Hochschullehrer aus Mitteldeutschland an der Kiewer Universität – Преподаватели из Середней Германии, преподававшие в Киевском университете Св. Владимира

Hochschullehrer aus Mitteldeutschland an der Kiewer Universität – Преподаватели из Середней Германии, преподававшие в Киевском университете Св. Владимира

Gustav Adolf Eismann (*1824), dessen familiäre Wurzeln in Sachsen- Coburg zu finden sind, war der Enkel des 1812 an die evangelisch- lutherische Kirche St. Katharina nach Kiew gekommenen Predigers Justus Friedrich Eismann († 1846).

evangelisch-lutherische Kirche Hl. Katharina in Kiew
evangelisch-lutherische Kirche Hl. Katharina in Kiew

Gustav Adolf hatte von 1841- 1845 an der juristischen Fakultät der im Jahr 1834 gegründeten Universität des Hl. Wladimir in Kiew studiert, wo er von 1848- 1862 die stelle eines Adjunkt am Lehrstuhl für Staatsrecht innehatte. Ab 1856 wirkte er zudem noch als Sekretär der juristischen Fakultät. Seit dem Jahr 1939 trägt die Kiewer Universität den Namen des wohl bekanntesten ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko.

Universität Taras Schwetschenko in Kiew
Universität Taras Schwetschenko in Kiew

Gustav Adolf Eismannn war außerdem einer der größten Hausbesitzer von Kiew und Besitzer einer Ziegelei. So war es nur folgerichtig, dass er zu den Mitgliedern einer städtischen Kommission gehörte, die sich mit den dortigen Immobilien befasste. Später unterstand ihm auch das städtische Bauamt. Erstmals zum Bürgermeister von Kiew wurde er 1872 gewählt, doch bereits im darauffolgenden Jahr trat er aus persönlichen Gründen zurück, da seine Tochter bei der Geburt ihres Kindes gestorben war und sein Schwiegersohn daraufhin Selbstmord verübt hatte. 1875 erfolgte seine Wiederwahl in den Stadtrat und von 1879 bis zu seinem Tode im Jahr 1884 war er wieder Stadtoberhaupt von Kiew.

Blick auf Häuser in Kiewer Lutherstraße, wo einst Deutsche wohnten
Blick auf Häuser in Kiewer Lutherstraße, wo einst Deutsche wohnten

Ernst August Knorr, 1805 in Herzberg/ Sachsen geboren, lehrte zunächst am Gymnasium in Joachimsthal und ging anschließend von (1832- 1848) auf Empfehlung Humboldts als ordentlicher Professor für Meteorologie und später für Physik und Physische Geografie an die Universität Kazan`. Zuvor hatte er 1831 an der Universität Berlin promoviert. Während seiner Kazaner Zeit führte ihn mehrere Reisen in das östliche Russland, die er für wissenschaftliche Beobachtungen nutzte. Zum anderen wurde er beauftragt, in Kazan` ein meteorologisches Observatorium einzurichten, das auch von den Schülern der umliegenden Gymnasien genutzt werden sollte. Des Weiteren setzte er sich im Kazaner Lehrbezirk für den Ausbau eines Netzes von meteorologischen Beobachtungs- und Messstationen ein. Außerdem instruierte er die „Beobachter“ in den Gymnasien und anderen Bildungseinrichtungen persönlich. Knorr gab sich nicht nur mit der Aufzeichnung der Messergebnisse zufrieden, er wertete sie aus und publizierte darüber. In seiner öffentlichen Rede im Jahr 1843 verwies er auf den Nutzen von meteorologischen Beobachtungen und Aufzeichnungen für die Menschheit nicht nur für die Wettervorhersage, auch für die Schifffahrt, Landwirtschaft und Gartenbau. Laut Knorr hänge jede Wissenschaft von den in der jeweiligen Gesellschaft herrschenden Bedingungen ab.
Im Jahr 1855 übernahm er eine Professur an der Fakultät für Physik der Kiewer Universität. Wie auch schon zuvor in Kazan` richtete er dort ein meteorologisches Observatorium ein. 1858 nahm Knorr seinen Abschied und ging zurück nach Deutschland, nach Dresden.

Denkmal für Taras Schewtschenko in Kiew
Denkmal für Taras Schewtschenko in Kiew

Verwendete Literatur und Quellen:
1. http://www.katharina.kiev.ua
2. Erik Amburger Datenbank online
3. Maurer, T.: Hochschullehrer im Zarenreich. Ein Beitrag zur russischen Sozial- und Bildungsgeschichte,
Köln, Weimar, Wien, 1998, S. 341
4. Dietz, V., Garsavina, A., Nowizkaja, I.: Deutsche Gelehrte als Professoren an der Kasaner Universität, Kasan, 2004,
S. 39f.
5. http://www.law.edu.ru/doc/document.asp?docID=1129788
6. http://z3950.ksu.ru/ubiz/pereved.pdf

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Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland)

 Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland) 

Johann Friedrich Erdmann
Johann Friedrich Erdmann

Der 1778 in Wittenberg geborene Arzt Johann Friedrich Erdmann hatte an der Universität seiner Heimatstadt zuerst Theologie studiert, etwas später jedoch in die medizinische Fachrichtung gewechselt. In Wittenberg lehrte er ebenfalls bis zirka 1808 als ordentlicher Professor für Pathologie und Therapie.

Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann
Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann

Infolge der zu jener Zeit immer schwierigeren Situation der Wittenberger Universität folgte Erdmann einem Ruf nach Kazan´, der Hauptstadt Tatarstans im Russischen Reich. Er war von 1810- 1817 der erste Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Kazan. Dort verfolgte er den Plan des Baus einer Klinik. Während seine Pläne große Anerkennung und Zustimmung fanden, scheiterte die Realisierung seiner Pläne an Geldmangel. Von Kazan` aus, wo Erdmann seit 1810 den Lehrstuhl für Pathologie, Therapie und Klinik innehatte, reiste er 1811 nach Sergievsk, um die dortigen Mineralquellen zu analysieren. Im Jahr 1815 unternahm er Reisen u.a. nach Simbirsk, Saratov und Astrachan. Alle seine während dieser Reisen gemachten Beobachtungen veröffentlichte er in seinen dreibändigen Beiträgen zur Kenntniss des Innern von Russland in den Jahren von 1822- 1826. Interessiert war Erdmann ebenfalls an der Untersuchung der medizinisch- topografischen Bedingungen in Kazan`. Erdmann, der der russischen Sprache nicht mächtig war, hielt seine Vorlesungen in lateinischer Sprache. Des Weiteren hatte Erdmann dort die Funktion eines Inspektors der Schulen in den Gouvernements Saratov, Simbirsk, Astrachan, Tobolsk und Perm` inne. Erdmann erkundete nicht nur die Sitten und Gebräuche der dort lebenden Bevölkerung, sondern machte auch gezielte Beobachtungen bezüglich der dort auftretenden Krankheiten. 1818 ging Erdmann an die Universität Dorpat, wo er als Professor für Diätetik, Arzneimittellehre und Geschichte der Medizin Vorlesungen hielt.1842 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurück, wo er im Jahr 1846 in Wiesbaden verstarb.
Sein 1816 in Kazan` geborener Sohn Carl Michael Theodor Friedrich hatte ab 1828 seine Schulbildung am Gymnasium in Dorpat erhalten und von 1836- 40 Medizin an der dortigen Universität studiert. Er praktizierte u.a. in Mitau, aber auch in Dresden, wo er 1887 verstarb.
Gustav ,der zweite Sohn von Johann Friedrich Erdmann, wurde 1818 geboren. Er schlug eine militärische Laufbahn ein. 1875 unterstanden die am Pazifik gelegenen russischen Häfen seinem Kommando und er war Militärgouverneur der Region Primorje. Er lebte zu jener Zeit in Wladiwostok, wo er sich vor allem um den Aufbau einer lutherischen Kirche mit eigenem Pastor verdient machte. 1883 wurde er als Hafenkommandeur in Reval eingesetzt, wo er kurz Zeit später verstarb.

 

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Trautvetter, E.R.: Grundriss eines Geschichte der Botanik in Bezug auf Rußland,St. Petersburg, 1837
2. Крылов- Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий.Краткий медицинский
биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
3 http://vladivostok-city.com/de/places/all/all/934 11.04.2015
4.http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fernster-osten-russlands-traum-von-asien-11556327-p2.html
11.04.2015

Die Deutschen, die Russen, die deutsche Sprache und Russland

Die Deutschen, die Russen, die deutsche Sprache und Russland

Sprachenzentrum der Otto - von - Guericke Universität Magdeburg
Sprachenzentrum der Otto – von – Guericke Universität Magdeburg

Spricht man von den engen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen, so denkt man an Zar Peter I.(1672- 1725), der deutsche und niederländische Fachleute ins Russische Reich holte, um sein Land an die wirtschaftlichen, technischen, wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklungen Westeuropas anzupassen. Im gleichen Atemzug wird die aus dem Fürstentum Anhalt – Zerbst stammende Zarin Katharina II. (1729- 1796) genannt, denn kurze Zeit nach ihrer Thronbesteigung erließ sie ein Manifest, dass die Menschen in Westeuropa dazu aufforderte, sich im Russischen Reich niederzulassen. Vor allem auf ihre deutschen Landsleute hoffend, wollte die Zarin Russland europäisieren, dabei die von Russland eroberten, jedoch bis dato unwirtlichen Gebiete im Süden des Landes bewirtschaften, urbanisieren und nach außen absichern lassen. Weiterlesen