker ansässig, auch in großer Anzahl im Baltikum. So habe ich mich entschlossen, der Frage nachzugehen, welche Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich tätig waren.

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Der Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann und seine Spuren in Dresden und St. Petersburg

Der Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann und seine Spuren in Dresden und St. Petersburg

Kunstakademie Dresden
Kunstakademie Dresden

Der am 12. März 1801 in Wildenfels☆ geborene Bildhauer Joseph Karl Gottlieb Herrmann hatte von 1815- 1820 an der 1764 gegründeten Dresdener Akademie der bildenden Künste studiert. Danach vollendete er seine Studien und sein Können in Rom, wo er u.a. eine Reihe von Büsten sächsischer Monarchen anfertigte. Von 1835 bis 1852 wirkte er in St. Petersburg. Unter anderem arbeitete er an der Ausgestaltung des Winterpalastes mit, der 1837 durch einen Brand stark geschädigt worden war. Für das Vestibül der Neuen Eremitage im Winterpalast schuf er zwei Skulpturen, die den Ruhm darstellen. Unter seiner Federführung wurden die Wände von 36 Räumlichkeiten im Winterpalast mit künstlichem Marmor verkleidet, der nach einem speziellen Rezept von Herrmann angefertigt wurde.

Winterpalais in St. Petersburg
Winterpalais in St. Petersburg

Herrmann zeichnete sich auch für die Fertigung von 24 Erzengel- und Engelsfiguren, die auf der Kuppel der Isaak- Kathedrale aufgestellt wurden, verantwortlich.

Isaac- Kathedrale in St. Petersburg
Isaac- Kathedrale in St. Petersburg
Blick auf Giebel der Isaac- Kathedrale
Blick auf Giebel der Isaac- Kathedrale

Wie viele seiner Kollegen arbeitete auch Herrmann zeitgleich an der Erledigung verschiedener Aufträge, so schuf auch er Elemente des Interieurs der Petersburger lutherischen Petrikirche. Im Jahr 1841 wurde Herrmann vertraglich verpflichtet, die dekorativen bildhauerischen Elemente für den Marinskij- Palast, dessen Bau 1844 vollendet wurde, anzufertigen.

Deutsche Evangelische Kirche St. Petri in St. Petersburg
Deutsche Evangelische Kirche St. Petri in St. Petersburg
Blick ins Innere der St. Petri- Kirche
Blick ins Innere der St. Petri- Kirche

Im Jahr 1852 kehrte er nach Dresden zurück, wo er 1869 verstarb. Die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlung Dresden zeigt vier von Herrmann angefertigte Marmorbüsten u.a. von Georg Washington und von drei sächsischen Königen. Außerdem finden sich noch andere Spuren von Joseph Herrmann in der heutigen sächsischen Hauptstadt. So stammte die SAXONIA am Südgiebel der heutigen Schinkelwache von ihm.

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Außerdem schuf er die sogenannte Senfbuechse, ein kleines Denkmal am Dresdner Körner- Platz, das er aus Marmor schon in Rom geschaffen hatte und an seinen Vater erinnert, der 1799 zwei Seeleuten das Leben rettete.

Senfbüchse in Dresden- Loschwitz
Senfbüchse in Dresden- Loschwitz
Innenrelief
Innenrelief
Autorin Annegret Mainzer auf Spurensuche von Joseph Herrmann in Dresden
Autorin Annegret Mainzer auf Spurensuche von Joseph Herrmann in Dresden

☆Ich möchte mich recht herzlich bei Frau Monika Badock, Ortschronistin in Wildenfels, für Ihre wertvollen Informationen bedanken.

Verwendete Literatur und Quellen:
1. http://www.isaac.spb.ru/persons/german 12.05.2013
2. welcome-petersburg.com/ru/иосиф.герман 12.05.2013
3. Scheer, C.: Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, 2006
4. http://skd-online-collection.skd.museum/de/contents/artists?id=12788512 20.03.2015
5. Vierhaus, R. (Hg.): Deutsche Biographische Enzykloädie, Bd.4, Berlin, 2006, S. 735
6. https://dresden.city-map.de/02010500/josef-hermann-denkmal 20.03.2015

Evangelisch- Lutherische St. Peter und Paul Kirche Moskau

Evangelisch- Lutherische St. Peter und Paul Kirche Moskau

Lutherische Kirche St. Peter und Paul in Moskau
Evangelisch- Lutherische Kirche St. Peter und Paul in Moskau

1694 wurde in Moskau das erste lutherische Kirchengebäude errichtet, das aber 1812 dem so genannten Großen Brand in Moskau zum Opfer fiel. Durch finanzielle Unterstützung seitens des Zaren Alexander I. ( 1777- 1825) und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770- 1840), dem Schwiegervater des späteren Zaren Nikolai I. (1796- 1855), konnte der Wiederaufbau des Gebäudes der Evangelisch- Lutherischen St. Peter und Paul Kirche in den Jahren 1818/1819 erfolgen. Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Gemeinde ca. 600 Glieder. In den Jahren 1861/62 wurde die Kirche unter der Leitung des Architekten Alexander Adolf Meinhard (1825- 1894) im neugotischen Stil umgebaut. Meinhard, Sohn des 1805/06 in St. Petersburg niedergelassenen Kammermusikers Adolf Gustav Meinhard (1785- 1875), war ab 1855 als Architekt in Moskau tätig, ab 1869 sogar als Moskauer Gouvernement- Architekt. Der Moskauer Architektenverein wurde 1867 von Alexander Adolf Meinhard mitbegründet.

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