Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

In Köthen, gelegen im heutigen Bundesland Sachsen- Anhalt, praktizierte von 1821- 1835 der 1755 in Meißen geborene Homöopath Christian Friedrich Samuel Hahnemann, der zuvor in Gommern, Dessau und Dresden gewirkt hatte. Hahnemann, der seitens der Schulmediziner eine Reihe von Anfeindungen aushalten musste, hatte nicht nur Anhänger in Deutschland, sondern auch im Ausland, u.a. in den USA, in Frankreich und auch im Russischen Reich.

Samuel Hahnemann
Samuel Hahnemann

Zu diesen zählte auch Carl Bernhard von Trinius, 1778 in Eisleben geboren, hatte er an den Universitäten Jena, Halle, Leipzig und Göttingen studiert. Er begründete in St. Petersburg nicht nur das Botanische Museum, sondern unterrichtete von 1829- 1833 auch den späteren Zaren Alexander II. in naturwissenschaftlichen Fächern.
Von Trinius, der zuvor in Kurland als Arzt beim Kammerherrn Johann E.von Keyserling († 1811) und in Lettland praktiziert hatte, begleitete ab 1802 die Herzogin Antoinette von Württemberg als Leibarzt. Diese Anstellung führte ihn von 1811- 1815 an die Newa, wo er auch Zeit für wissenschaftliche Arbeiten fand. 1822 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften St. Petersburg. Nach dem Tode der Herzogin praktizierte von Trinius in Petersburg und er wurde zum kaiserlichen Leibarzt berufen. Neben diesen beruflichen Aufgaben forschte er unermüdlich im Bereich der Botanik. Sein fast 5000 Pflanzen umfassendes Herbarium sowie die dazugehörigen Notizen und Skizzen gingen nach seinem Tode an das heutige Petersburger Botanische Museum, als dessen Gründer er gilt. 1994 wurde seine wertvolle Sammlung digitalisiert.

P1090541Im Jahr 1830 schloss er seine Praxis und befasste sich nun in erster Linie mit Homöopathie. So stand er auch im regen Briefwechsel mit seinem Onkel Samuel Hahnemann (1744- 1843), dem Begründer der Homöopathie und der zu jener Zeit im anhaltischen Köthen wirkte.
Etliche Male sandte die Petersburger Akademie von Trinius ins europäische Ausland, um die dortigen Botanischen Gärten bzw. Sammlungen in Augenschein zu nehmen. Von Trinius verfasste mehr als 30 Traktate zur Botanik. Er versuchte sich ebenfalls als Poet und Dramatiker. Freunde von ihm veröffentlichten 1848 in Berlin seine Gedichte, doch von Trinius war schon 1844 in Petersburg verstorben.

Der aus Wittenberg stammende Julius Schweikert (1807- 1876) hatte sein Medizinstudium an der Universität Leipzig absolviert.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Schweikert

Der seinerzeit namhafte Homöopath Samuel Hahnemann vermittelte ihn als Leibarzt des Fürsten Kurakin nach Russland. So kam Schweikert ins Gouvernement Orel, wo er auch am dortigen Krankenhaus praktizierte. Doch in Orel mangelte es dem Arzt an Gelegenheiten, sich mit Kollegen gedanklich auszutauschen. Zum anderen medikamentierte sich sein Dienstherr zunehmend selbst, so dass Unstimmigkeiten entstanden zwischen Schweikert und dem Fürsten. 1837 kündigte Schweikert und zog nach Moskau, wo er eine homöopathische Praxis eröffnete.

Ab 1838 war er Arzt an der dortigen Landwirtschaftsschule angestellt. Diese Anstellung hatte er bis 1847 inne. Schweikert war auch ab 1842 Arzt am Kaiserlichen Findelhaus und ab 1844 am Kaiserlichen Witwenhaus. Von 1851- 1856 war er Arzt am 2. Adligen Moskauer Gymnasium. 1853 promovierte er erfolgreich an der Universität Moskau.

Im Jahr 1845 eröffnete Schweikert das erste homöopathische Krankenhaus in Moskau, dessen Leitung er bis 1860 innehatte. Seine Schließung erfolgte aufgrund fehlender finanzieller Mittel.

Hahnemann - Büste im Stadtmusuem Zerbst
Hahnemann – Büste im Stadtmusuem Zerbst

Schon sein Vater Georg August Benjamin (1774- 1845), ein Schüler Hahnemanns, leitete 1834/35 das erste homöopathische Krankenhaus in Leipzig.

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Beigesetzt wurde Julius Schweikert auf dem Moskauer Vvdenskoe- Friedhof. Die russische Krone erkannte sein Wirken an, indem ihm Titel und Orden verliehen wurden.

Verwendete Quellen:
Brennsohn, I.: Die Ärzte Kurlands vom Beginn der herzoglichen Zeit bis zur Gegenwart, Riga, 1929
Dorges, A.: Die Homöopathenfamilie Dr. Schweikert, Stuttgart, 2007
Fischer, M.: Russische Karrieren- Leibärzte im 19. Jahrhundert, Aachen, 2010
Крылов-Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий. Краткий медицинский  биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen
Livland, Esthland, Kurland, Bd.4, Mitau, 1832
Российский Медицинский список на 1810 год, St. Petersburg, 1810
Российский Медицинский список на 1860 год, St. Petersburg, 1860
http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/trinius.html 27.02.2013

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Über den deutsch- russischen Tellerrand geschaut: Forum zur Situation der Deutschen in Mittel- und Osteuropa am 07. November 2015 in Dresden

Über den deutsch- russischen Tellerrand geschaut: Forum zur Situation der Deutschen in Mittel- und Osteuropa am 07. November 2015 in Dresden

„ In einem Land ist es besser,im anderen schlechter.“
(H. Koschyk,MdB,Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten)

Dresden: Sächsischer Landtag
Dresden: Sächsischer Landtag

In unseren Tagen, wenn täglich Tausende von Flüchtlingen aus unsicheren Ländern Zuflucht in Deutschland suchen, flammen häufig mehr oder weniger sinnvolle Debatten um die Bewahrung der deutschen kulturellen Identität im eigenen Land auf. Ohne diese Diskussionen an dieser Stelle bewerten zu wollen, soll dabei Blick auf die Lage der Deutschen im Ausland nicht verloren gehen. Dabei sind nicht in erster Linie die deutschen Auswanderer im Rentenalter gemeint, die in den letzten Jahrzehnten ihren Wohnsitz nach Spanien oder Italien verlegt haben. Im Fokus der folgenden Betrachtung stehen die deutschen Volksgruppen, die schon seit mehreren Jahrhunderten sich weltweit niederließen, aber nichtsdestotrotz ihre deutsche Identität lebten.
Allgemein bekannt ist, es existiert weltweit eine deutschsprachige Diaspora. Ethnische Deutsche trifft man vor allem in südamerikanischen Ländern wie Chile, Argentinien und Brasilien, aber auch in Mittel- und Osteuropa, insbesondere in Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Ungarn sowie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.
Bereits um das Jahr 1000, als die bayerische Herzogin Gisela mit dem ungarischen König St. Stephan verheiratet wurde, siedelten sich erste Deutsche in Ungarn an. Siebenbürgener Sachsen ließen sich im 12. Jahrhundert in Siebenbürgen, d.h. im heutigen Rumänien nieder. Zu jener Zeit zog es auch die ersten deutschen Kaufleute aus Lübeck nach Nowgorod in Russland. Unter Zar Peter I. und der deutschstämmigen Zarin Katharina II. wanderten Heerscharen von Deutschen gen Russisches Reich, um dort ein besseres Leben zu finden. In ihrer neuen Wahlheimat passten sich die deutschen Auswanderer einerseits den dortigen gesellschaftlichen Bedingungen an, andererseits bewahrten sie ihre Muttersprache und Traditionen, gaben diese an die nächsten Generationen weiter.

Im Jahr 1881 wurde in Berlin der Allgemeine Deutsche Schulverein gegründet, dessen Hauptziel in der Erhaltung und Pflege der deutschen Identität, Sprache und Kultur der Angehörigen deutscher Volksgruppen im Ausland bestand. Mit der Hilfe dieses Vereins wurden im Ausland deutsche Schulen und Bibliotheken finanziert, deutschsprachige Literatur gefördert sowie die Anstellung von Lehrern. Aus jenem Verein ging 1998 der Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e. V. (VDA) hervor.[ siehe Infokasten]
Viermal jährlich gibt der VDA die Zeitschrift Globus heraus, die die Auslandsdeutschen sowohl über die Tätigkeit des VDA wie auch über die Lage der Deutschen im Ausland informiert. Im Globus 3/2013 erschien mein Beitrag über meine eigene Annäherung und über die Annäherung meiner Heimatstadt Zerbst/ Anhalt an Leben und Wirken der russischen Zarin Katharina II. (1729- 1796), geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst.
Diesen Beitrag nahm Peter Bien, Vorsitzender des VDA- Landesverbandes Sachsen, zum Anlass über das soziale Netzwerk Facebook mit mir in Kontakt zu treten. Im Sommer diesen Jahres kam es in Dresden zu unserem ersten persönlichen Treffen, in dessen Verlauf er mich zum VDA- Forum 2015 einlud.

http://www.vda-kultur.de/media/globus-pdfs/globus_03_2013_web.pdf

Im Sächsischen Landtag fand Anfang November das VDA- Forum statt, das sich der Thematik Die Entwicklung der deutschen Minderheiten in den mittel- und osteuropäischen Staaten seit der politischen Wende 1989/90 widmete.
Durch Peter Bien, den Vorsitzenden des VDA- Landesverbandes Sachsen, erfolgte die Begrüßung der ungefähr 70 Teilnehmer des Forums. Grußworte sprachen Andrea Dombois, 1. Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages, und der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, derzeitiger Bundesvorsitzender des VDA.

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Peter Bien                                                   Andrea Dombois

DSCN2920                                                                    Klaus Brähmig

Kernpunkt des Forums bildete zweifelsfrei der Impulsvortrag von Hartmut Koschyk, Bundestagsabgeordneter und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der auch etwa 20 Jahre des Bundesvorsitz des VDA innehatte und jetziger Ehrenvorsitzender. Koschyk berichtete über seine Begegnungen mit Vertretern der deutschen Minderheiten u.a. in Rumänien und Kasachstan. Er verwies vor allem auf die Rolle der Auslandsdeutschen als „Brückenbauer“ in Europa- nicht nur auf den Gebieten von Kultur, Jugendarbeit oder Bildung, auch in der Wirtschaft.
Als positives Beispiel führte Koschyk die Rolle der deutschen Schulen in Rumänien an, die einen wesentlichen Anteil an der Herausbildung eines rumänischen Bildungsbürgertums haben. „Dort sitzen in den Klassen höchstens 3- 4 deutsche Kinder, die anderen sind rumänischer Herkunft“,so Koschyk. Doch rumänische Eltern brächten der deutsch geprägten Schulbildung große Wertschätzung entgegen, führt der Bundesbeauftragte weiter aus. Laut Koschyk stelle der Haushalt des Auswärtigen Amtes dafür in diesem Jahr insgesamt 750.000 Euro bereit, um dort die Abwanderung gut ausgebildeter Deutschlehrer in die besser zahlende Wirtschaft zu verhindern. Schließlich seien aus dem deutschsprachigen Schulwesen in Rumänien bereits zwei Nobel- Preisträger – Herta Müller für Literatur und Stefan Hell für Chemie- hervorgegangen.
DSCN2926                                                                   Hartmut Koschyk

Die Unterstützung der deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa seitens des Bundesministeriums des Innern konzentriere sich nicht nur auf den Ausbau des deutschen Schulwesens, sie umfasse auch die Hilfen für kleinere und mittlere Betriebe in Handwerk, Gewerbe, Dienstleistungen und Landwirtschaft sowie den Ausbau zukunftsfähiger Selbstverwaltungsstrukturen und erfolge in enger Absprache mit den Angehörigen der deutschen Minderheit vor Ort, resümmierte Koschyk weiter. Des Weiteren berichtete der Bundesbeauftragte von der erfolgreichen Arbeit der verschiedenen bilateralen Regierungskommissionen, die die Bundesrepublik u.a. mit Rumänien, Kasachstan und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern unterhält.
Doch Koschyk verschwieg auch nicht, dass es heute – 25 Jahre – nach der politischen Wende Probleme und Rückschläge gibt. Als jüngstes Beispiel dafür nannte er das Veto, das der kürzlich gewählte Präsident Polens gegen die vom vorherigen Parlament beschlossene Novellierung des Minderheitengesetzes in Polen einlegte.
Koschyks Fazit:„ In einem Land ist es besser, im anderen schlechter.“ Zum Abschluss seiner Ausführungen befürwortete Koschyk die Unterstützung der deutschen Minderheiten im Ausland durch die Bundesregierung, doch sollten wir nicht nach patriarchalischer Manier handeln, er sprach sich eindeutig für eine Hilfe auf gleicher Augenhöhe mit den jeweiligen Partnern vor Ort aus.

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