Künstlerfamilie von Kügelgen im Baltikum, im Russischen Reich und in Sachsen

Künstlerfamilie von Kügelgen im Baltikum, im Russischen Reich und in Sachsen

Über dem Eingang zum Kügelgenhaus in Dresden
Über dem Eingang zum Kügelgenhaus in Dresden

Der aus dem Rheinland stammende Porträt- und Historienmaler Franz Gerhard von Kügelgen (*1772) hatte u.a. auch in Reval und St. Petersburg gewirkt. Aus seiner russischen Schaffenszeit stammen sein bekanntes Christusbildnis und die Figurenszene Saul und David, aber auch Porträts von Mitgliedern der Zarenfamilie, u.a. fertigte er mehrere Porträts von Zar Paul I. sowie ein Porträt, das elf Mitglieder der Zarenfamilie zeigt und heutzutage in der Petersburger Eremitage zu sehen ist. Franz Gerhard von Kügelgen, der sich ab 1805 in Dresden niederließ, wurde 1814 zum außerordentlichen Professor und 1819 zum ordentlichen Professor der Akademie der Künste Dresden berufen. Er starb 1820 infolge eines Raubmordes und wurde auf dem Alten Katholischen Friedhof in Dresden- Friedrichstadt beigesetzt.

Grabstätte von Franz Gerhard von Kügelgen in Dresden- Friedrichstadt
Grabstätte von Franz Gerhard von Kügelgen in Dresden- Friedrichstadt

Sein Zwillingsbruder Karl Ferdinand von Kügelgen avancierte zum Kaiserlichen Kabinettsmaler bei Zar Paul I. mit einem Jahresgehalt von 3000 Rubel. Er unternahm 1804 eine Reise auf die Krim, von der er 150 Zeichnungen anfertigte, und 1806 bereiste er Taurien, wovon 240 Zeichnungen zeugten. Der aus Reval stammende Porträtist Woldemar Hau (1816- 1895) wurde von Karl von Kügelgen in Reval ausgebildet. In St. Petersburg geboren und in der dortigen St. Petrikirche getauft, wurde auch im Jahre 1802 Gerhards Sohn Wilhelm. Wilhelm von Kügelgen († 1867), ebenfalls Maler, war ab 1834 Hofmaler des Herzogs von Anhalt- Bernburg. In dieser Funktion erledigte er vorwiegend Porträtaufträge. Zuvor, im Jahr 1828 bewarb er sich in St. Petersburg um eine Anstellung als Hofmaler, allerdings vergeblich. Doch im darauffolgenden Jahr beauftragte Zar Nikolai I. Wilhelm von Kügelgen mit der Anfertigung eines Altarbildes für St. Olai in Reval. 1846, vom seit 1832 als Hofmaler tätigen Karl Timoleon von Neff (1804- 1877) nach Petersburg geholt, beteiligte Wilhelm von Kügelgen sich auch an den Ausmalungen der Fresken in der Isaak- Kathedrale.

Autorin Annegret Mainzer am Gedenkstein für Gerhard und Wilhelm von Kügelgen an der Kirche Dresden- Loschwitz
Autorin Annegret Mainzer am Gedenkstein für Gerhard und Wilhelm von Kügelgen an der Kirche Dresden- Loschwitz

Die Zwillingsbrüder Gerhard und Karl von Kügelgen waren beide Mitglieder der Kaiserlich- Russischen Akademie der Künste St. Petersburg. Auch Konstantin (1810- 1880)und Hermann (1828- 1897), Söhne von Karl von Kügelgen, schlugen die künstlerische Laufbahn ein. Während Konstantin vor allem als Landschaftsmaler und russisch-kaiserlicher Hofmaler seinen Lebensunterhalt bestritt, tat Hermann dieses als Ingenieur und Zeichenlehrer. Hermann von Kügelgens erste Eheschließung fand in Torgau statt, sein Sohn Erich kam 1870 im thüringischen Mühlhausen zur Welt. Erich von Kügelgen trat nach Abschluss seines Medizinstudiums an der Universität Dorpat im Jahr 1895 eine Stelle als Assistenzarzt im Petersburger Alexander- Hospital an, danach war er im Diakonissenhaus in Reval tätig. 1914 verschickte man ihn nach Vologda. Ab 1924 betätigte sich Erich von Kügelgen als Maler, niedergelassen hatte er sich in der Nähe von Lübeck. Sein 1867 in Moskau geborener Bruder Benno Richard Moritz hatte zunächst wie Erich die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt in Dorpat besucht und anschließend an der dortigen Universität Theologie studiert. Später ging er als Prediger nach Bayern. Auch die beruflichen Karrieren der Nachkommen von Konstantin von Kügelgen waren durch künstlerisch- kreative Tätigkeiten geprägt. So war seine Tochter Sally (1860- 1928) eine anerkannte Malerin, zu deren Werken Fresken in der Karlskirche in Reval zählten. Ihr Bruder Paul (1843- 1904), der an verschiedenen Petersburger Bildungseinrichtungen unterrichtete, wirkte ab 1874 als Chefredakteur der deutschsprachigen St. Petersburger Zeitung.

Kügelgenstraße in Dresden- Loschwitz
Kügelgenstraße in Dresden- Loschwitz
Kirche in Dresden - Loschwitz
Kirche in Dresden – Loschwitz

Verwendete Literatur und Quellen:
1. Hasse, F.Ch.A.: Das Leben Gerhards von Kügelgen, Leipzig, 1824
2. Kügelgen, W.v.: Jugenderinnerungen eines alten Mannes, Dresden, 2005 (Reprint)
3. Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, T.2,1, Estland, Bd.1, Görlitz, 1930
4. Zeddelmann, R.v.: Die Zeddelmannsche Privat- Lehranstalt 1875- 1900, Lehrer- und Schüleralbum,
Jurjew (Dorpat), 1900
5. Hasselblatt, A., Otto, G.: Album Academicum der Kaiserlichen Universität Dorpat, Dorpat, 1889,
(Nr. 13803,14508)
6. Nagler, G.K. (Bearb.): Künstler – Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler,
Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner,
Medailleure, Elefenbeinarbeiter, etc., Bd.7, München, 1839
7. Neumann, W.: Lexikon baltischer Künstler, Riga. 1908
8. Klieme, G., Neidhardt, H.J.: Kügelgenhaus. Museum der Dresdner Romantik, Dresden, 2008
9 Baltisches Biografisches Lexikon digital (online)
10. fichterart.de/karl-timoleon-von-neff/ 23.08.2013
11. Kügelgen, B. v., „Kügelgen, Gerhard“ in: NDB 13 (1982), online 09.03.2015
12. Eichhorn, C.: Die Geschichte der St. Petersburger Zeitung 1727- 1902, St. Petersburg, 1902

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.