Blick in die russische Stadt Puschkin/ St. Petersburg: Preise für die Bewahrung der Historie

Blick in die russische Stadt Puschkin/ St. Petersburg: Preise für die Bewahrung der Historie

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Im August des Jahres 2014 wurde in der russischen Stadt Puschkin/ St. Petersburg, seit 1994 Partnerstadt von Zerbst/ Anhalt, im Gebäude der dortigen einstigen Rüstkammer ein dem 1. Weltkrieg gewidmetes Museum eröffnet wurde. Es ist das erste und bisher einzige Museum dieser Art in Russland, denn die Ereignisse des 1. Weltkrieges wurden bis dato in Russland nicht so intensiv thematisiert. Um dieses Projekt verwirklichen zu können, musste zuvor das Gebäude der ehemaligen Rüstkammer restauriert werden, wofür sich das Staatliche Museumreservat „Zarskoje Selo“ mit Direktorin Olga Taratynova an der Spitze verantwortlich zeichnete, dem das Gebäude der Rüstkammer bereits im Jahr 2010 übergeben worden war.


Im Sommer 2014 wurde das Museum Russland im Großen Krieg, so die offizielle Bezeichnung dieser noch jungen musealen Einrichtung, erfolgreich für den Publikumsverkehr geöffnet. Bereits Ende Mai 2015 konnten Olga Taratynova und ihr Team einen weiteren Erfolg für sich verbuchen. Für die gelungene Restaurierung des Rüstkammergebäudes wurden sie mit dem Architekturpreis 2014 der Regierung St. Petersburgs ausgezeichnet. Diesen Preis verleiht die Petersburger Regierungsbehörde für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kultur und Kunst.

restaurierter Doppelkopfadler
restaurierter Doppelkopfadler

Die Arbeiten zur Wiederherstellung des Gebäudes der Rüstkammer in Puschkin/ St. Petersburg umfassten nicht nur bauliche Maßnahmen für die Einrichtung von Ausstellungsräumen für die Präsentation von ca. 2500 Exponaten, sondern auch Maßnahmen zum Erhalt künstlerisch- dekorativer Elemente des Gebäudes wie Reliefs, Treppen, Gitter und Böden. Zudem befanden Experten, dass die durchgeführten Restaurierungsarbeiten auch den hohen Anforderungen des russischen Denkmalschutzes entsprachen. So wurden Fensterrahmen aus Eichenholz eingebaut und die Fassadenreliefs mit der Darstellung des russischen Doppelkopfadlers auf der Grundlage historischer Fotos wiederhergestellt. Besonders die Frage der Bewahrung der einstigen mehrfarbigen Malereien von Nikolai Paschkow aus den Jahren 1915- 1917, die zeitweise mit weißer Farbe übermalt waren, stellte für die Experten eine große Herausforderung dar, die sie ebenfalls hervorragend meisterten.

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Das Museum Russland im Großen Krieg in unserer russischen Partnerstadt erhielt den Preis Museumsolymp 2014 als Ausstellung des Jahres. Das noch junge, aber schon preisgekrönte Museum Russland im Großen Krieg in Puschkin konnte bereits drei Monate nach seiner Eröffnung den 30.000 Besucher begrüßen. „Wir haben verstanden, dass wir dieses Museum brauchen“, so Georg Wedenskij, Leiter der militärhistorischen Abteilung des Staatlichen Museumreservats „Zarskoje Selo“ in einem Interview.

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Zu den im Museum ausgestellten Exponaten zählen nicht nur Uniformen und Waffen der seinerzeit russischen, deutschen, englischen und französischen kämpfenden Truppen, die Ausstellung macht auch deutlich, dass der 1. Weltkrieg ein Versuchsfeld für die Einführung neuer Fahrzeug- und Flugtechnik sowie für den weltweit erstmaligen Einsatz chemischer Waffen darstellte und dass zu jener Zeit neben guten Militärs ebenso hervorragend ausgebildete Wissenschaftler und Ingenieure gefragt waren. Interessant auch zu sehen, den Inhalt einer Offizierskiste.
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Hochrangige Offiziere hatten das recht solche in Kriegszeiten Luxusgüter wie ein Porzellanservice mitzuführen, während der einfache Soldat sein Hab und Gut in wenigen Uniformtaschen verstauen musste. Die Besucher können sich ein umfassendes Bild vom Sturz der Titanen, wie der walisische Autor Ken Follet den 1. Weltkrieg nannte, im Puschkiner Museum Russland im Großen Krieg machen. Den Bedürfnissen der jungen Generation entsprechend, steht auch digitale Technik zur Verfügung, um sich zu informieren.

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Mit dem Museum Russland im Großen Krieg in unserer Partnerstadt Puschkin beginnen die Russen auch an ihre bis heute meist vergessenen Helden des 1. Weltkrieges zu erinnern, wovon zahlreiche Galerien der ausgezeichneten Soldaten und Offiziere zeugen.

P1090426Eine Kooperation zwischen dem Staatlichen Museumreservat „Zarskoje Selo“ und Zerbst gab es auch schon in vergangener Zeit. Bereits in den Jahren 2013 und 2014 hatte das Staatliche Museumreservat „Zarskoje Selo“ in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Schloss Zerbst e.V. und der Stadt Zerbst im Ostflügel des Zerbster Schlosses die Fotoausstellung „Zarskoje Selo- Sommerresidenz der Zaren Russlands“ präsentiert.

Autorin Annegret Mainzer übersetzt für Gäste aus zerbst und Jena eine Führung durch das Musuem ins Deutsche
Autorin Annegret Mainzer übersetzt für Gäste aus zerbst und Jena eine Führung durch das Musuem ins Deutsche
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