Zerbst/Bitterfeld: Friedenslauf: Zerbst/Anhalt – St. Petersburg verschoben auf 2021

Zerbst/Bitterfeld: Friedenslauf: Zerbst/Anhalt – St. Petersburg verschoben auf 2021

„Auch an unserer Arbeit, beziehungsweise unserem Vorhaben, geht die aktuelle Situation nicht spurlos vorbei. Es ist eine schwere Zeit für die Wirtschaft, für Familien, für das Gesundheitswesen, für alle Bereiche in unserem Leben. Diese gilt es nun, bestmöglich zu meistern und zu überstehen. Damit auch wir in unserem Verein und alle Unterstützer dies tun können, sehen der Vorstand und wir uns leider gezwungen, den Friedenslauf nach St. Petersburg  zu verschieben, und  zwar auf das Jahr 2021.  Diese Entscheidung ist für uns selbstverständlich, aber dennoch nicht leicht. „, heiß es dieser Tage aus dem Verein „Zukunft-Frieden“ Bitterfeld e. V. .

 

Zerbst/Bitterfeld: Friedenslauf 2020: Zerbst/Anhalt – St. Petersburg

Annegret Mainzer, Zerbst

Es gibt in Europa keine Stabilität und Sicherheit ohne Russland und schon gar nicht gegen Russland“ – darin waren sich die beiden Grandseigneurs der bundesdeutschen Politik einig, nämlich – Egon Bahr (1922-2015), SPD-Politiker und Mitgestalter der ab 1969 von Willy Brandt praktizierten Ost- und Deutschlandpolitik, und Hans-Dietrich Genscher (1927-2016), FDP-Politiker und von 1974-1992 Bundesaußenminister und Vizekanzler.

Dass ohne gute und freundschaftliche Beziehungen zu Russland der Friede nicht nur in Europa, auch auf der Welt am seidenen Faden hängt, dies haben die Mitglieder des 2019 gegründeten gemeinnützigen Vereins „Zukunft-Frieden“ Bitterfeld e. V. ebenfalls verinnerlicht und deshalb initiieren sie einen „Friedenslauf 2020: Zerbst/Anhalt – Sankt-Petersburg“, der am 5. September 2020 am Fuße des Denkmals für die russische Zarin Katharina II., eine geborene Prinzessin von Anhalt-Zerbst, im Zerbster Schlossgarten starten soll.

Katharina-Denkmal in Zerbst

Laufen für Stabilität in Europa und Freundschaft zu Russland

Die Stadt Zerbst/Anhalt und der Internationale Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e. V. unterstützen dieses ambitionierte Vorhaben der engagierten Läufer. So erfolgten bereits Zusammenkünfte von Peter Junge, dem Vorsitzenden des Vereins „Zukunft-Frieden“ Bitterfeld e. V., und seinen Mitstreitern mit dem Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann und seiner Kulturamtsleiterin Antje Rohm sowie mit Annegret Mainzer und Ursula Böttge vom Vorstand des gemeinnützig tätigen Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e. V. .

Mitglieder des Biterfelder Sportvereins und des Katharina-Vereins in Zerbst

Wir als Sportler bilden weltweit die größte Interessengemeinschaft, die Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen zusammenbringt, tragen eine große Verantwortung für die künftigen Generationen. Uns ist bewusst, dass Russland stets ein wichtiger Partner ist und bleiben wird, wollen wir in Frieden leben. Deshalb laufen wir in diesem Jahr gut 2600 km, sozusagen auf den Spuren Katharinas der Großen, von Zerbst nach St. Petersburg“, argumentiert Vereinsvorsitzender Peter Junge.

2600 km- Strecke von Zerbst bis St. Petersburg

Streckenverantwortlicher Wolfgang Nadler und seine Mannschaft sind die Strecke bis zur russischen Grenze bereits im Vorfeld abgefahren und haben Absprachen getroffen, Unterkünfte klar gemacht usw. .

Start wird in Zerbst/Anhalt sein, dann geht es über Halle, Magdeburg, Schwerin, Stralsund, weiter entlang der polnischen Ostseeküste bis nach Kaliningrad. Bei der Planung des weiteren Streckenverlaufs von Kaliningrad über Klaipeda, Riga, Tallinn bis nach Puschkin/St. Petersburg rechnen die Läufer auf die Unterstützung durch den Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e. V., der langjährige Kontakte ins Baltikum und nach Russland pflegt. „Zum anderen“, so Katharina-Vereinvorstandsmitglied Annegret Mainzer, „stehen wir derzeit in Verhandlungen mit der russischen Sängerin Lydia Nebaba und deren Tochter Lidia Valenta, ebenfalls Sängerin, die kürzlich sehr erfolgreich mit Tino Eisbrenner ein Konzert im Russischen Hau der Wissenschaften und Kultur in Berlin gab. Denn wir beabsichtigen am Vorabend des Starts zum Friedenslauf, also am 4. September 2020, in Zerbst ein Konzert mit russischem Kolorit zu organisieren.“

Übergabe der „Friedensglocke“ geplant

Des Weiteren möchten die engagierten Sportler um Peter Junge am 9. Mai anlässlich des 75. Jahrestages des Sieges über Hitlerdeutschland Sergej Netschajew, dem Botschafter der Russischen Förderation in Deutschland, ein Modell der „Friedensglocke“ überreichen, die die Läufer beim Zieleinlauf in Puschkin/St. Petersburg den offiziellen Vertretern der Stadt übergeben werden. Diese „Friedensglocke“ wird aus Patronenhülsen und Sportmedaillen in Lauchhammer gegossen werden. Außerdem ist geplant, an jedem größeren Etappenziel einen Apfelbaum zu pflanzen.

Läufer vor dem Training

Dass der Start des „Friedenslaufes 2020: Zerbst/Anhalt – Sankt-Petersburg“ am 5. September 2020 in Zerbst/Anhalt erfolgen solle, sei eine gute Sache, denn in diesem Jahr begehe die Stadt zwei eng mit der Historie der deutsch-russischen Beziehungen verbundene Jubiläen: 25-Jahre Sammlung Katharina II. und 10 Jahre Denkmal für Katharina II. in Zerbst/Anhalt, darin sind sich Bürgermeister Andreas Dittmann und die Damen vom Vorstand des Katharina-Vereins einig.

Wer Interesse hat, mit dem Verein „Zukunft-Frieden“ Bitterfeld e. V. zusammenzuarbeiten, den „Friedenslaufes 2020: Zerbst/Anhalt – Sankt-Petersburg“ auf die eine oder andere Weise zu unterstützen, der wende sich per E-Mail bitte an:

mspjunge@googlemail.com

oder

anne.mainzer@googlemail.com

oder über

https://www.facebook.com/Zukunftfrieden/

Zerbst, 28.01.2020

Sprachcampteilnehmer aus Russland an Studium in Deutschland interessiert

Sprachcampteilnehmer aus Russland an Studium in Deutschland interessiert

Visite bei der Fachhochschule Magdeburg-Stendal

Annegret Mainzer, Zerbst

Während des I. Deutsch-Russischen Katharina-Forums, das am 31. Mai/01. Juni d.J. in Zerbst/Anhalt stattfand, planten der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann, seine Amtsleiterin Antje Rohm, Annegret Mainzer vom Vorstand des Internationalen Fördervereins Katharina II. Zerbst e.V. und Olga Martens, erste Stellvertretende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur in Russland (IVDK), eine Reihe von Programmpunkten des IVDK-Sprachcamps, das vom 17.- 31. August 2018 in der Zerbster Region stattfindet.

Einer dieser Programmpunkte, ein Informationsbesuch der Fachhochschule Magdeburg-Stendal (FH MD-SDL), ist einerseits einer der bereits erwähnten gemeinsam besprochenen Programmpunkten, aber andererseits auch ein konkretes Resultat der Gespräche, die die Teilnehmer während des I. DeutschRussischen Katharina-Forums in Zerbst/Anhalt führten.

Am I. Deutsch-Russischen Katharina-Forum in Zerbst/Anhalt nahm ebenfalls Dr.-Ing. Sven Schwerdt von der FH MDSDL teil. Er war bestrebt, mit vielen russischen Partnern ins Gespräch zu kommen, da die FH MD-SDL stets auf der Suche nach Studierenden, auch aus Russland, ist. Uns so wurde vereinbart, dass die Teilnehmer des eingangs erwähnten Sprachcamps, sich in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt über Studienmöglichkeiten informieren.

Gespannt lauschen alle den Infos über die FH

Am 21. August stand der Besuch der FH MD-SDL auf dem Programm der Sprachcampteilnehmer, begleitet wurden sie von Annegret Mainzer vom Internationalen Fördervereins Katharina II. Zerbst e.V..

Empfangen wurden die russischen Jugendlichen von Franziska Buddy, vom dortigen International Office, sowie von Jana Schieweck von der Studienberatung der FH MD-SDL und von der ukrainischen Studentin Marina begrüßt.

Über das Studium informieren Vertreter des Int. Office, der Studienberatung und Studenten

Während Franziska Buddy und Jana Schieweck die Gäste aus Russland über die FH MD-SDL und die dortigen Studiengänge im allgemeinen sowie über das Prozedere einer Bewerbung und über Zulassungsvoraussetzungen zum Studium, auch über die Studien- und Lebensbedingungen in Magdeburg informierten, erzählte Marina über ihren Studienalltag in Magdeburg aus der Sicht einer ausländischen Studierenden. Außerdem nutzten die jungen Gäste die Chance, sie interessierende Frage zu stellen und Antworten aus erster Hand zu bekommen.

Geschenke zur Erinnerung an die FH gab es auch

Im Anschluss an die Informations- und Fragerunde zeigten Marina und ihre deutsche Kommilitonin Dana den Sprachcampteilnehmern den Hochschulcampus, inklusive Studentenwohnungen, Mensa und Bibliothek.

Campusrundgang

Überrascht waren die Besucher über das viele Grün auf dem Campus, aber die FH MD-SDL wirbt auch mit dem Slogan Studieren im Grünen. Vielleicht wird einer der künftigen Studierenden an der FH MD-SDL einer diesjährigen Sprachcampteilnehmer sein.

Campusrundgang

Zerbst, den 21. August 2018

Russland ist anders – Deutschland auch

Russland ist anders – Deutschland auch

Über das Forum „Russland – Feind oder Partner? Unsere Beziehungen zur Großmacht im Osten“ in Magdeburg

Annegret Mainzer, Zerbst

Seit dem Jahr 2008 organisiert die Stadtverwaltung Magdeburg unter dem Titel Wissenschaft und Gesellschaft Vorträge und Diskussionsforen zu jeweils aktuell politischen Themen. So konnten im Jahr 2009 der deutsche Astronaut Thomas Reiter und 2013 die Nobelpreisträgerin Prof. Christiane Nüsslein-Volhard in der Ottostadt an der Elbe begrüßt werden.

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In diesem Jahr lud Magdeburg zu einem öffentlichen Forum zur Fragestellung Russland – Feind oder Partner? Unsere Beziehungen zur Großmacht im Osten ein. Kompetente Fachleute hatten die Organisatoren auf das Podium in der voll besetzten Johanniskirche gebeten: Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums e.V., Klaus Olbricht, Präsident der IHK Magdeburg, Professorin Gudrun Goes, Slawistin und Kulturwissenschaftlerin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sowie Bernd Großheim, ehemaliger ARD-Korrespondent in Moskau. Die Moderation des Forums lag in den bewährten Händen der seit drei Jahren in Moskau lebenden TV-Journalistin Kerstin Palzer.

Den diplomatischen Faden wieder aufnehmen

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper begrüßte die zahlreichen Besucher, unter denen auch einige Zerbster mit ihrem Bürgermeister Andreas Dittmann waren. In seiner Begrüßung erinnerte Magdeburgs OB einerseits an die Zeit des Kalten Krieges, andererseits auch an die allgemeine Freude über die deutsche Wiedervereinigung, aber bezugnehmend auf das Heute mahnte er, den abgerissenen diplomatischen Faden zwischen Europa und Russland wieder aufzunehmen, miteinander zu reden und nicht nur darüber nachzudenken, wie NATO-Truppen am schnellsten ins Baltikum verlegt werden können, was seitens des Publikums mit lautem Beifall honoriert wurde.

Die Basis für die sich anschließende Diskussion boten einleitende Ausführungen von Matthias Platzeck. Gleich zu Beginn kündigte er an, wenig darüber zu sagen, was die russische Regierung falsch gemacht habe, denn Kritik an Russland stelle zurzeit keine Marktlücke dar. Im gleichen Atemzug verwies er auch darauf, dass er nicht alles, was in Russland passiere, gutheiße.

Eine differierende Russlandrezeption in Ost und West

Anhand der von Oktober 2016–Januar 2017 auf der Burg Hohenzollern gezeigten Ausstellung 300 Jahre Beziehungen Romanow & Hohenzollern unterstrich Platzeck die jahrhundertlange tiefe Verbundenheit von Deutschen und Russen. Seiner Meinung nach seien europäische Kunst und Kultur nicht möglich gewesen ohne den mannigfaltigen Einfluss aus dem Osten. Des Weiteren führte er dem Auditorium vor Augen, dass bei uns die Wahrnehmungen Russlands differieren: Auf der einen Seite verklären wir Russland, sprechen von der sogenannten russischen Seele und Spiritualität, auf der anderen Seite assoziieren wir mit Russland – Kälte, Sibirien, das Barbarische, wo das Individuum nichts gilt. Auch in Ost- und Westdeutschland gibt es eine sich unterscheidende Russlandrezeption, oft verstünden die Westdeutschen nicht, weshalb die Ostdeutschen Sympathien für Russland hegten, obwohl sie 40 Jahre lang unter sowjetischer Besatzung leben mussten.

Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums e.V.
Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums e.V.

Russland ist anders, Deutschland auch

Matthias Platzeck unternahm den nicht einfachen Versuch zu erklären, warum Präsident Wladimir Putin unter seinen Landleuten enormen Rückhalt und Unterstützung findet, was manchen Europäer verwundern mag. Dabei erinnerte der Redner an die 90er Jahre, an den Zerfall der Sowjetunion, der nach seinen Worten einen wilden ungezügelten Kapitalismus in Russland hervorbrachte, in dessen Folge einige Wenige sehr reich wurden, die man heute die Oligarchen nennt. Erst als Putin Jelzin als Präsident ablöste, gab es in Russland eine wirkliche Chance für die Wiederherstellung einer sicheren und stabilen Staatlichkeit. Für die Russen bedeute Wladimir Putin Sicherheit und Stabilität, so Platzeck. Und so passten unsere westeuropäischen Maßstäbe nicht immer, setzte Platzeck sein Russland-Plädoyer fort, wofür es zustimmenden Applaus gab. Nach Meinung Platzecks seien folgende 5 Aspekte zu bedenken, wenn man über die heutigen Beziehungen zwischen Europa und Russland diskutiere: Der zuerst zu nennende Aspekt sei unser Triumphalismus, denn nach der Wiedervereinigung hätten wir zu sehr die Wir-haben-gewonnen-Mentalität herausgekehrt und Russland dabei an den Rand gedrängt. Des Weiteren gebe es strukturelle Fehler in der Vermittlung unseres Wertsystems, zu oft belehrten wir mit erhobenem Zeigefinger, führt Platzeck weiter aus. Auch in unserer Gedenk- bzw. Erinnerungsmatrix sollten wir sensibler werden. Während es z.B. aus Anlass des 70. Jahrestages zur Landung alliierter Streitkräfte in der Normandie offizielle Feierlichkeiten gab, wurde des 75. Jahrestages des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion nicht gedacht, auch nicht seitens der Bundesregierung. Das werde auch in Russland wahrgenommen, so Platzeck. Die Aspekte vier und fünf betrafen die Ukraine-Krise und die Sanktionen. Laut Platzeck könnten sie nicht bewertet werden, ohne die Vorgeschichte zu bewerten. Hierbei seien gravierende Fehler unterlaufen und auch er habe keine Lösung für die gegenwärtige Situation parat.

Abschließend bezog Matthias Platzeck sich auf Wladimir Putins Rede vor dem Bundestag im Jahr 2001, als dieser einen Platz für sein Land in der europäischen Sicherheitsarchitektur auf gleicher Augenhöhe einforderte. Zudem riet Matthias Platzeck zu einem Blick in die Geschichtsbücher. – Lang anhaltender und anerkennender Beifall dafür in der Magdeburger Johanniskirche.

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Russlands Identitätssuche bereits abgeschlossen?

In der sich anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Teilnehmer persönlich wie beruflich in unterschiedlichen Bereichen mit Russland in Berührung kommen. Während Politiker und Geschäftsleute wie Platzeck und Olbricht zum Beweis oder zum Widerlegen der einen oder anderen These aktuelle Zahlen aus der Wirtschaft parat haben, beruft sich die Kulturwissenschaftlerin Goes auf Dostojewski, Gogol, Leibniz und Peter I.. Die in Russland arbeitenden Medienvertreter Palzer und Großheim bereicherten die Diskussion mit persönlichen Erlebnissen vor Ort. Somit wurde eine Vielfalt von Aspekten ins Spiel gebracht.

Laut Platzeck war Russland erst in der kommunistischen Klammer und finde sich jetzt wieder in der Klammer der russisch-orthodoxen Kirche. Dem widersprach Prof. Goes. Sie meinte, Russlands Identitätsfindung sei noch nicht abgeschlossen.

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Sanktionen und Gegensanktionen- wer leidet darunter?

Von Kerstin Palzer nach den gegenwärtigen Beziehungen zwischen Sachsen-Anhalt und Russland befragt, antwortete IHK-Präsident Olbricht kurz: „Es könnte besser laufen.“ Seiner Ansicht nach würden nur die einfachen Leute in Russland darunter leiden. Und man solle sich bewusst machen, dass es für Russland auf der Welt noch andere Handelspartner gebe, nicht nur Europa., führte der IHK-Präsident weiter aus. Trotz des zurzeit rauen Klimas zwischen Europa und Russland halte man in Magdeburg an der Fortsetzung guter Kontakte nach Samara und Togliatti fest, so Olbricht. Der ehemalige ARD-Korrespondent in Moskau Großheim hielt nach eigenen Beobachtungen dagegen, dass die einfachen Menschen weniger von den Sanktionen, jedoch mehr von den Gegensanktionen betroffen seien, da u.a. das Angebot an Käse, Obst und Gemüse sich verringerte und demzufolge eine Preissteigerung nach sich zog. Laut Großheim würden die Begriffe Sanktionen und Gegensanktionen oft von deutschen Medien in einem Atemzug genannt.

Allerdings trat während der Diskussion klar zutage, dass die derzeitige durch Sanktionen und Gegensanktionen ausgelöste schwierige Situation für Russland eine Chance in sich birgt, die auch bereits zum Teil genutzt wird. Konkret gesagt, momentan erfährt die Landwirtschaft in Russland einen Aufschwung und Investitionen, Das Land nutzt eigene Ressourcen. Und wer weiß, ob bei Aufhebung von Sanktionen und Gegensanktionen die Handelsbeziehungen so weiter geführt werden können wie vorher?

Auch das Thema einer möglichen teilweisen Visafreiheit u.a. für den Studentenaustausch kam zur Sprache. Visafreiheit in verschiedenen Bereichen entkrampfe vieles, darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig.

Fazit des Abends: Viele Probleme in den zurzeit schwierigen Beziehungen zwischen Europa und Russland wurden konkret angesprochen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Zahlreiche Erklärungsversuche abgegeben und anhand von Beispielen aus dem Leben illustriert, jedoch keine konkrete Lösung angeboten, außer den Appell an alle, Russland nicht außen vor zu lassen, sondern über Kontakte aller Art, miteinander zu reden und die Verbindungen zu halten. Denn Deutschland und ganz Europa brauchen Russland, um den künftigen Frieden zu gewährleisten.

Einladung zum KATHARINA-FORUM 2017

Deutsch-Russischer Wirtschaftsdialog des Landes Sachsen-Anhalt in Zerbst/Anhalt – Heimatstadt Katharinas der Großen vom 31.05. bis 01.06.2017

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 Zerbst, den 24.Februar 2017

 

Der Hauptmann, der das Mädchen rettete – Капитан, кoторый спас девушку

Der Hauptmann, der das Mädchen rettete – Капитан, кoторый спас девушку

Sowjetisch- Ukrainisch- Magdeburger Geschichte – Совестско- украинско- магдебургская история

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Am 13. März 1969 spielte die 4- jährige Kathrin Lehmann unbeaufsichtigt am Fenster in der 5. Etage in der damaligen Wilhelm- Pieck- Allee im Zentrum der ostdeutschen Stadt Magdeburg, die heutige Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen- Anhalt.
Als das Mädchen dann wirklich 22 m in die Tiefe fiel, wurde sie vom vorübergehenden Igor Belikow, seinerzeit Oberst sowjetischen Streitkräfte in der damaligen DDR, aufgefangen.

13 марта 1969 г. четырехлетняя Катрин Леманн играла без присмортра у открытого окна на шестом этаже жилого дома, находящиегося в центре восточногерманского города Магдебург, который ныне является административным центорм федерльной земли Саксонии- Ангальт.
Когда девушка упала 22 м в глубину, Игорь Беликов, в то время капитан советских ВВС в тогдашней ГДР, ловил её при помощи своей шинели.

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Igor Belikow, geboren 1941 in Charkow in der heutigen Ukraine, war seit 1960 Jagdflieger bei den sowjetischen Luftstreitkräften, die in der nicht weit von Magdeburg gelegenen Stadt Zerbst stationiert waren. An diesem 13. März 1969 war er in Magdeburg aufgrund eines Arztbesuches und war somit zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Blickauf den heutigen Zerbster Flugplatz
Blickauf den heutigen Zerbster Flugplatz

Игорь Беликов, который родился в Харкове в 1941 году, служил с 1960 года летчиком- истребителем советских ВВС в соседнем городе Цербст. В тот 13 марта 1969 года он приехал в Магдебург для медосмотра. Таким образом Игорь Беликов был в нужное время в нужное место.

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1970 kehrte Igor Belikow in die Sowjetunion zurück, wo er die Fliegerakademie Juri Gagarin absolvierte und weitere Einsätze in auf der Krim, im Kaukasus und Afghanistan.
Aufgrund seiner heldenhaften Rettungstat wurde Iwan Belikow 1977 Ehrenbürger der Stadt Magdeburg. Ihm zu Ehren steht heute im Stadtzentrum ein vom in Sachsen- Anhalt geborenen Bildhauer Heinrich Apel (*1935) gefertigtes Bronzedenkmal.

С 1970 года Игорь Беликов служил в СССЗ, где он стал выпускником авиационной акдемии им. Юрий Гагарина. Потом Беликов служил в Афганистане, Крыму и на Кавказе.
В 1977 году Игорь Беликов из- за своего геройского поступка был назначен почётным гражданином города Магдебурга. В его честь ныне в городском центре находится бронзовый памятник, сделанный скульптором Генрих Апель, который в 1935 году родился в Саксонии- Ангальте.

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Der Bildhauer Heinrich Apel fertigte für die Stadt Magdeburg auch den Faunbrunnen in der Leiterstraße an.
Скульптор Генрих Апель является также автором так называемого Фонтана Фавна в городе Магдебурге.

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Doch zurück zu Igor Belikow: Der unvergessene Held von Magdeburg, verstarb im Frühjahr 2015.

Возвращаемся к Игорю Беликову: Незабываемый герой города Магдебурга умер весной 2015 года.

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Friedhof gefallener Sowjetkämpfer in Magdeburg- Кладбище павших советских войнов в Магдебурге

Friedhof gefallener Sowjetsoldaten in Magdeburg- Кладбище павших советских войнов
в Магдебурге

Hundertwasserhaus- Symbol des modernen Magdeburg
Hundertwasserhaus- Symbol des modernen Magdeburg

In Europa gibt es heutzutage zirka 4000 Ehrenfriedhöfe, wo fern ihrer Heimat die Überreste von mehr als 2,5 Millionen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten und Offiziere der Roten Armee beigesetzt sind.
Im Osten Deutschlands fanden mehr als 400 000 sowjetische Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhestätte.

В Европе находится ок. 4 тыс. военно- мемориальных кладбищ, где вдали от родины покоились останки свыше 2,5 млн. погибших в годы Второй мировой войны солдат и офицеров Красной Армии.
На востоке Германии свыше 400 тыс. советских солдат, офицеров, военно- заключенных и каторжных работников нашли своё последнее упокоение.

Im Fokus des vorliegenden Beitrags steht der Ehrenfriedhof der im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Kämpfer, der im Jahr 1945 in Magdeburg, der heutigen Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen- Anhalt, geschaffen wurde.

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В фокусе данной статьи находится почетной войнское кладбище погибших во время Второй мировой войны советских солдат и офицеров, которое было создано в 1945 году в городе Магдебург, нынешний административный центр федеральной земли Саксонии- Ангальт.

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Der jetzige Nordpark in Magdeburg wurde im Jahre 1827 nach Plänen des seinerzeit namhaften Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné (1789- 1866), zu jener Zeit Direktor aller königlichen Gärten von Berlin, als Friedhofsanlage angelegt. Im Jahr 1889 wurde dieser Friedhof in einen öffentlich zugänglichen Park umgestaltet. Wertvolle Grabplatten und Grabsteine bekannter Magdeburger Bürger sind bis heute erhalten.

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Bild0422Сегодняшний так называемый Северный парк в городе Магдебург был заложен в 1827 году по поланам известного в то время ландшафтного архитектора Петер Иосеф Ленне (1789- 1866), который в те дни был директором всех королевских садов в Берлине.
В 1889 году Магдебургское кладбище было превращено в открытый публичный парк. До сих пор остались ценные надгробные плиты и камни выдающихся жителей города.

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In der nordöstlichen Ecke des Magdeburger Nordpark befindet sich ein Ehrenfriedhof für die im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommenen sowjetischen Soldaten und Offiziere. Hier fanden etwa 1650 Armeeangehörige ihre letzte Ruhe.

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В северо- восточном углу Магдебургского Северного парка было заложено почетное войнское кладбище для павших в годы Второй мировой войны советских солдат и офицеров. Здесь ок. 1650 военнослужащих нашли своё последнее упокоение.

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Bis zum Jahr 1966 wurde dieser Soldatenfriedhof ebenfalls zur Beisetzung von Angehörigen der Sowjetarmee genutzt, die während ihres Dienstes in der ehemaligen DDR verstarben.

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До 1966 года на этом солдатском кладбище захоронили тоже советские военнослужащие, которые умерли во время их службы в бывшей ГДР.

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Auf diesem Friedhof befinden sich ebenfalls Gräber von Kindern der Offiziere der Sowjetarmee, was wohl für einen Soldatenfriedhof eher ungewöhnlich ist.

На этом кладбище находятся также могилы детей офицеров Советской Армии. Это необычно для войнского кладбища.

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In der südwestlichen Ecke des Magdeburger Nordparks wurde ein bescheidenes Denkmal für Henning von Tresckow aufgestellt. Henning von Tresckow, der 1901 in Magdeburg geboren wurde, zählte zu den Mitstreitern des Attentats auf Adolf Hitler am 22. Juli 1944 durch Stauffenberg. Nachdem er vom Scheitern des Attentats erfahren hatte, beging er Selbstmord.

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В южно- западном углу Магдебургского Северного парка был установлен скромный памятник Хеннингу фон Тресков. Хеннинг фон Тресков, который родился в 1901 году в Магдебурге, являлся одним из активных организаторов покушения на Адольфа Гитлера, проведенного Штайффенбергом в 22 июля 1944 года. Когда он узнал о неудаче покушения, он покончил свою жизнь самоубийством.

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Autorin Annegret Mainzer besucht den Magdeburger Soldatenfriedhof
Autorin Annegret Mainzer besucht den Magdeburger Soldatenfriedhof

Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Das Wirken der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie Knorre im Russischen Reich

Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg
Blick auf die Türme des Domes in Magdeburg

Der deutschstämmige Ingenieur Eugen Karlowitsch Knorre, 1848 in Nikolajew bei Odessa geboren, erarbeitete den Plan für die Moskauer Wasserleitungen. Außerdem hatte er der Moskauer Stadtverwaltung Pläne für die Metro vorgelegt, die seinerzeit jedoch nicht realisiert wurden.

Eugen Karlowitsch Knorres familiäre Wurzeln liegen im heutigen Sachsen-Anhalt. Er war der Enkel des 1759 in Neuhaldensleben bei Magdeburg geborenen Ernst Christoph Friedrich Knorre, der im Alter von 30 Jahren nach Dorpat (heute: Tartu/Estland) ging.

An der dortigen Höheren Töchterschule wirkte Ernst Christoph Friedrich Knorre ab 1789 als Direktor und ab 1802 als außerordentlicher Professor für Mathematik und Observator der damaligen provisorischen Sternwarte an der Universität Dorpat. Außerdem war er von 1789-1810 als Organist an St. Johannis in Dorpat. Verheiratet war er in erster Ehe mit Carolina Friederike Senff, 1765 in Leuna geboren, und in zweiter Ehe mit Carolina Henriette Sophie Senff, 1771 ebenfalls in Leuna geboren. Beide waren Schwestern des 1770 in Kreypau bei Merseburg geborenen und seinerzeit namhaften Künstlers Karl August Senff, der an der 1809 eingerichteten Zeichenschule der Universität in Dorpat lehrte, wo er 1838 verstarb. Ernst Christoph Friedrich Knorre hatte seinen Schwager stets finanziell unterstützt.

Knorres erste Frau starb 1791 nachdem sie ihm einen Sohn geboren hatte, der nicht lebensfähig war. Seiner zweiten Ehe entstammen vier Kinder, von denen drei überlebten.

Knorres 1799 in Dorpat geborener Sohn Karl Theodor Adolph schlug die medizinische Laufbahn ein und hatte von 1816-1821 Medizin an der Universität seiner Geburtsstadt studiert. Von 1823-1873 praktizierte er als Stadtphysikus in Pernau (heute: Pärnu/Estland). In den Rigaischen Stadtblättern vom 05.06.1822 wird angezeigt, dass er den Titel Doktor der Medizin erlangt hat. Er starb 1873 in Pernau. Sein 1827 in Pernau geborener Sohn Adolph Friedrich hatte von 1846-1851 Medizin an der Dorpater Universität studiert und war von 1858-1874 Ordinator am AlexanderHospital in Saratow und von 1875-1880 Landarzt im Gouvernement Saratow. Er starb 1893 in Saratow. Dessen Sohn Nikolai (*1862) wiederum trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters und wurde ebenfalls Landarzt im Gouvernement Saratow.

Ernst Leopold, der 1839 in Pernau geborene Bruder von Adolph Friedrich, studierte Klavier zuerst bei Theodor Stein (1819- 1893), der auch am St. Petersburger Konservatorium lehrte, später setzte Ernst Leopold Knorre seine Studien in Brüssel und Paris fort. Schlussendlich ließ er sich in Dorpat nieder, wo er als Klavierlehrer arbeitete. Dabei assistierte ihm seine Tochter Helene (*1865), die vorwiegend die Anfänger unterrichtete. Ernst Leopold starb 1928 in Dorpat, wie in der Rigaer Rundschau angezeigt.

Der zweite Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre – Karl Friedrich – 1801 in Dorpat geboren, hatte von 1816-1821 Theologie und gleichzeitig Mathematik an der Dorpater Universität studiert.

Karl Friedrich Knorre

Karl Friedrich Knorre

Jedoch zeigte er großes Interesse für Astronomie. So half er bereits als Student bei topografischen Aufnahmen und Messungen sowie bei nächtlichen Beobachtungen. Dabei assistierte er dem Astronomen Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793-1864), der Karl Friedrich in die Geheimnisse der praktischen Astronomie einwies. Auf Empfehlung und Vermittlung Struves kam Karl Friedrich im Jahr 1823 an die Sternwarte nach Nikolajew (heute: Mykolajiw/Ukraine), 100 km von Odessa entfernt. Somit wurde er der erste Astronom der Schwarzmeerflotte und lehrte gleichzeitig an der dortigen Steuermannsschule. Für den vielfachen Vater war ein gutes Einkommen immens wichtig, denn seinen drei Ehen entstammen zwölf Kinder: Fedor (*1831), Klara Karolina (*1834), Alexander (*1836), Wladimir (*1838), Viktor (*1840), Pawel (*1842), Karl (*1845), Amalie Sophie Karolina (*1847), Eugen (*1848), Sophie Jeanette (*1850), Olga Karolina (*1851) und Jegor (*1859). In anderen Quellen ist noch von den Söhnen Anton und Konstantin die Rede. Und alle waren zu ernähren und vor allem den Söhnen musste eine gute Ausbildung geboten werden.

Zum Verdienst von Karl Friedrich ist zu bemerken, dass er als Observator und Direktor der Sternwarte Nikolajew ein Jahresgehalt von 3000 Rubel bezog. Dazu kam noch das Salär für seine Lehrtätigkeit an der Steuermannsschule, das sich zum Beispiel im Jahr 1865 auf 2400 Rubel belief.

1828 wurde Karl Friedrich korrespondierendes Mitglied des Akademie der Wissenschaften St. Petersburg und im Jahr darauf mit dem Orden des Hl. Wladimir 4. Stufe geehrt. 1870, nach 50 Dienstjahren in Nikolajew, reichte er seinen Abschied ein. So bekam er den Orden der Hl. Anna 1. Stufe, wurde zum Geheimrat ernannt und in den Erbadel aufgenommen. Zu seinen beruflichen Verdiensten zählt die Anfertigung des Blattes Hora IV der Berliner Akademischen Sternenkarten. Zum anderen optimierte er den Sextanten.

Sein Sohn Viktor Karlowitsch, 1840 in Nikolaejew geboren und Bruder des eingangs erwähnten Eugen Karlovič, setzte die Familientradition fort und studierte ab 1862 Astronomie in Berlin bei Wilhelm Foerster (1832-1921). Fünf Jahre später begann er an der Sternwarte Pulkowo zu arbeiten. 1873 nahm der die Stelle als Observator an der Sternwarte in Berlin an. 1892 wurde er Professor für Astronomie. Zu seinen Leistungen gehört die Entdeckung des Asteroiden Coronis im Jahr 1876 und die Entdeckung dreier weiterer kleinerer Planeten zu seinen Leistungen. Des Weiteren machte er als genialer Schachspieler seinerzeit von sich reden. Viktor Knorre verstarb im Jahr 1919 bei Berlin. Die NASA benannte zu Ehren der drei Astronomengenerationen Knorre einen Asteroiden KNORRE.

Pawel Karlowitsch (*1842), Bruder von Viktor, war ausgebildeter Land- und Forstwirt und im Gouvernement Pensa ansässig. In Hinblick auf die Familienplanung eiferte er seinem Vater Karl Friedrich nach, denn er hatte vierzehn Kinder zu versorgen: Alexei (*1875), Helena (*1877), Anna (*1878), Maria (*1876), Woldemar (*1879), Katharina (*1881), Alica Anna (*1884), Olga Anna (1885), Pawel (*1887), Wera Antonina (*1888), Adele Felicita (*1890), Irene (*1896), Walentina (*1897) und Eugen (*1902). Pawel von Knorre starb im Jahr 1906.

Sein Bruder Eugen Karlowitsch (*1848), ausgebildeter Ingenieur-Mechaniker, besaß im Gouvernement Pensa 4093,5 Desjatinen Waldfläche sowie ein Sägewerk in Adamowka.

Fedor Karlowitsch (*1831), der älteste Sohn von Karl Friedrich, war Architekt, der unter anderem ab 1855 seinen Dienst beim Bau- und Straßenamt in Kiew versah. Außerdem projektierte er den Bau von Eisenbahnstrecken und Brücken und war auch im Gouvernement Stawropol tätig. Sein Sohn Fedor Fedorowitsch (*1862) wiederum war Bauingenieur und machte sich einen Namen beim Brückenbau in Sibirien und St. Petersburg. Sein Bruder Eugen Fedorowitsch (*1870) machte in Moskau Karriere als Violinist. Seine ältere Schwester Adele Fedorowna, (1867-1951) hatte am St. Petersburger Konservatorium Klavier und Operngesang studiert. Sie lehrte an den Musikschule in Nikolaejew und Libau (heute: Liepãja/Lettland). Ihre 1912 in Libau geborene Tochter Lydia, die sich nach Frankreich verheiratet hatte, studierte Musik und gab Privatunterricht am Konservatorium in Toulouse.

Karl Theodor, der 1806 in Dorpat geborene Sohn von Ernst Christoph Friedrich Knorre, hatte nach dem Abitur am dortigen Gymnasium von 1823-1827 an der Dorpater Universität Theologie studiert. Nach einer gewissen Zeit als Hauslehrer bekam er 1837 die Stelle als wissenschaftlicher Lehrer an der Höheren Kreisschule in Pernau tätig. Er gehörte auch der studentischen Verbindung Dorpati Livonorum an. Er verstarb im Jahr 1846 in Pernau. In der Zeitschrift Das Inland. Eine Wochenschrift für Liv, Esth- und Curlands Geschichte, Geographie, Statistik und Literatur vom 17.09.1846 findet sein Ableben im Nekrolog Erwähnung und sein Wirken wie folgt eine Würdigung: „Seine gründliche Gelehrtenbildung, sein milder christlicher Sinn und seine liebreiche offene Theilnahme gegen Alle, mit denen er in Verbindung stand, ließen ihn für Schule und Leben gleich segensreich und wohlthuend wirken. Sein Andenken wird im Herzen aller, die ihn kannten, unvergänglich sein.“. Auch im Pernauschen Wochenblatt vom 07.09.1846 wird sein Tod angezeigt.

Friedrich Karl David, der Halbbruder von Ernst Christoph Friedrich Knorre, 1762 ebenfalls in Neuhaldensleben bei Magdeburg geboren, hatte ab 1778 Theologie in Halle studiert und ab 1786 mitgewirkt, die Höhere Töchterschule in Dorpat einzurichten und an selbiger die Stelle des Organisten eingenommen. 1789 ging er als Prediger an die deutsche Gemeinde St. Johannes nach Narwa (heute: Narva/Estland). Hier befasste er sich auch mit der heimischen Flora. Er starb1805 in Narwa. Sein Ableben ist im Neuen Allgemeinen Intelligenzblatt für Literatur und Kunst vom 01.06.1805 angezeigt: „Am 4. April starb zu Narva der Präses Consistorii und erste Prediger bey der deutschen luther. Gemeinde , Johann Friedrich David Knorre.“.

Sein in Narwa geborener Sohn Friedrich Karl (1797-1846), der das Gymnasium in Dorpat besucht und an der dortigen Universität von 1814-1817 Theologie studiert hatte, wirkte später als Lehrer an den Gymnasien in Riga und Odessa.In den Rigaischen Stadtblättern vom12.01.1826 ist seine Anstellung als wissenschaftlicher Lehrer an der 2. Kreisschule in Riga angezeigt.

aktualisiert, Zerbst 12.05.2020

Verwendete Literatur und Quellen:

1. Album Dorpati Livonorum mit Vorwort v. A. Ammon, Dorpat, 1890.

2. Erik Amburger Datenbank (online).

3. Schüler- Album des Dorpatschen Gymnasiums von 1804-1879, Dorpat,1879.

4. Hasselblatt, A., Otto, G.: Album Academicum der Kaiserlichen Universität Dorpat,Dorpat,1889.

5. Baltisches Biographisches Lexikon digital.

6. Šišlov, S.: Dvorjane Knorre v XIX-načale XX veka in: Penzenskij vremennik ljubitelej stariny, Nr.4,1992, S.6-10.

7. Pingin, G.I.: Legendarhye imena. Pervyj astronom Černomorskogo flota Karl Christoforovič fon Knorre, Nikolajew, 2013.

8. http://www.karl-knorre.name/Pages%20DE/Familienchronik.html [letzter Zugriff 12.05.2020].

9. http://www.geni.com/people/Ernst-Christoph-Friederich-von-Knorre/4626772356160128754 [letzter Zugriff 12.05.2020]

 

 

Rebecca Gablé „ Das Haupt der Welt“- lebendige mitteldeutsche und elbslawische Geschichtslektionen

Rebecca Gablé „ Das Haupt der Welt“- lebendige mitteldeutsche und elbslawische Geschichtslektionen in Romanform

Siegel Otto I. aus Posse- Sammlung
Siegel Otto I. aus Posse- Sammlung

Im Bundesland Sachsen – Anhalt geboren, in dessen Hauptstadt Magdeburg das Studium (u.a. in Slawistik) absolviert und dort seit 15 Jahren beruflich tätig – alle diese Fakten bildeten die ideale Voraussetzung für die Lektüre des historischen Romans Das Haupt der Welt von Rebecca Gablé, in dessen Fokus das Heranreifen des sächsischen Herzogs und ostfränkischen Königs Otto I. der Große, der von 912 – 973 lebte, steht. Schon der sächsische Geschichtsschreiber Widukind von Corvey nannte Otto I. das Haupt der Welt.
Zu Beginn des Romans befindet sich der Leser inmitten der Belagerung der Festung Brandenburg durch Ottos Vater König Heinrich I. im Jahre 929. Zu jener Zeit war die Brandenburg, die von Heinrichs Truppen eingenommen wird, Heimat für den elbslawischen Stamm der Heveller. Dragomira und Tugomir, Kinder des Fürsten der Heveller, werden dabei als Geiseln genommen und von den Sachsen nach Magdeburg verschleppt.
Der Fürstentochter Dragomira, die bei ihren Landsleuten eine gewisse Achtung ihr gegenüber vermisste, fällt es nicht so schwer, mit dem Königssohn Otto die Lagerstatt zu teilen und eine enge intime Beziehung zu ihm aufzubauen. Aus dieser Verbindung geht ein Sohn hervor- der spätere Erzbischof Wilhelm von Mainz. Prinz Tugomir jedoch tut sich um einiges schwerer, er findet sich nicht so schnell mit seiner Geiselhaft ab. Obwohl er im feindlichen Lager der Sachsen aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse als Heiler eine gewisse Anerkennung erwirbt, weist er sehr lange Zeit jedwedes freundlich gemeinte Entgegenkommen, das ihm geboten wird, abrupt zurück, was stellenweise ein Kopfschütteln bei dem Leser hervorruft. Trotz seiner Sturheit verbindet Tugomir eine ungewöhnliche Freundschaft mit Thankmar, dem älteren Stiefbruder vom Haupt der Welt. Thankmar gehört zu den Romanfiguren, die durch ihre unkonventionellen, fast frechen gedanklichen Kommentare das Geschehen leicht humorvoll auflockern und zeigen, dass gekrönte Häupter auch nur Menschen aus Fleisch und Blut sind. Tugomir macht sogar am Hofe Ottos Karriere: er unterrichtet dessen Söhne und wird dessen Leibmedikus. Weiterlesen

Musiker und Theaterschaffende aus Mitteldeutschland im Russischen Reich- музыканты и артисты из Средней Германии в Российской Империи

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Semperoper in Dresden- Dresden als Wirkungsstätte mitteldeutscher Komponisten
Semperoper in Dresden- Dresden als Wirkungsstätte mitteldeutscher Komponisten

Wer kennt nicht solche Aussagen wie „Musik verbindet“ oder „Musik überwindet Grenzen“? Implizieren diese Worte doch auch, dass Menschen, die sich der Musik verschreiben, überall auf der Welt willkommen sind und schnell auf Gleichgesinnte treffen.
Denkt man an den Berufsstand der Musiker, entstehen Bilder von „durch die Lande ziehenden Spielleuten“ vor unseren Augen. Das kommt daher, dass Musikanten vor allem in früheren Zeiten mobil sein mussten, was auch in unseren Tagen für diesen Berufsstand von Vorteil ist.
Ihr Heimatland verlassend, zogen nicht wenige von ihnen in eine ungewisse Fremde, wo meist ihre jeweilige Muttersprache nicht gesprochen wurde, dennoch bedurften diese ausgewanderten Musiker nicht der Hilfe von Übersetzern. Meinte doch der deutsche Schriftsteller Berthold Auerbach (1812- 1882): „ Musik allein ist Weltsprache und braucht nicht übersetzt werden.“- ein Fakt, der die Arbeitssuche von Musikern im Ausland stets erleichtert. So hat denn auch eine Reihe von deutschen Musikern im europäischen Ausland Karriere gemacht, unter denen viele professionelle Musiker aus dem heutigen Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen- Anhalt, Thüringen) zu finden sind. Von denjenigen, die im Baltikum und im Russischen Reich versuchten, sich zu etablieren, soll hier die Rede sein.

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