Das Philanthropinum Dessau und sein Einfluss auf Russland

Das Philanthropinum Dessau und sein Einfluss auf Russland

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Gut situierte russische und baltische Familien schickten im 18. und 19. Jahrhundert ihre Sprösslinge gern auf Schulen, an denen deutsch stämmige Lehrkräfte unterrichteten, aber sie entsandten sie auch nach Deutschland, so weisen die Einschreibelisten des 1744 in Dessau begründeten Philanthropinums 23 Schüler aus Livland, 7 aus Russland und 5 aus Kurland auf.

Der 1753 im vogtländischen Netzschkau geborene Friedrich Wilhelm Götze hatte sein Studium in Leipzig absolviert und als Lehrer am Dessauer Philanthropinum gewirkt, bevor er 1789 nach Riga ging. Dort leitete er von 1789- 1792 die Domschule und ab 1792 übernahm er das Rektorat des Rigaer kaiserlichen Lyzeums. Da aber Götze häufig erkrankte und aufgrund seines „heftigen Temperaments“ sehr oft im Umgang mit seinen Kollegen und Mitmenschen in Zwist geriet, seine Unterrichtsstunden nicht vollständig abhielt und den Unterricht gar zeitweise aussetzte, verstarb er im Februar 1801 als vereinsamter Mann. Seine Kollegen und Schüler begleiteten ihn auf seinem letzten Weg nur aus Pflichtgefühl. Götze hielt in Riga auch private Vorlesungen über Mechanik und die Lyrik Wielands. Götze sollte als Professor für Physik an der Universität Dorpat lehren, deren Wiedereröffnung zu jener Zeit schon abzusehen war, allerdings verstarb er kurz vorher.

Zu den Pädagogen, die am Dessauer Philanthropinum arbeiteten und sich im Russischen Reich einen Namen machten, gehört zweifelsohne auch Christian Hinrich Wolke (1741- 1825). Gebürtig ist er aus dem friesischen Jever, das seinerzeit zum Fürstentum Anhalt-Zerbst gehörte. Dank seiner schnellen Auffassungsgabe arbeitete Wolke bereits im Alter von 15 Jahren als Hauslehrer und in deutschen Klosterschulen. An der Göttinger Universität belegte er die Fächer Philosophie, Mathematik, Physik, Recht und Kunsttheorie.

1769 wurde Wolke Sekretär und Hauslehrer bei Pädagogen Johann Bernhard Basedow (1724- 1790), mit dem Wolke nach Dessau ging. Auf Anregung Wolkes und mit tatkräftiger Unterstützung des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (170- 1817) begründete Basedow das Philanthropinum in Dessau, eine Bildungseinrichtung, an der die Prinzipien der Aufklärung oberste Priorität hatten.

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Für diese neu geschaffene Lehranstalt entwickelte Wolke eine Methode zum schnelleren Erlernen des Lesens. 1776 erfolgte seine Ernennung zum Professor. Die aus Anhalt stammende Zarin Katharina II. lud Wolke ein, nach St. Petersburg zu kommen. Infolge von zunehmenden Unstimmigkeiten mit Basedow, entschloss sich Wolke zur Ausreise nach Russland. Vollkommen ohne Kenntnis der russischen Sprache ging Wolke an die Newa und lehrte die deutsche Sprache am dortigen Landkadettenkorps. Die ausgezeichneten Prüfungsresultate seiner Schüler machten von sich Reden und Wolke wurde ein gefragter Sprachlehrer in den vornehmsten russischen Adelsfamilien. Er unterrichtete in den Familien Orlow, Stroganoff und Kutusow. Die Privatstunden wurden um ein Vielfaches höher honoriert als der Unterricht im Kadettenkorps. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Wolke wohl seinerzeit der höchstbezahlte Lehrer in Petersburg war. Um von Wolke unterrichtet zu werden, schickten ihm seine Privatschüler sogar ihre Kutschen für die An-und Abreise. Von den 2000 Rubel, mit denen Zarin Katharina II. Wolke in ihr Reich gelockt hatte, bekam er schlussendlich nur 1500 ausgezahlt. Trotzdem zählte die Petersburger Zeit zu seiner schöpferischsten, denn hier verfasste er in den Jahren 1784- 1801 vier Bücher und zahlreiche Artikel, von denen die meisten am Kaiserlichen Kadettenkorps gedruckt wurden.

In Petersburg hatte Wolke gemeinsam mit seiner Ehefrau im Jahr 1786 eine private Schule eröffnet.

Noch heute bewahrt man in Petersburger Archiven sein Skizzenbuch aus den Jahren 1785/86 auf, in dem er seine Eindrücke von der Stadt niederschrieb und mit Bleistift und Tusche zeichnete. In seinen Zeichnungen hielt er nicht die architektonischen Schönheiten der Stadt fest, sondern skizzierte auch die Menschen aller sozialen Schichten, die ihm dort begegnet waren.

Als Wolke 1801 nach Deutschland zurückkehrte, setzten seine Schüler seine pädagogische Arbeit in Petersburg fort. 1825 verstarb Wolke in Berlin.

Auch Basedow war 1770 vom Fürsten Orlov nach Petersburg eingeladen worden, entschied sich aber in Dessau zu bleiben.

Ein weiterer Lehrer, der am Dessauer Philanthropinum gelehrt hatte und 1780 gen Russland ging, war der 1742 in Magdeburg geborene Johann Eberhard Friedrich Schall. Er arbeitete zeitweise an Bildungseinrichtungen in Poltava (heute:Ukraine), Pleskau (heute:Pskow/Russland), Mogilev (heute: Weißrussland) und Dorpat (heute:Tartu/Estland). Als Honorarprofessor durfte Schall sogar für kurze Zeit Probevorlesungen an der Moskauer Universität halten. Aufgrund seines starrsinnigen Charakters und seines steten Bestrebens nach Neuerungen, was sicherlich auch seinen häufigen Stellenwechsel verursacht hat, kam er schlussendlich im Jahr 1785 an das Petersburger Landkadettenkorps, wo er Unterricht in den Fächern Deutsch und Französisch erteilte und gleichzeitig als Inspektor fungierte. Im Jahr 1786 gab er das Lehrwerk Vocabulaire en trois langues heraus. Schall verstarb 1790 in Mitau.

 

Verwendete Literatur und Quellen:

Amburger, E.: Deutsche in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Rußlands, Die Familie Amburger in St.Petersburg 1770-

1920, Wiesbaden, 1986

BBLd online

Baur, S.: Charakteristik der Erziehungsschriftsteller Deutschlands. Ein Handbuch für Erzieher, Leipzig, 1790

Bleskina, O.N.: Х.Г. Вольке в Петербурге in: Немцы и развитие образования в России, St. Petersburg,1999

Erik Amburger Datenbank (online)

Koch, K.: Deutsch als Fremdsprache im Russland des 18. Jahrhunderts, Berlin, 2002

Lausberg, M.: Basedow und das Dessauer Philanthropin in: Tabula Rasa, Ausg. 39, 01/2010

Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen

Livland, Esthland, Kurland, Bd.2, Mitau, 1829

Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th. Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen

Livland, Esthland, Kurland, Bd.4, Mitau, 1832

Specht, J.: Ich, Johann Bernhard Basedow …, Dessau, 1999

Zur Geschichte des Gouvernements- Gymnasiums in Riga, Riga,1888

 

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Василий Кандинский: Картинки с выставки – Кусочек ангальтско- русской истории

Василий Кандинский: Картинки с выставки – Кусочек ангальтско- русской истории

В 2006 г. было основано некоммерческое объединение «Дома-мастреские преподавателей» в ангальтском городе Дессау. В 2016 г. это объеденение отметит своё 10 летие и в том же году отметят 150 летие со дня рождения русского живописца и теоретика изобразительного искусства Василия В. Кандинского.

Василий Кандинский с 1925/26 по 1932 гг. жил и работал в Дессау, где он работал преподавателем Высшей школы строительства и художественного конструирования.

В Дессау Кандинский вместе со своей супругой Ниной жил в одном из домов- мастреских, которые в наши дни входят в состав Всемирного культурного наследия ЮНЕСКО.

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                       дома- мастерские перподавателей в Дессау

Рядом со своей преподавательской деятельностью Кандинский в Дессау ещё занимался особым театральным проектом. Его попросили сделать эскизы сценических декораций для концерта с музыкой «Картинки с выставки» Модеста Мусоргского, котрый был одним из любимых композиторов Кандинского.

Работая над этим проектом, Кандинский стремился объединить разные виды искусства: музыкальное и изобразительное искусства, световые проекции и искусство хореографии.

По мнению г-на Харальд Ветцель, который является председателем уже упомянутого объединения «Дома-мастерские преподавателей», Кандинский выступал в качестве переводчика, т. е. он должен был перевести языки музыки Мусоргского на язык абстрактной живописи.

Аннегрет Майнцер и Харальд Ветцель
Аннегрет Майнцер и Харальд Ветцель

Харальд Ветцель из Дессау является также организатором выставки «Василий Кандинский: Картинки с выставки», которая отрыта до 22 мая в доме- мастреской Кандинского в Дессау. На этой выставке заинтересованные в творчестве Кандинского посетители могут осмотреть подлинные эскизы Кандинского, которые он в 1927 г. сделал в своем ателье в Дессау. В другое время эти эскизы хранят в коллекции Кельнского университета.

Цербст, 11. апреля 2016 г. Аннегрет Майнцер

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Professor Bernhard Cossmann aus Dessau lehrte am Moskauer Konservatorium

Professor Bernhard Cossmann aus Dessau lehrte am Moskauer Konservatorium

Bernhard Cossmann, am 17. Mai 1822 in Dessau geboren, war ein Violoncellist und Lehrer für das Violoncellospiel. In seiner Familie wurde Hausmusik gepflegt. Seine Schwester engagierte sich für die vom Hofkapellmeister Friedrich Schneider (1786- 1853) gegründete Singakademie in Dessau.

 Denkmal für Friedrich Schneider in Dessau
Denkmal für Friedrich Schneider in Dessau

Bernhard Cossmann erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei dem in jener Zeit namhaften Cellisten Karl Drechsler (1800- 1873) in Dessau. Zu den Schülern Drechslers gehörte auch der 1848 in Quedlinburg geborene Cellist und Komponist Carl Schroeder (1935). Schroeder war ab 1866 Solocellist in St. Petersburg.

Später vervollkommnete Bernhard Cossmann seine Ausbildung in Braunschweig und beim Cellisten Friedrich August Kummer dem Jüngeren (1797- 1879), in Dresden.

 

Semperoper in Dresden
Semperoper in Dresden

Berufliche Erfahrungen sammelte Cossmann u.a. an der Grande Opéra in Paris, in London sowie im Gewandhausorchester Leipzig, wo er auch von 1847/48 am Konservatorium lehrte. Weitere Konzertreisen führten ihn nach England und erneut nach Paris. Franz Liszt holte im Jahr 1850 Bernd Cossmann als Großherzoglichen Kammervirtuosen in die Hofkapelle nach Weimar.

Cossmann ging im Jahr 1866 auf Einladung von Nikolaj Grigorevič Rubinstein nach Moskau, um dort am neu eröffneten Konservatorium als erster Professor die Violoncello – Klasse zu unterrichten.

Cossmann wurde die Ehre zuteil, an der Eröffnungszeremonie des Moskauer Konservatoriums teilnehmen zu dürfen. In diesem Zusammenhang wird in den Annalen des Konservatoriums an den gemeinsamen Auftritt von Cossmann und Rubinstein erinnert, die zu diesem Anlass die Sonate A- Dur für Klavier und Violoncello von Ludwig van Beethoven intonierten. Am Konservatorium gehörte Cossmann zu den aktivsten Mitgliedern eines aus Musikpädagogen bestehenden Quartetts. Viele seiner Bewunderer faszinierte er durch seine Art des so genannten instrumentalen Gesangs.

Cossmann war ebenfalls Mitglied des Professorenrats des Konservatoriums. Zu seinen Schülern zählte u.a. der russische Violoncellist und Musikpädagoge Anatol A. Brandukov (1856- 1930). Vier Jahre unterrichtete Bernhard Cossmann am Konservatorium in Moskau.

In dem Musikalisches Wochenblatt Organ für Tonkünstler und Musikfreunde, erschienen in Leipzig am 01.12.1871 wurde über seinen Abschied von Moskau wie folgt berichtet: “ …. beim Abschied überreichten sie ihm einen prachtvollen silbervergoldeten Pokal und ein Diplom, in welchem er ersucht wurde, den Titel als Professor des Moskauer Conservatoriums auch ferner zu führen.”

Auch gab Bernhard Cossmann, der zum Freundeskreis von Peter Čaikovskij zählte, mehrere Konzerte in Russland. Seine Rückkehr nach Deutschland erfolgte im Jahr 1870. Bernhard Cossmann starb am 07. Mai 1910 in Frankfurt/ Main.

Über sein Spiel und sein musikalisches Talent konnte man in dem bereits erwähnten Musikalisches Wochenblatt Organ für Tonkünstler und Musikfreunde ( Leipzig, 01.12.1871) des Weiteren lesen:

Nur wenige durften eine gleiche Schönheit und Noblesse des Tones besitzen und eine gleich geistreiche Auffassung mit so gemütvoller Vertiefung des Vortrages verbunden.”

Die Universalität der Technik, des Geschmackesund der neuen Leistungen erklärt sich zum Theil durch den reichen Bildungs- und entwicklungsgang, der ihm als Kind zu Theil wurde …”

Bernhard Cossmann hatte ebenfalls als Komponist von sich reden gemacht.

Sein 1869 in Moskau geborener Sohn Paul Nikolaus wurde in Deutschland ein namhafter Publizist. Cossmann jun., bekannt als Biograf des in Moskau geborenen Komponisten Hans Erich Pfitzner (1869- 1949) und Herausgeber sowie Mitbegründer der national geprägten Süddeutschen Monatshefte, die bis 1933 erschienen, geriet aufgrund seines katholischen Glaubens in Konflikt mit den Machthabern im Dritten Reich. Verhaftet von der Gestapo, kam er ins KZ Theresienstadt, wo er 1942 verstarb. Zu ergänzen ist noch, dass Carl Robert Pfitzner (1825- 1904), Vater von Hans Erich und gebürtig aus dem sächsischen Frohberg, als Orchestergeiger in Moskau tätig war.

Verwendete Literatur und Quellen:

http://www.deutsche-biographie.de/pnd118725343.html 29.03.2016

Koch, K.-P.,:Deutsche Musiker in St. Petersburg und Moskau in: Müns, H. (Hg): Musik und Migration in Ostmitteleuropa, München, 2005

Koch, K.-P.: Sachsen- Anhalt und das östliche Europa. Zur Migration von Musikerpersönlichkeiten in: Eberl- Ruf,

K., Lange, C., Schneider, A. (Hg.): Musikkultur in Sachsen- Anhalt seit dem 16.Jahrhundert:

Protokoll der wissenschaftlichen Tagung zur regionalen Musikgeschichte am 16. und 17. September 2005 in Salzwedel, Halle, 2007

Krause, E.: Oper A-Z. Ein Opernführer, Leipzig, 1981

ljenta wrjemeni www.mosconsv.ru 19.04.2013

Musikalisches Wochenblatt Organ für Tonkünstler und Musikfreunde, Leipzig, 01.12.1871

Noris, G.: Rakhmaninov, Dent, 1976

prepodawatjeli www.mosconsv.ru 19.04.2013

Svobodov, V.: Из опыта одной дискуссии ikompozitor.ru/links/MA_2009-2_p098-101.pdf  17.04.2013

www.musicamigrans.de 08.06.2011

Musiker aus Anhalt in der Stadtkapelle von Reval in der Mitte des 19. Jahrhunderts – Музыканты, родом из Ангальта, в городском оркестре в Ревеле в середине 19 века

Musiker aus Anhalt in der Stadtkapelle von Reval in der Mitte des 19. Jahrhunderts – Музыканты, родом из Ангальта, в городском оркестре в Ревеле в середине 19 века

 

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Denkmale für Friedrich Schneider und Wilhem Müller in Dessau

Der bei Zittau geborene deutsche Komponist und Organist Johann Christian Friedrich Schneider (1756- 1853) war von 1822- 1853 Herzoglich- Anhaltisch- Dessauischer Hofkapellmeister. Sein Bruder Johann Gottlob Schneider (1789- 1864) war ab 1825 Organist an der von 1739 bis 1755 erbauten barocken Katholischen Hofkirche in Dresden. Diese Stelle hatte er bis zu seinem Tode inne.

Родившийся недалеко от города Циттау немецкий комрозитор и органист Иоганн Христиан Фридрих Шнайдер (1756- 1853) был с 1822 по 1853 гг. придворным капельмейстером у герцога Ангальт- Дессауского. Его брат Иоганн Готтлоб Шнайдер (1789- 1864) с 1825 г. был органистом в католическом замковом соборе в Дрездене, который был построен с 1739 по 1755 гг. в стиле барокко. Он занимал этот пост до самой смерти.

Katholische Schloss- und Hofkirche Dresden
Katholische Schloss- und Hofkirche Dresden

Zudem leitete Johann Gottlob Schneider die vom aus Böhmen stammenden Königlich- sächsischen Hoforganisten Franz Anton Dreyssig (1774- 1815) im Jahr 1807 ins Lebens gerufene ins Leben gerufene Dreyssig´sche Singakademie. Unter Johann Gottlob Schneiders Leitung erlebte die Dreyssig´sche Singakademie zu Dresden ihre Blütezeit.

Кроме того Иоганн Готтлоб Шнайдер руководил Дрезденской певческой академией, которая в 1807 г. была основана придворным органистом Франц Антон Дрейссиг (1774- 1815), который был родом из Богемии. Те годы, стоявшие под руководством Иоганна Готтлоба Шнайдера, были расцвет Дрезденской певческой академии.

Grabstätte Dreyssigs in Dresden
Grabstätte Dreyssigs in Dresden

Gemeinsam mit dem seinerzeit bekannten Dessauer Dichter Wilhelm Müller (1797- 1827) begründete Johann Christian Friedrich Schneider die Dessauer Liedertafel. Schneider führte in Dessau auch Abonnementkonzerte ein. Außerdem versuchte Schneider Musikfeste zu etablieren, z.B. 1825 in Magdeburg, 1827 in Zerbst und 1838 in Wittenberg.

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Вместе с известным в то время поэтом Вильгельм Мюллер (1797- 1827) из г. Дессау Иоганн Христиан Фридрих Шнайдер оновал Дессауский Лидертафель (немецкое мужское хоровое любительское сообщество). В г. Дессау Шнайдер учредил концерты по абонементу и кроме того, Шнайдер организовал музыкальные фестивали, напр. в 1825 г. а Магдебурге, в 1827 г. в Цербсте и в 1838 г. в Виттенберге.

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Aus Schneiders zweiter Ehe gingen acht Kinder hervor, unter ihnen war sein in Leipzig geborener Sohn Bernhard Schneider (1819- 1898). Vor seiner Anstellung in Dessau war Schneider sen. in Leipzig tätig, u.a. am dortigen Stadttheater und als Organist an der Thomaskirche.

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                                                                    Grabstätte von Wilhelm Müller in Dessau

От второго брака у Шнайдера родилось восемь детей, среди них был его родившийся в Лейпциге сын Бернард Шнайдер (1819- 1898). До его переезда в Дессау Шнайдер Старший жил в Лейпциге, где он работал в театре и органистом в соборе Св. Томаса.

Bernhard Schneider kehrte der anhaltischen Wirkungsstätte seines Vaters den Rücken und wanderte 1848 ins Russische Reich aus, wo er sich zunächst als Musiklehrer bei einem russischen Fürsten seinen Lebensunterhalt verdiente.
Außerdem gehörte Bernhard Schneider zu den zehn Musikern aus Mitteldeutschland, d.h. aus den heutigen Bundesländern Sachsen- Anhalt, Sachsen und Thüringen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in die Stadtkapelle von Reval (heute: Tallinn/ Estland) aufgenommen wurden.

Бернард Шнайдер покинул Ангальт и в 1848 г. он переехал в Российскую Империю, где он работал репетитором и учителем в семье русского князья.
Кроме того он принадлежал к числу тех музыкантов, которые были из Средней Германии, т. е. из нынешних федеральных земель Саксония- Ангальт, Саксонии и Тюрингии и которые в середине 19 века входили в состав городского оркестра Ревеля (ныне: Таллин/ Эстония).

Im Jahr 1851 wurde diese Stadtkapelle von August Friedrich Krüger (1810- 1883), seinerzeit Stadtmusikdirektor von Reval, ausschließlich mit gut ausgebildeten professionellen Musikern aus dem heutigen Mitteldeutschland besetzt.

В 1851 г. Август Фридрих Крюгер (1810- 1883), музыкальный директор г. Ревеля, выбрал для этого городского оркестра исключительно хорошо обученных профессиональных музыкантов из Средней Германии.

Zu diesen Auserwählten gehörte nicht nur Bernhard Schneider, sondern auch der ebenfalls aus Dessau stammende Bernhard Lorenz, vermutlich ein Nachfahre einer der im 1851 herausgegebenen Staats- und Adreßhandbuch für die Herzogthümer Anhalt- Dessau und Anhalt- Köthen aufgeführten Kammermusiker Adolf Lorenz, Gustav Lorenz, Johann Karl Lorenz und Friedrich August Lorenz. Die beiden Letztgenannten waren sogar Inhaber der Kaiserlich- königlichen Russischen Kriegsgedenkmünze für 1812.
In dieser Stadtkapelle von Reval spielte außer Schneider und Lorenz auch ihr Landsmann Wilhelm Leps, ein aus Coswig in Anhalt stammender Posaunist.

К этим избранным принадлежал не только Бернард Шнайдер, но и его соотетчественник Бернард Лоренц из Дессау, который, наверное, был потомком одного из следующих придворных камерных музыкантов Адольф Лоренц, Густав Лоренц, Иоганн Карл Лоренц и Фридрих Август Лоренц, которые перечислены в адресной книге герцогств Ангальт- Дессау и Ангальт- Кётен для 1851 года.
Тромбонист Вильгельм Лепс, родом из ангальтского города Косвиг, был также членом уже упомянутого оркестра г. Ревеля.

Zuletzt war Bernhard Schneider Musikdirektor in Paluev. Wenig ist über sein Privatleben in Erfahrung zu bringen. Im Jahr 1860 ehelichte er in Smolensk nach evangelisch- lutherischem Ritus die damals neunzehnjährige Bertha Emilie Wohtzech, gebürtig aus Riga, wo er zeitweise tätig war. Seine Frau verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Gouvernante. Bernhard Schneider verstarb in Riga.

Берард Шнайдер работал также музыкальным директором в Палуеве. До сих пор мало известно об его личной жизни. В 1860 г. он в Смоленске женился на 19- летней Эимлии Берте Вотцех, родом из Риги, которая работала гувернанткой. Бернард Шнайдер умер в Риге.

Verwendete Literatur:
Erik Amburger Datenbank (online)
forum.ahnenforschung.net 08.04.2013
Koch; K.-P.: Deutsche Musiker in Estland einschließlich dem nördlichen Livland https://www.gko.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/musikwissenschaft/pdf_allgemein/arbeitsgemeinschaft/Heft15/Heft_15_Koch1Estland.pdf 06.02.2016
Lenz, W.v.: Beethoven eine Kunststudie, Cassel, 1855
Melchert, J.F. (Hg.): Staats- und Adreßhandbuch für die Herzogthümer Anhalt- Dessau und Anhalt- Köthen, Dessau, 1851
Schüler- Verzeichnis des Revalschen Gouvernements- Gymnasiums bearb. v. H. Hradetzky, Reval, 1931
Seemann, Th. (Hg.): Geschichte der Dreyssig´schen Singakademie in Dresden, Dresden, 1882
Vallaste, T.: Die maßgeblichen Musikdirektoren und Musiklehrer in Reval (Tallinn) im 19. Jahrhundert http://www.dspace.utlib.ee 30.08.2011
http://www.findcity.de 06.01.2015

Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

Aus dem heutigen Sachsen- Anhalt stammende Anhänger von Samuel Hahnemann , dem Begründer der Homöopathie, im Russischen Reich

In Köthen, gelegen im heutigen Bundesland Sachsen- Anhalt, praktizierte von 1821- 1835 der 1755 in Meißen geborene Homöopath Christian Friedrich Samuel Hahnemann, der zuvor in Gommern, Dessau und Dresden gewirkt hatte. Hahnemann, der seitens der Schulmediziner eine Reihe von Anfeindungen aushalten musste, hatte nicht nur Anhänger in Deutschland, sondern auch im Ausland, u.a. in den USA, in Frankreich und auch im Russischen Reich.

Samuel Hahnemann
Samuel Hahnemann

Zu diesen zählte auch Carl Bernhard von Trinius, 1778 in Eisleben geboren, hatte er an den Universitäten Jena, Halle, Leipzig und Göttingen studiert. Er begründete in St. Petersburg nicht nur das Botanische Museum, sondern unterrichtete von 1829- 1833 auch den späteren Zaren Alexander II. in naturwissenschaftlichen Fächern.
Von Trinius, der zuvor in Kurland als Arzt beim Kammerherrn Johann E.von Keyserling († 1811) und in Lettland praktiziert hatte, begleitete ab 1802 die Herzogin Antoinette von Württemberg als Leibarzt. Diese Anstellung führte ihn von 1811- 1815 an die Newa, wo er auch Zeit für wissenschaftliche Arbeiten fand. 1822 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften St. Petersburg. Nach dem Tode der Herzogin praktizierte von Trinius in Petersburg und er wurde zum kaiserlichen Leibarzt berufen. Neben diesen beruflichen Aufgaben forschte er unermüdlich im Bereich der Botanik. Sein fast 5000 Pflanzen umfassendes Herbarium sowie die dazugehörigen Notizen und Skizzen gingen nach seinem Tode an das heutige Petersburger Botanische Museum, als dessen Gründer er gilt. 1994 wurde seine wertvolle Sammlung digitalisiert.

P1090541Im Jahr 1830 schloss er seine Praxis und befasste sich nun in erster Linie mit Homöopathie. So stand er auch im regen Briefwechsel mit seinem Onkel Samuel Hahnemann (1744- 1843), dem Begründer der Homöopathie und der zu jener Zeit im anhaltischen Köthen wirkte.
Etliche Male sandte die Petersburger Akademie von Trinius ins europäische Ausland, um die dortigen Botanischen Gärten bzw. Sammlungen in Augenschein zu nehmen. Von Trinius verfasste mehr als 30 Traktate zur Botanik. Er versuchte sich ebenfalls als Poet und Dramatiker. Freunde von ihm veröffentlichten 1848 in Berlin seine Gedichte, doch von Trinius war schon 1844 in Petersburg verstorben.

Der aus Wittenberg stammende Julius Schweikert (1807- 1876) hatte sein Medizinstudium an der Universität Leipzig absolviert.

Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Leutmann
Witttenberg- Marktplatz, Geburtsstadt von Schweikert

Der seinerzeit namhafte Homöopath Samuel Hahnemann vermittelte ihn als Leibarzt des Fürsten Kurakin nach Russland. So kam Schweikert ins Gouvernement Orel, wo er auch am dortigen Krankenhaus praktizierte. Doch in Orel mangelte es dem Arzt an Gelegenheiten, sich mit Kollegen gedanklich auszutauschen. Zum anderen medikamentierte sich sein Dienstherr zunehmend selbst, so dass Unstimmigkeiten entstanden zwischen Schweikert und dem Fürsten. 1837 kündigte Schweikert und zog nach Moskau, wo er eine homöopathische Praxis eröffnete.

Ab 1838 war er Arzt an der dortigen Landwirtschaftsschule angestellt. Diese Anstellung hatte er bis 1847 inne. Schweikert war auch ab 1842 Arzt am Kaiserlichen Findelhaus und ab 1844 am Kaiserlichen Witwenhaus. Von 1851- 1856 war er Arzt am 2. Adligen Moskauer Gymnasium. 1853 promovierte er erfolgreich an der Universität Moskau.

Im Jahr 1845 eröffnete Schweikert das erste homöopathische Krankenhaus in Moskau, dessen Leitung er bis 1860 innehatte. Seine Schließung erfolgte aufgrund fehlender finanzieller Mittel.

Hahnemann - Büste im Stadtmusuem Zerbst
Hahnemann – Büste im Stadtmusuem Zerbst

Schon sein Vater Georg August Benjamin (1774- 1845), ein Schüler Hahnemanns, leitete 1834/35 das erste homöopathische Krankenhaus in Leipzig.

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Beigesetzt wurde Julius Schweikert auf dem Moskauer Vvdenskoe- Friedhof. Die russische Krone erkannte sein Wirken an, indem ihm Titel und Orden verliehen wurden.

Verwendete Quellen:
Brennsohn, I.: Die Ärzte Kurlands vom Beginn der herzoglichen Zeit bis zur Gegenwart, Riga, 1929
Dorges, A.: Die Homöopathenfamilie Dr. Schweikert, Stuttgart, 2007
Fischer, M.: Russische Karrieren- Leibärzte im 19. Jahrhundert, Aachen, 2010
Крылов-Толстикович, А.: Русские Врачи  XVIII – начала XX столетий. Краткий медицинский  биографический словарь, http://proza.ru/2012/12/27/678 08.09. 2014
Recke, J.F.v., Napiersky, H.E., Beise, Th.: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen
Livland, Esthland, Kurland, Bd.4, Mitau, 1832
Российский Медицинский список на 1810 год, St. Petersburg, 1810
Российский Медицинский список на 1860 год, St. Petersburg, 1860
http://www.slavistik.uni-potsdam.de/petersburg/trinius.html 27.02.2013

Regionalgruppe „ Anhalt- Zerbst“ des Vereins für Anhaltische Landeskunde gegründet – Основана региональная группа «Ангальт- Цербст» Союза краеведения Ангальта

Regionalgruppe „ Anhalt- Zerbst“ des Vereins für Anhaltische Landeskunde gegründet
Основана региональная группа «Ангальт- Цербст» Союза краеведения Ангальта

Der Verein für Anhaltische Landeskunde wurde im Jahr 1990 neu gegründet. Er führt die Arbeit des 1875 gegründeten Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumskunde und des 1890 geschaffenen Vereins für Anhaltische Landeskunde fort.
Die Mitglieder des heutigen Vereins für Anhaltische Landeskunde betreiben Forschungen über das historische Gebiet Anhalts. Die Forschungsgebiete sind sehr breit gefächert, dazu gehören historische Geografie, Denkmalpflege, Numismatik, Archäologie, Wirtschaftsgeschichte usw.
Außerdem ist der Verein für Anhaltische Landeskunde Herausgeber verschiedener wissenschaftlicher Publikationen und organisiert u.a. wissenschaftliche Kolloquien. In den anhaltischen Regionen Köthen, Dessau und Bernburg existieren bereits regionale Gruppen des Vereins für Anhaltische Landeskunde.

http://www.val-anhalt.de/

Союз краеведения Ангальта был снова основан в 1990 году. Он является преемником основанного в 1875 году Общества истории Ангальта и созданного в 1890 году Союза Краеведения Ангальта.
Члены нынешнего Союза краеведения Ангальта занимаются исследованиями о исторической территрории Ангальта. Они интенсивно занимаются истрической географией, сохранением памятников, нумизматикой, археологией и историей экономики итд.
Кроме того Союз краеведения Ангальта издает научные публикации и организует научные коллоквиумы. В ангальтских регионах Кётен, Дессау и Бернбург были уже созданы региональные группы Союза краеведения Ангальта.

Stadthalle Zerbst городской холл в Цербсте/ Ангальт
Stadthalle Zerbst- городской холл в Цербсте/ Ангальт

Am 26. September 2015 wurde in der Stadthalle zu Zerbst/Anhalt die Regionalgruppe Anhalt- Zerbst des Vereins für Anhaltische Landeskunde gegründet. Anwesend waren Prof. Dr. Herrmann Seeber, Vorsitzender des Vereins für Anhaltische Landeskunde, und Andreas Dittmann, Bürgermeister der Stadt Zerbst/ Anhalt, der auch ein Grußwort sprach.

Prof. Dr. Seeber
                     Prof. Dr. Seeber

26 сентября 2015 года в городском холле г. Цербст/ Ангальт была основана региональная группа «Ангальт- Цербст» Союза краеведения Ангальта. Присутствовали также Проф. Др. Херрманн Сеебер, председатель Союза краеведения Ангальта, и г- н Андреас Диттманн, мэр г. Цербст/ Ангальт, который выступал с приветственным словом.

Bürgermeister Andreas Dittmann
             Bürgermeister Andreas Dittmann

Danach hielt Frau Dr. Ulla Jablonowksi, Ehrenvorsitzende des Vereins für Anhaltische Landeskunde, einen informativen Vortrag zum Thema Die letzten Lebensjahre des Fürsten Wolfgang in Zerbst (1564- 1566).

Dr. Ulla Jablonowski
                         Dr. Ulla Jablonowski

После этого выступал г- жа Др. Улла Яблоновский, почетный председатель Союза краеведения Ангальта, с докладом на тему «Последние жизненные годы князя Вольфганга в Цербсте (1564- 1566)».

Zum Abschluss besichtigten die Teilnehmer der Gründungsversammlung die einstige Hof- und Stiftskirche St. Bartholomäi, die im Jahr 2015 ihr 800-jähriges Bestehen begeht.

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Наконец, члены учредительного собрания осмотрели бывшую придворную церковь Св. Варфоломея, которая в 2015 г. отмечает своё 800- летие.

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Zerbst, den 26-09-2015               Annegret Mainzer

Цербст, 26 сентября 2015 г.      Аннегрет Майнцер

Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich

Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich

Seit eh und je steht deutsche Handwerksarbeit in aller Welt hoch im Kurs und gilt als Garant für eine hohe Qualität der Produkte. Im Ausland assoziiert man den Begriff des deutschen Handwerks mit Attributen wie Fleiß, Zuverlässigkeit und Solidität.
Solides Handwerk wussten bereits Zar Peter I. und Zarin Katharina II. zu schätzen und holten deshalb niederländische und vor allem deutsche Handwerker ins Russische Reich. Schon 1790 hatten sich in St. Petersburg 210 Schneider, 77 Bäcker, 59 Sattler, 13 Dreher, 17 Uhrmacher und 19 Schornsteinfeger deutscher Herkunft niedergelassen. Im Jahr 1868 waren 25 % aller Petersburger Bäcker deutschsprachig.
Unter ihnen war auch der 1799 in Bernburg geborene Bäckermeister Johann Andreas Erfurt, der ab 1856 sogar Hofbäcker war.

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                             Innungszeichen der Bäcker, die bis heute noch in Zerbst/ Anhalt erhalten

Nicht nur in urbanen Zentren wie St. Petersburg und Moskau waren deutsche Handwerker ansässig, auch in großer Anzahl im Baltikum. So habe ich mich entschlossen, der Frage nachzugehen, welche Handwerker und Unternehmer aus Anhalt im Zarenreich tätig waren.

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