Musiker aus Anhalt in der Stadtkapelle von Reval in der Mitte des 19. Jahrhunderts – Музыканты, родом из Ангальта, в городском оркестре в Ревеле в середине 19 века

Musiker aus Anhalt in der Stadtkapelle von Reval in der Mitte des 19. Jahrhunderts – Музыканты, родом из Ангальта, в городском оркестре в Ревеле в середине 19 века

 

                 DSCN7613

Denkmale für Friedrich Schneider und Wilhem Müller in Dessau

Der bei Zittau geborene deutsche Komponist und Organist Johann Christian Friedrich Schneider (1756- 1853) war von 1822- 1853 Herzoglich- Anhaltisch- Dessauischer Hofkapellmeister. Sein Bruder Johann Gottlob Schneider (1789- 1864) war ab 1825 Organist an der von 1739 bis 1755 erbauten barocken Katholischen Hofkirche in Dresden. Diese Stelle hatte er bis zu seinem Tode inne.

Родившийся недалеко от города Циттау немецкий комрозитор и органист Иоганн Христиан Фридрих Шнайдер (1756- 1853) был с 1822 по 1853 гг. придворным капельмейстером у герцога Ангальт- Дессауского. Его брат Иоганн Готтлоб Шнайдер (1789- 1864) с 1825 г. был органистом в католическом замковом соборе в Дрездене, который был построен с 1739 по 1755 гг. в стиле барокко. Он занимал этот пост до самой смерти.

Katholische Schloss- und Hofkirche Dresden
Katholische Schloss- und Hofkirche Dresden

Zudem leitete Johann Gottlob Schneider die vom aus Böhmen stammenden Königlich- sächsischen Hoforganisten Franz Anton Dreyssig (1774- 1815) im Jahr 1807 ins Lebens gerufene ins Leben gerufene Dreyssig´sche Singakademie. Unter Johann Gottlob Schneiders Leitung erlebte die Dreyssig´sche Singakademie zu Dresden ihre Blütezeit.

Кроме того Иоганн Готтлоб Шнайдер руководил Дрезденской певческой академией, которая в 1807 г. была основана придворным органистом Франц Антон Дрейссиг (1774- 1815), который был родом из Богемии. Те годы, стоявшие под руководством Иоганна Готтлоба Шнайдера, были расцвет Дрезденской певческой академии.

Grabstätte Dreyssigs in Dresden
Grabstätte Dreyssigs in Dresden

Gemeinsam mit dem seinerzeit bekannten Dessauer Dichter Wilhelm Müller (1797- 1827) begründete Johann Christian Friedrich Schneider die Dessauer Liedertafel. Schneider führte in Dessau auch Abonnementkonzerte ein. Außerdem versuchte Schneider Musikfeste zu etablieren, z.B. 1825 in Magdeburg, 1827 in Zerbst und 1838 in Wittenberg.

        DSCN7110

Вместе с известным в то время поэтом Вильгельм Мюллер (1797- 1827) из г. Дессау Иоганн Христиан Фридрих Шнайдер оновал Дессауский Лидертафель (немецкое мужское хоровое любительское сообщество). В г. Дессау Шнайдер учредил концерты по абонементу и кроме того, Шнайдер организовал музыкальные фестивали, напр. в 1825 г. а Магдебурге, в 1827 г. в Цербсте и в 1838 г. в Виттенберге.

293782_296365650469624_1745335502_n

Aus Schneiders zweiter Ehe gingen acht Kinder hervor, unter ihnen war sein in Leipzig geborener Sohn Bernhard Schneider (1819- 1898). Vor seiner Anstellung in Dessau war Schneider sen. in Leipzig tätig, u.a. am dortigen Stadttheater und als Organist an der Thomaskirche.

           DSCN7754

                                                                    Grabstätte von Wilhelm Müller in Dessau

От второго брака у Шнайдера родилось восемь детей, среди них был его родившийся в Лейпциге сын Бернард Шнайдер (1819- 1898). До его переезда в Дессау Шнайдер Старший жил в Лейпциге, где он работал в театре и органистом в соборе Св. Томаса.

Bernhard Schneider kehrte der anhaltischen Wirkungsstätte seines Vaters den Rücken und wanderte 1848 ins Russische Reich aus, wo er sich zunächst als Musiklehrer bei einem russischen Fürsten seinen Lebensunterhalt verdiente.
Außerdem gehörte Bernhard Schneider zu den zehn Musikern aus Mitteldeutschland, d.h. aus den heutigen Bundesländern Sachsen- Anhalt, Sachsen und Thüringen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in die Stadtkapelle von Reval (heute: Tallinn/ Estland) aufgenommen wurden.

Бернард Шнайдер покинул Ангальт и в 1848 г. он переехал в Российскую Империю, где он работал репетитором и учителем в семье русского князья.
Кроме того он принадлежал к числу тех музыкантов, которые были из Средней Германии, т. е. из нынешних федеральных земель Саксония- Ангальт, Саксонии и Тюрингии и которые в середине 19 века входили в состав городского оркестра Ревеля (ныне: Таллин/ Эстония).

Im Jahr 1851 wurde diese Stadtkapelle von August Friedrich Krüger (1810- 1883), seinerzeit Stadtmusikdirektor von Reval, ausschließlich mit gut ausgebildeten professionellen Musikern aus dem heutigen Mitteldeutschland besetzt.

В 1851 г. Август Фридрих Крюгер (1810- 1883), музыкальный директор г. Ревеля, выбрал для этого городского оркестра исключительно хорошо обученных профессиональных музыкантов из Средней Германии.

Zu diesen Auserwählten gehörte nicht nur Bernhard Schneider, sondern auch der ebenfalls aus Dessau stammende Bernhard Lorenz, vermutlich ein Nachfahre einer der im 1851 herausgegebenen Staats- und Adreßhandbuch für die Herzogthümer Anhalt- Dessau und Anhalt- Köthen aufgeführten Kammermusiker Adolf Lorenz, Gustav Lorenz, Johann Karl Lorenz und Friedrich August Lorenz. Die beiden Letztgenannten waren sogar Inhaber der Kaiserlich- königlichen Russischen Kriegsgedenkmünze für 1812.
In dieser Stadtkapelle von Reval spielte außer Schneider und Lorenz auch ihr Landsmann Wilhelm Leps, ein aus Coswig in Anhalt stammender Posaunist.

К этим избранным принадлежал не только Бернард Шнайдер, но и его соотетчественник Бернард Лоренц из Дессау, который, наверное, был потомком одного из следующих придворных камерных музыкантов Адольф Лоренц, Густав Лоренц, Иоганн Карл Лоренц и Фридрих Август Лоренц, которые перечислены в адресной книге герцогств Ангальт- Дессау и Ангальт- Кётен для 1851 года.
Тромбонист Вильгельм Лепс, родом из ангальтского города Косвиг, был также членом уже упомянутого оркестра г. Ревеля.

Zuletzt war Bernhard Schneider Musikdirektor in Paluev. Wenig ist über sein Privatleben in Erfahrung zu bringen. Im Jahr 1860 ehelichte er in Smolensk nach evangelisch- lutherischem Ritus die damals neunzehnjährige Bertha Emilie Wohtzech, gebürtig aus Riga, wo er zeitweise tätig war. Seine Frau verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Gouvernante. Bernhard Schneider verstarb in Riga.

Берард Шнайдер работал также музыкальным директором в Палуеве. До сих пор мало известно об его личной жизни. В 1860 г. он в Смоленске женился на 19- летней Эимлии Берте Вотцех, родом из Риги, которая работала гувернанткой. Бернард Шнайдер умер в Риге.

Verwendete Literatur:
Erik Amburger Datenbank (online)
forum.ahnenforschung.net 08.04.2013
Koch; K.-P.: Deutsche Musiker in Estland einschließlich dem nördlichen Livland https://www.gko.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/musikwissenschaft/pdf_allgemein/arbeitsgemeinschaft/Heft15/Heft_15_Koch1Estland.pdf 06.02.2016
Lenz, W.v.: Beethoven eine Kunststudie, Cassel, 1855
Melchert, J.F. (Hg.): Staats- und Adreßhandbuch für die Herzogthümer Anhalt- Dessau und Anhalt- Köthen, Dessau, 1851
Schüler- Verzeichnis des Revalschen Gouvernements- Gymnasiums bearb. v. H. Hradetzky, Reval, 1931
Seemann, Th. (Hg.): Geschichte der Dreyssig´schen Singakademie in Dresden, Dresden, 1882
Vallaste, T.: Die maßgeblichen Musikdirektoren und Musiklehrer in Reval (Tallinn) im 19. Jahrhundert http://www.dspace.utlib.ee 30.08.2011
http://www.findcity.de 06.01.2015

Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg
Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg

Der deutschstämmige Ingenieur Eugen Karlovič Knorre (1848- 1917) erarbeitete den Plan für die Moskauer Wasserleitungen. Außerdem hatte er der Moskauer Stadtverwaltung Pläne für die Metro vorgelegt, die jedoch nicht realisiert wurden.
Eugen Karlovič Knorres familiäre Wurzeln lagen im heutigen Sachsen- Anhalt. Er war der Enkel des 1759 in Neuhaldensleben bei Magdeburg geborenen Ernst Christoph Friedrich Knorre, der im Alter von 30 Jahren nach Dorpat (heute: Tartu/ Estland) ging.
An der dortigen Höheren Töchterschule wirkte Ernst Christoph Friedrich Knorre ab 1789 als Direktor und ab 1802 als außerordentlicher Professor für Mathematik und Observator der Sternwarte an der Universität Dorpat. Außerdem wirkte er von 1789- 1810 als Organist an St. Johannis in Dorpat. Verheiratet war er in erster Ehe mit Carolina Friederike Senff (1765- 1791) und in zweiter Ehe mit Carolina Henriette Sophie Senff (1771- 1850), den Schwestern des 1770 bei Merseburg geborenen und seinerzeit namhaften Künstlers Karl August Senff, der an der 1809 eingerichteten Zeichenschule der Universität in Dorpat lehrte, wo er 1838 verstarb. Ernst Christoph Friedrich Knorre hatte seinen Schwager stets finanziell unterstützt.

Knorres 1799 geborener Sohn Karl Theodor Adolph schlug die medizinische Laufbahn ein und praktizierte ab 1823 als Stadtphysikus in Pernau (heute: Pärnu / Estland). Dessen Sohn Ernst Leopold (1839- 1928) wiederum studierte Klavier zuerst bei Theodor Stein (1819- 1893), der auch am St. Petersburger Konservatorium lehrte, später setzte Ernst Leopold Knorre seine Studien in Brüssel und Paris fort. Schlussendlich ließ er sich in Dorpat nieder, woer als Klavierlehrer wirkte. Dabei assistierte ihm seine Tochter Helene (*1865), die vorwiegend die Anfänger unterrichtete.
Der zweite Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre – Karl Friedrich, der 1801 das Licht der Welt erblickt hatte, wirkte als Direktor der Sternwarte Nikolaev.

Karl Friedrich Knorre
Karl Friedrich Knorre

Dessen Sohn Viktor Karlovič wiederum, der 1840 in Nikolaev das Licht der Welt erblickt hatte, Bruder des eingangs erwähnten Eugen Karlovič, setzte die Familientradition fort und studierte ab 1862 Astronomie in Berlin bei Wilhelm Foerster (1832- 1921). Fünf Jahre später begann er an der Sternwarte Pulkovo zu arbeiten. 1873 nahm der die Stelle als Obervator an der Sternwarte in Berlin an. 1892 wurde er Professor für Astronomie. Zu seinen Leistungen gehört die Entdeckung des Asteroiden Coronis im Jahr 1876 und die Entdeckung dreier weiterer kleinerer Planeten zu seinen Leistungen. Des Weiteren machte er als genialer Schachspieler seinerzeit von sich reden. Viktor Karlovič Knorre verstarb im Jahr 1919 bei Berlin. Die NASA benannte zu Ehren der drei Astronomengenerationen Knorre einen Asteroiden Knorre. Eugen Fedorovič Knorre (*1870), Enkel von Karl Friedrich, machte in Moskau Karriere als Violinenspieler. Seine ältere Schwester Adele, (1867- 1951) hatte am St. Petersburger Konservatorium Klavier und Operngesang studiert. Sie lehrte an den Musikschule in Nikolaev und Libau (heute: Liepāja/ Lettlland ). Ihre 1912 in Libau geborene Tochter Lydia, die sich nach Frankreich verheirat hatte, studierte Musik und gab Privatunterricht am Konservatorium in Toulouse.
Karl Theodor, der 1806 in Dorpat geborene Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre, hatte nach dem Abitur am dortigen Gymnasium von 1823- 1827 Theologie studiert. Ab 1837 war er als wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule in Pernau tätig. Er gehörte auch der studentischen Verbindung Dorpati Livonorum an. Er verstarb im Jahr 1846.
Friedrich Karl David, der Halbbruder von Ernst Christoph Friedrich Knorre, 1762 auch in Neuhaldensleben bei Magdeburg geboren, hatte ab 1778 Theologie in Halle studiert und ab 1786 mitgewirkt, die Höhere Töchterschule in Dorpat einzurichten und an selbiger die Stelle des Organisten eingenommen. 1789 ging er als Prediger an die deutsche Gemeinde nach Narwa (heute: Narva/ Estland). Er verstarb im Jahr 1805. Sein Sohn Friedrich Karl (1797- 1846), der das Gymnasium in Dorpat besucht und an der dortigen Universität von 1814- 1817 Theologie studiert hatte, wirkte später als Lehrer an den Gymnasien in Riga und Odessa.

Hundertwasserhaus - ein neues Wahrzeichen Magdeburgs
Hundertwasserhaus – ein neues Wahrzeichen Magdeburgs

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Album Dorpati Livonorum mit Vorwort v. A. Ammon,Dorpat, 1890
2. Erik Amburger Datenbank (online)
3. Schüler- Album Dorpat (1879, 9)
4. Hasselblatt, A., Otto, G.: Album Academicum der Kaiserlichen Universität Dorpat,Dorpat,1889
5. Koch, K.-P.: Sachsen- Anhalt und das östliche Europa. Zur Migration von Musikerpersönlichkeiten in: –
Eberl- Ruf, K., Lange, C., Schneider, A. (Hg.): Musikkultur in Sachsen- Anhalt seit dem 16.    Jahrhundert:Protokoll  der wissenschaftlichen Tagung zur regionalen Musikgeschichte am 16. und 17. September 2005 in Salzwedel, Halle, 2007
6.Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.:Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen
Livland, Esthland, Kurland, Bd.2, Mitau, 1829
7.Uljanov, G.N.: Deutsche Ingenieure in Russland in:  Dahlmann, D., Heller, K., Petrov, J.A. (Hg.): Eisenbahnen und Motoren- Zucker und Schokolade. Deutsche im russischen Wirtschaftsleben vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert,
Berlin, 2005
8. Donnert, E.: Die Universität Dorpat- Jur’ev 1802- 1918, Frankfurt/ Main, 2007
9.Günther, S.: „Knorre, Ernst Christoph Friedrich“ ADB, Bd 16 (1882), S. 328
10.Baltisches Biografisches Lexikon digital
11.http://www.geni.com/people/Ernst-Christoph-Friederich-von-Knorre/4626772356160128754
12.http://dankenflex.com/kategorie/verschiedenes/viktor-knorre.php
13.http://www.plicht.de/chris/21knorre.htm

Musiker und Theaterschaffende aus Mitteldeutschland im Russischen Reich- музыканты и артисты из Средней Германии в Российской Империи

Musiker und Theaterschaffende aus Mitteldeutschland im Russischen Reich- музыканты и артисты из Средней Германии в Российской Империи

Semperoper in Dresden- Dresden als Wirkungsstätte mitteldeutscher Komponisten
Semperoper in Dresden- Dresden als Wirkungsstätte mitteldeutscher Komponisten

Wer kennt nicht solche Aussagen wie „Musik verbindet“ oder „Musik überwindet Grenzen“? Implizieren diese Worte doch auch, dass Menschen, die sich der Musik verschreiben, überall auf der Welt willkommen sind und schnell auf Gleichgesinnte treffen.
Denkt man an den Berufsstand der Musiker, entstehen Bilder von „durch die Lande ziehenden Spielleuten“ vor unseren Augen. Das kommt daher, dass Musikanten vor allem in früheren Zeiten mobil sein mussten, was auch in unseren Tagen für diesen Berufsstand von Vorteil ist.
Ihr Heimatland verlassend, zogen nicht wenige von ihnen in eine ungewisse Fremde, wo meist ihre jeweilige Muttersprache nicht gesprochen wurde, dennoch bedurften diese ausgewanderten Musiker nicht der Hilfe von Übersetzern. Meinte doch der deutsche Schriftsteller Berthold Auerbach (1812- 1882): „ Musik allein ist Weltsprache und braucht nicht übersetzt werden.“- ein Fakt, der die Arbeitssuche von Musikern im Ausland stets erleichtert. So hat denn auch eine Reihe von deutschen Musikern im europäischen Ausland Karriere gemacht, unter denen viele professionelle Musiker aus dem heutigen Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen- Anhalt, Thüringen) zu finden sind. Von denjenigen, die im Baltikum und im Russischen Reich versuchten, sich zu etablieren, soll hier die Rede sein.

Weiterlesen

Auf den Spuren der weit verzweigten Musikerfamilie Agthe im Baltikum und in Russland

Auf den Spuren der weit verzweigten Musikerfamilie Agthe im Baltikum und in Russland 

Namhafte Komponisten und Musiker wirkten in den einstigen Fürstentümern Anhalt – Dessau, Anhalt – Zerbst, Anhalt – Köthen und Anhalt – Bernburg und prägten das dortige Musikleben. Zu ihnen gehörte zweifelsfrei Johann Friedrich Fasch (1688- 1758), der ab 1722 bis zu seinem Lebensende als Hofkapellmeister in Zerbst angestellt war. Zu nennen sind auch auf Johann Sebastian Bach (1685- 1750) und seine Tätigkeit als Kapellmeister und Director derer Cammer – Musiquen von 1717- 1723 am Hofe des Fürsten Leopold von Anhalt – Köthen (1694 – 1728). Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang der Anhalt – Dessauische Hofkapellmeister Friedrich Schneider (1786- 1853), der von 1822 – 1853 im Dienste des Herzogs Leopold IV. Friedrich von Anhalt (1794 – 1871) stand.
Ein Überblick über die aus Anhalt stammenden Komponisten und Musiker, die im Zeitraum des ausgehenden 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert im Russischen Reich wirkten, ist im Zerbster Heimatkalender 2012 dargestellt. Dort fand bereits der aus Hettstedt stammende Komponist, Organist und Cembalospieler Carl Christian Agthe (1762- 1797) Erwähnung, der ab 1782 am Hofe des Fürsten Albrecht von Anhalt – Bernburg (1735- 1796) in Ballenstedt seinen Dienst als Kapellmeister und Organist versah.
Zuvor war Carl Christian Agthe in Reval (heute: Tallinn/ Estland) in Erscheinung getreten. Im Alter von 14 Jahren war er Musikdirektor und Pianist der von Nathanael Ernst Hündeberg (1743- 1793) gegründeten Theatertruppe, die nicht nur in Reval, sondern auch zeitweise in Riga gastierte. Weiterlesen

Der Organist Heinrich Beise in Mitau

Der Organist Heinrich Beise in Mitau

Der 1753 im zum einstigen Anhalt – Bernburg gehörenden Städtchen Harzgerode geborene Gottfried Heinrich Beise prägte maßgeblich das Musikleben in Mitau, der Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Kurland. Von 1787- 1830 wirkte er als Organist und Kantor an der Mitauer Reformierten Kirche. Doch Heinrich Beise betätigte sich ebenfalls als Musikpädagoge. So leitete er bis 1830 die 1825 gegründete Trinitatis – Töchterschule in Mitau. Am 04. Januar 1830 verstarb Gottfried Heinrich Beise in Mitau. Sein 1789 in Mitau geborener Sohn Jacob Georg Friedrich († 1865) hatte von 1805- 1911 das Gymnasium in Mitau besucht, danach an der Universität Dorpat studiert, dort war er Mitglied der 1808 gegründeten Studentenverbindung Curonia. Er schlug die geistliche Laufbahn ein und war u.a. von 1852- 1862 Pastor an der Reformierten Kirche in Riga. Des Weiteren war er Mitredakteur der Rigaschen Stadtblätter. Heinrich Theodor (1818- 1878), Enkel von Gottfried Heinrich, der an der Universität Dorpat Jura studiert hatte, arbeitete von 1851- 1859 als Syndikus an derselbigen. Er war von 1839- 1851 auch Sekretär der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde zu Riga. Weiterlesen