Zum 291. Geburtstag von Zarin Katharina II. aus dem Hause Anhalt-Zerbst-Denkmale für eine deutsche Zarin

Zum 291. Geburtstag von Zarin Katharina II. aus dem Hause Anhalt-Zerbst

Denkmale für eine deutsche Zarin

Annegret Mainzer, Zerbst

Am 02. Mai vor 291 Jahren (lt. Gregorianischem Kalender) erblickte Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst im einstigen preußischen Garnisonsstädtchen Stettin (heute: Szczecin/Polen) das Licht der Welt.

In den Grundschulen unserer Einheitsgemeinde Zerbst/Anhalt lernt heutzutage jedes Kind, dass Prinzessin Sophie im Jahr 1744 ins Russische Reich reiste, um im Jahr darauf den russischen Thronfolger zu heiraten.

Prinzessin Sophie im dem Gemälde „Erste Begegnung auf Schloss Eutin“ v. E. Orlowa-Afinogenewa

Jede/r der an dem Arrangement dieser Ehe Beteiligten versprach sich ihrer/seinerzeit davon politische, dynastische und persönliche Vorteile: Preußenkönig Friedrich II. strebte größere Einflussnahme auf das politische Geschehen am Zarenhof an, Zarin Elisabeth Petrowna erwartete von der jungen Prinzessin Sophie zahlreiche Nachkommen, um die Dynastie der Romanows auf lange Zeit in Russland zu sichern und Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst, die Brautmutter, sah ihre Chance, aus dem provinziellen Leben in Stettin und Zerbst auszubrechen, um in der internationalen Politik mitmischen zu können, was ihr aber letztendlich misslang. Jedoch hatte niemand mit dem eigenen Willen, mit den persönlichen Zielvorstellungen von Prinzessin Sophie gerechnet. So kam es anders als gedacht.

Von der Zerbster Prinzessin Sophie zur Zarin Katharina II.

Gestählt durch die harte Schule der Intrigen, Machtspiele und Demütigungen am Zarenhof, die Prinzessin Sophie, nunmehr Großfürstin Katharina Alexejewna, 18 Jahre lang zu erdulden hatte, und mithilfe der Truppen der Grafen Orlow konnte sie im Jahre 1762 den russischen Thron besteigen und sich in der Himmelfahrtskirche im Moskauer Kreml zur Zarin Katharina II. krönen lassen.

Peter I. und Katharina II. – Leuchttürme der russischen Geschichte

Bereits kurze Zeit danach begann Katharina II. ihr lange Zeit im Voraus geplantes Reformwerk in die Tat umzusetzen. So wurden besser handhabbare Verwaltungsstrukturen geschaffen, ein staatliches Schule- und Gesundheitswesen eingerichtet, zahlreiche neue Städte entstanden nach westeuropäischem Vorbild, das Unternehmertum wurde gefördert. Mit ihren Reformen setzte Katharina II. das fort, was ihr Vorbild Zar Peter I. (1672-1725) vor ihr begonnen hatte.

Zar Peter I. und Zarin Katharina II. waren und sind die zwei Leuchttürme der russischen Geschichte, die auch von der sowjetischen Historiografie nicht totgeschwiegen werden konnten. Die Reformen Katharinas II., die nahezu alle Sphären des gesellschaftlichen Lebens berührten, haben Russland bis heute geprägt, sodass die Russen ihre Regierungszeit das Goldene Zeitalter nennen.

Dass Zarin Katharina II. als historische Persönlichkeit die Russen, insbesondere die Historiker und Künstler auch in unseren Tagen beschäftigt, davon zeugte 2019 die Ausstrahlung des Mehrteilers Katharina- der Aufstieg mit Marina Alexandrowa in der Hauptrolle im Fernsehkanal Rossija-1.

Katharina II. als mehrfache Stadtgründerin

In vielen Städten des einstigen Russischen Reiches gilt Zarin Katharina II. als Stadtgründerin. Unter ihr erhielten zahlreiche bis dato wenig entwickelte Landstriche eine Infrastruktur, die ein wirtschaftliches Aufblühen dieser Regionen ermöglichte. Der Bau von Kirchen, gleich ob orthodoxe oder lutherische wurde oft von Katharina II. bezuschusst. So entwickelte sich mit der Zeit unter den Einwohnern dieser neu gebauten Städte eine gewisse Dankbarkeit gegenüber Katharina II., die sich darin äußerte, dass vielerorts Denkmale für sie errichtet wurden.

In den Ausgaben der Zerbster Volksstimme ab 1999 sowie im Zerbster Heimatkalender 2011 wurde zumeist von Annegret Mainzer sporadisch über die im ehemaligen Russischen Reich errichteten Denkmale für Katharina II. berichtet.

Berichte in der Zerbster Volksstimmeüber Denkmale für Katharina II. und Diskussionen darüber

15.10.1999 Dnjepropetrowsk (früher: Jekatherinoslaw)

23.10.1999 Krasnodar (früher: Jekatherinodar)

30.10.1999 St. Petersburg

14.11.2002 Noworschew

Katharina-Denkmal in Noworschew

24.11.2005 Irbit, Vilnius

einstiges Katharina-Denkmal in Vilnius

25.01.2006

21.06.2007} Simferopol

Katharina-Denkmal in Simferopol

12.06.2015

04.01.2008 Tiraspol, Odessa, Rostow a. Don, Wyschni Wolotschek

18.08.2008 Sewastopol

10.11.2010 Kropotkina, Krementschug, Syktywkar

09.09.2014 Iribit, Puschkin, Zarizyno

2014 Bogorodizk (früher: Baronsk)

Zerbster Heimatkalender 2011: Archangelskoje, Dnepropetrowsk, Irbit, Krasnodar, Marx, Morschansk, Moskau, Mytitschi, Bogorodizk, Noworschew, Odessa, Podolsk, Puschkin, Rostow a. Don, Sewastopol, Simferopol, Tiraspol, Twer, Vilnius, Wyschni Wolotschek, Wallhalla, Zerbst.

Annegret Mainzer am Katharina-Denkmal in Puschkin/ St. Petersburg

Aus gegebenen Anlass, nämlich des 291. Geburtstages von Zarin Katharina II. sollen an dieser Stelle weitere Denkmale, die ihr zu Ehren errichtet wurden, vorgestellt werden.

Wladikawkas

Im Jahr 2005 wurde in Wladikawkas ein Denkmal für Katharina II. aufgestellt. Warum in der Hauptstadt der russischen Republik Nordossetien-Alanien?

Wladikawkas (in deutscher Übersetzung: Beherrsche den Kaukasus) wurde 1784 per Ukas durch Katharina II. gegründet. Der Ausbau der Stadt erfolgte unter Leitung von Fürst Grigori Potjomkin, denn Wladikawkas sollte als Festung zum Schutz gegen die Überfälle kriegerischer kaukasischer Stämme dienen. 1799 wurde die bei Wladikawkas beginnende und nach Tblissi führende Georgische Heerstraße eröffnet. Nach der Angliederung Georgiens an das Russische Reich im jahr 1801 entstanden in Wladikawkas neue Stadtviertel, Kosaken wurden angesiedelt. Kurz gesagt: Handel und Wirtschaften gediehen. Wladikawkas entwickelte sich zu einer blühenden multikulturellen Stadt, in der Russen, Osseten, Armenier, Georgier und andere ethnische Gruppen lebten. Der Bau einer Sunnitischen Moschee (1908) in Wladikawkas ist beredtes Zeugnis der im Zarenreich praktizierten religiösen Toleranz.

Im Mai 2005 wurde am südlichen Stadtrand von Wladikawkas eine Allee des Ruhmes geschaffen. Bestandteil dieser Allee des Ruhmes ist eine Skulpturenkomposition mit dem Titel Katharina empfängt die Gesandten Ossetiens. Vor einem halbrunden Basrelief steht die Bronzeskulptur von Zarin Katharina II., ihr gegenüber – die ossetischen Gesandten, ihre Akkreditierungsurkunde überreichend. Auf dem Basrelief ist der Weg dargestellt, den die Gesandten von Ossetien nach St. Petersburg zurückgelegt hatten. Geschaffen wurde die Rotunde vom Bildhauer Sergei Pawlowitsch Sanakojew, der 1920 in Wladikawkas geboren wurde und dort 2002 verstarb.

Luga

Im Jahr 1777 wurde durch Katharina II. die Gründung der Stadt Luga bestimmt, gelegen im heutigen Leningrader Oblast (Gebiet). Den Bebauungsplan von Luga hatte Katharina II. ebenfalls persönlich abgesegnet. So gilt Katharina II. auch in Luga als Stadtgründerin.

Am 12. August 2017 wurde in Luga ein Denkmal für Zarin Katharina II. eingeweiht. Anlass dafür war der 240. Stadtgeburtstag.

Die bronzene Statue der Zarin steht auf einem achteckigen Podest. Die Zarin trägt den Krönungsmantel und hält in ihrer rechten Hand den Erlass zur Gründung von Luga. Dieses Denkmal für Katharina II. ist ein Werk des 1979 in Luga geborenen Bildhauers Artjom Wladimirowitsch Rytschkow und des Architekten Jewgeni Mironow. Rytschkow ist Absolvent der Kunstgewerbeakademie A.L. Stieglitz in St. Petersburg.

Võru in Estland

Über ein Denkmal für Katharina II. in der estnischen Stadt Võru (deutsch: Werro) können Sie sich informieren, wenn Sie den folgenden Link öffnen:

https://russianhalthistory.wordpress.com/2020/04/30/was-verbindet-anhalt-und-die-estnische-stadt-voru/

Weitere interessante Informationen über Denkmale, Büsten bzw. Statuen zu ehren von Zarin Katharina II. erhalten Sie auf folgenden Links:

Archangelskoje

Katharina-Tempel in Archangelskoje

https://russianhalthistory.wordpress.com/2015/02/22/archangelskoe-das-versaille-bei-moskau-%d0%b0%d1%80%d1%85%d0%b0%d0%bd%d0%b3%d0%b5%d0%bb%d1%8c%d1%81%d0%ba%d0%be%d0%b5-%d0%bf%d0%be%d0%b4%d0%bc%d0%be%d1%81%d0%ba%d0%be/

Wallhalla

Katharina II.- Büste in der Wallhalla

https://russianhalthistory.wordpress.com/2015/02/22/katharina-ii-unter-mannern-%d0%b5%d0%ba%d0%b0%d1%82%d0%b5%d1%80%d0%b8%d0%bd%d0%b0-ii-c%d1%80%d0%b5%d0%b4%d0%b8-%d0%bc%d1%83%d0%b6%d1%87%d0%b8%d0%bd-walhalla-in-regensburg-%d0%b2%d0%b0%d0%bb%d1%8c/

Bogorodizk

https://russianhalthistory.wordpress.com/2015/09/02/anhaltisch-russische-schnittpunkte-durch-katharina-ii-in-bogorodizk-wiederbelebt/

Zarizyno bei Moskau

Annegret Mainzer vor der Katharina-Statue in Zarizyno

https://russianhalthistory.wordpress.com/2016/11/16/die-ungewoehnliche-reise-einer-katharina-statue-moskau-jerewan-moskau/

Zerbst/Anhalt

https://russianhalthistory.wordpress.com/2014/07/27/%d0%bf%d0%b0%d0%bc%d1%8f%d1%82%d0%bd%d0%b8%d0%ba-%d0%b5%d0%ba%d0%b0%d1%82%d0%b5%d1%80%d0%b8%d0%bd%d0%b5-ii-denkmal-fur-katharina-ii/

Denkmal für Katharina II. in Zerbst/Anhalt

Zerbst, 01.05.2020

Über den deutsch- russischen Tellerrand geschaut: Forum zur Situation der Deutschen in Mittel- und Osteuropa am 07. November 2015 in Dresden

Über den deutsch- russischen Tellerrand geschaut: Forum zur Situation der Deutschen in Mittel- und Osteuropa am 07. November 2015 in Dresden

„ In einem Land ist es besser,im anderen schlechter.“
(H. Koschyk,MdB,Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten)

Dresden: Sächsischer Landtag
Dresden: Sächsischer Landtag

In unseren Tagen, wenn täglich Tausende von Flüchtlingen aus unsicheren Ländern Zuflucht in Deutschland suchen, flammen häufig mehr oder weniger sinnvolle Debatten um die Bewahrung der deutschen kulturellen Identität im eigenen Land auf. Ohne diese Diskussionen an dieser Stelle bewerten zu wollen, soll dabei Blick auf die Lage der Deutschen im Ausland nicht verloren gehen. Dabei sind nicht in erster Linie die deutschen Auswanderer im Rentenalter gemeint, die in den letzten Jahrzehnten ihren Wohnsitz nach Spanien oder Italien verlegt haben. Im Fokus der folgenden Betrachtung stehen die deutschen Volksgruppen, die schon seit mehreren Jahrhunderten sich weltweit niederließen, aber nichtsdestotrotz ihre deutsche Identität lebten.
Allgemein bekannt ist, es existiert weltweit eine deutschsprachige Diaspora. Ethnische Deutsche trifft man vor allem in südamerikanischen Ländern wie Chile, Argentinien und Brasilien, aber auch in Mittel- und Osteuropa, insbesondere in Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Ungarn sowie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.
Bereits um das Jahr 1000, als die bayerische Herzogin Gisela mit dem ungarischen König St. Stephan verheiratet wurde, siedelten sich erste Deutsche in Ungarn an. Siebenbürgener Sachsen ließen sich im 12. Jahrhundert in Siebenbürgen, d.h. im heutigen Rumänien nieder. Zu jener Zeit zog es auch die ersten deutschen Kaufleute aus Lübeck nach Nowgorod in Russland. Unter Zar Peter I. und der deutschstämmigen Zarin Katharina II. wanderten Heerscharen von Deutschen gen Russisches Reich, um dort ein besseres Leben zu finden. In ihrer neuen Wahlheimat passten sich die deutschen Auswanderer einerseits den dortigen gesellschaftlichen Bedingungen an, andererseits bewahrten sie ihre Muttersprache und Traditionen, gaben diese an die nächsten Generationen weiter.

Im Jahr 1881 wurde in Berlin der Allgemeine Deutsche Schulverein gegründet, dessen Hauptziel in der Erhaltung und Pflege der deutschen Identität, Sprache und Kultur der Angehörigen deutscher Volksgruppen im Ausland bestand. Mit der Hilfe dieses Vereins wurden im Ausland deutsche Schulen und Bibliotheken finanziert, deutschsprachige Literatur gefördert sowie die Anstellung von Lehrern. Aus jenem Verein ging 1998 der Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e. V. (VDA) hervor.[ siehe Infokasten]
Viermal jährlich gibt der VDA die Zeitschrift Globus heraus, die die Auslandsdeutschen sowohl über die Tätigkeit des VDA wie auch über die Lage der Deutschen im Ausland informiert. Im Globus 3/2013 erschien mein Beitrag über meine eigene Annäherung und über die Annäherung meiner Heimatstadt Zerbst/ Anhalt an Leben und Wirken der russischen Zarin Katharina II. (1729- 1796), geborene Prinzessin von Anhalt- Zerbst.
Diesen Beitrag nahm Peter Bien, Vorsitzender des VDA- Landesverbandes Sachsen, zum Anlass über das soziale Netzwerk Facebook mit mir in Kontakt zu treten. Im Sommer diesen Jahres kam es in Dresden zu unserem ersten persönlichen Treffen, in dessen Verlauf er mich zum VDA- Forum 2015 einlud.

Klicke, um auf globus_03_2013_web.pdf zuzugreifen

Im Sächsischen Landtag fand Anfang November das VDA- Forum statt, das sich der Thematik Die Entwicklung der deutschen Minderheiten in den mittel- und osteuropäischen Staaten seit der politischen Wende 1989/90 widmete.
Durch Peter Bien, den Vorsitzenden des VDA- Landesverbandes Sachsen, erfolgte die Begrüßung der ungefähr 70 Teilnehmer des Forums. Grußworte sprachen Andrea Dombois, 1. Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages, und der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, derzeitiger Bundesvorsitzender des VDA.

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Peter Bien                                                   Andrea Dombois

DSCN2920                                                                    Klaus Brähmig

Kernpunkt des Forums bildete zweifelsfrei der Impulsvortrag von Hartmut Koschyk, Bundestagsabgeordneter und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der auch etwa 20 Jahre des Bundesvorsitz des VDA innehatte und jetziger Ehrenvorsitzender. Koschyk berichtete über seine Begegnungen mit Vertretern der deutschen Minderheiten u.a. in Rumänien und Kasachstan. Er verwies vor allem auf die Rolle der Auslandsdeutschen als „Brückenbauer“ in Europa- nicht nur auf den Gebieten von Kultur, Jugendarbeit oder Bildung, auch in der Wirtschaft.
Als positives Beispiel führte Koschyk die Rolle der deutschen Schulen in Rumänien an, die einen wesentlichen Anteil an der Herausbildung eines rumänischen Bildungsbürgertums haben. „Dort sitzen in den Klassen höchstens 3- 4 deutsche Kinder, die anderen sind rumänischer Herkunft“,so Koschyk. Doch rumänische Eltern brächten der deutsch geprägten Schulbildung große Wertschätzung entgegen, führt der Bundesbeauftragte weiter aus. Laut Koschyk stelle der Haushalt des Auswärtigen Amtes dafür in diesem Jahr insgesamt 750.000 Euro bereit, um dort die Abwanderung gut ausgebildeter Deutschlehrer in die besser zahlende Wirtschaft zu verhindern. Schließlich seien aus dem deutschsprachigen Schulwesen in Rumänien bereits zwei Nobel- Preisträger – Herta Müller für Literatur und Stefan Hell für Chemie- hervorgegangen.
DSCN2926                                                                   Hartmut Koschyk

Die Unterstützung der deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa seitens des Bundesministeriums des Innern konzentriere sich nicht nur auf den Ausbau des deutschen Schulwesens, sie umfasse auch die Hilfen für kleinere und mittlere Betriebe in Handwerk, Gewerbe, Dienstleistungen und Landwirtschaft sowie den Ausbau zukunftsfähiger Selbstverwaltungsstrukturen und erfolge in enger Absprache mit den Angehörigen der deutschen Minderheit vor Ort, resümmierte Koschyk weiter. Des Weiteren berichtete der Bundesbeauftragte von der erfolgreichen Arbeit der verschiedenen bilateralen Regierungskommissionen, die die Bundesrepublik u.a. mit Rumänien, Kasachstan und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern unterhält.
Doch Koschyk verschwieg auch nicht, dass es heute – 25 Jahre – nach der politischen Wende Probleme und Rückschläge gibt. Als jüngstes Beispiel dafür nannte er das Veto, das der kürzlich gewählte Präsident Polens gegen die vom vorherigen Parlament beschlossene Novellierung des Minderheitengesetzes in Polen einlegte.
Koschyks Fazit:„ In einem Land ist es besser, im anderen schlechter.“ Zum Abschluss seiner Ausführungen befürwortete Koschyk die Unterstützung der deutschen Minderheiten im Ausland durch die Bundesregierung, doch sollten wir nicht nach patriarchalischer Manier handeln, er sprach sich eindeutig für eine Hilfe auf gleicher Augenhöhe mit den jeweiligen Partnern vor Ort aus.

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„ Russka“- Saga von Edward Rutherfurd – Rezension

„ Russka“– Saga von Edward Rutherfurd – Rezension

Butterwoche, von B. Kustodijew, um 1919
Butterwoche, von B. Kustodijew, um 1919

Der schon oft zitierte Johann Wolfgang von Goethe schrieb in seinen Maximen und Reflexionen: „ Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“
Jawohl, begeistert hat mich die Lektüre einer pyramidalen Saga über das Russische Reich, die aus der Feder des zeitgenössischen englischen Historikers und Literaten Edward Rutherfurd stammt.
Schon auf der Umschlagseite des Buches die Verwendung des Gemäldes Butterwoche von Boris Kustodijew (1878- 1927), einem Künstler, der vorwiegend Szenen aus dem Leben in den russischen Provinzen darstellt, beweist nicht nur die Einheit zwischen dem Äußeren und dem Inhalt der im Knaur- Verlag herausgegebenen Sage Russka, sondern verstärkt eher die Wissbegierde des Lesers, etwas Neues über das oft so mystisch verklärte weite Russische Reich zu erfahren.

Rutherfurd beginnt mit seiner Saga Russka im Jahr 180 n. Chr., als die Menschen „in jenem Weiler am Waldrand“, fernab von Zentren der politischen und kulturellen Brennpunkte lebten, die Jahre nach vergangenen Winter zählten, als „die Bewohner selbst nicht hätten erklären können, wo genau sie lebten, sie wussten nur, dass ihr Flüsschen in einen anderen Fluss mündete“.
Ein sehr detailliertes und äußerts lebendiges Bild zeichnet Rutherford vom alltäglichen Leben in der Provinz Russka, und das Schicksal der Familie Bobrov steht dabei stellvertretend für die Auswirkungen von persönlichem Machtstreben der russischen Zaren, deren Befehle und Handlungen nicht selten zwischen extremer Tyrannei, Willkür und Reformversuchen schwankten, auf das Leben der Russen.
Stets befindet sich Rutherfurd neben seinen Russka– Helden, bei ihm ist kein moralisierendes oder belehrendes Verhalten ihnen gegenüber zu verzeichnen. Doch glaubte ich, an manchen Stellen der Russka– Saga schlüpfe Rutherfurd in die Haut seiner Romanfiguren und gerade dadurch erreicht sein Werk ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit. Oft wechselt der Autor seine Kommunikationsverfahren: Erzählen, Schildern, beschreiben, berichten, so bleibt der Leser ständig unter Spannung.

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Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

 Der Wittenberger Johann Georg Leutmann ( Leitmann) – Feinmachaniker und Glasschleiffer

an der St. Petersbuger Akademie der Wissenschaften

Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov
Newa zwischen Winterpalast und Akademie der Wissenschaften St. Petersburg um 1753, von Makhayev/ Kachalov

Zu den aus dem heutigen mitteldeutschen Raum stammenden Lehrkräften, die an der Petersburger Akademie der Wissenschaften und Universität wirkten, gehörte der gelehrte und vielseitig interessierte Glasschleiffer und Feinmechaniker Johann Georg Leutmann (Leitmann) (*1667) aus Wittenberg. Er hatte an der heimatlichen Universität auf Drängen seiner Eltern in erster Linie Theologie belegt, betrieb aber zugleich das Studium der Mathematik, Physik und Medizin. Nach dem Abschluss des Studiums wirkte er als Pastor im wenige Kilometer benachbarten Dabrun, wo er sich eine eigene mechanische Werkstatt einrichtete. Bereits zu jener Zeit verfasste er ein Buch über die Grundlagen der Heiztechnik und seine darin niedergeschriebenen Erkenntnisse gelten bis zum heutigen Tag: Leutmann forderte eine effektive Heizanlage bei möglichst geringem Verbrauch von Brennstoffen.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann

Auch im Jahr 1718 erschien seine erste Publikation über Uhren, die sogar das Interesse des russischen Zaren Peter I. (1672- 1725)weckte, der, wie allgemein bekannt, sich sehr für die Naturwissenschaften begeisterte.

Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht
Bereits 1711 hatte Zar Peter I. Wittenberg besucht

Auf Einladung des Zaren kam Leitmann endlich im Jahr 1726 nach Petersburg, wo er als Professor für Mechanik und Optik an der Akademie lehrte. Die Übersiedlung Leitmanns nach Petersburg verzögerte sich auch deshalb, da er mit der russischen Seite für ihn vorteilhafte Bedingungen aushandeln wollte. Auch an seiner neuen Wirkungsstätte widmete er sich dem eigenhändigen Bau verschiedener Apparaturen und publizierte über Messinstrumente, Pumpen, Mikroskope, Ferngläser und Gewehre. Seine neusten Apparaturen präsentierte er stets auf den Zusammenkünften seiner Kollegen an der Wissenschaftlichen Akademie.

1733 wurde er nach Moskau an den dortigen Münzhof gerufen, wo er an der Lösung eines material- technischen Problems mitarbeitete. 1736 verstarb Leutmann in St. Petersburg. 1738 wurden Leutmanns Neue Anmerckungen vom Glasschleiffen von der Akademie der Wissenschaften herausgegeben.

Verwendete Quellen und Literatur:
1. Erik Amburger Datenbank online
2. http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015
3.http://www.supress-redaktion.de/artikel.php?cat=1&id=3709 25.04.2015 (Informationen von Dr. Bernhard
Huber Deutsche Gesellschaft für Chronometrie, Bibliothek)
4.http://dic.academic.ru/dic.nsf/enc_biography/ 25.04.2015