Der Roßlauer Ingenieur Johann Siegismund Gottfried Huth in Charkov und Dorpat

Der Roßlauer Ingenieur Johann Siegismund Gottfried Huth in Charkov und Dorpat

Annegret Mainzer, Zerbst

Im Jahr 2008 wurden an der 1804 eröffneten Universität Charkov „200 Jahre Astronomie in Charkov“ begangen. Derjenige Professor, der dafür die Grundlagen gelegt hatte, war Johann Siegismund Gottfried Huth, geboren am 02. Mai 1763 in Roßlau/ Elbe, seinerzeit zugehörig zum Fürstentum Anhalt–Zerbst.

Das Studium der Theologie und Naturwissenschaften an der Universität Halle schloss er 1787 mit seiner Promotion erfolgreich ab. Nach seinem Studium lehrte Huth zunächst am Königlichen Pädagogikum Halle. In Halle war er auch Mitglied der Hallenser Naturforschenden Gesellschaft. Ebenfalls wirkte er an der Herausgabe des Allgemeinen Magazins für bürgerliche Baukunst mit.
Im Anschluss daran ging Huth an die Universität Frankfurt/ Oder, wo er als Professor für Physik und Mathematik wirkte. Im Jahr 1799 wurde Huth zum Direktor der Universität in Frankfurt/Oder gewählt. Dort richtete er auf eigene Kosten ein astronomisches Observatorium ein.
Der bekannte deutsche Dichter und Dramatiker Heinrich von Kleist (1747-1811) gehörte wohl zu den prominentesten Schülern von Huth. Huth, so Kleist, „habe ihn in die gelehrte Welt eingeführt“.

1. Universitätsgebäude Charkov

Huth in Charkov

Infolge des durch den Einfall napoleonischer Truppen bedingten Zusammenbruchs Preußens erfolgte die Schließung der Frankfurter Universität. Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe vermittelte Huth an die Universität Charkov. Dort lehrte Huth bis 1811 Angewandte Mathematik, Geometrie, Mechanik, Optik und Hydraulik. Bei klarem Nachthimmel führte Huth Lehrveranstaltungen für astronomische Beobachtungen im Freien durch. Da Huth seine schon in Frankfurt/ Oder erworbenen Apparaturen mit nach Charkov gebracht hatte, richtete er dort das erste astronomische Kabinett ein, das erst 1883 in ein Observatorium umgestaltet wurde. Die astronomischen Instrumente von Huth werden noch bis zum heutigen Tage an der Universität Charkov aufbewahrt. Die Vorlesungen, die er dort zur Astronomie hielt, waren die ersten dieser Art in Charkov überhaupt. Da er seinerzeit auch in Westeuropa und in Nordamerika über seine Forschungen in Charkov publizierte, machte er auf diese Weise die Charkover Universität über ihre Landesgrenzen hinweg bekannt. Zudem hatte Huth die Schüler der umliegenden Gymnasien dazu animiert, meteorologische und astronomische Beobachtungen durchzuführen. Im Oktober 1811 wurde Huth Ehrenmitglied der Universität Charkov.

Huth in Dorpat

Universität Dorpat

Im Jahr 1811 übersiedelte Professor Huth nach Dorpat (heute: Tartu/Estland). An der dortigen Universität lehrte er als ordentlicher Professor für Angewandte Mathematik und Astronomie. Bis 1818 war Huth der 1. Direktor des Dorpater Observatoriums.

Eine Reihe von Meldungen in der Dörptschen Zeitung spiegelt Huths Leben und Tätigkeit in Dorpat wider. Es gibt Meldungen über sein Ableben im Jahr 1818, über von ihm gemachte astronomische Beobachtungen, aber auch über den vom Dorpater Universitätsgericht angeordneten Verkauf seines Hab und Guts, was darauf schließen lässt, dass Professor Huth zwar ein wissenschaftliches Genie, jedoch kein finanzielles war.

Ebenso ist der Dörptschen Zeitung vom 17.03.1812 zu entnehmen, dass Prof. Huth die Ehre zuteil wurde, anlässlich der „Feier des Allehöchsten Thronbesteigungfestes Sr. Majestät (…) …“ eine Rede zu halten, „an welcher die höhern Stände des Publikums sehr zahlreichen Antheil nahmen.“

Astronom. Station am Gropius-Gymnasium Roßlau-Dessau, Heimat von Huth


Der Roßlauer Johann Siegismund Gottfried Huth war der erste Naturwissenschaftler, der den Begriff telephon verwendete, noch lange Zeit, bevor im Jahr 1861 Philip Reis den Vorgänger des Telefonapparates vorgestellt hatte. Schon 1796 findet man den Begriff telephon im Traktat über einige akustische Instrumente des Schweizers Johann Heinrich Lambert (1728-1777), das Huth vom Französischen ins Deutsche übersetzt hatte. Seine Übersetzung hatte Huth aber auch mit eigenen Vermerken versehen. Er war Mitglied der Berliner Gesellschaft der Naturfreunde und ab 1812 Korrespondierendes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und der St. Petersburger Mineralogischen Gesellschaft. Allerdings schlugen seine Bemühungen, korrespondierendes Mitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften zu werden, fehl.

Zu den Verdiensten von Johann Siegismund Gottfried Huth zählte auch, dass er im Zeitraum von 1804-1807 vier Kometen entdeckte und beschrieb. Sein in Frankfurt/Oder geborener Sohn Wilhelm Heinrich besuchte das Gymnasium in Dorpat.

Auszug aus Dörptscher Zeitung vom 06. März 1818:

Unsere Universität hat einen großen Verlust erlitten. Hofrath Huth, Prof. der Mathematik und insbesondere der Astronomie, ist an der Brustwassersucht gestorben. Eh es gestern wurde, nachdem die Leiche in der Kapelle schon beigesetzt war, im großen Hörsaale der Kaiserlichen Universität von dem Herrn Rector magnif. Giese und von dem Herren Prof. extraord. Struve Reden gehalten. Der vorangehenden Trauermusik folgten die Studierenden der Universität, die Herren Professoren und Universitätsbeamten im Geleite nach dem Kirchhofe zum Einsenken der Leiche in die Gruft.“

Wer an Informationen über Prof. Huth bezüglich seiner Tätigkeit in Deutschland interessiert ist, dem ist die Lektüre der Mitteilungen des Historischen Vereins zu Frankfurt/Oder 1/2018 zu empfehlen.

Quellen:
1. Erik Amburger Datenbank (online)
2.
http://www.ajaloomuuseu.ut.ee 06.01.2013
3. Philipp. K.J.: Um 1800 Architekturtheorien und Architekturkritik in Deutschland zwischen 1790- 1810,
Stuttgart, London, 1997, S. 222;
4. Recke, J. F. v., Napiersky, H.E., Beise, Th.: Allgemeines Schriftsteller-
und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Esthland, Kurland, B.2, Mitau, 1829, S. 369 ff.
5. Вечерний Харковь v. 25.02.2011
6. Schulze, G.: Kleist- eine Biographie,München, 2007, S. 200
7. Kucilova, N.N., Popova, L.N.: История кафедры теоритической механики dspace.univer.kharkov.ua
12.01.2013
8. Beckh,J.: Blitz & Anker, Bd.1, Informationstechnik, Geschichte & Hintergründe, Norderstedt, 2005
9. Ullmann, D.: Chladni und die Entwicklung der Akustik von 1750- 1860, Basel, Boston, Berlin
10. Hartkopf: Die Berliner Akademie der Wissenschaften: Ihre Mitglieder und Preisträger 1700- 1990,1992,
11. Schüler-Album des Dorpatschen Gymnasiums von 1804- 1879, Dorpat, 1879, S. 22

12. Dörptsche Zeitung 1811-1818

Zerbst, den 13.05.2018

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Professor Hermann Schmalz aus dem heutigen Zerbst/ Anhalt lehrte im einstigen Dorpat

Professor Hermann Schmalz aus dem heutigen Zerbst/ Anhalt lehrte im einstigen Dorpat

Hermann Schmalz, geboren 1807 in Bonitz bei Zerbst in Anhalt hatte in Königsberg (heute: Kaliningrad/ Russland) studiert, wo er nachweislich des 1829 gegründeten Corps Littuania Königsberg, einer Burschenschaftsvereinigung, angehörte.

Herrmann Schmalz hatte das Gut Kassen bei Pillkallen (heute: Dobrowolsk/ Russland)) im damaligen Regierungsbezirk Gumbinnen (heute: Gussew/ Russland) geerbt.

Er lehrte von 1834- 37 an der Universität Dorpat (heute: Tartu/ Estland) Landwirtschaftslehre, befasste sich neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit auch mit journalistischen und schriftstellerischen Arbeiten. So erschien 1837 in Dorpat seine Schrift Die Zuckerfabrication aus Runkelrüben in besonderer Erwägung für Russland als Einladungsschrift zur Stiftungsfeier der Landwirtschaftlichen Lehranstalt zu Altkusthof, an der Schmalz lehrte und den Posten des Inspektors bekleidete.

Universitätsgebäude_-_Louis_Höflinger,_1860

Hermann Schmalz betätigte sich ebenfalls politisch. Er war Landrat des Kreises Pillkallen in Ostpreußen. Zudem war Hermann Schmalz von 1867- 1870 Mitglied des Norddeutschen Reichstages und bis 1879 Mitglied des Deutschen Reichstages. Dabei vertrat er den von 1808- 1945 existierenden ostpreußischen Wahlkreis Regierungsbezirk Gumbinnen 2. Heutzutage gehört der größte Teil dieses ehemaligen Wahlkreises zum heutigen Kalinigrader Gebiet (Russland) und der südliche Teil zur heutigen polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren. Einzug in den Deutschen Reichstag hielt Hermann Schmalz mit 62,17 % der Wählerstimmen und vertrat stets die Konservativen.

Nach seinem Tode im Jahre 1879 übernahm der Rittergutsbesitzer Albert von Sperber (1836- 1889) das Abgeordnetenmandat.

Das Interesse von Hermann Schmalz an journalistischer Tätigkeit äußerte sich in seiner Mitarbeit an der Herausgabe einer kulturell geprägten Zeitschrift Der Refraktor. Ein Centralblatt Deutschen Lebens in Russland. In der ersten Ausgabe, die am 2 Mai des Jahres 1836 erschien, wandte sich Schmalz in seinem Leitartikel An das Publikum und legte auf Seite 3 die Idee seines Blattes wie folgt dar:

Keine Anarchie, keine Gesetzlosigkeit wird der Refraktor sich zu Schulden kommen lassen. Die drei Kepplerschen Regeln des Universums, die Regeln der Wahrheit, des Rechtes und des Schönen werden ihm immer heilig sein (…) nie zum Persönlichen hinabsteigen, nie Partei nehmen, verletzen oder kränken, sondern überall will er aufbauen (…) anregen und erhalten …“

An dieser Zeitschrift arbeitete Schmalz gemeinsam mit dem deutsch- baltischen Dichter Carl Friedrich von der Borg (1794- 1848), der als Jurist und Kanzleidirektor der Universität Dorpat seinen Lebensunterhalt bestritt, aber auch russische Literatur übersetzte.

Ab 1846 war Hermann Schmalz Herausgeber der 1727 gegründeten St. Petersburger Zeitung. Dort führte Schmalz  während seiner Amtszeit das ständige Feuilleton ein.

Verwendete Literatur und Quellen

Eichhorn, C.: Die Geschichte der „St. Petersburger Zeitung“ 1727- 1902, St. Petersburg, 1902

erb.nlib.ee 26.08.2013

www.reichstag-abgeordnetendatenbank.de 26.08.2013

www.utlib.ee 26.08.2013

 

Zerbster Heimatkalender 2016 mit Beitrag über interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert

Zerbster Heimatkalender 2016 mit Beitrag über interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert

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Der Zerbster Heimatkalender 2016 enthält interessante Beiträge zur Geschichte Anhalts und darüber hinaus. Unter anderem sind im Zerbster Heimatkalender 2016 folgende Beiträge zu lesen:

  1. Griesbach, A.-A.: „Alle Dinge sind Gift, und Nichts ist ohne Gift; Allein die Dosis macht´s, dass ein Ding kein Gift sei“- Paracelsus- 485 Jahre Rats- und Stadtapotheke. Ein Blick in die Geschichte des Gesundheitswesens
  2. Mainzer, A.: Ein interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert. Zum 235. Geburtstag der Malerin Caroline Bardua aus Ballenstedt
  3. Miedtank, L.: Zerbster Fayence und Meissener Porzellan im frühen 18. Jahrhundert. der Meissener Porzellanmaler und Zerbster „Hoffabrikant“ Johann Caspar Ripp- Teil 1
  4.  Röder, St.: Anhalt- Zerbster Infanterie und Kavallerie in kaiserlich- habsburgischen Diensten
  5. Herrmann, D.: Der Baukondukteur Johann Friedrich Friedel. Die künstlerischen Leistungen der Architekten und Gestalter des Zerbster Schlosses, Teil V
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Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich

Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich

Seit eh und je steht deutsche Handwerksarbeit in aller Welt hoch im Kurs und gilt als Garant für eine hohe Qualität der Produkte. Im Ausland assoziiert man den Begriff des deutschen Handwerks mit Attributen wie Fleiß, Zuverlässigkeit und Solidität.
Solides Handwerk wussten bereits Zar Peter I. und Zarin Katharina II. zu schätzen und holten deshalb niederländische und vor allem deutsche Handwerker ins Russische Reich. Schon 1790 hatten sich in St. Petersburg 210 Schneider, 77 Bäcker, 59 Sattler, 13 Dreher, 17 Uhrmacher und 19 Schornsteinfeger deutscher Herkunft niedergelassen. Im Jahr 1868 waren 25 % aller Petersburger Bäcker deutschsprachig.
Unter ihnen war auch der 1799 in Bernburg geborene Bäckermeister Johann Andreas Erfurt, der ab 1856 sogar Hofbäcker war.

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                             Innungszeichen der Bäcker, die bis heute noch in Zerbst/ Anhalt erhalten

Nicht nur in urbanen Zentren wie St. Petersburg und Moskau waren deutsche Handwerker ansässig, auch in großer Anzahl im Baltikum. So habe ich mich entschlossen, der Frage nachzugehen, welche Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich tätig waren.

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Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg
Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg

Der deutschstämmige Ingenieur Eugen Karlovič Knorre (1848- 1917) erarbeitete den Plan für die Moskauer Wasserleitungen. Außerdem hatte er der Moskauer Stadtverwaltung Pläne für die Metro vorgelegt, die jedoch nicht realisiert wurden.
Eugen Karlovič Knorres familiäre Wurzeln lagen im heutigen Sachsen- Anhalt. Er war der Enkel des 1759 in Neuhaldensleben bei Magdeburg geborenen Ernst Christoph Friedrich Knorre, der im Alter von 30 Jahren nach Dorpat (heute: Tartu/ Estland) ging.
An der dortigen Höheren Töchterschule wirkte Ernst Christoph Friedrich Knorre ab 1789 als Direktor und ab 1802 als außerordentlicher Professor für Mathematik und Observator der Sternwarte an der Universität Dorpat. Außerdem wirkte er von 1789- 1810 als Organist an St. Johannis in Dorpat. Verheiratet war er in erster Ehe mit Carolina Friederike Senff (1765- 1791) und in zweiter Ehe mit Carolina Henriette Sophie Senff (1771- 1850), den Schwestern des 1770 bei Merseburg geborenen und seinerzeit namhaften Künstlers Karl August Senff, der an der 1809 eingerichteten Zeichenschule der Universität in Dorpat lehrte, wo er 1838 verstarb. Ernst Christoph Friedrich Knorre hatte seinen Schwager stets finanziell unterstützt.

Knorres 1799 geborener Sohn Karl Theodor Adolph schlug die medizinische Laufbahn ein und praktizierte ab 1823 als Stadtphysikus in Pernau (heute: Pärnu / Estland). Dessen Sohn Ernst Leopold (1839- 1928) wiederum studierte Klavier zuerst bei Theodor Stein (1819- 1893), der auch am St. Petersburger Konservatorium lehrte, später setzte Ernst Leopold Knorre seine Studien in Brüssel und Paris fort. Schlussendlich ließ er sich in Dorpat nieder, woer als Klavierlehrer wirkte. Dabei assistierte ihm seine Tochter Helene (*1865), die vorwiegend die Anfänger unterrichtete.
Der zweite Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre – Karl Friedrich, der 1801 das Licht der Welt erblickt hatte, wirkte als Direktor der Sternwarte Nikolaev.

Karl Friedrich Knorre
Karl Friedrich Knorre

Dessen Sohn Viktor Karlovič wiederum, der 1840 in Nikolaev das Licht der Welt erblickt hatte, Bruder des eingangs erwähnten Eugen Karlovič, setzte die Familientradition fort und studierte ab 1862 Astronomie in Berlin bei Wilhelm Foerster (1832- 1921). Fünf Jahre später begann er an der Sternwarte Pulkovo zu arbeiten. 1873 nahm der die Stelle als Obervator an der Sternwarte in Berlin an. 1892 wurde er Professor für Astronomie. Zu seinen Leistungen gehört die Entdeckung des Asteroiden Coronis im Jahr 1876 und die Entdeckung dreier weiterer kleinerer Planeten zu seinen Leistungen. Des Weiteren machte er als genialer Schachspieler seinerzeit von sich reden. Viktor Karlovič Knorre verstarb im Jahr 1919 bei Berlin. Die NASA benannte zu Ehren der drei Astronomengenerationen Knorre einen Asteroiden Knorre. Eugen Fedorovič Knorre (*1870), Enkel von Karl Friedrich, machte in Moskau Karriere als Violinenspieler. Seine ältere Schwester Adele, (1867- 1951) hatte am St. Petersburger Konservatorium Klavier und Operngesang studiert. Sie lehrte an den Musikschule in Nikolaev und Libau (heute: Liepāja/ Lettlland ). Ihre 1912 in Libau geborene Tochter Lydia, die sich nach Frankreich verheirat hatte, studierte Musik und gab Privatunterricht am Konservatorium in Toulouse.
Karl Theodor, der 1806 in Dorpat geborene Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre, hatte nach dem Abitur am dortigen Gymnasium von 1823- 1827 Theologie studiert. Ab 1837 war er als wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule in Pernau tätig. Er gehörte auch der studentischen Verbindung Dorpati Livonorum an. Er verstarb im Jahr 1846.
Friedrich Karl David, der Halbbruder von Ernst Christoph Friedrich Knorre, 1762 auch in Neuhaldensleben bei Magdeburg geboren, hatte ab 1778 Theologie in Halle studiert und ab 1786 mitgewirkt, die Höhere Töchterschule in Dorpat einzurichten und an selbiger die Stelle des Organisten eingenommen. 1789 ging er als Prediger an die deutsche Gemeinde nach Narwa (heute: Narva/ Estland). Er verstarb im Jahr 1805. Sein Sohn Friedrich Karl (1797- 1846), der das Gymnasium in Dorpat besucht und an der dortigen Universität von 1814- 1817 Theologie studiert hatte, wirkte später als Lehrer an den Gymnasien in Riga und Odessa.

Hundertwasserhaus - ein neues Wahrzeichen Magdeburgs
Hundertwasserhaus – ein neues Wahrzeichen Magdeburgs

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Album Dorpati Livonorum mit Vorwort v. A. Ammon,Dorpat, 1890
2. Erik Amburger Datenbank (online)
3. Schüler- Album Dorpat (1879, 9)
4. Hasselblatt, A., Otto, G.: Album Academicum der Kaiserlichen Universität Dorpat,Dorpat,1889
5. Koch, K.-P.: Sachsen- Anhalt und das östliche Europa. Zur Migration von Musikerpersönlichkeiten in: –
Eberl- Ruf, K., Lange, C., Schneider, A. (Hg.): Musikkultur in Sachsen- Anhalt seit dem 16.    Jahrhundert:Protokoll  der wissenschaftlichen Tagung zur regionalen Musikgeschichte am 16. und 17. September 2005 in Salzwedel, Halle, 2007
6.Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.:Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen
Livland, Esthland, Kurland, Bd.2, Mitau, 1829
7.Uljanov, G.N.: Deutsche Ingenieure in Russland in:  Dahlmann, D., Heller, K., Petrov, J.A. (Hg.): Eisenbahnen und Motoren- Zucker und Schokolade. Deutsche im russischen Wirtschaftsleben vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert,
Berlin, 2005
8. Donnert, E.: Die Universität Dorpat- Jur’ev 1802- 1918, Frankfurt/ Main, 2007
9.Günther, S.: „Knorre, Ernst Christoph Friedrich“ ADB, Bd 16 (1882), S. 328
10.Baltisches Biografisches Lexikon digital
11.http://www.geni.com/people/Ernst-Christoph-Friederich-von-Knorre/4626772356160128754
12.http://dankenflex.com/kategorie/verschiedenes/viktor-knorre.php
13.http://www.plicht.de/chris/21knorre.htm

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Der Pädagoge und Schriftsteller Carl Gustav Alexander Eckers, 1811 im Kloster Zinna bei Jüterborg geboren, hatte das Gymnasium in Zerbst besucht und Theologie in Wittenberg sowie Philosophie bei Hegel in Berlin studiert, bevor er 1836 nach Mitau ging, um dort als Hauslehrer zu arbeiten.

Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt
Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt

 

Schlosskirche mit Luther- Thesen in Wittenberg
Schlosskirche mit Luther- Thesen in Wittenberg

Sein Lehrerexamen legte er an der Universität in Dorpat ab. Im Jahr 1839 war er wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule in Goldingen.

Von 1841 bis 1864 lehrte er die deutsche Sprache und Literatur am Gouvernements Gymnasium in Riga. Später gründete und leitete er noch eine Höhere Töchterschule in Riga. Zwischen 1854- 1873 unternahm er etliche Europareisen, die ihn nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach London, Paris und Wien führten. Außerdem war Eckers Mitbegründer des Rigaer Naturforschervereins, des Rigaer Tierschutzvereins, dem er auch zeitweilig vorstand und dessen Jahrbücher er herausgab. Zudem begründete er den Rigaer Dichterverein mit. Im Jahr 1889 verstarb er in Riga.

Seine dort im Jahre 1846 geborene Tochter Olga Elisabeth (†1890) heiratete den Chemiker Carl Nicolai Seuberlich (1847- 1924) aus Riga.

Verwendete Literatur:
1. Beiträge zur Geschichte der Esthländischen Ritter- und Domschule:Einladungsschrift zu der 550jährigen
Jubelfeier der Domschule zu Reval am 19. und 20. Juni1869, Reval, 1869; S. 91
2. Zur Geschichte des Gouvernements- Gymnasiums in Riga, Riga,1888; S. 7
3. Woldemar, C.: Zur Geschichte und Statistik der Gelehrten- und Schulanstalten des Kaiserlich Russischen
Ministeriums der Volksaufklärung, St. Petersburg, 1865; S. 136
4. Baltisches Biographisches Lexikon digital
5. Gottzmann, C.L., Hörner, P.: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburg, Berlin,
2007; S. 387
6. http://www.mocavo.com/Archiv-F-R-Stamm-Und-Wappenkunde-Volume-7/613889/233 19.04.2015

Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland)

 Johann Friedrich Erdmann – der Gelehrte aus Wittenberg an den Universitäten Kazan´und Dorpat (heute: Tartu/ Estland) 

Johann Friedrich Erdmann
Johann Friedrich Erdmann

Der 1778 in Wittenberg geborene Arzt Johann Friedrich Erdmann hatte an der Universität seiner Heimatstadt zuerst Theologie studiert, etwas später jedoch in die medizinische Fachrichtung gewechselt. In Wittenberg lehrte er ebenfalls bis zirka 1808 als ordentlicher Professor für Pathologie und Therapie.

Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann
Das heutige Lutherstadt- Wittenberg nicht nur geistige Heimat für Martin Luther, auch für den Gelehrten J.F. Erdmann

Infolge der zu jener Zeit immer schwierigeren Situation der Wittenberger Universität folgte Erdmann einem Ruf nach Kazan´, der Hauptstadt Tatarstans im Russischen Reich. Er war von 1810- 1817 der erste Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Kazan. Dort verfolgte er den Plan des Baus einer Klinik. Während seine Pläne große Anerkennung und Zustimmung fanden, scheiterte die Realisierung seiner Pläne an Geldmangel. Von Kazan` aus, wo Erdmann seit 1810 den Lehrstuhl für Pathologie, Therapie und Klinik innehatte, reiste er 1811 nach Sergievsk, um die dortigen Mineralquellen zu analysieren. Im Jahr 1815 unternahm er Reisen u.a. nach Simbirsk, Saratov und Astrachan. Alle seine während dieser Reisen gemachten Beobachtungen veröffentlichte er in seinen dreibändigen Beiträgen zur Kenntniss des Innern von Russland in den Jahren von 1822- 1826. Interessiert war Erdmann ebenfalls an der Untersuchung der medizinisch- topografischen Bedingungen in Kazan`. Erdmann, der der russischen Sprache nicht mächtig war, hielt seine Vorlesungen in lateinischer Sprache. Des Weiteren hatte Erdmann dort die Funktion eines Inspektors der Schulen in den Gouvernements Saratov, Simbirsk, Astrachan, Tobolsk und Perm` inne. Erdmann erkundete nicht nur die Sitten und Gebräuche der dort lebenden Bevölkerung, sondern machte auch gezielte Beobachtungen bezüglich der dort auftretenden Krankheiten. 1818 ging Erdmann an die Universität Dorpat, wo er als Professor für Diätetik, Arzneimittellehre und Geschichte der Medizin Vorlesungen hielt.1842 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurück, wo er im Jahr 1846 in Wiesbaden verstarb.
Sein 1816 in Kazan` geborener Sohn Carl Michael Theodor Friedrich hatte ab 1828 seine Schulbildung am Gymnasium in Dorpat erhalten und von 1836- 40 Medizin an der dortigen Universität studiert. Er praktizierte u.a. in Mitau, aber auch in Dresden, wo er 1887 verstarb.
Gustav ,der zweite Sohn von Johann Friedrich Erdmann, wurde 1818 geboren. Er schlug eine militärische Laufbahn ein. 1875 unterstanden die am Pazifik gelegenen russischen Häfen seinem Kommando und er war Militärgouverneur der Region Primorje. Er lebte zu jener Zeit in Wladiwostok, wo er sich vor allem um den Aufbau einer lutherischen Kirche mit eigenem Pastor verdient machte. 1883 wurde er als Hafenkommandeur in Reval eingesetzt, wo er kurz Zeit später verstarb.

 

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Trautvetter, E.R.: Grundriss eines Geschichte der Botanik in Bezug auf Rußland,St. Petersburg, 1837
2. Крылов- Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий.Краткий медицинский
биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
3 http://vladivostok-city.com/de/places/all/all/934 11.04.2015
4.http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fernster-osten-russlands-traum-von-asien-11556327-p2.html
11.04.2015