Professor Bernhard Cossmann aus Dessau lehrte am Moskauer Konservatorium

Professor Bernhard Cossmann aus Dessau lehrte am Moskauer Konservatorium

Bernhard Cossmann, am 17. Mai 1822 in Dessau geboren, war ein Violoncellist und Lehrer für das Violoncellospiel. In seiner Familie wurde Hausmusik gepflegt. Seine Schwester engagierte sich für die vom Hofkapellmeister Friedrich Schneider (1786- 1853) gegründete Singakademie in Dessau.

 Denkmal für Friedrich Schneider in Dessau
Denkmal für Friedrich Schneider in Dessau

Bernhard Cossmann erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei dem in jener Zeit namhaften Cellisten Karl Drechsler (1800- 1873) in Dessau. Zu den Schülern Drechslers gehörte auch der 1848 in Quedlinburg geborene Cellist und Komponist Carl Schroeder (1935). Schroeder war ab 1866 Solocellist in St. Petersburg.

Später vervollkommnete Bernhard Cossmann seine Ausbildung in Braunschweig und beim Cellisten Friedrich August Kummer dem Jüngeren (1797- 1879), in Dresden.

 

Semperoper in Dresden
Semperoper in Dresden

Berufliche Erfahrungen sammelte Cossmann u.a. an der Grande Opéra in Paris, in London sowie im Gewandhausorchester Leipzig, wo er auch von 1847/48 am Konservatorium lehrte. Weitere Konzertreisen führten ihn nach England und erneut nach Paris. Franz Liszt holte im Jahr 1850 Bernd Cossmann als Großherzoglichen Kammervirtuosen in die Hofkapelle nach Weimar.

Cossmann ging im Jahr 1866 auf Einladung von Nikolaj Grigorevič Rubinstein nach Moskau, um dort am neu eröffneten Konservatorium als erster Professor die Violoncello – Klasse zu unterrichten.

Cossmann wurde die Ehre zuteil, an der Eröffnungszeremonie des Moskauer Konservatoriums teilnehmen zu dürfen. In diesem Zusammenhang wird in den Annalen des Konservatoriums an den gemeinsamen Auftritt von Cossmann und Rubinstein erinnert, die zu diesem Anlass die Sonate A- Dur für Klavier und Violoncello von Ludwig van Beethoven intonierten. Am Konservatorium gehörte Cossmann zu den aktivsten Mitgliedern eines aus Musikpädagogen bestehenden Quartetts. Viele seiner Bewunderer faszinierte er durch seine Art des so genannten instrumentalen Gesangs.

Cossmann war ebenfalls Mitglied des Professorenrats des Konservatoriums. Zu seinen Schülern zählte u.a. der russische Violoncellist und Musikpädagoge Anatol A. Brandukov (1856- 1930). Vier Jahre unterrichtete Bernhard Cossmann am Konservatorium in Moskau.

In dem Musikalisches Wochenblatt Organ für Tonkünstler und Musikfreunde, erschienen in Leipzig am 01.12.1871 wurde über seinen Abschied von Moskau wie folgt berichtet: “ …. beim Abschied überreichten sie ihm einen prachtvollen silbervergoldeten Pokal und ein Diplom, in welchem er ersucht wurde, den Titel als Professor des Moskauer Conservatoriums auch ferner zu führen.”

Auch gab Bernhard Cossmann, der zum Freundeskreis von Peter Čaikovskij zählte, mehrere Konzerte in Russland. Seine Rückkehr nach Deutschland erfolgte im Jahr 1870. Bernhard Cossmann starb am 07. Mai 1910 in Frankfurt/ Main.

Über sein Spiel und sein musikalisches Talent konnte man in dem bereits erwähnten Musikalisches Wochenblatt Organ für Tonkünstler und Musikfreunde ( Leipzig, 01.12.1871) des Weiteren lesen:

Nur wenige durften eine gleiche Schönheit und Noblesse des Tones besitzen und eine gleich geistreiche Auffassung mit so gemütvoller Vertiefung des Vortrages verbunden.”

Die Universalität der Technik, des Geschmackesund der neuen Leistungen erklärt sich zum Theil durch den reichen Bildungs- und entwicklungsgang, der ihm als Kind zu Theil wurde …”

Bernhard Cossmann hatte ebenfalls als Komponist von sich reden gemacht.

Sein 1869 in Moskau geborener Sohn Paul Nikolaus wurde in Deutschland ein namhafter Publizist. Cossmann jun., bekannt als Biograf des in Moskau geborenen Komponisten Hans Erich Pfitzner (1869- 1949) und Herausgeber sowie Mitbegründer der national geprägten Süddeutschen Monatshefte, die bis 1933 erschienen, geriet aufgrund seines katholischen Glaubens in Konflikt mit den Machthabern im Dritten Reich. Verhaftet von der Gestapo, kam er ins KZ Theresienstadt, wo er 1942 verstarb. Zu ergänzen ist noch, dass Carl Robert Pfitzner (1825- 1904), Vater von Hans Erich und gebürtig aus dem sächsischen Frohberg, als Orchestergeiger in Moskau tätig war.

Verwendete Literatur und Quellen:

http://www.deutsche-biographie.de/pnd118725343.html 29.03.2016

Koch, K.-P.,:Deutsche Musiker in St. Petersburg und Moskau in: Müns, H. (Hg): Musik und Migration in Ostmitteleuropa, München, 2005

Koch, K.-P.: Sachsen- Anhalt und das östliche Europa. Zur Migration von Musikerpersönlichkeiten in: Eberl- Ruf,

K., Lange, C., Schneider, A. (Hg.): Musikkultur in Sachsen- Anhalt seit dem 16.Jahrhundert:

Protokoll der wissenschaftlichen Tagung zur regionalen Musikgeschichte am 16. und 17. September 2005 in Salzwedel, Halle, 2007

Krause, E.: Oper A-Z. Ein Opernführer, Leipzig, 1981

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Musikalisches Wochenblatt Organ für Tonkünstler und Musikfreunde, Leipzig, 01.12.1871

Noris, G.: Rakhmaninov, Dent, 1976

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Svobodov, V.: Из опыта одной дискуссии ikompozitor.ru/links/MA_2009-2_p098-101.pdf  17.04.2013

www.musicamigrans.de 08.06.2011

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