Zum Tod von Dimitrij Romanowitsch Romanow – So bescheiden wie er lebte, so leise war sein Tod

Zum Tod von Dimitrij Romanowitsch Romanow – So bescheiden wie er lebte, so leise war sein Tod

Zum Tod des Ururururenkels von Katharina II.

Annegret Mainzer

Der Blätterwald der Yellow Press ist voll von skandalösen Geschichten und Geschichtchen aus Adelshäusern, ungeachtet dessen, ob diese noch regierend oder nicht mehr regierend sind. Mal sind es die Windsors, mal die Grimaldis oder die jungen Royals Skandinaviens, der Niederlande oder Spaniens, die für Schlagzeilen sorgen. Doch wie sieht eigentlich das Leben der Nachfahren der einst im Russischen Reich mächtigen Romanows aus, deren Herrschaft mit der Erschießung der Familie des letzten Zaren ein so blutiges Ende fand?

Am 31. Dezember 2016 verstarb in Kopenhagen Dimitrij Romanowitsch Romanow, Ururururenkel von Zarin Katharina II., geborene Prinzessin von Amhalt-Zerbst, und somit entstammte er der von Zar Paul I. begründeten männlichen Linie der russischen Zarenfamilie. Von der Mehrzahl der in aller Welt verstreut lebenden Nachkommen der Romanows wurde Dimitrij Romanowitsch Romanow als Familienoberhaupt anerkannt.

Geboren wurde Dimitrij Romanowitsch Romanow am 17. Mai 1926 im französischen Cap d`Ántibes als Sohn von dem 1896 bei St. Petersburg geborenen Fürsten Roman Petrowitsch (1978) und dessen Gattin Gräfin Praskowja Dimitrijewna Scheremetjewa (1910-1980).

Die Familie lebte ab 1936 in Rom und 1946 ging Dimitrij Romanowitsch nach Ägypten, wo er eine Mechanikerlehre in den Fordwerken in Alexandria absolvierte. Aufgrund seiner Mehrsprachigkeit avancierte er etwas später zum Manager beim Automobilverkauf. Wieder nach Italien zurückgekehrt, war er ab 1952 in einem Reisebüro tätig. 1960 übersiedelte er nach Dänemark, wo er im Jahr zuvor die Tochter eines dänischen Kaufmanns geehelicht hatte. In Dänemark machte Dimitrij Romanowitsch Romanow erfolgreich Bankkarriere und ging 1993 in Pension.

Obwohl Dimitrij Romanowitsch Romanow nicht in Russland geboren, fühlte er sich der Heimat seiner Vorfahren eng verbunden. Seit 1979 war er Mitglied der Romanov Family Association. Außerdem gehörte er zu dem1993 von sieben Romanowfürsten gegründeten Romanov Fond für Russland. Und im Jahr 2006 übernahm er die Leitung des 2006 gegründeten Prince Dimitry Romanov Charity Fond. Diese Stiftungen unterstützen vor allem Hospitäler, Kinder- und Seniorenheime in Russland. Des Öfteren reiste er nach Russland.

Des Weiteren machte sich Dimitrij Romanowitsch Romanow einen Namen als Historiker und Publizist, dabei in erster Linie als Autor von phaleristischen Fachbüchern, die Ordenskunde des Russischen Reiches und Montenegros betreffend. Die Großmutter von Dimitrij Romanowitsch Romanow war Prinzessin Militza von Montenegro (1866-1951).

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Dimitrij Romanowitsch Romanow war auch aktiv beteiligt an der 1996 stattgefundenen Beisetzung der Gebeine der letzten Zarenfamilie in der Peter und Paul Festung in Sankt Petersburg. Einen großen Anteil hatte er ebenfalls an der Überführung des Sarges der Zarin Maria Fjodorowna, Mutter von Zar Nikolai II., von Kopenhagen nach St. Petersburg im Jahr 2006. Dank seiner Bemühungen konnte Maria Fjodorowna an der Seite ihres Gatten ,des Zaren Alexander III. in der Peter und Paul Festung beigesetzt werden.

Die Bemühungen von Dimitrij Romanowitsch Romanow, dort in Russland zu helfen, wo Hilfe am nötigsten ist, fand in höchsten Regierungskreisen Russlands Anerkennung. Noch im Oktober 2016 reiste Dimitrij Romanowitsch Romanow mit seiner zweiten Ehefrau nach Russland und wurde dort mit dem Alexander Newski Orden, einer hohen staatlichen Auszeichnung, für seine Verdienste um die Verbreitung der Kenntnisse über das historische und kulturelle Erbe Russlands im Ausland geehrt. So ist es nur folgerichtig, dass der russische Präsident Wladimir Putin in seiner Kondolenz schreibt, dass Dimitrij Romanowitsch ein treuer Patriot Russlands gewesen sei, der sein Leben lang stets in geistiger Verbindung mit seinem Vaterland gestanden habe. Russland sei stolz auf solche Landsleute im Ausland, heißt es im Kondolenzschreiben weiter.

Im Jahr 2003 informierte ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzende des Internationalen Fördervereins Katharina II. Zerbst e.V, Dimitij Romanowitsch Romanow über die Aktivitäten rund um Katharina II. in Zerbst/ Anhalt. In einem Antwortschreiben begrüßte er die Aufarbeitung der deutsch-russischen Geschichte in Zerbst und wünschte weiterhin Erfolg.

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Am 10. Januar 2017 findet in der Kopenhagener Alexander Newski Kirche der Trauergottesdienst für Dimitrij Romanowitsch Romanow statt.

Zerbst, den 08. Januar 2017

 

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