September 2017: Premiere des Musicals „Fieke“ in Zarizyno bei Moskau

September 2017: Premiere des Musicals „Fieke“ in Zarizyno bei Moskau

Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst: „Die Zeit diktiert ihre Interessen“

Annegret Mainzer, Zerbst

Am 16. September d.J. fand im Park von Zarizyno bei Moskau das vom Internationalen Verband Deutsche Kutur (IVDK) organisierte Festival der Balltraditionen zur Zeit von Zarin Katharina II. statt.

Besondere Programmpunkte dieses herbstlichen Freiluftfestivals bildeten u.a. öffentliche Tanzlektionen, in denen Interessierte jeglichen Alters sich in Etiketten und Tänzen zur Zeit des Barock ausprobieren konnten, und auch nicht unerwähnt sollten die professionellen akrobatisch choreografierten Vorführungen mit gefährlich klingenden Degen a la les trois mousquetaires bleiben.

                

Doch den absoluten Höhepunkt des diesjährigen Open-Air-Festivals in Zarizyno stellte die Premiere des Musicals Fieke dar, das die Frage >Wie wurde aus der kleinen Fieke die große Katharina?< thematisiert. Bereits einige Zeit zuvor war die Musicalpremiere in verschiedenen sozialen Netzwerken und deutschen sowie russischen Medien angekündigt worden.

Besucher auch aus Zerbst/ Anhalt

Auch Annegret Mainzer und Dirk Herrmann von Katharina-und Schlossverein in Zerbst/Anhalt, die im Rahmen des 3. Großen Katharinaballs in Moskau weilten, waren unter den zahlreichen Zuschauern im Park von Zarizyno. Noch vor Vorstellungsbeginn trafen sie auf Elena Eliseeva und Ivan Zolotuchin, die kindlichen Darsteller von Fieke und Peter. Die zwei jungen Darsteller ließen sich auch nicht lange zu einem gemeinsamen Foto mit den Gästen aus der deutschen Heimat von Katharina II. bitten.

v.l.n.r.: Dirk Herrmann, Elena Eliseeva, Ivan Zolotuchin, Annegret Mainzer

Zahlreiche Besucher– jung wie alt- standen erwartungsvoll und dicht gedrängt sowie mit Kameras und Smartphones bestückt an der Bühne, um interessiert das Musical Fieke zu verfolgen.

Sehr ausdrucksstark und effektvoll – die Musik. Imposant, gewaltig und markant – die Stimmen. Groß und typisch russisch-pathetisch – die Worte. Praktikabel-tanzbar – die Kostüme. Spartanisch und transparent – das Bühnenbild.

Jedoch, unvergesslich und bleibend – der Eindruck!

Die Darstellerinnen und Darsteller

Die in Alma-Ata geborene und im klassischen Gesang ausgebildete Schauspielerin Irina Lindt mit deutschen Wurzeln, Regisseurin des Musicals Fieke und Darstellerin von Zarin Elisabeth Petrowna, ist in der Moskauer und russischen Theater-und Filmlandschaft keine Unbekannte. Ihre Stimmgewalt füllt würdevoll den Bühnenraum aus, wie es sich für eine Zarin gebührt.

            

Eine weitere Darstellerin im Musical Fieke ist Anna Bagmet, die die Rolle der ehrgeizigen und geltungsbedürftigen Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst verkörpert. All ihre Gestik und Mimik, ihr voller Stimmeinsatz auf der Bühne überzeugten die Zuschauer vom Streben der Zerbster Fürstin nach Höherem, von ihren hochfliegenden Plänen für ihre Tochter Fieke. „Die Zeit diktiert ihre Interessen“ („Время диктует свои интересы“) – so rechtfertigt Johanna Elisabeth alias Anna Bagmet im Musical Fieke ihr Handeln. Zweifelsfrei brilliert die theater-und filmerfahrene Anna Bagmet in der Rolle der Mutter der Zerbster Fürstentochter Fieke.

             

Das Pendant dazu bildet Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst, Vater von Fieke, dargestellt von Alexander Kolzov. Sehr ergreifend und überzeugend die Szene des Abschiednehmens von Tochter Fieke. Sein fein nuancierter Stimmeinsatz, seine pointengenaue Gestik und Mimik in dieser Szene zeugen von Alexander Kolzovs hohem Empathievermögen. Auch Anna Glaube, Darstellerin der vierzehnjährigen Fieke, wirkte auf der Bühne mit all ihrem jugendlichen Übermut und Abschiedsschmerz sehr glaubwürdig.

                                     

Das Zusammenspiel der Solistinnen und Solisten mit den Damen und Herren vom Ballett des Moskauer Musicaltheaters war erstklassig professionell und harmonisch.

Mit einem Koffer voller unauslöschlicher positiver Eindrücke und Ideen für das Jahr 2018 fuhren Annegret Mainzer und Dirk Herrmann zurück nach Zerbst/Anhalt. Und vielleicht macht das Musical Fieke in naher Zukunft auf dem Hof des Schlosses Zerbst halt?

Zerbst, den 05.Oktober 2017

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Die ungewöhnliche Reise einer Katharina-Statue: Moskau- Jerewan- Moskau

Die ungewöhnliche Reise einer Katharina-Statue: Moskau- Jerewan- Moskau

Annegret Mainzer, Zerbst

Am 06. November 1896 stellten die Moskauer eine aus Carrara- Marmor angefertigte Statue der Zarin Katharina II., einer geborenen Prinzessin von Anhalt-Zerbst, in der Großen Halle der Moskauer Stadt- Duma, d.h. des Moskauer Stadtparlaments auf. Dies geschah in Anwesenheit der Mitglieder der kaiserlichen Familie Russlands. Einen adäquaten Beschluss zur Aufstellung der Zarin-Statue hatte das Moskauer Stadtparlament schon ein Jahr zuvor gefasst. Geschaffen wurde die Statue vom bekannten russischen Bildhauer Alexander Michailowitsch Opekuschin (1838-1923), der auch am Petersburger Denkmal für Zarin Katharina II. mitgearbeitet hatte.

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Nach 1917 brachte man die Statue ins Depot des Museums der Schönen Künste. Die neuen Machthaber Russlands beabsichtigten, den „kaiserlichen“ Marmor für die Anfertigung von ca. hundert neuen Büsten führender Kommunisten zu nutzen.

Später gelangte die Statue ins Atelier des Bildhauers Sergei Dimitrijewitsch Merkurow (1881-1952). Dieser wiederum fürchtete um die Sicherheit der Statue und sorgte deshalb dafür, dass sie Anfang der 50-er Jahre nach Jerewan, der Hauptstadt Armeniens, überführt werden konnte. Merkurow hatte sie seinem Freund Mark Wladimirowitsch Grigorjan (1900- 1978), seinerzeit Stadtarchitekt von Jerewan, übergeben. In Jerewan „schlummerte“ die Statue auf dem Hof des armenischen Nationalmuseums.

Im Jahr 2003 hatte die armenische Regierung beschlossen, die restaurierte Statue Katharinas II. Russland, d.h. nach Moskau zurückzugeben. Die Statue wiegt ohne Sockel 4,2 t und ist 2,85 m hoch.

Anfang 2006 war in der russischen Presse zu lesen, dass die aus Armenien zurückgekehrte Statue Katharinas II. auf dem Territorium des musealen Naturreservats Zarizyno aufgestellt werden soll. Kurz zuvor war die Statue im würdigen Rahmen im Großen Saal der Moskauer Tretjakow- Galerie von Armen Sambatjatin, dem Botschafter Armeniens in Russland, an Juri Luschkow, den damaligen Oberbürgermeister Moskaus, übergeben worden.

Das ist für uns alle ein freudiges Ereignis. Wir bekommen eine Skulptur eines unserer führendsten Bildhauer  Alexander Opekuschin zurück“, so seinerzeit Juri Luschkow, der noch darauf verwies, dass die Statue noch einige Zeit in der Tretjakow- Galerie verbleiben müsse, bevor sie im damals noch nicht fertiggestellten Palais von Zarizyno aufgestellt werde. Zarizyno war auch einst auf Anregung Katharinas II. errichtet worden. „Wir werden Katharina dann im zentralen Saal aufstellen, den wir Katharina- Saal nennen werden.“, so Luschkow.

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Zarizyno befindet sich südöstlich von Moskau. Im 16. Jahrhundert war dieser Ort noch ein Dorf mit dem Namen Bogorodskoje. Besitzerin dieses Dorfes war Zarin Irina Godunowa, Gattin von Zar Fjodor Iwanowitsch. Im Jahr 1712 schenkte Zar Peter I. den Flecken Bogorodskoje dem moldauischen Fürsten D. Kantemir. Bogorodskoje wurde 1775 von Zarin Katharina II. aufgekauft und von nun an Zarizyno genannt. Am Bau des Großen Palastes waren die Architekten Wassili Iwanowitsch Baschenow (1737-1788) und Matwei Fjodorowitsch Kasakow (1738- 1812)beteiligt. Mit dem Tod Katharinas II. wurden weitere Bautätigkeiten im Zarizyno eingestellt und ruhten bis zum Jahre 1803.

Im Jahr 2007 konnte die Restaurierung des Schloss- und Parkensembles Zarizyno abgeschlossen werden.

Alexander Michailowitsch Opekuschin (1838- 1923)

Der aus dem Gouvernement Jaroslawl stammende Bildhauer Alexander Michailowitsch Opekuschin erhielt seine künstlerisch-handwerklichen Unterweisungen in der Petersburger Werkstatt von Professor David Iwanowitsch Jensen (1816-1902). Anschließend besuchte Opekuschin die Kaiserliche Akademie der Künste, wo er für seine Arbeiten, zu denen auch die Skulptur Amor und Psyche gehörte, verschiedene Auszeichnungen bekam. Für die Anfertigung einer Büste des Grafen Schuwalow und seine Mitarbeit am Petersburger Denkmal für Katharina II. wurde Opekuschin in die Meisterklasse der Akademie aufgenommen. Der Titel Akademiker wurde ihm für die Anfertigung der Büste des Zarejewitsches Nikolai Alexandrowitsch und der Statue Peters I. zuerkannt. In den ersten Jahren seines Wirkens war Opekuschin vorrangig mit ornamentalen Stuckarbeiten in und an Petersburger Gebäuden befasst und zählte zu den engsten und wichtigsten Mitarbeitern des Bildhauers und Malers Michail Ossipowitsch Mikeschin (1835-1896), dem Schöpfer des Denkmals für Katharina die Große in St. Petersburg. Im Jahr 1882 präsentierte Opekuschin auf der Allrussischen Industrieausstellung gemeinsam mit Mikeschin und dem Architekten Dimitri Nikolajewitsch Tschitschagow (1835-1894) zwei Skulpturenensembles: Die Wolga und Das Erdöl. Weiterhin fertigte Opekuschin das Denkmal für Alexander II., das 1898 an der Südmauer des Moskauer Kremls aufgestellt wurde. Zu den Werken Opekuschins zählt ebenfalls das Denkmal für Alexander III., das man im Jahre 1912 neben der Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau eingeweiht hatte. Keines dieser zwei letzt genannten Denkmale ist erhalten geblieben. Denkmale, die ebenfalls von Opekuschin stammen, sind u.a. das Puschkin-Denkmal in Moskau, aber auch die Puschkin- Denkmale in St. Petersburg sowie in Kischinjow und das Lermontow – Denkmal in Pjatigorsk.

Quellen:

1.Mehling, M.: Moskau.Knaurs Kulturführer. München, 1990

2. Хатчатуров, С.: Спасенную статую Екатерины II вернули Москве,

http://www.vremya.ru/2006/10/10/143733.html 27.01.2006

3. Catherine the Great’s Statue returns to Moscow from Yerewan

http://www.pravdareport.com/news/science/08-10-2003/52993-0/ 09.11.2003

4.Katharina die Grosse wieder in Moskau, http://russlandonline.ru/mainmore 09.11.2003

5.Памятник Екатерине II, возвращенный Москве Арменией, будет установлен в Царицынo

http://monarhist-spb.narod.ru/Archives_news/2006/01-2006/23-01-2006-1.htm 26.01.2007

6.Опекушин, Александр Михайлович,

http://hrono.ru/biograf/bio_o/opekushin_am.php 11.04.2007

7.Российское монархическое движение. Информационный бюллетень №35, февраль 2006, стр. 15

8.http://www.museum.ru/N25145 27.10.2016

9.http://encspb.ru/object/2804030509?lc=ru 26.10.2016

10.https://rg.ru/2006/01/24/ekaterina.html 27.10.2016

Zerbst, den 16.November 2016