Ehrenmitglied des Internationalen Katharinavereins 106-jährig in Vaduz verstorben

Ehrenmitglied des Internationalen Katharinavereins 106-jährig in Vaduz verstorben

Annegret Mainzer, Zerbst, u. Hans Schwahn, Moskau

Den Internationalen Förderverein erreichte am Wochenanfang die traurige Nachricht, dass sein Ehrenmitglied Baron Eduard von Falz-Fein am 17. November 2018 im Alter von 106 Jahren in seiner Villa in Vaduz verstarb.

Die Vorfahren von Baron Eduard von Falz-Fein hatten im Jahre 1856 von Herzog Leopold IV. von Anhalt-Dessau die 1828 von Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen im russischen Gouvernement Cherson geschaffene Besitzung Askania-Nova gekauft.

Zar Nikolaus I. hatte bereits im Jahre 1826 mit Ferdinand von Anhalt-Köthen über den Aufbau einer Schafzucht in der damals menschenleeren südrussischen Steppe verhandelt. Nach dem Projekt des aus Roßlau gebürtigen Köthener Hofarchitekten Gottfried Bandhauer wurde ab 1828 die Besitzung Askania-Nova mitten in die Steppe gebaut, später kamen zahlreiche Vorwerke hinzu. Aus dieser Zeit ist noch ein original erhaltenes Gebäude in dem markanten quadratischen „Bandhauer-Stil“ im heute zur Ukraine gehörenden Askania-Nova vorhanden. Zur 800-Jahrfeier Anhalts im Jahre 2012 wurde neben dem sogenannten „Köthener Haus“ ein Denkmal für den Gründer von Askania-Nova, Herzog Ferdinand, enthüllt. Die Familie Falz-Fein führte in Askania-Nova die Schafzucht bis 1918 fort. Bekannt wurde Askania-Nova aber durch den von Friedrich von Falz-Fein, dem Onkel des verstorbenen Barons, angelegten Steppentierpark und die Wiederansiedlung des Przewalski-Pferdes. Der Tierpark wurde 1921 das erste Naturschutzgebiet in der Sowjetunion und gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

Baron Eduard von Falz-Fein musste als 6jähriger nach der Revolution Russland verlassen und fand später im Fürstentum Liechtenstein eine neue Heimat, wo er als Sportler und Unternehmer tätig war. Zeitlebens bemühte er sich um die Förderung der russischen Kultur im Ausland. In den 1970er Jahren erregte von Falz-Fein in Dessau Aufsehen, als er mit seinem Sportwagen unter Abweichung von der Transitroute nach Berlin den damaligen Lehrer am „Philanthropinum“ Dr. Georg Opitz besuchte, mit dem ihn eine enge Korrespondenz über Askania-Nova verband.

Baron Eduard von Falz-Fein war einer der eifrigsten Befürworter der Schaffung der Sammlung Katharina II. in Zerbst/Anhalt. Nicht nur, dass er dieser musealen Einrichtung zwei wertvolle Exponate, unter anderem eine von Houdon geschaffene und von Ekkimoff in Bronze gegossene Büste Katharinas II., stiftete, die er in den 1990er Jahren mit den Worten „das ist meine Urgroßtante“ auf dem Beifahrersitz seines schnittigen Sportwagens an den verdutzten Zöllnern vorbei aus der Schweiz über mehrere Grenzen nach Vaduz brachte. 1995 wohnte er der Eröffnung der Sammlung Katharina II. in den Zerbster Kavalierhäusern bei. Auch motivierte er die Mitglieder des Katharinavereins 1996, sich an einer Auktion bei Sothebys zu beteiligen, wo Porträts der Zarin und ihres Sohnes erworben werden konnten. Des Weiteren stand Baron Eduard von Falz-Fein trotz seines hohen Alters stets im regen Briefwechsel mit dem Katharinaverein und der Zerbster Stadtverwaltung, als es um Standortsuche und Gestaltung des Zerbster Denkmals für Katharina II. ging.

Eröffnung der Sammlung Katharina II. in Zerbst 1995, E.v. Falz-Fein (Mitte) im Gespräch mit russischen Künstlern

Auch zum Verein für Anhaltische Landeskunde e.V. (VAL) pflegte er Kontakte. Im Jahre 2007 sandte er seinen Neffen Friedrich von Falz-Fein, der in Liechtenstein Minister für Landwirtschaft und Forst ist, als seinen Vertreter anlässlich des vom VAL im von Bandhauer gestalteten Spiegelsaal des Köthener Schlosses veranstalteten Symposium „Askania Nova“. Daher wird auch nach dem Tod von Baron Eduard von Falz-Fein die Beziehung seiner Familie nach Anhalt eine Fortführung erfahren.

Foto: Johanna Lüdecke

Zerbst, den 25.11. 2018

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