Was verbindet Anhalt und die estnische Stadt Võru?

Was verbindet Anhalt und die estnische Stadt Võru?

Annegret Mainzer, Zerbst

Die russische Krone erwarb im Jahr 1784 das Gut Werrohof, gelegen im Südosten des heutigen Estlands, das von 1710-1918 zum Russischen Reich gehörte.

Die russische Zarin Katharina II. (1729-1796), eine geborene Prinzessin von Anhalt-Zerbst, ordnete ihrerzeit persönlich an, rund um das Gut Werrohof eine neue Stadt anzulegen. Nach 1784 bestätigte sie das Stadtwappen und im darauffolgenden Jahr den Bebauungsplan dieser neuen Stadt, die bis 1917 Werro genannt und zur Kreisstadt bestimmt wurde. Da die Stadt Werro sich auf dem Territorium von Estland befindet, heißt sie heutzutage Võru. Zur gegografischen Lage von Võru ist hinzuzufügen, dass die Stadt am Ufer des Sees Tamula und wenige Kilometer entfernt von der jeweiligen Grenze Estlands zu Russland und Lettland liegt.

Lutherische und orthodoxe Katharinenkirche

Im Jahr 1793 begann man in Werro mit dem Bau der lutherischen Katharinenkirche, der 1804 vollendet wurde. Diesen Kirchenbau bezuschusste Zarin Katharina II. mit 28.000 Silberrubel aus ihrer persönlichen Schatulle. Die lutherische Katharinenkirche, erbaut im frühklassizistischen Stil mit Elementen des Barock, wurde nach Plänen des Architekten Christoph Haberlandt errichtet. 1879 erfolgte eine umfassende Sanierung und 1913 der Einbau einer neuen Orgel.

Eine zweite Katharinenkirche, eine orthodoxe, wurde im Jahr 1806 in Werro gebaut.

Denkmal für Katharina II. im estnischen Võru

Das Jahr 1784 wird als das Gründungsdatum der heutigen Stadt Võru angesehen und Zarin Katharina II. als Stadtgründerin. Deshalb stellten die Einwohner von Võru im Jahr 2014 in ihrer Stadt ein Denkmal für Katharina II. auf, sozusagen anlässlich des 230. Stadtgeburtstages.

https://www.visitestonia.com/en/catherine-ii-sculpture-and-catherine-alley-katariina-allee

Die Bronzestatue der Zarin, angefertigt vom renommierten estnischen Bildhauer Jaak Soans, hält in der rechten Hand den Reichsapfel und in der linken – den Ukas zur Gründung der Stadt Võru.

Kurz einen Blick auf Werro bzw. Võru im 19. Jahrhundert: Im Jahr 1819 zählte man in Werro 717 Einwohner, unter ihnen 461 Deutsche.

Im 19. Jahrhundert war Werro eine europaweit anerkannte Schulstadt. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war zum Beispiel die Krümmersche Anstalt, die ihre Schüler auf den Eintritt in die Universität vorbereitete. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gab es in Werro 7 Schulen, an denen 31 Pädagogen lehrten und 317 Schüler lernten.

Pädagoge aus Anhalt in Werro

Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt

Da zahlreiche deutsche Pädagogen im 18. und 19. Jahrhundert ins Russische Reich auswanderten, findet sich neben Zarin Katharina II. noch eine zweite historische Verbindung zwischen Anhalt und Werro. Von 1862-1866 oblag die Leitung der Krümmerschen Anstalt in Werro dem Gymnasiallehrer Franz Leopold Friedrich Sintenis, geboren 1835 in Alten bei Dessau. Sintenis hatte seine Schulbildung in Dessau sowie in den Jahren 1853/54 am Gymnasium Francisceum in Zerbst erhalten. Im 1903 von Professor Glöckner herausgegebenen Verzeichnis der Primaner von 1803-1903 findet sich unter Nr. 248 der Name Franz Leopold Friedrich Sintenis mit dem Vermerk, dass dieser nach Dorpat (heute: Tartu/Estland) gegangen und Kaiserlich-Russischer Kollegien- und Staatsrat geworden sei. Im Jahr 1866 wurde laut Berichten der Rigaischen Stadtblätter die Krümmersche Anstalt aufgelöst, heißt, Sintenis war ihr letzter Direktor. Eine etwas ausführlichere Beschreibung der Vita von Sintenis ist im Zerbster Heimatkalender 2012, verfasst von Annegret Mainzer, nachzulesen.

Zerbst, 30.04.2020

 

Zerbst/Anhalt: Regionale Geschichte aus weiblicher Sicht präsentiert

Zerbst/Anhalt: Regionale Geschichte aus weiblicher Sicht präsentiert

 Annegret Mainzer, Zerbst

Etwa 260 Gäste konnten die Mitglieder des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.v. am Nachmittag des 01. März im Katharina-Saal der Stadthalle Zerbst begrüßen. Im Rahmen der derzeit laufenden 55. Zerbster Kulturfesttage hatte der Internationale Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.v. zur Veranstaltung „Regionale Geschichte aus weiblicher Sicht – Frauenpersönlichkeiten aus verschiedenen Jahrhunderten stellen sich vor“ geladen, wobei der Fokus auf den aus Anhalt-Zerbst stammenden Frauen lag.

Alle vorgestellten Frauenpersönlichkeiten auf einen Blick

Dieser Nachmittag mit den historischen Frauenpersönlichkeiten aus Zerbst und Umgebung war eine sehr prägnante und volkstümliche Darbietung unserer regionalen Geschichte, eine andere Art informativer Geschichtsdarstellung“, fasste die Zerbster Besucherin Marlies Kellpinski ihre Eindrücke zusammen, nachdem sich 15 Frauen, die einst in Anhalt-Zerbst lebten und wirkten, vorgestellt hatten. Die Geschichte unserer Region werde unter anderem auf verschiedenen Plattformen im Internet dargestellt, aber Frauen stünden bisher dabei selten im Mittelpunkt, so hätten die Besucherinnen und Besucher viel Neues erfahren, fuhr Kellpinski fort.

Der Nachmittag mit vielem Neuen rund um Anhalt-Zerbster Frauen stellte das Resultat der Zusammenarbeit des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. mit Frauen verschiedenen Alters, die zurzeit in der Region Anhalt-Zerbst lernen oder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen und nicht unbedingt Vereinsmitglied sind.

Annegret Mainzer in der Rolle einer nach Russland ausgewanderten Zerbsterin begrüßt die Gäste

Wir sind erfreut und überwältigt zugleich von solch regem Interesse an diesem Thema“, begrüßte Annegret Mainzer vom Vorstand des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. die zahlreich erschienen Gäste. Dafür war sie in die Rolle der Zerbsterin Friederika Augusta Winter geschlüpft, die 1767 an die Wolga ausgewandert war, wie ein Blick in die Erstsiedlerliste von Katharinastadt (heute: Marx/ Russland)belegt.

ABM-Maßnahmen befassten sich mit Zerbster Frauengeschichte

Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Anhalt-Bitterfeld Ursula Böttge, ebenfalls vom Vorstand des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. hatte an diesem Nachmittag die Funktion der Regisseurin übernommen. Sie informierte die Besucherinnen und Besucher im Vorfeld der Präsentation über die Entstehung dieses Projektes. „Im Jahr 1995 habe ich mich gefragt, wie viele Straßen in Zerbst nach Frauenpersönlichkeiten benannt sind. Das Resultat war sehr ernüchternd“, gestand Böttge.

Uta Böttge berichtet über die Entstehung des Projektes

Deshalb habe sie vor Jahren ABM-Projekte mit dem Ziel ins Leben gerufen, Näheres über Frauen in Anhalt-Zerbst zu erfahren. Ausstellungen seien organisiert worden, ein Geburtstagskalender und eine Broschüre herausgegeben, berichtete sie weiter. Und sie erinnerte daran, dass seit dem Jahr 2000 zur EXPO die Stadt Zerbst/Anhalt offiziell zu den „FrauenOrten“ Sachsen-Anhalts gehört. Für Schulklassen haben Böttge und ihre damaligen Mitstreiterinnen Spaziergänge rund um die Zerbster Stadtmauer organisiert, auf denen sich die historischen Frauenpersönlichkeiten zumeist an ihren Wirkungsstätten vorstellten.

Vielfalt an Anhalt-Zerbster Frauenpersönlichkeiten

So machten die Gäste am Sonntagnachmittag in der Stadthalle Zerbst Bekanntschaft mit einer lebensfrohen und naturverbundenen Nonne aus dem hiesigen Frauenkloster, dargestellt von Kerstin Bette. „Nein, immer mehr Abgaben. Diese Gier stets zu Lasten der Schwächeren…“, klagte die allen Zerbster Kindern bekannte Butterjungfer, alias Uta Thiele, und brandmarkte somit die Gier der Mächtigen an. Barbara Lamottke beschrieb eindrucksvoll das einerseits turbulente und andererseits leidvolle Leben der europaweit im 18. Jahrhundert bekannten Theaterprinzipalin Caroline Neuber, die mehrmals mit ihrer Truppe in Zerbst und sogar in St. Petersburg gastierte.

eine naturverbundene Zerbster Nonne                                                      
Zerbster Butterjungfer

Schauspielerin der Neuberschen Truppe

 

Zerbster Prinzessin und russische Zarin „angereist“

Besuch aus dem Zerbster Schloss und Russland war auch angereist. Während Prinzessin Friederike Auguste Sophie von Anhalt-Zerbst, dargestellt von Friederike Beck, mit ihrer jüngeren Schwester Elisabeth (Greta Mattke) gekommen war und von einem mysteriösen Brief der Zarin Elisabeth Petrowna aus Russland berichtete, bekannte die selbstbewusste Zarin Katharina II., alias Tatyana Nindel, dass sie unter einer liebenswürdigen Hülle gleichermaßen als Diplomatin, Heuchlerin und Erpresserin agiere, um sich gegen die täglichen Intrigen durchsetzen zu können.

 

Die Frauenfrage ist eine Erwerbsfrage

Die Frauenfrage ist eine Erwerbsfrage“, meinte die vielseitig gebildete Frauenrechtlerin Jenny Hirsch, gespielt von Manuela Schätzchen. Zu den Frauen, die sich wie Jenny Hirsch ihren Lebensunterhalt selbst verdienten, gehörten auch die auch wissenschaftlich tätige Zerbster Handelsgärtnerin Luise Corthum, dargestellt von Silke Beck, sowie die Zerbster Wasserjette, alias Anika Johannes. Die Wasserjette, ein echtes Zerbster Kind, zog mit ihrem Handwagen und Wasserkannen vor und erzählte salopp nach Zerbster Mundart von ihren Ärgernissen mit den Zerbster „Jören und Kerls“. Vom gelegentlichen Ärger mit den Jungen in ihrer Klasse wusste ebenfalls Ida Möhring zu erzählen, denn einige Male steckten ihre Zöpfe im Tintenfass. Ida Möhring, gespielt von Cherine Boutaba, besuchte als erstes Mädchen am Zerbster Gymnasium Francisceum.

Handelsgärtnerin Luise Corthum
Frauenrechtlerin Jenny Hirsch

Erinnerung an die Zerbster Trümmerfrauen

Astrid und Paula Klausnitzer erinnerten in ihrer dialogischen Szene an die körperlich schwere Arbeit der Zerbster Trümmerfrauen nach 1945, eine Zeit, die durch Zerstörung, Hunger, Krankheit und dem Mangel an zupackenden männlichen Arbeitskräften charakterisiert war.

Zerbster Wasserjette
Francisceerin Ida Möhring
Zerbster Trümmerfrau
Zerbster Trümmerfrau

Avantgardistinnen in ihren Berufen waren Dr. Berta von Scheven, die erste Ärztin im Landkreis, dargestellt von Ursula Böttge. Die Rolle der ersten in Anhalt ordinierten Pastorin Anneliese Salm übernahm Sabine Brauns und die von Dr. Käthe Lüderitz, der ersten Chirurgin im Zerbster Krankenhaus, – Silke Hoffmann.

erste Chirurgin im Zerbster Krankenhaus

erste in Anhalt ordinierte Pastorin

Dr. Inge Werner, die erste Direktorin am Zerbster Gymnasium Francisceum, berichtete selbst über ihren beruflichen Werdegang.

Dr. Inge Werner

Die musikalische Umrahmung der Spielszenen lag nach wohl bewährter Art in den Händen von Marina Drobyshevskaya.

Mit lang anhaltendem Applaus und viel Zustimmung dankte das Publikum den Darstellerinnen. Bei anschließender Kaffeetafel konnten die Gäste mit den Mitwirkenden und den Mitgliedern des des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. ins Gespräch kommen und sich an einem Quiz rund um die vorgestellten Frauenpersönlichkeiten beteiligen.

Freude über Gewinn

Viele Gäste folgten aufmerksam den Spielszenen und konnten somit alle zehn Quizfragen richtig beantworten, sodass schlussendlich das Los entscheiden musste. Als Glücksfeen fungierten dabei Friedrike Beck, Cherine Butaba und Greta Mattke.

Gewinnerin Sigrid Wörlitz (li)

Über den Hauptpreis, einen Gutschein für zwei Personen für den Russischen Abend am 07. August im Zerbster Hotel-Restaurant von Rephuns Garten konnte sich Sigrid Wörlitz freuen. Herzlichen Glückwunsch!

Dank des des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. an folgende Sponsoren und Unterstützer:

– Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

– Stadtverwaltung Zerbst/Anhalt

– Team der Stadthalle Zerbst/Anhalt

– Team des Hotel-Restaurant von Rephuns Garten in Zerbst/Anhalt

– Katharina-Apotheke, Zerbst/Anhalt

– Schlosskonditorei Zerbst/Anhalt

– Musikschule „J.F. Fasch“ Zerbst/Anhalt

Zerbst, 04.03.2020

Eine Retrospektive: Das Zerbster Katharina-Jahr 2019

Eine Retrospektive: Das Zerbster Katharina-Jahr 2019

Annegret Mainzer, Zerbst

Das Jahr 2019 neigt sich unaufhaltsam seinem Ende zu. Mit Fug und Recht kann es als Katharina-Jahr in Zerbst/Anhalt bezeichnet werden, in dem sich Russen und Deutsche in der Heimatstadt Katharinas der Großen, nämlich in Zerbst/Anhalt, trafen und für die Festigung und den künftigen Ausbau der deutsch-russischen Beziehungen votierten. Außerdem jährt sich am 17. November der Todestag von Katharina II., einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Zerbst,, zum 223. Male, es ist also an der Zeit, das Zerbster Katharina-Jahr 2019 Revue passieren zu lassen.

Aus Anlass des diesjährigen 290. Geburtstages von Katharina II. und des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Zerbst/Anhalt und Puschkin/ St. Petersburg wurde in Zerbst unter der Federführung von Bürgermeister Andreas Dittmann, des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung Sachsen-Anhalts sowie auf Initiativen des Internationalen Fördervereines „Katharina II.“ Zerbst e.V. und des Fördervereins Schloss Zerbst e.V. und bei aktiver Mitwirkung von Anhalt-Zerbster Unternehmen eine Vielzahl von deutsch-russischen Begegnungen unterschiedlichen Formats ins Leben gerufen.

Das Zerbster Katharina-Jahr startete am 09. Januar, als sich die Abreise der jungen Prinzessin von Zerbst nach Russland zum 275. Male jährte. Deshalb zeigte der Katharina-Verein in der Zerbster Filiale der Sparkasse Anhalt-Bitterfeld eine Ausstellung über die Leistungen Katharinas der Großen in Russland. Die Mitglieder des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e. V. leisteten 2019 eine intensive aufklärerische, wertvolle pädagogische Arbeit in den hiesigen Grundschulen und Kitas. Somit stand die frühzeitige Nachwuchsgewinnung im Fokus ihrer diesjährigen Tätigkeit. Kostümiert als Prinzessin oder Prinz konnten die Jüngsten auf ihren Geburtstagspartys für Katharina II. erste barocke Tanzschritte erlernen und so manches Wissenswerte aus dem Leben einer Prinzessin erfahren. Den Zerbster Drittklässlern wurden im Rahmen ihres Sachunterrichts informative Führungen durch das Zerbster Schloss geboten.

In Kooperation mit dem Staatlichen Museumsreservat „Zarskoje Selo“ in unserer Partnerstadt Puschkin eröffnete der Schlossverein am 01. Juni im Zerbster Schloss die russisch-deutsche Sonderausstellung „Auf den Spuren Katharinas“. Anwesend waren auch Vertreter von Zarskoje Selo sowie der Botschaft der Russlands in Deutschland. In Vorbereitung dieser Ausstellung arbeiteten Schloss- und Katharina-Verein eng zusammen, vor allem die Übersetzungsarbeiten betreffend. Ende Juni hatte der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann an den Feierlichkeiten anlässlich des Stadtgeburtstages von Puschkin/St. Petersburg teilgenommen. „Die Aufführung der Carmina Burana im Mariinsky Konzerthaus in St. Petersburg war dabei etwas ganz Besonderes“, erinnerte Dittmann sich.

Im September wurde in der Hof- und Stiftskirche St. Bartholomäi zu Zerbst die Fotoausstellung „Das deutsche Wolgagebiet. Eine unvollendete Fotogeschichte.“ eröffnet. Ihre Initiatoren sind der seit 1991 in und außerhalb von Russland agierende Internationale Verband der deutschen Kultur (IDVK) und die Moskauer Deutsche Zeitung, deren Herausgeberin Olga Martens zur Eröffnung in Zerbst sprach. Am Abend des 21. Septembers lud der Förderverein Schloss Zerbst e.V. zur 13. Schlossserenade unter dem Motto „Petersburger Serenade – ein Konzert für Katharina“ ein. Höhepunkte des Abends stellten zweifelsohne die Uraufführungen der Arie der Zerbster Prinzessin Sophie und der Ballmusik aus der Oper „Katharina- eine deutsche Zarin“ dar, an deren Vollendung zurzeit noch der Berliner Komponist Stefan Vinzberg arbeitet.

Stefan Vinzberg zur Zerbster Schlossserenade

Zum Großen Katharina-Ball luden am 29. Oktober die Stadt Zerbst und der IDVK erstmals nach Zerbst ein. Ein Ehrengast des Balls war Wladimir W. Omelnitzky, Chef der Verwaltung des Puschkiner Bezirks von St. Petersburg. Anlässlich unserer 25-jährigen Städtepartnerschaft überbrachte er die Grüße aus unserer Partnerstadt Puschkin und verwies auf den langjährigen Schüleraustausch zwischen dem Zerbster Gymnasium Francisceum und dem Gymnasium Nr. 406 in Puschkin: „Dieser Austausch bringt unsere Menschen näher und die Kinder sind unsere besten Diplomaten.“

Volksdiplomatie oder ziviler Ungehorsam – was ist das 2. Deutsch-Russische Katharina-Forum?“ – diese Frage stellte am Tag nach dem Katharina-Ball Bürgermeister Andreas Dittmann den Forumsteilnehmern. Etwa 160 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft Russlands und Deutschlands tauschten sich zwei Tage lang in Zerbst/Anhalt aus, um trotz bestehender Unstimmigkeiten zwischen der Europäischen Union und Russland bestehende Kooperationen zu intensivieren, neue zu starten.

Nicht nur die Zerbster luden in ihrem Katharina-Jahr in ihre Stadt ein, auch von außerhalb wurde Zerbst für würdig befunden, Austragungsort für verschiedene Veranstaltungen zu sein. So fand Anfang Juni die Eröffnung des Internationalen Diplomatenforums „Russland und Deutschland: Ein historisch-diplomatisches Erbe beider Länder“ im Schloss zu Zerbst/Anhalt, statt. Ende August konnte in Zerbst der Katharina-Verein 40 Mitglieder der „Gesellschaft zur Erforschung der russischen Villa“ mit Sitz in Moskau begrüßen. Die dort tätigen russischen Historiker, Kunsthistoriker, Museumsdirektoren, Archivare usw. hatten sich ganz bewusst für eine Reise nach Anhalt entschieden.

russische Historiker am Zerbster Denkmal für Katharina II.

Zahlreiche Zerbster und auch auswärtige Gäste konnten an den erwähnten Veranstaltungen teilnehmen. Welche Eindrücke haben sie aus Zerbst mitgenommen? Woran denken sie gern zurück?

russianhalthistory fragte nach:

Die vielen Katharina-Projekte in diesem Jahr in Zerbst hatten neben den Jubiläumsdaten Katharinas auch lokale Gründe- so die 25-jährige Städtepartnerschaft mit Puschkin/St.Petersburg. Für die Stadt selbst ist das 2. Katharina-Forum von herausragender Bedeutung, denn alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass unsere Stadt aufgrund ihrer historischen Beziehungen über Katharina zu Russland ein prädestinierter Brückenschlag ist, gerade in diplomatisch schwierigen Zeiten“, blickt Bürgermeister Andreas Dittmann zurück. „Die vielen guten Gespräche und die tolle Resonanz zum Katharina-Forum haben Mut gemacht, diesen Weg weiter zu gehen. Was wir hier bewegen können, geht weit über das hinaus, was man gemeinhin einer kleinen Stadt wie unserer zutraut. Für mich ist das praktische Arbeit zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Ich habe vor allem spüren können, dass es den Menschen egal ist, wie man offiziell in der EU oder in der NATO die Beziehungen zu Russland bewertet. Vor allem habe ich den Wunsch und den Willen für mehr Verständigung gespürt und das ist gut so“, resümiert er weiter. Des Weiteren stellten seine Reise nach Puschkin, die Ausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ im gerade sanierten Corps de Logis des Schlosses sowie der Besuch seines Puschkiner Amtskollegen Wladimir Omelnitzky in Zerbst für ihn persönliche Höhepunkte des Zerbster Katharina-Jahres dar.

W. Omelnitzky (3.v.l.) zur Balleröffnung in Zerbst

Jana Reifarth vom Vorstand des Schlossvereins resümiert wie folgt: „Neben Katharina-Forum mit Ball und deutsch-russischer Sonderausstellung erinnere ich mich nachhaltig an eine Fortbildung für Russischlehrer/innen aus Sachsen-Anhalt, die ich im Juni mitgestaltete. Im September besuchten Russischklassen aus Calbe, Tangermünde und Genthin unsere zweisprachige Sonderausstellung im Schloss. Ausstellungsbegleitend hatte ich ein Quiz für sie vorbereitet, das Annegret Mainzer ins Russische übersetzte. So konnten die Klassen ihre Fremdsprachenkenntnisse praxisorientiert anwenden“.

Am Katharina-Ball und ~-Forum nahmen auch Mitglieder des Kieler Zarenvereins, der mit dem Katharina-Verein freundschaftlich zusammenarbeitet, teil. Darüber schreibt der Kieler Martin Schulz: „Geboten wurden zahlreiche Vorträge und Diskussionen mit regem Gedankenaustausch zwischen hochkarätigen Gästen. Gesellschaftlicher Höhepunkt war der Katharina-Ball, der beredtes Zeugnis von der Gastfreundschaft der Zerbster ablegte“. Zu den Baufortschritten im Zerbster Schloss meint Martin Schult: „Nicht zu Unrecht stand auch das Zerbster Schloss im Mittelpunkt, durch kluge vorläufige Renovierungsmaßnahmen als solches wieder erlebbar gemacht und die Ausstellungen zur Historie von hohem Informationswert. Gleiches gilt für die Hof- und Stiftskirche St. Bartholomäi mit der beeindruckenden Fotoausstellung über die Geschichte der Wolgadeutschen“.

Stefan Vinzberg, Komponist der bereits erwähnten Katharina-Oper und Teilnehmer sowohl am 1. wie auch am 2. Katharina-Forum, hat durch die deutsch-russischen Begegnungen in Zerbst Partner für sein musikalisches Katharina-Projekt gefunden. Gemeinsam mit der in Kaliningrad und Moskau arbeitenden russischen Designerin Inessa Koroleva wird Vinzberg ein Projekt erarbeiten, das uns den inneren Weg der Zerbster Prinzessin von Zerbst nach Moskau auf den Thron Russlands nachvollziehen lässt und es auf dem nächsten Forum präsentieren.

In den sozialen Netzwerken waren noch mehr derartige positive Äußerungen über die Katharina-Aktivitäten in Zerbst zu lesen. „Wir haben bald das Jahr 2019 hinter uns gebracht, jedoch keine Zeit zum Ausruhen, denn 2020 stehen wieder Jubiläen, die uns fordern, auf der Agenda, zum Beispiel, 275 Jahre Heirat von Katharina II. und Peter III., 25 Jahre Sammlung Katharina II. und 10 Jahre Katharina-Denkmal in Zerbst, 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Jever und vielleicht ein 3. Katharina-Forum?“, blicken Tatyana Nindel und Annegret Mainzer vom Vorstand des Katharina-Vereins voraus.

Zerbst, den 15.11.2019

2019 – das Jahr für Katharina die Große in Zerbst/Anhalt

2019 – das Jahr für Katharina die Große in Zerbst/Anhalt

Annegret Mainzer, Zerbst

Denkmal für Katharina II. in Zerbst

Das Jahr 2019 ist im ostdeutschen Zerbst/Anhalt durch zwei Jubiläen geprägt: Zum einen durch den 290. Geburtstag von Zarin Katharina der Großen, einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Zerbst und zum anderen durch die 25-jährige Partnerschaft der Städte Zerbst/Anhalt und Puschkin/St. Petersburg (ehemals Zarskoje Selo). Deshalb wurden bereits und werden noch verschiedene Events in Zerbst/Anhalt organisiert, die thematisch mit dem Leben und Wirken von Katharina der Großen und den deutsch-russischen Beziehungen im engen Zusammenhang stehen.

Die Mitglieder des 1992 gegründeten Internationalen Fördervereins „Katharina II:“ Zerbst e. V. starteten im Januar diesen Jahres mit einer Ausstellung zum Leben und den Verdiensten Katharinas der Großen. Anlass war die 275. Wiederkehr ihrer Abfahrt von Zerbst nach Russland, wo sie 1745 den russischen Thronfolger, den späteren Zaren Peter III., heiratete und sich 1762 zur Zarin ausrufen ließ.

Den 290. Geburtstag von Katharina der Großen begingen die Mitglieder des Katharinavereins gemeinsam mit Zerbster Drittklässlern, indem sie die Ausstellungen im Zerbster Schloss besuchten und dabei nicht nur in die Zerbster, auch in die russische und teilweise europäische Historie eintauchten.

Katharina-Denkmal und Schloss in Zerbst

Bereits Mitte April fand im Rahmen der diesjährigen Internationalen Fasch-Festtage in Zerbst/Anhalt eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema „Musik in Anhalt-Zerbst“ statt. Dort war ein Beitrag von Annegret Mainzer, der stellvertretenden Vorsitzenden des Katharinavereins, zu hören, in dem es um aus Anhalt stammende Musiker, Sänger und Komponisten ging, die im 18./19. Jahrhundert im Russischen Reich Karriere machten.

Am 01. Juni wurde im Zerbster Schloss die russisch-deutsche Sonderausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ festlich eröffnet. Sie entstand in enger Kooperation des seit dem Jahr 2003 in Zerbst agierenden Fördervereins „Schloss Zerbst“ mit dem Staatlichen Museumsreservat „Zarskoje Selo“ in Puschkin. Zur Ausstellungseröffnung kamen gut 120 Gäste, unter anderem auch Vertreter der Russischen Botschaft in der BRD und des Staatlichen Museumsreservats „Zarskoje Selo“.

Zwei Tage später startete im Zerbster Schloss das Internationale diplomatische Forum „Russland und Deutschland: Ein historisch-diplomatisches Erbe beider Länder“. Einer der eingeladenen Redner war Wladimir M. Grinin, ehemaliger Botschafter der Russischen Förderation in der BRD, der bereits im Jahr 2012 zur Eröffnung der touristischen Route „Katharina die Große“ und 2017 anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Ansichten Liechtensteins“ mit Werken des russischen Künstlers Alex Doll in Zerbst/Anhalt weilte.

Wladimir Grinin

Außerdem wies der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann in seiner Begrüßung darauf hin, dass es im Jahr 2014 Wladimir Grinin war, seinerzeit amtierender Botschafter Russlands in Deutschland, der den Wiederaufbau des am 16. April 1945 zerstörten Zerbster Schlosses unter seine Schirmherrschaft stellte.

Am 29. Juni diesen Jahres begeht die Stadt Puschkin/ St. Petersburg ihren Stadtgeburtstag, an deren Feierlichkeiten auch der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann teilnehmen und die Glückwünsche der Zerbster Bürgerschaft überbringen wird.

Bürgermeister Andres Dittmann 2017 in Puschkin

Noch bis zum 18. Juli diesen Jahres ist im Zerbster Rathaus die Ausstellung „Der Deutsche Karl Bulla – der erste russische Fotoreporter“ zu sehen. Gezeigt werden mehr als 80 einzigartige Fotografien aus dem einstigen St. Petersburger Atelier von Karl Bulla (1858-1919), der nicht nur bekannte Künstler und Staatsmänner fotografierte und der Hoffotograf der Zarenfamilie war, sondern auch als Begründer der russischen Fotoreportage gilt.

Am 29. September laden die Stadt Zerbst/Anhalt, der Internationale Verband der deutschen Kultur mit Sitz in Moskau und der Internationale Förderverein „Katharina II:“ Zerbst e. V. in die Zerbster Stadthalle zum Großen Katharinaball, der erstmals in Zerbst, der Heimatstadt Katharinas der Großen, stattfinden wird, ein. Bisher wurde der Große Katharinaball im Großen Palast von Zarizyno bei Moskau veranstaltet Auf dem Großen Katharinaball in Zerbst wird der Auftritt der Elevinnen und Eleven der Kaiserlichen Schule des russischen Balletts aus der Partnerstadt Puschkin erwartet.

Zerbster Delegation auf dem Katharinaball 2016 in Zarizyno

Das 2. Katharina-Forum, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog, initiiert vom Bundesland Sachsen-Anhalt und der Stadt Zerbst/Anhalt, findet in Zerbst/Anhalt am 30. September/ 01. Oktober 2019 statt. Das Kathaina-Forum bietet Vertretern deutscher und russischer Unternehmen und Organisationen sowie Startups eine Plattform für die direkte Kontaktaufnahme.

S. Netschajew, Botschafter Russlands in BRD auf 1. Katharina-Forum

Biotechnologie, Maschinenbau, chemische und Lebensmittelindustrie, Energetik sowie Digitalisierung in Bildung und Wissenschaft bilden die wesentlichen Themen des Katharina-Forums im Jahr 2019.

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/06/03/prof-g-verheugen-nennen-sie-es-das-signal-von-zerbst/

Neben den im vorliegenden Beitrag aufgeführten deutsch-russischen Events soll die seit dem Jahr 2011 existierende Schulpartnerschaft zwischen dem Zerbster Gymnasium Francisceum und dem Gymnasium Nr. 406 in Puschkin nicht unerwähnt bleiben. Jeden Herbst organisieren die Pädagogen beider Gymnasien einen Schüleraustausch, der sich zunehmend großer Beliebtheit erfreut. Somit erhalten nachfolgende Generationen die Chance, die freundschaftlichen Beziehungen ihrer Heimatstädte Zerbst und Puschkin fortzusetzen und zu vertiefen.

Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt

Weiterführende Informationen unter folgenden Links:

https://www.stadt-zerbst.de/de/de.html

https://katharina-forum-zerbst.com/

http://www.ifv-katharinaii.de/

https://www.schloss-zerbst-ev.de/

Zerbst, 26. Juni 2019

 

IVDK-Sprachcamp in Zerbst/Anhalt: Staunen im Francisceum und Historischer Bibliothek, gemeinsames Volleyball und Lob für Schloss

IVDK-Sprachcamp in Zerbst/Anhalt: Staunen im Francisceum und Historischer Bibliothek, gemeinsames Volleyball und Lob für Schloss

Annegret Mainzer, Zerbst

Am Donnerstag, am 23. August, stand ein Tag in Zerbst/Anhalt auf dem Programm des zurzeit in Anhalt-Zerbst stattfindenden Sprachcamps des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur in Russland (IVDK). Wieder in Begleitung von Schloss- und Katharinavereinsmitglied Annegret Mainzer.

Ein erster Programmpunkt führte die 40 Campteilnehmer und die sie begleitenden Pädagogen am Donnerstagvormittag ins Zerbster Gymnasium Francisceum, wo sie von der stellvertretenden Schulleiterin Kerstin Görner aufs Herzlichste begrüßt wurden. Und zwar in der Aula, deren historisches Ambiente einige der jugendlichen Gäste sogar mit Hogwarts verglichen.

Begrüßung im Zerbster Francisceum

Nach der Begrüßung gab es einen Rundgang durch und um das Gebäude des Francisceums, wobei das klösterliche Ambiente sowohl drinnen wie auch draußen, vor allem auf dem Südhof mit seinem eigenen kleinen Weinberg die Gäste aus Russland sehr beeindruckte.

Vor der Sternwarte des Francisceums

Auch die Historische Bibliothek am Zerbster Francisceum mit ihren über 48 000 Bänden, darunter Handschriften, Drucke, Wiegendrucke (Inkunabeln), Leichenpredigten, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, und ihrer Gemmensammlung überraschte die Campteilnehmer. Diplom-Bibliothekarin Iruta Völlger führte fachkundig und zeigte den Gästen besonders wertvolle und interessante Bücher, verwies auf deren kunstvolle und handkolorierte Kupferstiche. Sehr aufmerksam verfolgten die Campteilnehmer ihre Ausführungen und stellten interessierte Fragen.

in Historischer Bibliothek
in Historischer Bibliothek

In der Mittagspause dauerte es auf dem Südhof des Francisceums keine fünf Minuten und die Zerbster Francisceer wie auch ihre Altersgenossen aus Russland fanden sich zu einem Volleyballspiel zusammen. Sprachbarrieren gab es keine, Sport bringt Menschen problemlos zusammen und alle hatten sichtlich Spaß dabei.

gemeinsames Volleyballspiel
gemeinsames Volleyballspiel

Im Anschluss an die sportliche Mittagspause ging es zum Zerbster Schloss. Da die Sprachcampteilnehmer zumeist aus Familien mit russlanddeutscher Historie stammen, bildete der Besuch des Schlosses Zerbst zweifelsfrei einen Höhepunkt ihres Aufenthaltes in Anhalt-Zerbst.

Unter anderem zeigte ihnen Schlossvereinsmitglied Annegret Mainzer die Ausstellungsräume im Erdgeschoss sowie das Appartement der Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst, der Mutter von Zarin Katharina der Großen, mit deren Einwanderungsmanifest von 1762 die Geschichte der Deutschen aus Russland ihren Anfang nahm. Sich teilweise schriftliche Notizen machend, folgten die Jugendlichen Mainzers Ausführungen, stellten interessierte Fragen.

im Schloss Zerbst

Und nach gut einstündiger Schlossführung waren sie voll des Lobes für die Aktivitäten des Fördervereins Schloss Zerbst e.V. und seine Mitglieder. Sicher werden die Gäste aus Russland, wenn sie in ihre Heimatorte zurückkehren, ihren Familien und Freunden noch lange davon berichten.

Zerbst, den 25. August 2018

Prof.G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst! (2)

Prof.G. Verheugen: Nennen Sie es das Signal von Zerbst! (2)

1. Katharina-Forum 2018, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog in Zerbst/Anhalt (Teil 2- Die Teilnehmer und die Stadt Zerbst/Anhalt )

Annegret Mainzer, Zerbst

In erster Linie richtete sich das I. Katharina-Forum, ein deutsch-russischer Wirtschaftsdialog, der am 31. Mai und 01. Juni d. J. unter der Schirmherrschaft von Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, in Zerbst/Anhalt, der Heimatstadt Katharinas der Großen, stattfand, an Vertreter der Wirtschaft Deutschlands und Russlands. Aber auch Vertreter der Politik, Wissenschaft und Kultur aus beiden Ländern waren als Gesprächspartner willkommen und gefragt, denn alle sollten vom I. Katharina-Forum partizipieren.

Gut 170 Interessierte nahmen an den Präsentations- und Gesprächsangeboten des I. Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt teil, brachten ihre Erfahrungen auf dem deutsch-russischen Markt in die Diskussionen während der thematischen Panels und Speeddatings ein, stellten ihre Aktivitäten zur Belebung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen vor, gaben Erfahrungen weiter.

Über die Plenarvorträge des russischen Botschafters Sergej Netschajew und des langjährigen Deutschland- und EU-Politikers Professor Günter Verheugen wurde bereits berichtet, deshalb stehen im folgenden Beitrag die Diskussionen der Teilnehmer im Vordergrund.

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/06/03/prof-g-verheugen-nennen-sie-es-das-signal-von-zerbst/

Michail Voevoda, stellvertretender Vorsitzender der sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, stellte zunächst die Region Novosibirsk vor, wo es vielschichtige Beziehungen zu den Deutschen und der deutschen Kultur gibt, wovon das dortige deutsche Konsulat, das Russisch-deutsche Haus, das Goethe-Institut, die Aktivitäten des DAAD und der Organisation Wiedergeburt zeugen. An den dortigen Hochschulen werde Deutsch gelehrt, so Voevoda.

Michail Voevoda, Novosibirsk

Er machte auch darauf aufmerksam, dass Novosibirsk durchaus attraktiv für deutsche Investoren sei, da bisher Transport und Logistik so weit entwickelt wurden, dass Zugang fast zu allen Regionen Sibiriens möglich sei. Zum anderen verwies Voevoda darauf, dass die von ihm vorgestellte Region ein Zentrum der wissenschaftlichen Lehre und Innovation mit thematisch unterschiedlichen wissenschaftlich-technischen Parks u.a. auf den Gebieten der Biopharmazie, der Medizintechnik oder auch des Tourismus darstelle.

Oliver Köhn von der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH sprach über die Rahmenbedingungen, die das gastgebende Bundesland Sachsen-Anhalt als Wirtschaftsstandort im Herzen Europas bietet. Vorteile in Sachsen-Anhalt für interessierte Investoren seien u.a., so Köhn, kurze effiziente Transportwege, eine hohe Anzahl von Industrieparks, schnelle Genehmigungsverfahren, ein „Blumenstrauß“ an Fördermitteln. Köhn kam auch auf den Anteil internationaler Studierender an den Universitäten und Hochschulen Sachsen-Anhalts zu sprechen, der bei 13 % liegt. Studierende aus Russland seien jederzeit willkommen.

Dass potenzielle Studienbewerber aus der Russischen Förderation willkommen und gewünscht seien, bestätigte Dr.-Ing. Sven Schwerdt von der Hochschule Magdeburg-Stendal im Gespräch mit Evgenia Voronina, stellv. Leiterin der Stadtverwaltung des Puschkiner Bezirks St. Peterburgs. Im Rahmen der fast 25-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Zerbst/Anhalt und Puschkin/St. Petersburg besteht eine sehr lebendige Schulpartnershaft zwischen dem Gymnasium Nr. 406 in Puschkin und dem Gymnasium Francisceum in Zerbst. Schwerdt und Voronina trafen erste konkrete Absprachen, den alljährlichen Schüleraustausch nutzen, um in beiden Gymnasien die Studienmöglichkeiten an der Hochschule Magdeburg-Stendal vorzustellen.

v.l.n.r.: Olga Martens (Moskau); Annegret Mainzer (Katharinaverein, Zerbst), Evgenia Voronina (Stadtverwaltung Puschkin)

Des Weiteren tauschten sich die Teilnehmer des I. Katharina-Forums zu aktuellen Problemen der Energiewirtschaft aus. Hierbei waren auch lokale Unternehmen sehr aktiv, so z.B. der Erdgasspeicher Peissen GmbH, der im letzten Jahr den Untergrundgasspeicher Katharina festlich eröffnet hatte. Chris Doehring von der GETEC green energy AG lud interessierte Forumsteilnehmer zu einer Exkursion auf sein Firmengelände, d.h. des einstigen sowjetischen Flughafen bei Zerbst ein. Dort informierte er die Gäste nicht nur über Zahlen, die die Energieproduktion betreffen, sondern zeigte auch auf, dass das vorhandene Firmengelände in sehr vielfältiger Weise auch für soziale und Naturschutzprojekte in der Zerbster Region genutzt wird, so dass der Solar- und Windanlagenpark auch bei der Bevölkerung Akzeptanz findet.

Ein Panel des I. Katharina-Forums stand unter dem Motto Kultur trifft Wirtschaft. Olga Martens, Herausgeberin der Moskauer Deutschen Zeitung und stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der deutschen Kultur in Russland, stellte ihr soziales Projekt, den Großen Katharinaball, der seit 2015 jährlich in Zarizyno bei Moskau durchgeführt wird, vor. Sie legte deutlich klar, wie nur bei diesem einen Projekt kulturelle und wirtschaftliche Interessen den gemeinsamen Nenner finden können. Im weiteren Verlauf des I. Katharina-Forums fand sich auch eine Firma aus der hiesigen Region, die voraussichtlich mit dem Großem Katharinaball zusammenarbeiten wird.

Olga Martens berichtet vom Potenzial des Großen Katharinaballes

Uwe Leuschner, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsclubs Russland e.V. und selbst langjähriger Unternehmer in Russland, der sich laut eigener Aussage stets als Dolmetscher zwischen zwei Welten verstehe, gab den Forumsteilnehmern bezüglich der Zusammenarbeit mit Russland Folgendes mit auf den Weg, bereit zu sein, Vertrauen aufzubauen, den Dialog miteinander nicht zu scheuen, was auch bedeute, die Sprache des anderen zu erlernen, einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen und Verantwortung zu zeigen, d.h. zu handeln. Denn die russische Wirtschaft habe gute Voraussetzungen für den deutschen Mittelstand, so Leuschner. In seiner abschließenden Vision meinte er mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht belächeln wir ja beim X. Katharina-Forum unsere heutigen Konflikte“, und er setzte dabei seine Hoffnung auf die kommende Generation.

Uwe Leuschner

Uwe Leuschner:

Es gibt nur noch unsere eine Welt, kein Ost und West.“

Die Vision eines X. Katharina-Forums kann durchaus Realität werden, denn erstens sprach sich der Schirmherr Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff für eine Fortsetzung dieses Formats aus und auch Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung signalisierte Unterstützung aus seinem Ministerium und zweitens befürworteten auch die Forumsteilnehmer im abschließenden Roadmap die Fortsetzung des Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt.

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff im Schloss Zerbst

Wie sieht nun der Ideengeber eines solchen deutsch-russischen Wirtschaftsforums in Zerbst/Anhalt, Bürgermeister Andreas Dittmann den Nutzen für seine Stadt?

Im Idealfall wird Zerbst nicht nur Synonym für die Deutsch-Russische Verständigung, sondern die Konferenzteilnehmer sehen, dass wir Unternehmen vor Ort nach Kräften unterstützen und dass es sich lohnt, sich in unserer Region anzusiedeln und sich zu engagieren. Aber auch für regionale Unternehmen kann es ein guter Marktplatz werden, um Kontakte zu knüpfen und Aufträge zu generieren. Damit würde das Katharina-Forum in der Wirkung bei vielen Menschen ankommen.“

Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann begrüßt die Gäste des Forums im Zerbster Schloss.

Anmerkung der Redaktion: zerbstergazette war es nicht möglich, an allen Sektionen des Katharina-Forums teilzunehmen, da sie zum Teil parallel liefen. Deshalb an dieser Stelle eine fokussierte Berichterstattung.

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/06/06/signal-von-zerbst/

Zerbst, den 06.06.2018

Zerbst/Anhalt: Hoheiten von einst und heute treffen sich

Zerbst/Anhalt: Hoheiten von einst und heute treffen sich

Annegret Mainzer, Zerbst

Nicht nur aus Zerbst und der Region Anhalt, auch aus Dessau, Dresden, Hamburg, Lutherstadt-Wittenberg, Braunschweig, Timmenrode/Harz und Berlin kamen sie am Nachmittag des 11. März in die Zerbster Stadthalle – die ehemaligen und noch aktiven Darstellerinnen der Zerbster Prinzessin Sophie Friederike Auguste, der Großfürstin Katharina Alexejewna, der russischen Zarin Katharina II.und der Hofdamen, die den Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. in den vergangenen 25 Jahren bei seinen Auftritten regional, überregional und international begleitet hatten.

Manche der einstigen Hoheiten brachte nebst Partner sogar ihren Nachwuchs mit. Viel Freude bereitete den angereisten jungen Frauen das Anziehen der barocken Kleider, auch wenn ihr letzter Auftritt vielleicht schon 10 Jahre oder länger zurücklag. Auch die Frage Passe ich noch in mein Kleid? war sicher spannend.

Karrieren“ im Katharinaverein

Einige der jungen Frauen unterstützten den Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. mehrere Jahre, wenige gar mehr als ein Jahrzehnt, so zum Beispiel Ina Lemke und Desirée Mainzer.

Ina Lemke zur Eröffnung der Sammlung Katharina II.

Während Ina Lemke die Eröffnung der Zerbster Sammlung Katharina II. im Jahr 1995 als Großfürstin Katharina Alexejewna erlebte, war die damals 6-jährige Desirée Mainzer eine der kleinen und jüngsten Blumen streuenden Hofdamen im Hochzeitszug. Aus der jüngsten Hofdame Desirée wurde in den Jahren 2006/2007 die Zarin, die sogar vor der Kamera für den mdr im Zerbster Schloss posierte.

Desirée Mainzer führt 1995 den Hochzeitszug an

Nach dem Genuss von Kaffee und Kuchen begrüßte Tatyana Nindel, Vorsitzende des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V., offiziell die zahlreich erschienenen Gäste und sprach allen, die bisher im Verein und im Besonderen an der Vorbereitung und Durchführung dieses Nachmittags mitgewirkt haben, ihren Dank aus.

2006: Desireée Mainzer als Zarin bei Museumsnacht

Katharina-Einsätze regional, überregional und international

Den Rückblick auf 25 Jahre Internationaler Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. hielt Vorstandsmitglied Johanna Lüdecke, die seit März 1993 Vereinsmitglied ist und so manche Darstellerin aufwachsen sah.

Anhand einer Powerpoint-Präsentation gab sie einen sehr eindrucksvollen und informativen Überblick darüber, wo und wann die Mädchen und jungen Frauen den Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. repräsentiert haben. Neben fast obligatorischen Einsätzen auf den Sachsen-Anhalt-Tagen, Fläming-Frühlingfesten, bei Luthers Hochzeit, auf der ITB oder auf Zerbster Stadtfesten und zu diversen Ausstellungseröffnungen u.a. im Landtag in Magdeburg oder im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin gab es auch des Öfteren Einsätze auf internationaler Ebene: 1997 nahm Katharina Beckmann als Zarin Katharina II. im Auftrag der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt auf der Hardthöhe an der 38. Jahresabschlussunterrichtung der in Bonn notifizierten ausländischen Militärattachés teil und wurde vom damaligen Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Rainer Höppner sowie von Volker Rühe, seinerzeit Verteidigungsminister der BRD, begrüßt und die anwesenden russischen Militärattachés hießen sie mit den Worten „Nascha Katinka“ willkommen.

           

Auch auf einem Wirtschaftsempfang in Wien im Jahr 1998 gab es einen Einsatz der „Zarin“ Katharina Beckmann aus Zerbst gemeinsam mit Luther und Guericke.. Zu den Aktiven in all den Jahren zählen auch Jeanette Markmann und Karin Rettig, die ihre Auftritte wohl nicht mehr zählen können.

                                                

Im Jahr 2016 besuchte die im Jahr zuvor gewählte „Zerbster Prinzessin“ Esther Sophie Enke den Großen Katharinaball in Zarizyno bei Moskau.

Die hier vorliegende Aufzählung von Einsätzen der jungen Frauen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das würde den Rahmen der Berichterstattung sprengen.

Ehrung für Initiator

Zurück zum Hoheitentreff am 11. März in der Zerbster Stadthalle: Im Laufe des Nachmittags erfolgte eine würdige öffentliche Ehrung von Wladimir Teslenko, Initiator, Gründungs- und Ehrenmitglied des Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. durch den Vorstand.

Katharina-Darstellerin von 1949 anwesend

Doch Ehrengast war unbestritten Renate Frebel. Sie hatte als 18-Jährige im Jahr 1949 am Festumzug anlässlich der 1000-Jahrfeier der Stadt Zerbst teilgenommen und saß damals als Zarin Katharina II. in der Kutsche. Die heute fast 88-jährige Renate Frebel hatte sichtlich viel Spaß beim Zusammentreffen mit ihren jüngeren „Kolleginnen“ und ließ es sich nicht nehmen, an diesem Sonntag ebenfalls ein barockes Kleid zu tragen.

Unter den Gästen war auch die von Heike Richert geleitete Theatertruppe des Zerbster Gymnasiums Francisceum, deren Mitglieder bereits des Öfteren Veranstaltungen und Auftritte des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. unterstützen, indem sie nicht nur in barocke Kostüme, auch in historische Rollen schlüpften.

Zerbster Prinzessinnenfest am 26. Mai 2018

Im Anschluss an die eineinhalbstündige Rückschau machten die Gäste reichlich von der Möglichkeit Gebrauch, sich in das Gästebuch des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. einzutragen.

Anzumerken sei noch, dass die Vereinsvorsitzende Tatyana Nindel alle großen und kleinen Interessierten zum Zerbster Prinzessinnenfest am 26. Mai 2018 in den Zerbster Schlossgarten einlud.

Stets Nachwuchs beim Katharinaverein gesucht

Gesucht werden im Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. stets Mädchen und Jungen ab 7 Jahre, die Spaß daran haben, in ein historisches Kostüm zu schlüpfen und als Zerbster Hoheit uns bei unseren Auftritten zu untertsützen. Denn dadurch, dass uns aufgrund des Studiums oder einer Ausbildung immer wieder junge Mitstreiterinnen verlassen, sind wir stets an Nachwuchs interessiert.

Bei Interesse bitte melden. Tel 03923/   754-250 oder E-Mail: info@ifv-katharinaII.de

Zerbst, den 12. März 2018

Fotos: Internationaler Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V., Annegret Mainzer, Johanna Lüdecke, Lydia Kulot

 

23. Mai 2017: Zerbster Katharinaverein in Bayreuth und Peißen gefragt

23. Mai 2017: Zerbster Katharinaverein in Bayreuth und Peißen gefragt

Annegret Mainzer, Zerbst

  1. In Bayreuth

Das Vorstandsmitglied des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. und Mitglied des Fördervereins Schloss Zerbst e.V. Annegret Mainzer, nahm am 23. Mai d.J. am II. Kultur- und Geschäftsforum „Made by Deutschen aus Russland. Partnerschaft.Verantwortung. Erfolg“ in Bayreuth teil.

Organisiert wurde das Forum vom Internationalen Verband der deutschen Kultur (IDVK), dem Unternehmen „MaWiGroup“, dem Jugend-und Studentenring der Deutschen aus Russland, dem Unternehmerverband der Deutschen aus Russland, der Moskauer Deutschen Zeitung und dem Informationsportal RusDeutsch. Weitere Unternehmen, Organisationen und Institutionen unterstützten die Durchführung des Forum, so auch der 1992 in Zerbst/Anhalt gegründete und ehrenamtlich wirkende Internationale Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V.. Sein Mitglied Jurij Korolkov aus Moskau stellte für die Forumsteilnehmer Kühlschrankmagneten mit dem Bildns von Zarin Katharina II., einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Zerbst, und eine spezielle Ansichtskarte von Bayreuth zur Verfügung.

 

Grußworte an die Teilnehmer des Forums in Bayreuth richteten Hartmut Koschyk, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, sowie Igor Barinov, Vorsitzender der Förderalen Agentur für Nationalitätenfragen der Russischen Förderation. Koschyk und Barinov leiteten die zeitgleich zum Forum stattfindende 22. Sitzung der deutsch-russischen Regierungskommission.

Hartmut Koschyk
Igor Barinov

Im Fokus des II. Kultur- und Geschäftsforums „Made by Deutschen aus Russland. Partnerschaft. Verantwortung. Erfolg“ in Bayreuth standen kleinere und mittelständische Unternehmen, gegründet von Deutschen aus Russland, von Deutschen, von Russen, und tätig sowohl in Deutschland wie in Russland. „Ich bin sehr froh, dass die kleineren und mittelständischen Unternehmen auf unserem Forum eine Plattform gefunden haben“, heißt es im Grußwort von Olga Martens, stellvertretende Vorsitzende des IDVK und Herausgeberin des Moskauer Deutschen Zeitung in Personalunion.

Olga Martens

Mit großem Interesse verfolgten die Forumsteilnehmer den Ausführungen von Dr. habil.oec. Ruslan Grinberg, dem wissenschaftlichen Leiter des Wirtschaftsinstituts an der Russischen Akademie der Wissenschaften, über die neuen Entwicklungsimpulse in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen für Klein-und mittelständische Unternehmen. Grinberg sprach von einer derzeitigen totalen Unsicherheit und äußerte sich vorsichtig skeptisch zu einer Überwindung der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland. Vielmehr sprach sich der Wirtschaftswissenschaftler Grinberg für eine Vereinigung des wissenschaftlichen Potenzials Russlands mit dem technischen Know-how Europas aus, sozusagen als Gegenpol zu den Wirtschaftsmächten USA und China. Provozierend stellte er die Frage, ob wir in Europa zu lebensfremd geworden seien. Grinberg plädiert für public private partnership und setzt dabei hoffnungsvoll auf die Jugend.

Am Rednerpult: Ruslan Grinberg

Nach seiner Meinung bezüglich der Feststellung, die deutsche Wirtschaft habe sich mit den Sanktionen arrangiert, befragt, antwortete Grinberg, dass Sanktionen ja nicht zwangläufig schaden, in Russland, zum Beispiel, führten sie zu neuen Entwicklungen in der Landwirtschaft. Was ihm aber nicht gefalle, sei, dass die Kaufkraft der Menschen sinke. Er sprach von Sünden des westlichen Europas und Russlands, die unter anderem einer Annäherung von Deutschland und Russland im Wege stünden: Einerseits sei es der westliche Triumphalismus und der oft zitierte belehrende „Oberlehrerton“ des Westens, der Russland als Juniorpartner sieht. Andererseits bestehe die Sünde Russlands darin, sich gegenüber den jetzigen selbstständigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion immer noch wie der große Bruder verhalten zu wollen. Um das zu überwinden, so Grinberg, brauche es wahrscheinlich eine neue Generation.

Drei thematisch verschiedene Podiumsdiskussionen wurden auf dem Forum ebenfalls durchgeführt. Während sich eine Podumsdiskussion dem Thema Klein- und mittelständischen Unternehmen, Investitionsprojekten und Start-ups widmete, befasste sich eine andere mit Frauen in Führungspositionen in Russland und Deutschland.

Die Zerbsterin Annegret Mainzer nahm an der Podiumsdiskussion zum Thema „Soziales Engagement von Unternehmen“ teil. Annegret Mainzer berichtete dabei von der seit 1994 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Zerbst/Anhalt und Puschkin/ St. Petersburg, die auf den historischen Bindungen zwischen Anhalt und Russland beruhen und mit dem Namen Katharina II. eng verknüpft sind. Dabei verwies die Zerbsterin darauf, dass die Städtepartnerschaft breit geschultert ist und illustrierte das Gesagte anhand von verschiedenen Beispielen: Dabei sind zu nennen die Partnerschaft des Albert-Schweitzer-Familienwerks Sachsen-Anhalt mit dem Albert-Schweitzer-Fond in Puschkin, die Kooperation des Zerbster Schlossvereins mit dem Museumsreservat „Zarskoje Selo“, die Zusammenarbeit des Katharinavereins mit den Künstlern aus St.Petersburg und Moskau, mit dem Moskauer Staalichen Historischen Museum und der Kunstgalerie fabra ars mit Atelier in Zerbst/Anhalt und Galerie in Magdeburg.

Annegret Mainzer

Nicht zuletzt führte sie die Schulpartnerschaft zwischen dem Zerbster Gymnasium Francisceum und dem Puschkiner Gymnasium Nr.406 ins Felde. „Die Schüler, die sich durch diese Schulpartnerschaft kennen lernen, die durch den Fremdsprachenunterricht die Sprache und Kultur der anderen kennen lernen, sind vielleicht die Unternehmer und Politiker von morgen und die sind hoffentlich schlauer als wir heute und verzichten auf so etwas wie Sanktionen.“, so Annegret Mainzer. Ihre Worte fanden bei den Anwesenden Zustimmung.

2. In Peißen

Auch am 23. Mai d.J. wurde in Peißen bei Bernburg der Untergrunderdgasspeicher namens Katharina festlich in Betrieb genommen. Dazu war viel Prominenz aus Wirtschaft und Politik angereist. Das Bundesland Sachsen-Anhalt war durch seinen obersten Repräsentanten, durch den Ministerpräsdenten Dr. Reiner Haseloff vertreten. Gekommen waren ebenfalls Ulf Heitmüller, der Aufsichtsratsvorsitzende der Verbundnetz Gas AG, Alexander Iwanowitsch Medwedew, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des russischen Energiekonzerns Gazprom sowie Elena Burmistrova, die Chefin von GAZPROM Export.

Olga Tidde als Katharina II.

Natürlich war auch Zarin Katharina II. von Russland, geborene Prinzessin von Zerbst-Anhalt, eingeladen. Die einstige deutschstämmige Monarchin wurde verkörpert von Olga Tidde, Mitglied des Internationalen Fördervereins Katharina II. Zerbst e.V., begleitet wurde sie von der Vereinsvorsitzenden Tatyana Nindel und dem Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann.

In ihrem offiziellen Grußwort erinnerte Katharina II. alias Olga Tidde daran, dass sie vor mehr als 250 Jahren in ihren Instruktionen schrieb: „Geschickte Ackerbauern und Handwerker sollen belohnt werden.“ – In Peißen variierte sie ihre Aussage: „Geschickte international agierende Unternehmungen müssen belohnt werden.“

Des Weiteren erinnerte sie daran, dass vom 18.- Beginn des 20. Jahrhunderts Zentren wie Moskau und St. Petersburg Russen wie Deutsche die dortige Wirtschaft bestimmten.

Sie mahnte auch, nicht zu vergessen, dass durch dieses gemeinsame deutsch-russische Projekt des Untergrundspeichers „Katharina II.“ die Menschen sowohl in Russland wie auch in Deutschland einerseits nicht vergessen werden, dass Zarin Katharina die Große aus dem Fürstenhaus Anhalt-Zerbst stamme, und dass andererseits immer wenn Russen und Deutschen friedlich zusammenarbeiteten, es ihren Ländern und ganz Europa gut gegangen sei.

Tatyana Nindel und Olga Tidde überreichen den Druck

Als Zeichen der engen Verbundenheit mit dieser deutsch-russischen Wirtschaftskooperation in Sachsen-Anhalt überreichte Vereinsvorsitzende Tatyana Nindel den Verantwortlichen einen hochwertigen Druck des von der russischen Malerin Elena Orlova-Afinogenova gefertigten Porträts des jungen Fieke mit folgenden Worten: „Damit Sie in Gestalt dieser bewunderswerten Frau jeden Tag eine Motivation vor Augen haben.“

Auch die vom Katharinaverein erarbeiteten Roll-ups zum Leben und Werk von Katharina II. stellten während der Eröffnungszeremonie in Peißen das informative Rahmenprogramm dar.

Zerbst, den 27.05.2017

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Carl G. A. Eckers: Jüterborg- Zerbst- Wittenberg- Berlin- Mitau- Dorpat- Goldingen- Riga

Annegret Mainzer, Zerbst

Gymnasium Francisceum in Zerbst/ Anhalt

Carl Gustav Alexander Eckers, 1811 im Kloster Zinna bei Jüterbog geboren, hatte das Gymnasium in Zerbst besucht und Theologie in Wittenberg sowie Philosophie bei Hegel in Berlin studiert, bevor er 1836 nach Mitau ging, um dort als Hauslehrer zu arbeiten.

Schlosskirche mit Luther- Thesen in Wittenberg

1839 war er wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule in Goldingen. Von 1841 bis 1864 lehrte er die deutsche Sprache und Literatur am Gouvernements Gymnasium in Riga. In den Rigaischen Stadtblättern vom 09.07.1841findet Eckers als „Oberlehrer am Rigaschen Gymnasium“ Erwähnung.

Außerdem war Eckers Mitbegründer des Naturforschervereins zu Riga. Eckers hielt unter anderem Vorlesungen für das interessierte Rigaer Publikum. So wird in den Rigaischen Stadtblättern vom 24.02.1843 zu „Vorlesungen für das gebildete Publikum“ in die St. Johannis-Gildestube eingeladen. Dort hielt am 02. 03.1843 Eckers eine Vorlesung zum Thema Die Hauptmomente der Entwicklung der Dichtung von Klopstock bis Göthe. Die Rigaischen Stadtblätter vom 28.06.1844 vermelden, dass Eckers anlässlich Entlassungsfeier der Abiturienten des Rigaer Gymnasiums einen wissenschaftlichen Vortrag zum Thema Ueber das, was gegenwärtig der poetischen National-Literatur der Deutschen Noth thut.

Am 07.06.1845 vermelden die Rigaischen Stadtblätter: „Der Ober-Lehrer des hiesigen Gymnasiums Eckers ist in dem Range eines Titulair-Raths bestätigt worden.“. Eine weitere Beförderung vermeldet das Blatt am 31.07.1847: „Nach Ausdienung der gesetzlichen Jahre ist vom Titulair-Rath zum Collegien-assessor befördert: der ältere Lehrer am hiesigen Gymnasium Eckers.“.

Sein 25-jähriges Berufsleben am Rigaer Gouvernements-Gymnasium ist in den Rigaischen Stadtblättern vom 12.112.1864 erwähnt: „Am Sonntag, den 8 November, beging Herr Collgien-Rath G. Eckers Oberlehrer der deutschen Sprache und Literatur am hiesigen Gouv.-Gymnasium, das Fest seiner 25jährigen amtlichen Wirksamkeit an der genannten Anstalt. Schon am Abend vorher hatten ihm die Schüler des Gymnasiums mit einem Ständchen beim Scheine farbiger Laternen überrascht.“. Seine Entlassung zum 31. 12.1864 ist in den Rigaischen Stadtblättern vom 04.02.1865 bekannt gegeben.

Eckers muss sich neben seiner Lehrtätigkeit auch für den Tierschutz eingesetzt haben, denn den Rigaischen Stadtblättern vom 25.09.1869 ist zu entnehmen, dass er Präsident des Rigar Tierschutzvereins war: „Vom 2. bis 5. August d. J. ist zu Zürich ein internationaler Thierschutz-Congreß abgehalten worden, auf dem auch der Rigaer Thierschutz-Verein durch seinen Präsidenten, den dim. Oberlehrer des Gouv.-Gymnasiums, Hrn. Collegien-Rath Eckers vertreten war.“.

In den Rigaischen Stadtblättern vom 02.06.1843 ist die Heirat des „Oberlehrer am Rigaischen Gymnasio Karl Gustav Alexander Eckers mit Elisabeth Wilhelmine Kruhseangezeigt. Ihre 1846 in Riga geborene Tochter Olga (†1890) war mit dem aus Riga stammenden Chemiker Carl Nikolai Seuberlich (1847-1924) verheiratet.

Eckers verstarb 1889 in Riga, wie in der Libauer Zeitung vom 28.08.1889 und in der Düna-Zeitung vom 14.08.1889 sowie in den Rigaischen Stadtblättern vom 17.08.1889 angezeigt.

Verwendete Literatur:
1. Beiträge zur Geschichte der Esthländischen Ritter- und Domschule:Einladungsschrift zu der 550jährigen
Jubelfeier der Domschule zu Reval am 19. und 20. Juni1869, Reval, 1869; S. 912. Zur Geschichte des Gouvernements- Gymnasiums in Riga, Riga,1888; S. 7
3. Woldemar, C.: Zur Geschichte und Statistik der Gelehrten- und Schulanstalten des Kaiserlich Russischen
Ministeriums der Volksaufklärung, St. Petersburg, 1865; S. 136
4. Baltisches Biographisches Lexikon digital
5. Gottzmann, C.L., Hörner, P.: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburg, Berlin,
2007; S. 387
6. BBLd [letzter Zugriff 10.04.2020]

7. Erik Amburger Datenbank online [letzter Zugriff 10.04.2020]

Der Zerbster Ferdinand Adolph Gelbcke in St. Petersburg

Der Zerbster Ferdinand Adolph Gelbcke in St. Petersburg

Schüler und Absolventen des Zerbster Gymnasiums Francisceum waren stets an deutschen und ausländischen Universitäten gern gesehen, denn sie galten als sehr gut auf ein Studium vorbereitet. Dies gilt auch für unsere heutige Zeit. So finden sich in den Reihen der Zerbster Francisceer solche bekannten Namen wie Gustav Adolf Stenzel (1792- 1854), der als Geschichtsprofessor an der Universität Breslau (heute: Wrocław/ Polen) lehrte. Auch der Verleger und Theologe Carl Christian Ph. Tauchnitz (1798- 1884) legte in Zerbst sein Abitur ab. Er erwarb sich Verdienste um die Herausgabe von Wörterbüchern und freikirchlicher Schriften, gründete aber auch mehrere Stiftungen für soziale Zwecke. Ein weiterer namhafter Abiturient war Dr. Franz Karl Münnich (1841- 1910), der als Direktor das Ulrichgymnasium in Norden sowie später das Gymnasium in Schwerin leitete. Zeitweise lernte Kurt von Schleicher (1882- 1934), der letzte Reichskanzler der Weimarer Republik, am Zerbster Francisceum.
Als ein weiteres Beispiel für eine > Francisceer- Karriere< soll an dieser Stelle die des Schriftstellers, Literaturtheoretikers, Musikpädagogen, Komponisten und Übersetzers Ferdinand Adolph Gelbcke, der am 06. November 1812 in Zerbst geboren wurde, betrachtet werden.

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