Rückkehr eines Gemäldes von Lucas Cranach dem Jüngeren nach Zerbst/ Anhalt – Возвращение картины Лукаса Кранаха Младшего в Цербст/ Ангальт

Rückkehr eines Gemäldes von Lucas Cranach dem Jüngeren nach Zerbst/ Anhalt
Возвращение картины Лукаса Кранаха Младшего в

Цербст/ Ангальт

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Etwa um 1565 fertigte der namhafte aus Wittenberg stammende Maler Lucas Cranach der Jüngere (1515- 1586) das Gemälde „ Gnadenstuhl mit den Fürsten Joachim und Wolfgang von Anhalt“, das bis Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts seinen Platz in der Hof- und Stiftskirche St. Bartholomäi zu Zerbst/ Anhalt hatte. Im Herbst 2015 beging die Gemeinde von St. Bartholomäi 800 Jahre der Altarweihe.

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Около в 1565 г. родившийся в Виттенберге художник- живописец Лукас Кранах Младшийй (1515- 1586) создал картину «Святая Тройца с князьями Иоахим и Вольфганг Ангальтскими». До середины 50-х годов эта картина находилась в Цербстском придворном соборе Св. Варфоломея. Община Св. Варфоломея осенью 2015 г. отметила 800- летие освящение своего алтаря.

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In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kam das stark beschädigte Gemälde auf Anraten eines Cranach- Experten nach Halle in das dortige damalige Institut für Denkmalpflege, dem Vorläufer des heutigen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (LDA). Dort wurde mit einer teilweisen Restaurierung begonnen.

В 50-х годах по совету экспертам эта серьезно поврежденная картина была перевезена в город Галле, в тогдашний Институт охраны памятников истории и культуры, где началась частичная реставрация.

Dann folgte eine Zeit der Stagnation. Die Restaurierungsarbeiten am Cranach- Gemälde aus Zerbst kamen zum Stillstand, da einerseits die Kirchengemeinde St. Bartholomäi nicht „drängelte“ und andererseits die Restauratoren in Halle infolge der Zerstörung durch die Bombardements im Zweiten Weltkrieg eine Vielzahl von Kunstwerken zu restaurieren hatten.

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Затем последовал период стагнации. Восстановление картины Кранаха из Цербста остановилось, потому что, с одной стороны община Св. Варфоломея не „затолкала“, а с другой стороны, реставраторы в Галле вследствие разрушений, вызванных бомбардировками во время Второй мировой войны должны были реставрировать большое количество произведений искусства.

Schlussendlich wurde die Restaurierung des Zerbster Cranach- Gemäldes im Jahr 2015 vollendet, im Jahr des 500. Geburtstages von seinem Schöpfer Lucas Cranach dem Jüngeren. Am 14. Dezember 2015 erfolgte in der Hof- und Stiftskirche St. Bartholomäi zu Zerbst/ Anhalt öffentlich die feierliche Präsentation und Rückkehr des Gemäldes „ Gnadenstuhl mit den Fürsten Joachim und Wolfgang von Anhalt“. Diesem festlichen Akt wohnten bei Stephan Dorgerloh (SPD), Kultusminister des Landes Sachsen- Anhalt, der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann, der Landtagsabgeordnete Dietmar Krause (CDU) sowie Vertreter der evangelischen Kirche in Anhalt.

Kultusminister Stephan Dorgerloh
Kultusminister Stephan Dorgerloh

В конце концов реставрация Цербстской картины Кранаха была завершена в 2015 г., когда отметят 500-летие со дня рождения Лукаса кранаха Младшего. 14 декабря 2015 г. состоялась публичная торжественная презентация реставрированной картины « Святая Тройца с князьями Иоахим и Вольфганг Ангальтскими» в придворном соборе Св. Варфоломея в Цербсте/ Ангальт. В этом торжестве приняли участие Стефан Доргерло (СДПГ), министр по вопросам культуры в федеральной земле Саксонии- Ангальт. Среди гостей были также Андреас Диттманн, мэр г. Цербст/ Ангальт, Дитмар Краузе (ХДС), депутат парламента Саксонии- Ангальт и деятели и члены евангелической церкви в Ангальте.

Bürgermeister Andreas Dittmann
Bürgermeister Andreas Dittmann
Albrecht Lindemann, Pfarrer zu St. Bartholomäi in Zerbst/ Anhalt
Albrecht Lindemann, Pfarrer zu St. Bartholomäi in Zerbst/ Anhalt                

 

Kreisoberpfarrer Jürgen Tobies
Kreisoberpfarrer Jürgen Tobies

Über die Historie der Restaurierungsarbeiten und die damit verbundenen Schwierigkeiten informierten sehr detailliert Frau Dr. Karoline Danz vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäolgie in Halle und die Restauratorin Grit Jemrich. Letztere berichtete von den verschiedenen Übermalungen, so auch davon, dass 1853 der Hofmaler Heinrich Beck (1788- 1875) das Bild veränderte.

Dr. Karoline Danz. Denkmalpflegerin
Dr. Karoline Danz. Denkmalpflegerin

Об истории реставрационных работ и о связанных с этими проблемах рассказывали очень подробно Др. Каролине Данц, сотрудник Института охраны памятников истории и культуры в г. Галле и Грит Емрих, которая реставрировала эту картину. Грит Емрих рассказала также о том, что эта картина была закрашена, напр. в 1853 г. придворный художник Генрих Бек (1788- 1875) изменил её.

Restauratorin Grit Jemrich
Restauratorin Grit Jemrich

In seinem Grußwort betonte Kultusminister Dorgerloh, dass Wittenberg Cranachstadt sei und Anhalt – Cranachland. Ihn begeistert sehr, dass das Zerbster Cranach- Gemälde die verschiedenen Schichten, die verschiedenen Zeiten zeige und vor allem, wo gemalt und kräftig eingegriffen wurde. „ Cranach malte die Reformation“, so der Kultusminister.

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В своей вступительной речи министр подчеркнул, что город Виттенберг является городом Кранаха, а Ангальт является регионом Кранаха. Для него очень интересно, что картина Кранаха из Цербста показывает различные слои и различные времена. По его мнению можно чувствовать, где было что-то изменено. «Кранах изображал Реформацию», говорил министр.

Alle weiteren Redner betonten ebenfalls die Bedeutung des restaurierten Gemäldes für die Gemeinde von St. Bartholomäi, so verwies Kreisoberpfarrer Jürgen Tobies, dass das Cranach- Gemälde ein Bild gelebten Glaubens in Zeiten von Religionskriegen darstelle. Bürgermeister Andreas Dittmann forderte eine Rückbesinnugn auf die eigene Geschichte, um verantwortungsbewusster für das Morgen zu handeln.

Die Restaurierung des Cranach- Gemäldes wurde dank einer Finanzierung durch das Land Sachsen- Anhalt und durch weitere Sponsoren ermöglicht.

Все другие выступающие указали на значение реставрированной картины для общины Св. Варфоломея. По мнению пастора Юрген Тобис картина Кранаха является изображением живой веры во времена религиозных войн.

Реставрация картины Кранаха стало возможно благодаря финансовой поддержке со стороны федеральной земли Саксонии- Ангальт и других спонсоров.

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Zerbster Heimatkalender 2016 mit Beitrag über interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert

Zerbster Heimatkalender 2016 mit Beitrag über interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert

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Der Zerbster Heimatkalender 2016 enthält interessante Beiträge zur Geschichte Anhalts und darüber hinaus. Unter anderem sind im Zerbster Heimatkalender 2016 folgende Beiträge zu lesen:

  1. Griesbach, A.-A.: „Alle Dinge sind Gift, und Nichts ist ohne Gift; Allein die Dosis macht´s, dass ein Ding kein Gift sei“- Paracelsus- 485 Jahre Rats- und Stadtapotheke. Ein Blick in die Geschichte des Gesundheitswesens
  2. Mainzer, A.: Ein interessantes Netzwerk zwischen Anhalt, Weimar, Dresden und dem Russischen Reich im 18. und 19. Jahrhundert. Zum 235. Geburtstag der Malerin Caroline Bardua aus Ballenstedt
  3. Miedtank, L.: Zerbster Fayence und Meissener Porzellan im frühen 18. Jahrhundert. der Meissener Porzellanmaler und Zerbster „Hoffabrikant“ Johann Caspar Ripp- Teil 1
  4.  Röder, St.: Anhalt- Zerbster Infanterie und Kavallerie in kaiserlich- habsburgischen Diensten
  5. Herrmann, D.: Der Baukondukteur Johann Friedrich Friedel. Die künstlerischen Leistungen der Architekten und Gestalter des Zerbster Schlosses, Teil V
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Über den deutsch- russischen Tellerrand geschaut: Forum zur Situation der Deutschen in Mittel- und Osteuropa am 07. November 2015 in Dresden

Über den deutsch- russischen Tellerrand geschaut: Forum zur Situation der Deutschen in Mittel- und Osteuropa am 07. November 2015 in Dresden

„ In einem Land ist es besser,im anderen schlechter.“
(H. Koschyk,MdB,Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten)

Dresden: Sächsischer Landtag
Dresden: Sächsischer Landtag

In unseren Tagen, wenn täglich Tausende von Flüchtlingen aus unsicheren Ländern Zuflucht in Deutschland suchen, flammen häufig mehr oder weniger sinnvolle Debatten um die Bewahrung der deutschen kulturellen Identität im eigenen Land auf. Ohne diese Diskussionen an dieser Stelle bewerten zu wollen, soll dabei Blick auf die Lage der Deutschen im Ausland nicht verloren gehen. Dabei sind nicht in erster Linie die deutschen Auswanderer im Rentenalter gemeint, die in den letzten Jahrzehnten ihren Wohnsitz nach Spanien oder Italien verlegt haben. Im Fokus der folgenden Betrachtung stehen die deutschen Volksgruppen, die schon seit mehreren Jahrhunderten sich weltweit niederließen, aber nichtsdestotrotz ihre deutsche Identität lebten.
Allgemein bekannt ist, es existiert weltweit eine deutschsprachige Diaspora. Ethnische Deutsche trifft man vor allem in südamerikanischen Ländern wie Chile, Argentinien und Brasilien, aber auch in Mittel- und Osteuropa, insbesondere in Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Ungarn sowie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.
Bereits um das Jahr 1000, als die bayerische Herzogin Gisela mit dem ungarischen König St. Stephan verheiratet wurde, siedelten sich erste Deutsche in Ungarn an. Siebenbürgener Sachsen ließen sich im 12. Jahrhundert in Siebenbürgen, d.h. im heutigen Rumänien nieder. Zu jener Zeit zog es auch die ersten deutschen Kaufleute aus Lübeck nach Nowgorod in Russland. Unter Zar Peter I. und der deutschstämmigen Zarin Katharina II. wanderten Heerscharen von Deutschen gen Russisches Reich, um dort ein besseres Leben zu finden. In ihrer neuen Wahlheimat passten sich die deutschen Auswanderer einerseits den dortigen gesellschaftlichen Bedingungen an, andererseits bewahrten sie ihre Muttersprache und Traditionen, gaben diese an die nächsten Generationen weiter.

Im Jahr 1881 wurde in Berlin der Allgemeine Deutsche Schulverein gegründet, dessen Hauptziel in der Erhaltung und Pflege der deutschen Identität, Sprache und Kultur der Angehörigen deutscher Volksgruppen im Ausland bestand. Mit der Hilfe dieses Vereins wurden im Ausland deutsche Schulen und Bibliotheken finanziert, deutschsprachige Literatur gefördert sowie die Anstellung von Lehrern. Aus jenem Verein ging 1998 der Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e. V. (VDA) hervor.[ siehe Infokasten]
Viermal jährlich gibt der VDA die Zeitschrift Globus heraus, die die Auslandsdeutschen sowohl über die Tätigkeit des VDA wie auch über die Lage der Deutschen im Ausland informiert. Im Globus 3/2013 erschien mein Beitrag über meine eigene Annäherung und über die Annäherung meiner Heimatstadt Zerbst/ Anhalt an Leben und Wirken der russischen Zarin Katharina II. (1729- 1796), geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst.
Diesen Beitrag nahm Peter Bien, Vorsitzender des VDA- Landesverbandes Sachsen, zum Anlass über das soziale Netzwerk Facebook mit mir in Kontakt zu treten. Im Sommer diesen Jahres kam es in Dresden zu unserem ersten persönlichen Treffen, in dessen Verlauf er mich zum VDA- Forum 2015 einlud.

http://www.vda-kultur.de/media/globus-pdfs/globus_03_2013_web.pdf

Im Sächsischen Landtag fand Anfang November das VDA- Forum statt, das sich der Thematik Die Entwicklung der deutschen Minderheiten in den mittel- und osteuropäischen Staaten seit der politischen Wende 1989/90 widmete.
Durch Peter Bien, den Vorsitzenden des VDA- Landesverbandes Sachsen, erfolgte die Begrüßung der ungefähr 70 Teilnehmer des Forums. Grußworte sprachen Andrea Dombois, 1. Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages, und der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, derzeitiger Bundesvorsitzender des VDA.

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Peter Bien                                                   Andrea Dombois

DSCN2920                                                                    Klaus Brähmig

Kernpunkt des Forums bildete zweifelsfrei der Impulsvortrag von Hartmut Koschyk, Bundestagsabgeordneter und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der auch etwa 20 Jahre des Bundesvorsitz des VDA innehatte und jetziger Ehrenvorsitzender. Koschyk berichtete über seine Begegnungen mit Vertretern der deutschen Minderheiten u.a. in Rumänien und Kasachstan. Er verwies vor allem auf die Rolle der Auslandsdeutschen als „Brückenbauer“ in Europa- nicht nur auf den Gebieten von Kultur, Jugendarbeit oder Bildung, auch in der Wirtschaft.
Als positives Beispiel führte Koschyk die Rolle der deutschen Schulen in Rumänien an, die einen wesentlichen Anteil an der Herausbildung eines rumänischen Bildungsbürgertums haben. „Dort sitzen in den Klassen höchstens 3- 4 deutsche Kinder, die anderen sind rumänischer Herkunft“,so Koschyk. Doch rumänische Eltern brächten der deutsch geprägten Schulbildung große Wertschätzung entgegen, führt der Bundesbeauftragte weiter aus. Laut Koschyk stelle der Haushalt des Auswärtigen Amtes dafür in diesem Jahr insgesamt 750.000 Euro bereit, um dort die Abwanderung gut ausgebildeter Deutschlehrer in die besser zahlende Wirtschaft zu verhindern. Schließlich seien aus dem deutschsprachigen Schulwesen in Rumänien bereits zwei Nobel- Preisträger – Herta Müller für Literatur und Stefan Hell für Chemie- hervorgegangen.
DSCN2926                                                                   Hartmut Koschyk

Die Unterstützung der deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa seitens des Bundesministeriums des Innern konzentriere sich nicht nur auf den Ausbau des deutschen Schulwesens, sie umfasse auch die Hilfen für kleinere und mittlere Betriebe in Handwerk, Gewerbe, Dienstleistungen und Landwirtschaft sowie den Ausbau zukunftsfähiger Selbstverwaltungsstrukturen und erfolge in enger Absprache mit den Angehörigen der deutschen Minderheit vor Ort, resümmierte Koschyk weiter. Des Weiteren berichtete der Bundesbeauftragte von der erfolgreichen Arbeit der verschiedenen bilateralen Regierungskommissionen, die die Bundesrepublik u.a. mit Rumänien, Kasachstan und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern unterhält.
Doch Koschyk verschwieg auch nicht, dass es heute – 25 Jahre – nach der politischen Wende Probleme und Rückschläge gibt. Als jüngstes Beispiel dafür nannte er das Veto, das der kürzlich gewählte Präsident Polens gegen die vom vorherigen Parlament beschlossene Novellierung des Minderheitengesetzes in Polen einlegte.
Koschyks Fazit:„ In einem Land ist es besser, im anderen schlechter.“ Zum Abschluss seiner Ausführungen befürwortete Koschyk die Unterstützung der deutschen Minderheiten im Ausland durch die Bundesregierung, doch sollten wir nicht nach patriarchalischer Manier handeln, er sprach sich eindeutig für eine Hilfe auf gleicher Augenhöhe mit den jeweiligen Partnern vor Ort aus.

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Petra Durst- Benning: 1. Die Zarentochter 2. Die russische Herzogin

Petra Durst- Benning: 1. Die Zarentochter

2. Die russische Herzogin

Die Zarentochter

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Zarenkinder hatten es nicht einfach im Leben, obwohl sie frei von existenziellen Sorgen, sozusagen im goldenen Käfig aufwuchsen.
Anstatt wie andere ihrer Altersgenossen mal ungezwungen und wild durch Wohnung und Garten zu tollen, wurden sie meist dazu angehalten, fleißig zu lernen und sich entsprechend ihrer außergewöhnlichen sozialen Stellung zu benehmen. Zudem wurden Zarenkinder ständig von Lehrern, Erziehern und Gouvernanten beaufsichtigt, so dass ein – wenn auch nur kurzweiliges – Ausbüchsen aus ihrer wohl behüteten Welt kaum möglich war.

Eltern von Zarenkindern saßen oft gefühlsmäßig zwischen zwei Stühlen: Einerseits liebten sie ihren Nachwuchs und wollten ihm eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen, andererseits zwang ihre führende Stellung sie dazu, schon frühzeitig ihre Söhne und Töchter in ihre staatswichtigen Überlegungen und Entscheidungen miteinzubeziehen. Auseinandersetzungen in royalen Familien eskalierten meist dann, wenn die Königskinder sich unstandesgemäß verliebten.

All diese eingangs beschriebenen Phasen durchlebt auch Olly, die Hauptheldin im Roman Die Zarentochter von Petra Durst- Benning.
Olly, das ist Großfürstin Olga Nikolajewna (1822- 1892), die zweitälteste Tochter von Zar Nikolaus I. von Russland. Petra Durst- Benning schildert Olly als eine heranwachsende junge Frau, die ihre Umwelt, ihre Mitmenschen sehr aufmerksam beobachtet und vor allem die im Russischen Reich herrschende soziale Ungerechtigkeit wahrnimmt. Olly muss u.a. hilflos miterleben, dass ihr Spielkamerad Mischa sterben musste, weil es seinen Eltern am Geld für den Azrt mangelte. Dabei hat Mischa den Großfürsten Kosty, Ollys jüngsten Bruder, vor dem Ertrinken gerettet. Jedoch hatten die Erwachsenen im Palast sich nur um Kostys Genesung gekümmert, was für Olly eine schreiende Ungerechtigkeit darstellt.

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Anfangs betrachtet Olly auch das Verhalten ihrer älteren Schwester Mary, die meist nur an schöne Kleider, Bälle und einen passenden Heiratskandidaten denkt, mit verächtlichen Augen. Es ist ihre Gouvernante und spätere Freundin Anna, die Olly die Augen darüber öffnet, welche Möglichkeiten sie als verheiratete Frau hat, den Ärmsten der Armen zu helfen.
So lässt sich die Zarentochter Olly ebenfalls auf das „Heiratskarussell“, das alle russishen Großfürsten und Großfürstinnen durchlaufen müssen, ein.

Auf Betreiben ihres Vaters und ihres Bruders Sascha, später Zar Alexander II., kommt eine imaginäre Verlobung Ollys mit Erzherzog Stephan von Österreich zustande. Während dieser scheinbaren mehrjährigen Verlobungszeit kommt es zu keiner persönlichen Begegnung zwischen Olly und Stephan, da Österreich auf Betreiben von Metternich sich gegen diese Verbindung stellt.

Doch auch an Olly geht der Zauber der ersten großen Liebe nicht vorüber. Ihr Auserwählter ist Iwan Bariatinski, ein Freund ihres Bruders Sascha und russischer Offizier- allerdings kein standesgemäßer Heiratskandidat für Olly, die Zarentochter. Später verliebt sich Olly in Alexander von Hessen, den Bruder ihrer Schwägerin. Doch auch er ist nach Ansicht von Ollys Vater und Bruder nicht der Richtige für sie. Nachdem die ersten euphorischen Liebesschwüre verklungen sind, kommt es auch in dieser Bezihung zu Problemen, doch diese „ Probleme“ werden teilweise von Ollys Bruder Sascha inszeniert. Schlussendlich bricht Olly mit Alexander endgültig.

Nach der Verheiratung ihrer jüngsten Schwester Adini ist Olly zwar immer noch mit Stephan verlobt, aber ohne Aussicht auf baldige Hochzeit. Gemeinsam mit ihrer kränkelnden Mutter reist sie nach Palermo, wo Karl, der Sohn des württembergischen Königs Wilhelm I., ihr seine Aufwartung macht. Olly und Karl unternehmen gemeinsame Ausflüge und stellen in Gesprächen fest, dass sie auf gleicher Wellenlänge liegen, u.a. auch was ihr beider Bedürfnis nach Wohltätigkeit betrifft.

Wird Kronprinz Karl von Württemberg die Zarentochter Olly von ihren Befürchtungen, als alte Jungfer zu enden, erlösen?

Die Historiker kennen die Antwort: Die Zarentochter Olga Nikolajewna heiratet in Peterhof bei St. Petersburg den württembergischen Kronprinzen Karl.

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Bereits ihre Tante Katharina Pawlowna, eine Schwester ihres Vaters, war Königin von Württemberg gewesen und hatte dort viele wohltätige Institutionen ins Leben gerufen. Olly, als württembergische Kronprinzessin und spätere Königin, setzt diese Werke der Barmherzigkeit fort.

Büste Königin Olga- Bad Wildbad
Büste Königin Olga- Bad Wildbad

Petra Durst- Benning schildert die Royals in ihrem Roman Die Zarentochter Olly mit all ihrer Zerrissenheit angesichts ihrer privilegierten sozialen Stellung und der damit verbunden Verantwortung für ihr Land sowie ihrer persönlichen Gefühle und Bedürfnisse, denn gekrönte Häupter sind letztendlich auch nur Menschen wie du und ich.

Im Roman Die Zarentochter steht der Lebensweg von Olly im Mittelpunkt, die auch Russland und das Russische repräsentiert. Die so genannte russische Seele und das wirklich Russische treten im Buch meiner Meinung nach recht oberflächlich, fast stiefmütterlich behandelt und klischeehaft zutage. Russland- das bedeutet nicht nur Tee aus dem Samowar, Schnee, eisiger Winter, absolute Zarenherrschaft und bitterste Armut. An diesen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht.

Doch die Stärke des Roman Die Zarentochter liegt darin, dass die Autorin Petra Durst- Benning ihre royalen Heldinnen und Helden mit all ihren menschlichen Schwächen und Stärken sowie Zweifeln und Selbstzweifeln zeichnet. Spitzbübisch humorvoll wird es immer dann, wenn Olly versucht, einen von Bruder oder Vater geschickten Heiratskandidaten zu vergraulen.

Die russische Herzogin

Wer mehr über Ollys Dasein als württembergische Kronprinzessin und spätere Königin erfahren möchte, der sollte Petra Durst- Bennings Romans Die russische Herzogin lesen.

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Die russische Herzogin entpuppt sich als Ollys Nichte und Patenkind Wera Konstantinowna, die als enfant terrible in St. Petersburg gilt und deshalb nach Stuttgart zu Olly geschickt wird. Die Leser erleben, wie Olly und Karl versuchen, aus diesem „schrecklichen Kind“ eine hoffähige junge Dame zu machen.

Vera Konstantinowna von Russland
Vera Konstantinowna von Russland

Olly muss in dieser Zeit sich als auf dreifache Weise als starke Frau erweisen- im Kampf um ihre
wohltätigen Projekte, im Kampf um ihre Ehe und als Mutterersatz und Freundin ihres Patenkindes Wera, der späteren russischen Herzogin.

Hat Olly die Kraft, all die ihr gestellten Aufgaben zu meistern. Gehört sie auch zu den Romanowschen Powerfrauen wie ihre Vorfahren? Wird ihr dabei ihre Devise „ Lachen, um nicht zu weinen“ stets helfen?
Ich wünsche der Leserschaft viel vergnügliche Stunden auf der Suche nach den Antworten.

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http://www.stadtbibliothek-zerbst.de/

Der Hauptmann, der das Mädchen rettete – Капитан, кoторый спас девушку

Der Hauptmann, der das Mädchen rettete – Капитан, кoторый спас девушку

Sowjetisch- Ukrainisch- Magdeburger Geschichte – Совестско- украинско- магдебургская история

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Am 13. März 1969 spielte die 4- jährige Kathrin Lehmann unbeaufsichtigt am Fenster in der 5. Etage in der damaligen Wilhelm- Pieck- Allee im Zentrum der ostdeutschen Stadt Magdeburg, die heutige Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen- Anhalt.
Als das Mädchen dann wirklich 22 m in die Tiefe fiel, wurde sie vom vorübergehenden Igor Belikow, seinerzeit Oberst sowjetischen Streitkräfte in der damaligen DDR, aufgefangen.

13 марта 1969 г. четырехлетняя Катрин Леманн играла без присмортра у открытого окна на шестом этаже жилого дома, находящиегося в центре восточногерманского города Магдебург, который ныне является административным центорм федерльной земли Саксонии- Ангальт.
Когда девушка упала 22 м в глубину, Игорь Беликов, в то время капитан советских ВВС в тогдашней ГДР, ловил её при помощи своей шинели.

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Igor Belikow, geboren 1941 in Charkow in der heutigen Ukraine, war seit 1960 Jagdflieger bei den sowjetischen Luftstreitkräften, die in der nicht weit von Magdeburg gelegenen Stadt Zerbst stationiert waren. An diesem 13. März 1969 war er in Magdeburg aufgrund eines Arztbesuches und war somit zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Blickauf den heutigen Zerbster Flugplatz
Blickauf den heutigen Zerbster Flugplatz

Игорь Беликов, который родился в Харкове в 1941 году, служил с 1960 года летчиком- истребителем советских ВВС в соседнем городе Цербст. В тот 13 марта 1969 года он приехал в Магдебург для медосмотра. Таким образом Игорь Беликов был в нужное время в нужное место.

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1970 kehrte Igor Belikow in die Sowjetunion zurück, wo er die Fliegerakademie Juri Gagarin absolvierte und weitere Einsätze in auf der Krim, im Kaukasus und Afghanistan.
Aufgrund seiner heldenhaften Rettungstat wurde Iwan Belikow 1977 Ehrenbürger der Stadt Magdeburg. Ihm zu Ehren steht heute im Stadtzentrum ein vom in Sachsen- Anhalt geborenen Bildhauer Heinrich Apel (*1935) gefertigtes Bronzedenkmal.

С 1970 года Игорь Беликов служил в СССЗ, где он стал выпускником авиационной акдемии им. Юрий Гагарина. Потом Беликов служил в Афганистане, Крыму и на Кавказе.
В 1977 году Игорь Беликов из- за своего геройского поступка был назначен почётным гражданином города Магдебурга. В его честь ныне в городском центре находится бронзовый памятник, сделанный скульптором Генрих Апель, который в 1935 году родился в Саксонии- Ангальте.

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Der Bildhauer Heinrich Apel fertigte für die Stadt Magdeburg auch den Faunbrunnen in der Leiterstraße an.
Скульптор Генрих Апель является также автором так называемого Фонтана Фавна в городе Магдебурге.

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Doch zurück zu Igor Belikow: Der unvergessene Held von Magdeburg, verstarb im Frühjahr 2015.

Возвращаемся к Игорю Беликову: Незабываемый герой города Магдебурга умер весной 2015 года.

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Der Universalgelehrte Adam Olearius aus Aschersleben – Универсальный человек Адам Олеарий из Ашерслебена

Der Universalgelehrte Adam Olearius aus Aschersleben – Универсальный человек Адам Олеарий из Ашерслебена

Der Universalgelehrte Adam Olearius, Sohn eines Schneiders, gehörte zu denjenigen, die versuchten in der Mitte des 17. Jahrhunderts mithilfe ihrer Reiseberichte, den Westeuropäern das Leben im Russischen Reich nahe zu bringen.

Adam Olearius, um 1669 von J. Ovens (1623- 1678)
Adam Olearius, um 1669 von J. Ovens (1623- 1678)

Универсальный человек Адам Олеарий, сын портного, принадлежал к колоде тех людей, которые в середине 17 века при помощи описаний своих путешествий познакомились западноевропейцев с жизнью в Российской Империи.

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Regionalgruppe „ Anhalt- Zerbst“ des Vereins für Anhaltische Landeskunde gegründet – Основана региональная группа «Ангальт- Цербст» Союза краеведения Ангальта

Regionalgruppe „ Anhalt- Zerbst“ des Vereins für Anhaltische Landeskunde gegründet
Основана региональная группа «Ангальт- Цербст» Союза краеведения Ангальта

Der Verein für Anhaltische Landeskunde wurde im Jahr 1990 neu gegründet. Er führt die Arbeit des 1875 gegründeten Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumskunde und des 1890 geschaffenen Vereins für Anhaltische Landeskunde fort.
Die Mitglieder des heutigen Vereins für Anhaltische Landeskunde betreiben Forschungen über das historische Gebiet Anhalts. Die Forschungsgebiete sind sehr breit gefächert, dazu gehören historische Geografie, Denkmalpflege, Numismatik, Archäologie, Wirtschaftsgeschichte usw.
Außerdem ist der Verein für Anhaltische Landeskunde Herausgeber verschiedener wissenschaftlicher Publikationen und organisiert u.a. wissenschaftliche Kolloquien. In den anhaltischen Regionen Köthen, Dessau und Bernburg existieren bereits regionale Gruppen des Vereins für Anhaltische Landeskunde.

http://www.val-anhalt.de/

Союз краеведения Ангальта был снова основан в 1990 году. Он является преемником основанного в 1875 году Общества истории Ангальта и созданного в 1890 году Союза Краеведения Ангальта.
Члены нынешнего Союза краеведения Ангальта занимаются исследованиями о исторической территрории Ангальта. Они интенсивно занимаются истрической географией, сохранением памятников, нумизматикой, археологией и историей экономики итд.
Кроме того Союз краеведения Ангальта издает научные публикации и организует научные коллоквиумы. В ангальтских регионах Кётен, Дессау и Бернбург были уже созданы региональные группы Союза краеведения Ангальта.

Stadthalle Zerbst городской холл в Цербсте/ Ангальт
Stadthalle Zerbst- городской холл в Цербсте/ Ангальт

Am 26. September 2015 wurde in der Stadthalle zu Zerbst/Anhalt die Regionalgruppe Anhalt- Zerbst des Vereins für Anhaltische Landeskunde gegründet. Anwesend waren Prof. Dr. Herrmann Seeber, Vorsitzender des Vereins für Anhaltische Landeskunde, und Andreas Dittmann, Bürgermeister der Stadt Zerbst/ Anhalt, der auch ein Grußwort sprach.

Prof. Dr. Seeber
                     Prof. Dr. Seeber

26 сентября 2015 года в городском холле г. Цербст/ Ангальт была основана региональная группа «Ангальт- Цербст» Союза краеведения Ангальта. Присутствовали также Проф. Др. Херрманн Сеебер, председатель Союза краеведения Ангальта, и г- н Андреас Диттманн, мэр г. Цербст/ Ангальт, который выступал с приветственным словом.

Bürgermeister Andreas Dittmann
             Bürgermeister Andreas Dittmann

Danach hielt Frau Dr. Ulla Jablonowksi, Ehrenvorsitzende des Vereins für Anhaltische Landeskunde, einen informativen Vortrag zum Thema Die letzten Lebensjahre des Fürsten Wolfgang in Zerbst (1564- 1566).

Dr. Ulla Jablonowski
                         Dr. Ulla Jablonowski

После этого выступал г- жа Др. Улла Яблоновский, почетный председатель Союза краеведения Ангальта, с докладом на тему «Последние жизненные годы князя Вольфганга в Цербсте (1564- 1566)».

Zum Abschluss besichtigten die Teilnehmer der Gründungsversammlung die einstige Hof- und Stiftskirche St. Bartholomäi, die im Jahr 2015 ihr 800-jähriges Bestehen begeht.

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Наконец, члены учредительного собрания осмотрели бывшую придворную церковь Св. Варфоломея, которая в 2015 г. отмечает своё 800- летие.

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Zerbst, den 26-09-2015               Annegret Mainzer

Цербст, 26 сентября 2015 г.      Аннегрет Майнцер