Rebecca Gablé „ Das Haupt der Welt“- lebendige mitteldeutsche und elbslawische Geschichtslektionen

Rebecca Gablé „ Das Haupt der Welt“- lebendige mitteldeutsche und elbslawische Geschichtslektionen in Romanform

Siegel Otto I. aus Posse- Sammlung
Siegel Otto I. aus Posse- Sammlung

Im Bundesland Sachsen – Anhalt geboren, in dessen Hauptstadt Magdeburg das Studium (u.a. in Slawistik) absolviert und dort seit 15 Jahren beruflich tätig – alle diese Fakten bildeten die ideale Voraussetzung für die Lektüre des historischen Romans Das Haupt der Welt von Rebecca Gablé, in dessen Fokus das Heranreifen des sächsischen Herzogs und ostfränkischen Königs Otto I. der Große, der von 912 – 973 lebte, steht. Schon der sächsische Geschichtsschreiber Widukind von Corvey nannte Otto I. das Haupt der Welt.
Zu Beginn des Romans befindet sich der Leser inmitten der Belagerung der Festung Brandenburg durch Ottos Vater König Heinrich I. im Jahre 929. Zu jener Zeit war die Brandenburg, die von Heinrichs Truppen eingenommen wird, Heimat für den elbslawischen Stamm der Heveller. Dragomira und Tugomir, Kinder des Fürsten der Heveller, werden dabei als Geiseln genommen und von den Sachsen nach Magdeburg verschleppt.
Der Fürstentochter Dragomira, die bei ihren Landsleuten eine gewisse Achtung ihr gegenüber vermisste, fällt es nicht so schwer, mit dem Königssohn Otto die Lagerstatt zu teilen und eine enge intime Beziehung zu ihm aufzubauen. Aus dieser Verbindung geht ein Sohn hervor- der spätere Erzbischof Wilhelm von Mainz. Prinz Tugomir jedoch tut sich um einiges schwerer, er findet sich nicht so schnell mit seiner Geiselhaft ab. Obwohl er im feindlichen Lager der Sachsen aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse als Heiler eine gewisse Anerkennung erwirbt, weist er sehr lange Zeit jedwedes freundlich gemeinte Entgegenkommen, das ihm geboten wird, abrupt zurück, was stellenweise ein Kopfschütteln bei dem Leser hervorruft. Trotz seiner Sturheit verbindet Tugomir eine ungewöhnliche Freundschaft mit Thankmar, dem älteren Stiefbruder vom Haupt der Welt. Thankmar gehört zu den Romanfiguren, die durch ihre unkonventionellen, fast frechen gedanklichen Kommentare das Geschehen leicht humorvoll auflockern und zeigen, dass gekrönte Häupter auch nur Menschen aus Fleisch und Blut sind. Tugomir macht sogar am Hofe Ottos Karriere: er unterrichtet dessen Söhne und wird dessen Leibmedikus. Weiterlesen

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