Zerbst/Anhalt: Regionale Geschichte aus weiblicher Sicht präsentiert

Zerbst/Anhalt: Regionale Geschichte aus weiblicher Sicht präsentiert

 Annegret Mainzer, Zerbst

Etwa 260 Gäste konnten die Mitglieder des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.v. am Nachmittag des 01. März im Katharina-Saal der Stadthalle Zerbst begrüßen. Im Rahmen der derzeit laufenden 55. Zerbster Kulturfesttage hatte der Internationale Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.v. zur Veranstaltung „Regionale Geschichte aus weiblicher Sicht – Frauenpersönlichkeiten aus verschiedenen Jahrhunderten stellen sich vor“ geladen, wobei der Fokus auf den aus Anhalt-Zerbst stammenden Frauen lag.

Alle vorgestellten Frauenpersönlichkeiten auf einen Blick

Dieser Nachmittag mit den historischen Frauenpersönlichkeiten aus Zerbst und Umgebung war eine sehr prägnante und volkstümliche Darbietung unserer regionalen Geschichte, eine andere Art informativer Geschichtsdarstellung“, fasste die Zerbster Besucherin Marlies Kellpinski ihre Eindrücke zusammen, nachdem sich 15 Frauen, die einst in Anhalt-Zerbst lebten und wirkten, vorgestellt hatten. Die Geschichte unserer Region werde unter anderem auf verschiedenen Plattformen im Internet dargestellt, aber Frauen stünden bisher dabei selten im Mittelpunkt, so hätten die Besucherinnen und Besucher viel Neues erfahren, fuhr Kellpinski fort.

Der Nachmittag mit vielem Neuen rund um Anhalt-Zerbster Frauen stellte das Resultat der Zusammenarbeit des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. mit Frauen verschiedenen Alters, die zurzeit in der Region Anhalt-Zerbst lernen oder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen und nicht unbedingt Vereinsmitglied sind.

Annegret Mainzer in der Rolle einer nach Russland ausgewanderten Zerbsterin begrüßt die Gäste

Wir sind erfreut und überwältigt zugleich von solch regem Interesse an diesem Thema“, begrüßte Annegret Mainzer vom Vorstand des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. die zahlreich erschienen Gäste. Dafür war sie in die Rolle der Zerbsterin Friederika Augusta Winter geschlüpft, die 1767 an die Wolga ausgewandert war, wie ein Blick in die Erstsiedlerliste von Katharinastadt (heute: Marx/ Russland)belegt.

ABM-Maßnahmen befassten sich mit Zerbster Frauengeschichte

Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Anhalt-Bitterfeld Ursula Böttge, ebenfalls vom Vorstand des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. hatte an diesem Nachmittag die Funktion der Regisseurin übernommen. Sie informierte die Besucherinnen und Besucher im Vorfeld der Präsentation über die Entstehung dieses Projektes. „Im Jahr 1995 habe ich mich gefragt, wie viele Straßen in Zerbst nach Frauenpersönlichkeiten benannt sind. Das Resultat war sehr ernüchternd“, gestand Böttge.

Uta Böttge berichtet über die Entstehung des Projektes

Deshalb habe sie vor Jahren ABM-Projekte mit dem Ziel ins Leben gerufen, Näheres über Frauen in Anhalt-Zerbst zu erfahren. Ausstellungen seien organisiert worden, ein Geburtstagskalender und eine Broschüre herausgegeben, berichtete sie weiter. Und sie erinnerte daran, dass seit dem Jahr 2000 zur EXPO die Stadt Zerbst/Anhalt offiziell zu den „FrauenOrten“ Sachsen-Anhalts gehört. Für Schulklassen haben Böttge und ihre damaligen Mitstreiterinnen Spaziergänge rund um die Zerbster Stadtmauer organisiert, auf denen sich die historischen Frauenpersönlichkeiten zumeist an ihren Wirkungsstätten vorstellten.

Vielfalt an Anhalt-Zerbster Frauenpersönlichkeiten

So machten die Gäste am Sonntagnachmittag in der Stadthalle Zerbst Bekanntschaft mit einer lebensfrohen und naturverbundenen Nonne aus dem hiesigen Frauenkloster, dargestellt von Kerstin Bette. „Nein, immer mehr Abgaben. Diese Gier stets zu Lasten der Schwächeren…“, klagte die allen Zerbster Kindern bekannte Butterjungfer, alias Uta Thiele, und brandmarkte somit die Gier der Mächtigen an. Barbara Lamottke beschrieb eindrucksvoll das einerseits turbulente und andererseits leidvolle Leben der europaweit im 18. Jahrhundert bekannten Theaterprinzipalin Caroline Neuber, die mehrmals mit ihrer Truppe in Zerbst und sogar in St. Petersburg gastierte.

eine naturverbundene Zerbster Nonne                                                      
Zerbster Butterjungfer

Schauspielerin der Neuberschen Truppe

 

Zerbster Prinzessin und russische Zarin „angereist“

Besuch aus dem Zerbster Schloss und Russland war auch angereist. Während Prinzessin Friederike Auguste Sophie von Anhalt-Zerbst, dargestellt von Friederike Beck, mit ihrer jüngeren Schwester Elisabeth (Greta Mattke) gekommen war und von einem mysteriösen Brief der Zarin Elisabeth Petrowna aus Russland berichtete, bekannte die selbstbewusste Zarin Katharina II., alias Tatyana Nindel, dass sie unter einer liebenswürdigen Hülle gleichermaßen als Diplomatin, Heuchlerin und Erpresserin agiere, um sich gegen die täglichen Intrigen durchsetzen zu können.

 

Die Frauenfrage ist eine Erwerbsfrage

Die Frauenfrage ist eine Erwerbsfrage“, meinte die vielseitig gebildete Frauenrechtlerin Jenny Hirsch, gespielt von Manuela Schätzchen. Zu den Frauen, die sich wie Jenny Hirsch ihren Lebensunterhalt selbst verdienten, gehörten auch die auch wissenschaftlich tätige Zerbster Handelsgärtnerin Luise Corthum, dargestellt von Silke Beck, sowie die Zerbster Wasserjette, alias Anika Johannes. Die Wasserjette, ein echtes Zerbster Kind, zog mit ihrem Handwagen und Wasserkannen vor und erzählte salopp nach Zerbster Mundart von ihren Ärgernissen mit den Zerbster „Jören und Kerls“. Vom gelegentlichen Ärger mit den Jungen in ihrer Klasse wusste ebenfalls Ida Möhring zu erzählen, denn einige Male steckten ihre Zöpfe im Tintenfass. Ida Möhring, gespielt von Cherine Boutaba, besuchte als erstes Mädchen am Zerbster Gymnasium Francisceum.

Handelsgärtnerin Luise Corthum
Frauenrechtlerin Jenny Hirsch

Erinnerung an die Zerbster Trümmerfrauen

Astrid und Paula Klausnitzer erinnerten in ihrer dialogischen Szene an die körperlich schwere Arbeit der Zerbster Trümmerfrauen nach 1945, eine Zeit, die durch Zerstörung, Hunger, Krankheit und dem Mangel an zupackenden männlichen Arbeitskräften charakterisiert war.

Zerbster Wasserjette
Francisceerin Ida Möhring
Zerbster Trümmerfrau
Zerbster Trümmerfrau

Avantgardistinnen in ihren Berufen waren Dr. Berta von Scheven, die erste Ärztin im Landkreis, dargestellt von Ursula Böttge. Die Rolle der ersten in Anhalt ordinierten Pastorin Anneliese Salm übernahm Sabine Brauns und die von Dr. Käthe Lüderitz, der ersten Chirurgin im Zerbster Krankenhaus, – Silke Hoffmann.

erste Chirurgin im Zerbster Krankenhaus

erste in Anhalt ordinierte Pastorin

Dr. Inge Werner, die erste Direktorin am Zerbster Gymnasium Francisceum, berichtete selbst über ihren beruflichen Werdegang.

Dr. Inge Werner

Die musikalische Umrahmung der Spielszenen lag nach wohl bewährter Art in den Händen von Marina Drobyshevskaya.

Mit lang anhaltendem Applaus und viel Zustimmung dankte das Publikum den Darstellerinnen. Bei anschließender Kaffeetafel konnten die Gäste mit den Mitwirkenden und den Mitgliedern des des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. ins Gespräch kommen und sich an einem Quiz rund um die vorgestellten Frauenpersönlichkeiten beteiligen.

Freude über Gewinn

Viele Gäste folgten aufmerksam den Spielszenen und konnten somit alle zehn Quizfragen richtig beantworten, sodass schlussendlich das Los entscheiden musste. Als Glücksfeen fungierten dabei Friedrike Beck, Cherine Butaba und Greta Mattke.

Gewinnerin Sigrid Wörlitz (li)

Über den Hauptpreis, einen Gutschein für zwei Personen für den Russischen Abend am 07. August im Zerbster Hotel-Restaurant von Rephuns Garten konnte sich Sigrid Wörlitz freuen. Herzlichen Glückwunsch!

Dank des des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. an folgende Sponsoren und Unterstützer:

– Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld

– Stadtverwaltung Zerbst/Anhalt

– Team der Stadthalle Zerbst/Anhalt

– Team des Hotel-Restaurant von Rephuns Garten in Zerbst/Anhalt

– Katharina-Apotheke, Zerbst/Anhalt

– Schlosskonditorei Zerbst/Anhalt

– Musikschule „J.F. Fasch“ Zerbst/Anhalt

Zerbst, 04.03.2020

Zerbst/ Anhalt: Eine neue Ostpolitik für Frieden in Europa- Fazit einer Podiumsdiskussion

Zerbst/ Anhalt: Eine neue Ostpolitik für Frieden in Europa- Fazit einer Podiumsdiskussion

Stadthalle Zerbst/ Anhalt
Stadthalle Zerbst/ Anhalt

Wenn geballte hochkarätige Politprominenz zu öffentlichen Diskussionen eingeladen wird, finden diese Debatten meist an bekannten Plätzen in noch bekannteren Metropole der Welt statt. Selbst wenn es sich um eine Debatte von Lokalpolitikern handelt, treffen sie sich meist in den jeweiligen Landeshauptstädten. Seltener in kleinen Städten.
Jedoch auch kleinere und mittlere Städte, die nicht im gleichen Atemzug mit New York, Moskau oder Berlin genannt werden, sie spielten und spielen in der Weltgeschichte oft eine bedeutende Rolle, n´brachten hervorragende Persönlichkeiten hervor, wie man am Beispiel einiger kleinerer Städte, die zum einstigen Herzogtum Anhalt gehörten, sehen kann. Dabei denkt man an Köthen mit dem Komponisten Johann Sebastian Bach und Samuel Hahnemann, den Begründer der Homöopathie, und auch an Zerbst/ Anhalt mit Reformator Martin Luther und Zarin Katharina II. von Russland, geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst.

Denkmal für Katharina II. vor Zerbster Stadthalle
Denkmal für Katharina II. vor Zerbster Stadthalle

Deshalb liege es nach Meinung von Andreas Dittmann, Bürgermeister von Zerbst/ Anhalt, auf der Hand, dass die Podiumsdiskussion Eine neue Ostpolitik für Frieden in Europa im Katharina- Saal der Stadthalle von Zerbst/ Anhalt stattfindet, zu der er am 08. Juni d.J. zirka 320 Gäste begrüßen konnte.

Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Dittmann
Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Dittmann

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